Kriminalfälle

Den Verführer trifft die Schuld am Kindsmord

Zeitzeuge
Da ich ebensowenig geneigt bin, dem Verbrechen das Wort zu reden, als wenig solches mein Amt mit sich bringt, gleichwohl aber dasselbe von mir verlangt, dass ich alle, auch die geringsten Umstände, so der Inquisitin zur Entschuldigung dienen können, getreulich anzeige, so sehe ich die großen Schwierigkeiten, welche sich bei der mir aufgetragenen Verteidigung der Susanna Margaretha Brandt von allen Seiten darbieten, nur allzu wohl ein, wenn ich hierbei nichts unterlassen und dennoch in jenen ...


Kindsmord: Susanna Margaretha Brandt

Frankfurter Rundschau
Kein Bild, nirgends. Die Historikerin Rebekka Habermas und das Team des Frankfurter Instituts für Stadtgeschichte haben über Wochen in Archiven, Magazinen, Bibliotheken und Grafik-Kabinetten vergeblich danach gesucht. Überall Fehlanzeige: Es gibt weder ein zeitgenössisches Porträt noch ein postum gefertigtes Konterfei von Susanna Margaretha Brandt. Dabei war die Kindsmörderin zu Lebzeiten und auch noch in ihrer Todesstunde - die Hinrichtung erfolgte 1772 auf dem Paradeplatz vor der Hauptwache - eine in Frankfurt berühmt-berüchtigte Person. Sie brachte es auch zu weltweitem literarischen Nachruhm: Johann Wolfgang Goethe nahm sich die Delinquentin als Vorbild für die Figur des Gretchen in der Faust-Tragödie.


Mord an Klavierhändler Lichtenstein

Fred Kickhefel
FingerabdrückeEs waren blutige Fingerabdrücke, die im Jahre 1904 Kriminalgeschichte schrieben. Zur Überführung eines Täters konnten sie freilich damals noch nicht dienen, dazu war die Daktyloskopie, 1901 ins englische Kriminalwesen eingeführt, zu neu. Im Gegenteil: Zunächst brachten die Abdrücke die Frankfurter Kriminalpolizei auf die falsche Spur.


Das Ende des Fettmilch-Aufstandes

Zeitzeuge
Erstlich hat man ein hohes Gerüst gemacht auf dem Roßmarkt mitten auf dem Platz. (...) Als nun das Kriegsvolk ist in seiner Ordnung gestanden, hat man die drei erstlich aus der Kapelle herausgeführt Vinzenz Fettmilch, Konrad Schopp und Kongrad Gerngroß. Allda haben sie ihr Urteil angehört, wie sie sterben sollen. Erstlich Vinzenz, dass er soll geschleift werden. Dieser Artikel ist ihm aus Gnaden nachgelassen, und er ist nit geschleift worden. Danach sollen ihm die zwei ...


Der Tod der Rosemarie Nitribitt

Fred Kickhefel
Rosemarie NitribittDie Tote liegt vor der Couch auf dem Rücken. Das linke Bein ist unter dem Sofa, das rechte auf dem Sitzpolster. Der Rock des anthrazitfarbenen Kostüms ist hochgerutscht und entblößt einen Nylonstrumpf an Strapsen. Auf der Couch liegt eine schwarze Handtasche. So fand die Polizei am 1. November 1957 in Frankfurt die Leiche von Rosemarie Nitribitt. Das Tatortfoto, das in einem Schaukasten im Kriminalmuseum des neuen Frankfurter Polizeipräsidiums hängt (jahrzehntelang über ihrem Original-Schädel, der inzwischen in ihrem Grab auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof bestattet worden ist), zeigt nur die untere Hälfte der Leiche. Andere Tatortfotos sind der breiten Öffentlichkeit nicht zugänglich, aus gutem Grund: Die Tote ist schon in Verwesung übergegangen, das Gesicht nur eine aufgedunsene Masse. Aus Mund, Ohren und Nase ist Blut gedrungen. Am Hinterkopf eine blutende Wunde von einem harten Gegenstand. Der Tod freilich kam anders: Der Hals weist bis zum Dekolleté Würgemale auf.


Mord in der Stiftstraße

Frankfurter Rundschau
Die 24jährige Rosemarie Nitribitt wurde am Freitagnachmittag in ihrer Wohnung im Appartmenthaus Stiftstraße 36 in Frankfurt tot aufgefunden. Nach den ersten Feststellungen der Polizei ist sie ermordet worden. Vom Täter fehlt noch jede Spur. Auch das Motiv der Tat ist noch nicht bekannt. Bewohnern des Hauses war bereits aufgefallen, dass sie Rosemarie Nitribitt schon drei Tage nicht gesehen hatten. Die letzte Mitteilung über eine Begegnung zwischen der 24jährigen und den Mitbewohnern des Hauses stammt vom ...