Goethe

Da ist Goethe!

Rahel Varnhagen
Wir fahren zu einem herrlichen Tore hinaus, an einem herrlichen Kai am Main vorbei, an kultivierten Gärten in der wohlhabenden Gegend, durch Weingefilde, im köstlichsten, gesündesten Wetter, nach einem Forsthause, wo man Kaffee nimmt; dort gehen wir im Walde spazieren; wir treten endlich aus dem Wald, sehen eine weite schöne Wiese, am Ende ein hell beschienenes Dorf. Der Herr fragt, ob wir das sehen wollen. Ich sage, die Sonne sei zu stark, lieber später; er ...


Unerträglich

Johann Wolfgang Goethe
Sie erinnern sich der letzten Zeiten, die ich bei Ihnen, ehe ich hierher ging, zubrachte; unter solchen fortwährenden Umständen würde ich gewiss zugrunde gegangen sein. Das Unverhältnis des engen und langsam bewegten bürgerlichen Kreises zu der Weite und Geschwindigkeit meines Wesens hätte mich rasend gemacht. Bei der lebhaften Einbildung und Ahndung menschlicher Dinge wäre ich doch immer unbekannt mit der Welt und in einer ewigen Kindheit geblieben, welche meist durch Eigendünkel und alle verwandten Fehler ...


Goethe und Frankfurt: In Abneigung verbunden

Monika Gemmer
Freiwillig kehrte er nicht zurück, und Frankfurt war froh, ihn los zu sein: Das Verhältnis zwischen dem Dichterfürsten und seiner Heimatstadt war stets problematisch.


Das wird Effekt machen!

Maria Belli-Gontard
Sie war, wäre sie auch nicht die Mutter dieses großen Dichters geworden, eine originelle Frau. Einen Gruß auf der Straße erwiderte sie durch Stehenbleiben, zierlich, wie beim Menuett-Tanzen, die Röcke ergreifend, und einen tiefen Knicks machend. Man konnte bei jeder Gelegenheit fest auf sie bauen, und so wie sie in ihrer Jugend sich gerne Vergnügen machte, ebenso lieb war es ihr im Alter, der Jugend Freude schaffen zu können. Doch hatte sie die Gewohnheit, ...


Von Goethe trennt euch eine ganze Welt

Heinrich Heine
Hört zu, ihr deutschen Männer, Mädchen, Frauen, Und sammelt Subskribenten unverdrossen; Die Bürger Frankfurts haben jetzt beschlossen, Ein Ehrendenkmal Goethen zu erbauen. "Zur Messzeit wird der fremde Krämer schauen" - So denken sie - "dass wir des Manns Genossen, Dass unserm Miste solche Blum entsprossen, Und blindlings wird man uns im Handel trauen." O, lasst dem Dichter seine Lorbeerreiser, Ihr Handelsherrn! Behaltet euer Geld. Ein Denkmal hat sich Goethe selbst gesetzt. Im Windelnschmutz war er euch nah, doch jetzt Trennt euch von Goethe eine ganze Welt, Euch, ...


Ein leidig Loch

Franckfurt bleibt das Nest. Nidus wenn sie wollen. Wohl um Vögel auszubrüteln, sonst auch figürlich spelunca ein leidig Loch. Gott helf aus diesem Elend. Amen. Brief an den Freund Johann Daniel Salzmann, 28. November 1771