Senckenberg & Co: Der Club der reichen Gönner

Sie waren reich - und sie gaben ab: Viele Einrichtungen in Frankfurt gehen auf Wohltäter früherer Zeiten zurück. Allen voran: Johann Christian Senckenberg.

Club der Gönner

Klassenweise bestaunen Kinder aus Frankfurt und Umgebung die “Dino”-Skelette in “seinem” Museum: Nach Dr. Johann Christian Senckenberg ist nicht nur die Senckenberg-Anlage benannt, die den Messekreisel mit der Bockenheimer Landstraße verbindet, sondern auch das naturkundliche Museum, das dort steht. Dabei handelt es sich nicht um die einzige Stiftung des Frankfurter Arztes.

Neben der “Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft” und ihrem Museum gehen auf Senckenberg zurück: eine Bibliothek (die heute auch Aufgaben als Universitätsbibliothek erfüllt), ein Institut für Geschichte der Medizin, ein botanisches Institut mit botanischem Garten (heute zwischen Grüneburgpark und Palmengarten gelegen), ein Krankenhaus (das Bürgerhospital) und die dazugehörigen Institute für Anatomie und Pathologie.

Senckenberg, 1707 geboren, war sein Leben lang eng mit Frankfurt verbunden: Schon sein Vater, ebenfalls Arzt, hatte eine “Flora Francofurtensis”, eine Botanik des Frankfurter Raumes, verfasst. Johann Christian Senckenberg selbst studierte zwar in Halle, ließ sich aber sofort nach seiner Promotion – über “Die Heilkraft des Maiglöckchens” – in Frankfurt als praktischer Arzt nieder. Dreimal heiratete Senckenberg, dreimal starben seine Ehefrauen bald nach der Hochzeit. Auch eine Tochter und ein Sohn lebten nicht lange: Kindbettfieber und Tuberkulose waren die Ursachen.

Senckenberg schimpft gegen die unmoralische Branntwein-Steuer

Nach diesen tragischen Erlebnissen widmete Senckenberg seine Erfahrungen als Amtsarzt (seit 1755 war er Stadtphysikus) und aus der eigenen Praxis dem Gemeinwohl: Er forderte die Einrichtung von Krankenhäusern für Arme und eines Findelhauses sowie regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen von Ammen. Im Rat der Stadt war Senckenberg ob seiner kritischen Äußerungen gefürchtet. So hielt er die Branntwein-Steuer für unmoralisch, da sich der Staat damit an einer gesundheitsschädigenden Sucht bereichere.

Für seine Pläne, mit einer eigenen Stiftung den Missständen im Frankfurter Gesundheitswesen abzuhelfen, erwarb Senckenberg nach dem Siebenjährigen Krieg ein Grundstück am Eschenheimer Turm, “wo neben der Anlage eines bloß für Frankfurter Bürger bestimmten Hospitals ein botanischer Garten, ein anatomisches Theater, ein chemisches Laboratorium, eine ansehnliche Bibliothek und eine Wohnung für den Direktor eingerichtet ward”. So beschreibt Johann Wolfgang Goethe im zweiten Buch von “Dichtung und Wahrheit” die Senckenbergische Stiftung: 1768 führte Senckenberg den jungen Studenten übers Gelände.

Im eigenen Institut obduziert

Dem dreimal Verwitweten bereitete privat auch sein krimineller jüngerer Bruder Kummer, der die letzten 26 Jahre seines Lebens in Haft in der Hauptwache verbrachte. Und auch Johann Christian Senckenbergs Ende war kein glückliches: Am 15. November 1772 stürzte er bei einer Baubesichtigung des Bürgerhospitales vom Gerüst. Begraben wurde er in der barocken Krankenhauskapelle, deren Glockenturm er zum Zeitpunkt des tödlichen Unfalls besichtigt hatte. Zuvor wurde seine Leiche in dem von ihm eingerichteten anatomischen Institut obduziert.

Sein ganzes Vermögen von 95.000 Goldgulden hatte Senckenberg in sein Lebenswerk gesteckt – nach Auskunft des Stadtarchivs betrug ein Jahreseinkommen im mittleren bis gehobenem Bürgertum rund tausend Goldgulden. Dennoch konstatierte nach den Napoleonischen Kriegen der Autor eines Berichts über den Zustand von “Kunst und Altertum in den Rhein- und Main-Gegenden” Handlungsbedarf: Die wissenschaftlichen Abteilungen bedürften dringend des Ausbaus, um einer Stadt wie Frankfurt am Main gerecht zu werden. Der Verfasser war jener inzwischen zum Geheimrat gewordene Student namens Goethe, den Senckenberg über das Stiftungsgelände geführt hatte. Bei den Nachforschungen für seinen Bericht führte ihn 1814 Dr. Johann Georg Neuburg, der bei der von Goethe angeregten Gründung der “Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft” im Jahre 1817 ihr erster Direktor wurde.

Wohltaten werden belohnt – mit Straßennamen

Nicht nur Senckenberg ist es zu verdanken, dass sowohl die medizinischen als auch die naturwissenschaftlichen Einrichtungen begründet wurden und bis heute überlebten: So stiftete Bankier Simon Moritz von Bethmann der Gesellschaft 10.000 Gulden und Mittel für den Bau des ersten Museums, andere steuerten Sammlungen von Insekten oder Versteinerungen bei.

Doch damit sind wir schon bei anderen “Geschichten in Straßennamen”: Bethmannstraße und Bethmannpark ehren das Traditions-Bankhaus. In Bockenheim gibt es die Cretzschmarstraße; Philipp Jakob Cretzschmar war die treibende Kraft bei der Gründung der “Naturforschenden Gesellschaft”. Dem Bankier Joachim Andreas Grunelius, der der Gesellschaft 1000 Gulden vermachte, setzt eine Straße in Oberrad ein Denkmal; Eduard Rüppell, der mit seinen ergiebigen Forschungsreisen den Weltruf des Senckenberg-Museums begründete, ist im Dornbusch verewigt.

Kommerzienrat Johann Friedrich Metzler stellte seinen mit seltenen Gewächsen bepflanzten Garten der Gesellschaft zur Verfügung, “seine” Straße ist in Sachsenhausen. An Johann Konrad Varrentrapp, der in Stiftung und “Naturforschender Gesellschaft” mitwirkte, erinnert eine Straße an der Messe.

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    1. Eine feine Erinnerung. Der Sinn für Gemeinwohl ist seit jeher in Frankfurt sehr ausgeprägt. Da sollte ruhig öfter darauf hingewiesen werden. Auch zur Ermunterung von Zeitgenossen, denen das eher schwerzufallen scheint. Nicht umsonst wohnen die vielleicht ausserhalb.

      Nb: ein prima Blog!

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