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	<title>Frankfurt Story</title>
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	<description>Die Stadt. Die Menschen. Die Geschichte.</description>
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		<title>Hochgef&#252;hle im Henninger-Turm &#8211; seit 1961</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Jun 2013 18:33:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Michels</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Sachsenhausen]]></category>
		<category><![CDATA[Straßen, Plätze, Bauwerke]]></category>

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		<description><![CDATA[Adieu, Henninger-Turm: Der Abriss eines Frankfurter Wahrzeichens ist in vollem Gange. Wir werfen einen Blick zur&#252;ck auf seine Geschichte.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4567" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/8030994.71-48129244.jpg" rel="lightbox[4564]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/8030994.71-48129244-150x150.jpg" alt="Noch im Bau, noch ohne Aufsatz: der Henninger-Turm 1959. Bild: Klaus Grieshaber" title="Noch im Bau, noch ohne Aufsatz: der Henninger-Turm 1959. Bild: Klaus Grieshaber" width="150" height="150" class="size-thumbnail wp-image-4567" align="left"/></a><p class="wp-caption-text">Noch im Bau, noch ohne Aufsatz: der Henninger-Turm 1959. Bild: Klaus Grieshaber</p></div>
<p>Zu einem &#8220;Stelldichein der Abendkleider&#8221; findet sich in der Neujahrsnacht 1962/63 die B&#252;rgergesellschaft &#8220;hoch &#252;ber Frankfurt&#8221; ein. 119,5 Meter &#252;ber dem Sachsenh&#228;user Berg, 144 Meter &#252;ber dem Meeresspiegel, ist auch die Stimmung auf dem Gipfel.</p>
<p>&#8220;Feuerrote Roben&#8221; bewegen sich &#8220;im Twistschritt&#8221; neben &#8220;pechschwarzen Tr&#228;umen aus Samt und Seide&#8221;, die &#8220;den Blick auf wei&#223;e R&#252;cken freigeben&#8221;. Die &#8220;silbernen Krawatten der Herren glitzern im Schein der matten Lampen&#8221;. Und als dann &#8220;eine sonore M&#228;nnerstimme&#8221; per Lautsprecher das alte Jahr ausgez&#228;hlt hat, wirbeln unter Prosit-Neujahr-Rufen Luftschlangen durch den Saal und &#8220;wickeln sich um schlanke H&#228;lse von Damen und Sektflaschen&#8221;. Genau so hat der auf den Henninger-Turm entsandte Gesellschaftsreporter der Frankfurter Rundschau die Nacht der N&#228;chte vor genau 50 Jahren beobachtet. Das &#8220;am h&#246;chsten &#252;ber dem Erdboden gelegene Café-Restaurant der Bundesrepublik&#8221; sorgt eben f&#252;r Hochgef&#252;hle.</p>
<p>Seit den ersten Wochen nach der Er&#246;ffnung im Mai 1961 &#228;chzt der Turm mit Drehrestaurant und Aussichtsplattform, mit &#8220;Frankfurter Stube&#8221; und Dachgarten unter t&#228;glich 3000 Besuchern. Das Drehrestaurant an der Spitze des &#8220;Frankfurter Eiffelturms&#8221;, wo zwei Motoren die sch&#246;ne Aussicht zweimal pro Stunde um die eigene Achse drehen, wird vom ersten Tag an als &#8220;Frankfurter Lokalsensation&#8221; bewundert. &#8220;Hast du bei der Suppe noch den Feldberg vor Augen gehabt, so gr&#252;&#223;t dich beim Kaffee wohl die Wetterau&#8221;, registriert die ver&#246;ffentlichte Meinung.</p>
<p>Und untendrunter, im Schaft des &#8220;Wei&#223;en Leuchtturms&#8221;, wo 32 Lagerzellen f&#252;r 15.000 Tonnen Gerste eingepasst sind, hievt ein Lastenaufzug Stunde um Stunde 20 Tonnen der K&#246;rner auf einen Verteilerboden. So erl&#228;utert die Presse dem Volk den Nutzen des neuen &#8220;Jahrhundertdenkmals&#8221; f&#252;r die Bierproduktion. Die Henninger-Br&#228;u, die Jahr f&#252;r Jahr &#252;ber eine &#8220;Aussto&#223;steigerung&#8221; berichtet, n&#228;hert sich bei den Hektolitern der Millionengrenze.</p>
<p>&#8220;Den Silo&#8221;, ausgew&#228;hlt aus f&#252;nf Modellen, bekamen die Frankfurter erstmals Ende 1959 per Bild zu Gesicht; da wuchs drau&#223;en am Hainer Weg schon der Beton in die H&#246;he. Mehr als 83 Meter &#252;ber Baugrund h&#228;tte Henninger f&#252;r die Gerste eigentlich nicht gebraucht. Doch sollte das h&#246;chste Haus weit und breit nach allgemeinem Ratschluss &#8220;kein reiner Zweckbau mit glatten Betonw&#228;nden&#8221; werden.</p>
