Oberbürgermeister in Frankfurt: Ikonen und Pechvögel
Gerade wird in Frankfurt wieder um den OB-Sessel gekämpft, Boris Rhein und Peter Feldmann gehen am 25. März 2012 in die Stichwahl. Zeit, auf die bisherigen Frankfurter Stadtoberhäupter zurückzublicken. Elf Männer und eine Frau prägten Frankfurt – nur wenige waren politische Schwergewichte.
Längst vergessene Namen sind darunter, wie die von Wilhelm Hollbach und Kurt Blaum, die 1945/46 von der US-amerikanischen Besatzungsmacht eingesetzt worden waren. Vier politische Schwergewichte prägten die Nachkriegszeit, zwei der SPD, zwei der CDU: Die Sozialdemokraten Walter Kolb (1946 bis 1956) und Rudi Arndt (1972 bis 1977) sowie die Christdemokraten Walter Wallmann (1977 bis 1986) und Petra Roth (1995 bis 2012).
Es gibt aber auch andere Stadtoberhäupter, von deren Schicksal gesprochen werden muss. Denen eine „Ära“ nicht vergönnt war. Deren Amtszeit abrupt, manchmal tragisch endete. Werner Bockelmann (SPD), der 1968 nach nur vier Jahren an der Spitze der Stadt bei einem Verkehrsunfall auf der Autobahn starb. Walter Möller (SPD), der, gerade 51-jährig, nach kurzer, aufreibender Arbeit 1971 einem Herzinfarkt erlag. Willi Brundert (SPD), 1970 mit 57 Jahren an Leberversagen gestorben, eine Folge seiner Haft nach einem Schauprozess in der DDR 1950.
Tragisch gescheitert war auch Volker Hauff (SPD), der 1991 nach knapp zwei Jahren von der Kommunalpolitik und seiner eigenen Partei entmutigt und demoralisiert aus der Stadt floh. Heute ist die Erinnerung an ihn geradezu aus dem kollektiven Gedächtnis der Kommune getilgt – ein einmaliger Fall.
Ikonen überstrahlen die dunklen Geschichten
Die Ikonen aber überstrahlen diese dunklen Geschichten. Bis heute ist in Frankfurt eine Schwarz-Weiß-Fotografie gegenwärtig, die einen beleibten Mann mit Glatze mit einer Schaufel in der Hand auf Trümmerbergen vor dem Rathaus Römer zeigt. Dieses Porträt von OB Walter Kolb geriet zum Sinnbild für die Entschlossenheit, mit der in der vielfach zerstörten Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg der Wiederaufbau angegangen wurde.
17 Jahre stand Petra Roth an der Spitze der Frankfurter Stadtregierung. Keine Frau hat bislang länger im OB-Amt einer Großstadt durchgehalten. Die aus Bremen stammende CDU-Politikerin bildete die die erste schwarz-grüne Koalition im Römer.
1995 war sie im OB-Wahlkampf eigentlich eine Verlegenheitskandidatin der CDU. Der Kanzler und Parteivorsitzende Helmut Kohl hatte sie gebeten, zu kandidieren. Roth hielt sich auch gegen Widerstände aus der konservativeren Landespartei.
Der 30. Juni ist voraussichtlich ihr letzter Arbeitstag. Zu ihren Erfolgen zählt Roth den interreligiösen Dialog in der Stadt und die Einbürgerung vieler Ausländer ebenso wie die Sanierung des Mainufers, den Neubau der Europäischen Zentralbank, den geplanten Kulturcampus auf dem früheren Unigelände, den geplanten Wiederaufbau der Altstadt und den – sehr umstrittenen –Ausbau des Frankfurter Airports.
Als Kolb am 20. September 1956 gestorben war, auch er nur 54-jährig und an den Folgen eines Herzinfarkts, säumten 100.000 Menschen den Weg des Sarges zum Hauptfriedhof. Er war eine populäre Vaterfigur, nach deren allgemeiner Akzeptanz sich die gebeutelte SPD heute in Frankfurt sehnt. Die Sozialdemokraten stürzten bei der Kommunalwahl 2011 auf das Rekord-Tief von 21,3 Prozent ab.
Der SPD-Mann Kolb legte politische Grundsteine, auf denen seine Nachfolger aufbauen konnten. Zwar scheiterte 1949 knapp der Plan, Frankfurt zur Hauptstadt der neuen Bundesrepublik zu ernennen. Aber es gelang, in Rekordzeit viele neue Wohnungen zu bauen und die unmittelbare Not in der Kommune einzudämmen. Die Moderne, in die man damals aufbrach, wird heute durchaus kritisch gesehen: Die Weichenstellung für eine „autogerechte Stadt“ etwa mit dem ersten Parkhaus, das Kolb zwei Tage vor seinem Tod eröffnete, oder die breiten neuen Verkehrsschneisen.
Walter Möller korrigierte später diesen Kurs. Er war der erste Verkehrsdezernent der Stadt und setzte schon vor seiner Zeit als OB auf die U-Bahn als neues Mittel der Massenmobilität. Mit Rudi Arndt erreichte die politische Hegemonie der Sozialdemokraten in Frankfurt ihren Höhepunkt – aber auch ihr abruptes Ende. Der temperamentvolle Polterer Arndt hat sich als „Dynamit-Rudi“ in das Gedächtnis der Stadt eingeschrieben. Das ging auf einen Abend 1966 im zigarettenrauchgeschwängerten „Club Voltaire“ zurück, dem Treffpunkt der Linken. Arndt, damals noch hessischer Landesminister, empfahl launig, doch die bombenzerstörte Ruine der Oper „wegzusprengen“ und sie dann nach den alten Plänen wiederaufzubauen. Später setzte Arndt in der widerstrebenden SPD den Wiederaufbau durch – eingeweiht wurde das Konzerthaus Alte Oper aber erst 1981 durch seinen Nachfolger Walter Wallmann (CDU). Claus-Jürgen Göpfert
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