Die Kutsche kam (…), wir fuhren über die Brücke und erreichten den Vorort Sachsenhausen, wo wir am Tor anhalten mussten, um den Wegezoll zu entrichten. Als ich durch das Kutschenfenster hinausblickte, sah ich eine große Abordnung der Nationalgarde, die das Tor bewachte. Sie gehörte dem gleichen Bataillon an, das unter dem Spitznamen “Weiße Feder” bekannt war, und dem auch ich angehörte, wenngleich nicht der gleichen Kompanie. Trotzdem kannte ich einige von ihnen, im besonderen einen sehr gut (Melber). Als die Kutsche anhielt, öffnete ein Polizist die Tür und fragte uns, wohin wir wollten. Augusta antwortete sehr sorglos, dass wir Freunde in Darmstadt besuchen wollten und am Abend wieder zurückkehren würden. Der Polizist, der die Tür der Kutsche noch immer offen hielt, rief einigen hohen Offizieren, die auf der Veranda der Wache standen zu: “Zwei Damen.” Die Antwort war: “Können passieren!”
Während in hiesiger Stadt bisher die tiefste Ruhe herrschte, und die Messgeschäfte den erwünschten Fortgang hatten, wurden dieselben gestern Abend um halbzehn Uhr auf die empörendste Weise unterbrochen. Um diese Zeit stürmten nämlich zwei bewaffnete Haufen auf die Hauptwache und Konstablerwache, woselbst sich die Gefangenen befanden, griffen ganz unvermutet von zwei Seiten die Hauptwache an, schossen die Schildwachen nieder, gerieten mit dem Militär ins Handgemenge, wodurch es ihnen, nachdem noch ein Sergeant niedergeschossen war, gelang, durch ihre Übermacht die Militärwache zu überwältigen, und die Gefangenen zu befreien.
]]>Die Soldaten wurden aufgefordert, sich zu ergeben, was sie auch taten. Aber der Aufforderung, sich ihnen anzuschließen, und dass in ganz Deutschland sich die Menschen heute erheben, dass Zehntausende von Bauern auf dem Marsch wären, dass Freiheit und Gleichheit alles wäre, was man verlangte, und dass sie zu Unteroffizieren gemacht werden sollten, ließ sie kalt. Man bot ihnen Geld, aber nur ein einziger Soldat nahm 50 Gulden an. Die Gefangenen im Obergeschoss der Wache, die wegen Verletzung des Pressegesetzes eingesperrt waren und unter denen sich auch die Journalisten Freyeisen und Sauerwein befanden, wurden befreit!
In der Zwischenzeit war die Konstablerwache gestürmt worden. (…) Mit dem Schrei “Es lebe die Freiheit, Freiheit und Gleichheit, Revolution!” warfen sie sich dem Wachhaus entgegen. Der Wachhabende wurde mit Bajonetten niedergestreckt. Dann feuerten sie in den Wachraum hinein. Zwei Soldaten wurden getötet und drei verwundet. Die politischen Gefangenen wurden befreit. Einer der Gefangenen kam durch ein Missverständnis ums Leben. Mit dem Ruf “Bringt die Kanonen heraus!” suchten sie die Tore zu dem angrenzenden Waffenarsenal aufzubrechen. Aber bevor sie sich Schmiedehämmer besorgen konnten, mussten sich die Anführer selbst verteidigen. Die Bataillone der Fronttruppen hatten ihre Kasernen verlassen und marschierten zur Hauptwache. Dort befanden sich nur vier von den Verschwörern, die die Soldaten bewachten, die man gefangengenommen hatte. Als die Soldaten aufmarschierten, zogen sie sich zurück bis auf Rubener, der sich verzweifelt verteidigte und dann gefangengenommen wurde. Danach wurde die Schützenkompanie die Hauptstraße hinunter in Richtung Konstablerwache geschickt. Der kommandierende Hauptmann schickte eine Vorhut voran, die aus einem Unteroffizier und fünf Soldaten bestand. Es wurde auf sie geschossen. Die Soldaten zerstreuten sich und der Unteroffizier wurde gefangengenommen. Danach befahl der Hauptmann einen Angriff mit aufgepflanzten Bajonetten, aber die Verschwörer kamen bereits auf sie zugerannt und feuerten geschlossen, und die Soldaten erwiderten das Gewehrfeuer. Dann kam es zu einem Handgemenge und auf beiden Seiten wurden mehrere Leute getötet und verwundet. Nach einem hartnäckigen Kampf flohen die Verschwörer, nachdem Bunsen, der bis zuletzt blieb, sie ohne Erfolg aufgefordert hatte, durchzuhalten.
Auch in anderen Teilen der Stadt waren Aufrührer zu sehen. Einige Gruppen davon in der Fahrgasse und auf der Brücke über den Main, die ihre Gewehre luden und schrieen “Zu den Waffen, es lebe die Freiheit, es lebe die Republik”.
]]>Es wurde fest damit gerechnet, dass eine große Menge Leute in Frankfurt mitmachen würden. Alle sollten zuerst zusammenbleiben, und zwar so lange, bis der Aufstand allgemeine Formen annehmen würde. Dann sollten die sich unter die Menge mischen und diese anstacheln, sich zu beteiligen. (…)
Am 3. April wurden die beiden Bürgermeister durch einen anonymen Brief von dem beabsichtigten Aufstand unterrichtet, in dem stand, dass die beiden Wachen 9.30 Uhr nachts gestürmt werden sollten, dass die dort befindlichen Gefangenen befreit werden, die Delegierten des Deutschen Reichstags verhaftet und eine provisorische Regierung eingesetzt werden sollte. Als Folge dieser Information wurde die Mannschaft an der Hauptwache, die aus 41 Leuten bestand, auf 51 verstärkt. Die Fronttruppen wurden in ihrer Kaserne in Bereitschaft gehalten und einige Polizisten wurden im Turm des Doms stationiert, um zu verhindern, dass die Sturmglocke geläutet wurde. (…)
Wir übermittelten diese Tatsache der versammelten Menge und sagten ihr, dass diejenigen, die sich jetzt noch zurückziehen wollten, das jetzt noch tun sollten, da damit die Aufgabe weitaus gefährlicher sein würde und ein Misslingen erwartet werden könnte. Aber alle erklärten, dass sie sich die Sache überlegt hätten und bereit wären, alles für ihre Prinzipien zu riskieren.
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