Zeitzeuge
An jenem 10. Mai 1933 ging ich über den Römerberg und sah, wie uniformierte SA auf Ochsenkarren Berge von Büchern herankarrten und auf einem riesigen Scheiterhaufen verbrannten. Ich drängte mich unter die Menschenmenge und erkannte, dass hier Bücher von Schriftstellern, die ich sehr schätzte, in Rauch und Flammen aufgingen. Bebend vor Zorn rief ich laut "Hier verbrennt ihr den deutschen Geist!" Augenblicklich wichen die Umstehenden vor mir zurück, denunziert hat mich allerdings keiner.
Lore Wolf, Antifaschistin
Zeitzeuge
Die akademische Jugend errichtete auf dem Römerberg einen Scheiterhaufen und verbrannte marxistische und undeutsche Literatur. Ein flammendes Symbol! Der Vorgang im Dunkel eines regenfeuchten Abends, bei dem die Häuserwände de altehrwürdigen Forums Frankfurts vom Flammenschein erleuchtet wurden, geht in die Geschichte Frankfurts ein. Der Römerberg hat schon so viel erlebt, er ist das eigentliche Schicksalsbuch der alten Kaiser- und Reichsstadt, das nun auch die flammenlodernde Szene des Kampfes gegen den volksfeindlichen Geist des Marxismus ...
Frankfurter Zeitung
Die Studentenschaft der Frankfurter Universität zog gestern Abend unter Vorantritt einer SA-Kapelle zum Römerberg, auf einem von zwei Zugochsen gezogenen Mistwagen wurden die zu verbrennenden Bücher mitgefahren. Koporationen mit ihren Fahnen schlossen den Zug. Etwa 15.000 Menschen umstanden den Römerberg, als sich gegen 8 Uhr der Zug unter den Klängen eines Trauermarsches näherte.
Frankfurter Zeitung vom 11. Mai 1933