Im Westend sah es schlimm aus damals. Überall verkommende, mit Brettern vernagelte Wohnhäuser. "Ein Stadtteil stirbt, damit aus ihm ein neuer, angeblich zeitgemäßer entstehen kann", resümierte die Zeitung Publik. Grundsatz der Frankfurter städtebaulichen Entwicklung war der "Fingerplan", der per baurechtlicher Befreiungen die Hochhaus-Entwicklung entlang der Ausfallstraßen vorsah. Besonders im zum City-Erweiterungsgebiet erklärten Westend: Hunderte von gutbürgerlichen alten Häusern waren an Investoren, die damals noch Spekulanten hießen, verkauft. Mancher erdachte eine Schikane nach der anderen, um Mieter aus Gebäuden zu treiben, die plötzlich allenfalls den Boden wert sein sollten, auf dem sie standen. Planungsdezernent Hans Kampffmeyer sprach von "privatwirtschaftlicher Erneuerung der Stadt". Denkmalschutz gab es ebenso wenig wie das Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum.