Warning: Cannot modify header information - headers already sent by (output started at /www/htdocs/w0075cd6/ffm/wp-content/plugins/addtinymce_author.php:2) in /www/htdocs/w0075cd6/ffm/wp-content/plugins/content-security-policy/csp.php on line 81
Im “Weidenbusch” kochten die Emotionen hoch - Frankfurt Story » Das Stadtgeschichte-Blog zu Frankfurt am Main

Im “Weidenbusch” kochten die Emotionen hoch

Im Hotel "Weidenbusch" wurden im Revolutionsjahr 1848 leidenschaftliche politische Reden geschwungen: Das Gasthaus Ecke Steinweg/Goetheplatz war Sitzungssaal der parlamentarischen Mitte der Nationalversammlung.

Das Hotel WeidenbuschIm Weidenbusch”, sagt der Frankfurter Historiker Roland Hoede, “tobte das Leben”. Der Weidenbusch ist auf einem “Plan von Frankfurt a/M.”, der in umtriebiger Zeit die “St. Paulskirche” als “Sitzungslokal der constituirenden National-Versammlung” in den Mittelpunkt rückt, unter “Die besuchtesten Gasthöfe” eingereiht. Der Gasthof, Treff der parlamentarischen Mitte, lag am Steinweg, Ecke Goetheplatz, “dem Schwanen gegenüber”.

Ein Blick in die Erinnerungen der Abgeordneten des ersten deutschen Parlaments lässt ahnen, welche Emotionen 1848 im und vor dem Gasthaus hochkochten. Alexander Pagenstecher aus Elberfeld beispielsweise traf im Großen Saal “1000 Deputierte zu vorbereitender Besprechung versammelt” an – “ein großer Knäuel von Menschen”. Seiner “liebsten Frau” daheim schilderte der Abgeordnete einen Auftritt des Badeners Gustav Struve: “Er hatte gerade die Rednerbühne besetzt und donnerte in Robespierre’scher Rede für die Republik”.

Auch Heinrich Laube aus Leipzig erlebt Struve, zusammen mit seinem Kampfgenossen Friedrich Hecker. Beide wurden “stets von der zudrängenden, die eine Seite des Weidenbuschsaales überfüllenden Jugend mit stürmischem Beifall begrüßt”. Hecker “rief damals im Weidenbusch nicht nur zur Revolution auf, er rief (. . .): ,Wir sind mitten in der Revolution!’ (…) und dieser Schlachtruf fand stets ein betäubendes Echo unter den Seinigen”. Laube spürt der Stimmung “im Saale des Weidenbusches” nach: “Mit untergehender Sonne hatte das Redenhalten begonnen von einer improvisierten Rednerbühne, und es dauerte bis gegen Mitternacht. Man probierte seine Rosse, man forschte nach der Stärke der Strömung, man forschte nach Grund und Boden. Die republikanisch Gesinnten drängten sich in den Vordergrund, die Nichtrepublikaner hörten.” Manchmal muss der mit 42 Jahren nicht mehr ganz jugendfrische Abgeordnete einfach raus, “auf eine halbe Stunde”, aus dem “glühend heißen Saal, um auf der Straße frische Luft zu schöpfen”. Da “stürzte wie donnernder Wogenschwall das Geschrei des Volks auf mich ein: Hurra hoch, die Freiheit, die Republik, hurra hoch! Die Straße am Weidenbusche war vollgepfropft von Menschen, und Schüsse knallten und tausend Stimmen brausten, und qualmende Pechfackeln warfen rote Lichtstreifen durch die dunkle Nacht über das Meer von Köpfen hin.”

812 Abgeordnete gehörten im Laufe des einen Jahres dem Parlament mit seinen 597 Sitzen an. Sie debattierten und stritten nicht nur, sie mussten wohnen und essen. Der Überlieferung nach taten sie das überwiegend in Privatquartieren. Parlamentspräsident Heinrich von Gagern wohnt zunächst in der Hochstraße 53, dann in der Großen Bockenheimer Gasse 29, dann Taunusanlage 15, schließlich Am Salzhaus 4.

Alexander Pagenstecher aus Elberfeld ist anfangs “bei Herrn S.G. Seufferheld, einem sehr netten, gentilen Junggesellen”, untergekommen. Dort lebt er “sehr einfach, stehe früh auf, trinke 2 Tassen Tee, esse um 12 zu Mittag und genieße des Abends nur ein Butterbrot mit einem Glas Bier oder einer Tasse Tee, das ist billig, proletarisch, und so kommt’s, dass ich immer noch Geld habe”. Schon zwei Monate später sitzt Pagenstecher “ganz gemütlich eingerichtet in der schönen Wohnung meines Kollegen und speziellen Landsmannes, des Dr. Spiess, Unter-Mainkai Nr. 3. Ich zahle dem Herrn Kollegen 30 fl. monatlich für ein hübsches Wohnzimmer, ein sehr kleines Schlafzimmer – und die gelegentliche Mitbenutzung des übrigen Hauses”.

Wie mancher der Abgeordneten schwelgt der Mann von der Wupper (“Die Bäume und Sträucher sind hier doch grüner als in Elberfeld”) von der hiesigen Landschaft: “Das hohe Gebirg violett in feinsten Umrissen, vom Goldsaume des Abendhimmels umflossen, die Nähe so grün und blütenreich, so buschig und gartenhaft – alles so gesittet, so mild und weit. Es ist ein Paradies – und Goethe ward darin geboren.”

Lesen Sie auch:

  • Hoch über Frankfurt: Die Skyline Sie ist das Symbol von "Mainhattan" und Wahrzeichen der Bankenstadt...
  • Die Revolution nimmt Platz Den Altar überdeckte man mit einem Vorhang und die darüber...
  • Vor 111 Jahren: Frankfurt in Aufbruchstimmung Chronik 1899: Im Jahr des Aufbruchs und des Aufschwungs erfolgte...
  • “Sind Sie auch für die Republik?” Frankfurt, Heiliger Himmel! Geschrei! Gewehrfeuer! Frankfurt schwimmt in Schwarz-Rot-Gold und...
  • Wachensturm Es sollte der Beginn der Revolution werden: Angespornt von...
  • Sperrbatzen-Krawall Mit entschlossenen Mienen ziehen im September 1830 Männer zur Zollstation...
  • Protest gegen öffentliche Pissoirs Die Bewohner der dieser Anstalt rechts und links gegenüberliegenden Häuser...
  • Nationalversammlung: Auch Frankfurterinnen revoltieren Frauenpower in Frankfurt? Gab's schon in den politisch bewegten Jahren...
  • Nebbiensches Gartenhaus – Oase im Grünen Der Herr Verleger Markus Johannes Nebbien lebte mitten im Grünen,...
  • Mir wolle Batzebier! Der Feiertag endet mit einem Blutbad: Beim "Bierkrawall" anno 1873...

  • Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

    Kommentar schreiben