Tag: Fettmilch-Aufstand


Das Ende des Fettmilch-Aufstandes 1

Erstlich hat man ein hohes Gerüst gemacht auf dem Roßmarkt mitten auf dem Platz. (…) Als nun das Kriegsvolk ist in seiner Ordnung gestanden, hat man die drei erstlich aus der Kapelle herausgeführt Vinzenz Fettmilch, Konrad Schopp und Kongrad Gerngroß.

Allda haben sie ihr Urteil angehört, wie sie sterben sollen. Erstlich Vinzenz, dass er soll geschleift werden. Dieser Artikel ist ihm aus Gnaden nachgelassen, und er ist nit geschleift worden. Danach sollen ihm die zwei Finger an seiner rechten Hand abgehauen werden, alsdann auch der Kopf. Danach der Körper in vier Stücke geteilt und an vier Straßen aufgehängt werden.

Als nun das Urteil verlesen gewesen ist, ist er auf seine Knie gefallen und hat die Herren gebeten, dass doch sein Leib möchte begraben werden, aber es ist ihm kein Antwort widerfahren. Als er nun gesehen, dass keine Gnade mehr da war, ist er geduldig zu dem Gerüst gegangen, wie ein Schaf zur Schlachtbank, und hat gesagt: Ich hoffe zu Gott und weiß das gewiss, ehe ich sterben werde, so wird Gott ein Zeichen tun.

Sobald er nun ist gerichtet gewesen, sobald fällt auf der Herren Gerüst aus dem alten Rat einer über den Stuhl ab und stirbt des jähen Todes, mit Namen Johann Adolf von Holzhausen, wohnhaft auf dem alten Kornmarkt. Da sind die Herren alle erschrocken, haben ihn alsbald hinwegtragen lassen. Das war eine große Verwunderung, dass Gott sein Gericht hat sehen lassen in dieser Exekution.

Zum andern ist dem Konrad Schopp, Schneider, auch sein Urteil wie auch dem Konrad Gerngroß, Schreiner, vorgelesen worden, dass ihnen auch zwei Finger samt dem Haupt abgehauen werden sollen. Die Köpfe samt des fettmilchs Kopf sollen oben an den Brückenturm [der Turm am nördlichen Ende der Alten Brücke] gesteckt werden, die Leiber aber hinaus beim Gericht begraben werden.

Bericht über die Hinrichtung Fettmilchs am 28. Februar 1616 von dem Augenzeugen und Maler Peter Müller


Welche Privilegien haben wir? 2

Anlangend die Privilegia und bürgerlichen Freiheiten an sich selbst, so sagt die Goldene Bulle ausdrücklich, dass die Bürger all ihre Rechte, Freiheiten und Privilegia, Gnaden und Hulden verwirken, ja als meineidige Leute und Verräter in die Acht mit der Tat erklärt und gleichsam ohne Strafe anzugreifen jedermänniglich freigegeben sein sollen, wo sie wieder dieselbe gestrauchelt […]


Fettmilch-Aufstand

Frankfurt vor 400 Jahren: Die Handwerker grollen dem Rat der Stadt. Selbstherrliches Regiment, Verschwendungssucht, Vettern- und Misswirtschaft wird den Männern im Römer vorgeworfen, während das Volk mit steigenden Preisen, Steuern und Abgaben, obendrein mit wachsender Konkurrenz durch Zuwanderer zu kämpfen hat. Es ist nicht das erste Mal, dass die Frankfurter Bevölkerung sich mit den Ratsherren […]