Ruf in die Republik
Ich weiß nicht, was mich bewog, einen so erlesenen Hof, als es der Eisenachische war, zu verlassen; das aber weiß ich, damals gehört zu haben: “Wer zeitlebens festsitzen wolle, müsse sich in einer Republik niederlassen.” Also folgte ich 1712 dem nach Frankfurt am Main, als Kapellmeister an die Barfüßerkirche, erhaltenen Berufe, ohne dass ich einen Menschen kannte.
Jedoch die angenehme Freiheit im Leben ersetzte hier den Verlust, den ich dort an einem gnädigen Herrn und an braven Virtuosen erlitten hatte. Ob zwar meine jährliche Versorgung nicht gering war, so trat ich doch überdies noch bei der hochadeligen Gesellschaft Frauenstein in Dienste, wo ich über deren Palast, welchen die Römischen Kaiser bei Dero Wahl und Krönung einzunehmen pflegen, die Aufsicht und zugleich meine Wohnung in solchem bekam. Weil aber auch die Glieder dieser Gesellschaft Administratoren des ansehnlichen bayerischen und zum Besten der Armen gestifteten Testament sind, so machten sie mich auch zum Zinsheber der dabei einlaufenden Interessen. Hiernächst wurde mir noch vom Musikdirektor der zweiten lutherischen Hauptkirche zu St. Katharinen dessen Stelle übergeben. (…)
Zum prächtigen Freundenfeste, welches Frankfurt wegen der Geburt des österreichischen Erzherzogs und Prinzens von Asturien feierte, lieferte ich eine umfängliche Serenade, die unter freiem Himmel auf einem Gerüste auf dem Römerberge von vielen vortrefflichen verschriebenen Virtuosen verstärket, überhaupt aber mit mehr als fünfzig Personen besetzt, sich hören ließ (…)
Folgende Werke kamen in mehr gedachtem Frankfurt am Main von mir durch öffentlichen Kupferdruck zum Vorschein: Sechs Sonaten mit einer Violine und Generalbass, sechs Trios für allerhand Instrumente und Generalbass, sechs Sonatinen mit einer Violine und Generalbass, kleine Kammer-Musik fürs Klavier oder andere Instrumente.
Lesen Sie auch:
Diesen Artikel drucken

Einträge
… auf alle Sonn- und Festtage bei der Musik in der Barfüßerkirche nicht allein persönlich zu erscheinen, dieselbe nach meinem besten Verstand moderieren, bestellen und ausrichten. … [Das Jahresgehalt:] Von der Stadtrechnung dreihundertundfünfzig Gulden an Geld, und dann von ihrem Korn-Amt zwölf Achtel an Korn.
Aus dem Dienstvertrag vom 9. Februar 1712