Friedrich Wilhelm II. und Sophie Bethmann-Metzler
Im Dezember 1792 gewinnt Friedrich Wilhelm II. eine Schlacht gegen die Franzosen, die Frankfurt seit Oktober besetzt hielten – sein Herz hingegen verliert der Preußenkönig in jenem Winter in der Stadt am Main.
Nachdem er General Custine und dessen Truppe aus Frankfurt vertrieben hat, schlägt Friedrich Wilhelm II. hier sein Hauptquartier auf. In der Stadt wimmelt es bald von Fremden: Soldaten werden einquartiert, Diplomaten und Fürsten suchen den König auf, Generäle besprechen mit ihm die Lage und bereiten die weiteren militärischen Schritte vor. Im Frühjahr soll der Krieg gegen die Franzosen fortgeführt werden, davor jedoch liegt eine Atempause. Es wird ein Winter voller Festlichkeiten, wie ihn Frankfurt selten erlebt hat: Einheimische und Gäste vergnügen sich im Theater, auf Bällen und Banketten. Mittendrin: der preußische König, der die Zeit nutzt, um seine beiden Söhne standesgemäß zu verheiraten – und sich bei dieser Gelegenheit bis über beide Ohren in eine Frankfurterin verliebt.
Die Auserwählte heißt Sophie Bethmann-Metzler und ist Tochter einer hoch angesehenen Frankfurter Bankiersfamilie. Der König begegnet ihr auf Bällen, im Theater, beim Reitausflug im Stadtwald und am Forsthaus. Als der Winter vorbei ist und neue Schlachten gegen die Franzosen rufen, verlässt Friedrich Wilhelm II. im März 1793 an der Spitze seiner Truppen Frankfurt nur gegen große innere Widerstände – Sophies wegen. Kaum ausgerückt, offenbart er sich ihr am gleichen Abend in einem Brief, dem viele weitere folgen sollten.
Sophie ist noch keine 20, der König Ende 40. Er ist verheiratet – für ihn kein Hindernis. Sie fühlt sich geehrt, will aber offenkundig nicht mehr als eine freundschaftliche Verbindung. Ihr „Nein“ formuliert sie höflich, aber deutlich – und sie wird dieses „Nein“ in den kommenden Monaten in vielen Briefen wiederholen müssen. Ob sie den König tatsächlich nicht liebt, ob sie wirklich anderweitig verlobt ist, wie sie einmal andeutet, ob sie sich dem Druck in ihrer Heimatstadt beugt – über ihre Bekanntschaft mit dem König wird getratscht, ja, sie wird gar verantwortlich gemacht, wenn es mit dem Krieg gegen die Franzosen zeitweise nicht voran geht – über Sophies Beweggründe kann nur spekuliert werden. Sicher ist, dass der Preußenkönig ihr zwischen März 1793 und Dezember 1794 hartnäckig den Hof macht, hin- und hergerissen zwischen Resignation und Enttäuschung und immer wieder neu entflammender Hoffnung. Aus allen militärischen Lagern, die er im Laufe seiner Feldzüge gegen die Franzosen bezieht, wandern sehnsüchtige Briefe nach Frankfurt. Mehrfach kehrt er persönlich an den Main zurück, ein paar Mal gelingt es ihm, Sophie wiederzusehen – und nicht immer scheint es ihm schwerzufallen, sie zu diesen Begegnungen zu überreden. Auch Sophie tut viel, um die Verbindung nicht endgültig abreißen zu lassen.
Ende 1794 flieht die Familie Bethmann-Metzler, wie viele andere Frankfurter auch, vor den erneut heranrückenden Franzosen. Aus der Schweiz erbittet sie des Königs Hilfe für das besetzte Frankfurt. Der bemüht sich, seine Kontakte nach Paris spielen zu lassen; militärisch kann er nichts gegen die Franzosen ausrichten. Zu einem Wiedersehen mit Sophie kommt es nicht mehr, auch der Briefkontakt reißt ab. Im Dezember 1796 heiratet sie einen Mann namens Joachim von Schwarzkopf. Im Jahr darauf stirbt Friedrich Wilhelm II. Auch seine viel jüngere Angebetete hat nicht mehr lange zu leben. Sie stirbt 1806 im Alter von 32 Jahren.
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Sehr geehrte Frau Gemmer,
ich habe Ihren Artikel über Sophie Bethmann- Metzler mit großem Interesse gelesen. Ich selbst beschäftige mich mit dem großen Chirurgen August Gottlieb Richter, dessen 200. Todestag wir in diesem Jahr begehen Aus dem Briefwechsel Th. Soemmerrings weiß ich, dass er Sophie operiert hat. Ich würde nun gern herausfinden,woran sie litt, zumal sie ja mit 31Jahren starb. Sie ist für mich auch deshalb von Interesse, da die Befreiung der Caroline Böhmer/ Schlegel/Schelling aus der Haft auf dem Königstein ihrer Fürsprache zu verdanken ist. sie gehörte zum Umfeld Richters. Vielleicht können Sie mir weiterhelfen.
Hochachtungsvoll Dr. Dietmar Seifert
Lieber Herr Seifert, leider konnte ich auch nicht herausfinden, woran Sophie Bethmann-Metzler litt. Vielleicht wissen ja Mitlesende mehr …