Wie Gefangene des Volkes

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Die Paulskirche … ist ein runder Tempel, dessen Mittelgrund ringsum durch Säulen abgegrenzt wird. In diesem Mittelgrunde saßen auf Kirchenbänken die ersten deutschen Volksvertreter, gegen Mittag schauend auf eine Rednerbühne in Gestalt einer Kanzel, auf eine Präsidentschaftsestrade hinter dieser Kanzel, auf rote Vorhänge mit Schwarz und Gold gesäumt und mit dem zweiköpfigen Reichsadler geschmückt hinter dieser Estrade, und auf ein romantisches Bild der Germania, hoch, hoch über dem Präsidenten, ein Bild voll strenger Unschuld, aber geringer Kraft.

Hinter diesem Kern- und Mittelgrunde, also hinter jenen Säulen, steigt amphitheatralisch noch eine vierfache Reihe von Bänken aufwärts zu den Fenstern, ein Berg, der seine Montagnards erwartete und auf der Nordwestseite später auch gefunden hat. Jetzt strotzten diese Bergbänke von Zuschauern, welche den dicht unter ihnen sitzenden Parlamentsmitgliedern über die Köpfe, in die Karten und Taschen sahen und in die Ohren raunten wie Gefangenen des Volkes. Wehe den Gefangenen, wenn sie sich nicht für frei ausgeben wollten, für sehr frei!

Hoch oben, um den Scheitel des Tempels, in gleicher Höhe mit jener Germania, läuft die Hauptgalerie, welche 1500 – 2000 Zuschauer, Zuhörer, Zusprecher trug. Es war ein gebieterischer Anblick der Volkssouveränität.

Aus: Das erste deutsche Parlament, Leipzig 1849

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    2 Kommentare
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    1. Für Beleuchtung und Heizung war gut gesorgt. Allein übel war, dass sehr wenig freier Raum für Gänge und in der Mitte bestand, und dass dieser sogar durch Einräumung von Plätzen für privilegierte Zuhörer noch unnötig beengt wurde. Es war dadurch der Verkehr unter den Mitgliedern sehr schwierig, so dass persönliche Bekanntschaft mit solchen, welche in einem anderen Teile des Hauses saßen, im Saale kaum gemacht werden konnte, kürzerer Meinungsaustausch, Anfragen, Verabredungen nicht wohl stattfanden.

      Noch schlimmer und eigentlich kaum erträglich erwies sich, dass gar keine Nebenräume bestanden, wie dies bei einer freistehenden Kirche natürlich war. Von Lokalen für Ausschüsse war keine Rede; diese waren in der Stadt, zum Teile in ziemlichen Entfernungen, gemietet. Es konnte also, was doch oft nötig gewesen wäre, kein schneller Zusammentritt eines Ausschusses stattfinden. Allein nicht einmal der Präsident oder das Ministerium hatten Sprechzimmer, so dass eine Beratung oder schnelle Besprechung in freier Luft auf dem Paulsplatze bei jeder Witterung stattfinden musste. Ich erinnere mich, eine Verhandlung mit dem Staatsrate … hier in strömendem Regen gehabt zu haben.

      Störend und in den Folgen unanständig erwies sich, dass kein Raum für Erfrischungen im Hause selbst eingerichtet werden konnte. … Es blieb nichts übrig, als eine der in benachbarten Gässchen liegenden Schenken zu besuchen, was denn für das Straßenpublikum den nicht sehr erbaulichen Anblick des Hin- und Herströmens aus dem Sitzungssaale in die Kneipe und umgekehrt zur Folge hatte.

      Aus: Lebenserinnerungen.
      Robert Mohl hat als Jurist die Geschäftsordnung für die Nationalversammlung erstellt.

    2. [...] Wort, einst in Frankfurt gelebt oder gewirkt haben. Die Palette reicht vom politischen Aktivisten Paul Laube, über die des Kindsmords angeklagte Susanna Margaretha Brandt bis hin zum sich über Frankfurt [...]

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