Frankfurt ist die Universität der Kellner
Jetzt ist es wunderlich gemischt aus alten, verdrießlichen Gassen und neuweißen Straßen, aus bürgerlicher Freiheit und Fürstenmacht, aus Kaufmannschaft und Diplomatie. Wie eine silberne Fassung garnieren und durchschneiden die Schöne Aussicht, die „Millionärsstraße” und die Zeil das aufeinandergehäufte Kupfer der übrigen Stadt. Grün und lockend beschatten die Promenade, das Buschwerk der Landhäuser und der fern winkende, blaue Taunuswald die Kaufmannsstadt. Siegreich über alle anderen Geschäfte entstehen Hotels in modernster Form. Frankfurt ist die Universität der Kellner und der table d’hote. Man „logiert” hier ganz und gar. Alles übrige ist Nebensache.
Worin man über die Mainbrücke durch Sachsenhausen nach einer von den kleinen Höhen geht, die den Blick über Stadt und Fläche ein wenig erleichtern, wenn auch nirgends ganz ermöglichen, so sieht man an den einschließenden Bergen die alten Türme, die einst Frankfurt bewachten. Das erinnert daran, dass dieser vortrefflich gelegene Raum eine politisch ausgezeichnete Stellung gewann. Frankfurt ist ein Bürgerhaus geblieben für und für. Dass die Landstraßen von England und Holland nach Italien und Österreich, von Nord- und Süddeutschland, der Schweiz und Frankreich sich hier kreuzen, dass dies Land überall willkommene Arme nach den reichsten Gebieten unseres Vaterlandes streckt, ist eigentlich nur dazu ausgebeutet worden, ein wenig vorteilhaften Handel zu treiben.
Frankfurt, wo bist du? Auf der Börse bei den Kursen, auf der Mainlust beim Schoppen, im „Schwan” zur Tafel, auf dem „Museum” eine Vorlesung zu hören, oder in den Bibliotheken, um Journale zu lesen!
Aus: Gesammelte Werke, Leipzig 1909
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