<div id="attachment_4566" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/8030994.71-48129240.jpg" rel="lightbox[4564]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/8030994.71-48129240-150x150.jpg" alt="Zur Er&#246;ffnung standen Hostessen bereit, um den G&#228;sten das Stadtpanorama zu erl&#228;utern. Bild: Henninger-Br&#228;u" title="Zur Er&#246;ffnung standen Hostessen bereit, um den G&#228;sten das Stadtpanorama zu erl&#228;utern. Bild: Henninger-Br&#228;u" width="150" height="150" class="size-thumbnail wp-image-4566" align="left"/></a><p class="wp-caption-text">Zur Er&#246;ffnung standen Hostessen bereit, um den G&#228;sten das Stadtpanorama zu erl&#228;utern. Bild: Henninger-Br&#228;u</p></div>
<p>Also kommt als Nonplusultra das aufgesetzte, runde, kreiselnde Restaurant f&#252;r 160 G&#228;ste obendrauf, in dessen Untergeschoss (&#8220;Frankfurter Stube&#8221;) zus&#228;tzlich 40 Personen Platz haben. Und dessen Dach unter freiem Himmel f&#252;r weitere 150 Menschen ausgelegt ist. Der Darmst&#228;dter Architekt Karl Lieser liefert den Entwurf. W&#228;hrend also die Betonburg laut Zeitungsbericht t&#228;glich ann&#228;hernd zweieinhalb Meter an H&#246;he zunimmt, erhebt sich politisch gegen die Auswahl des Magistrats kein Widerspruch. Die Stimme des Leserbriefschreibers Josef Riedel aus Frankfurt, der prophezeit, &#8220;dieses klobige Beispiel moderner Baukunst&#8221; werde &#8220;keine Zierde des Sachsenh&#228;user Berges&#8221;, dringt nicht durch.</p>
<p>Anders ist es mit Klagen, die sich aus dem &#252;bergro&#223;en Zulauf ergeben. Im August 1961 sind bereits 250.000 Personen zum Fahrpreis von einer Mark per Expressaufzug nach oben gesaust. Da meldet sich Friedrich Becker aus Kelsterbach per Leserzuschrift, der hatte sich bei einem Besuch nach dem Blick von der Aussichtsplattform &#8220;im drehbaren Restaurant st&#228;rken wollen&#8221;. Doch &#8220;ein Empfangsgeist verhinderte unsere Absicht ,mangels Krawatte´&#8221;. Kolumnist &#8220;Bastian&#8221; (&#8220;Ich bin auch f&#252;r Stil&#8221;) empfiehlt darauf den Restaurant-Betreibern in der Randspalte des FR-Lokalteils, &#8220;fairerweise ein Schild an den Aufzug zu nageln: H&#246;henreise ohne Krawatte zwecklos!&#8221; Worauf nun wieder &#8220;Direktor Dangel von der Steigenberger AG&#8221; zu Wort kommt: Das Personal sei angewiesen, die Besucher nicht nach ihrem &#196;u&#223;eren unterschiedlich zu behandeln. Es gebe allerdings Grenzen: &#8220;Wenn ein Gast in Shorts und mit auf der Brust v&#246;llig ge&#246;ffnetem Hemd&#8221; erscheine. Danach wird &#8220;die Umdrehung des Restaurants verlangsamt&#8221;, mit dem Stadtpanorama, in den 60er Jahren noch bar jedes Hochhausturms, geht es von da an nur noch einmal in der Stunde rund.</p>
<div id="attachment_4575" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/henningerturm.jpg" rel="lightbox[4564]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/henningerturm-150x150.jpg" alt="So werden ihn die Frankfurter in Erinnerung behalten: Der Henninger-Turm vor dem Abriss. Bild: Christoph Boeckheler" title="So werden ihn die Frankfurter in Erinnerung behalten: Der Henninger-Turm vor dem Abriss. Bild: Christoph Boeckheler" width="150" height="150" class="size-thumbnail wp-image-4575" /></a><p class="wp-caption-text">So werden ihn die Frankfurter in Erinnerung behalten: Der Henninger-Turm vor dem Abriss. Bild: Christoph Boeckheler</p></div>
<p>Der Attraktivit&#228;t der Sehensw&#252;rdigkeit tut das keinen Abbruch. Ende 1964 entschlie&#223;t sich die Kommune, ma&#223;regelnd einzugreifen. &#8220;Die Steuerverwaltung hat der Henninger-Br&#228;u, Eigent&#252;merin des &#252;ber 100 Meter hohen Henninger-Turms, eine Vergn&#252;gungssteuerrechnung pr&#228;sentiert&#8221;, berichtet die FR. Monatlich soll die Brauerei nun eine Abgabe f&#252;r die Besuchermassen, pro Monat rund 5200 Mark, abf&#252;hren. Das w&#228;ren an die 65.000 Mark j&#228;hrlich. Die Brauerei macht gerade, bei einem Bieraussto&#223; von 1,15 Millionen Hektolitern , einen Rekord-Umsatz von 102,5 Millionen Mark, k&#252;ndigt aber sofort an, dass sie &#8220;nicht in der Lage sei, die Summe aus der eigenen Tasche zu zahlen&#8221;. Die Stadt schl&#228;gt vor, die Frage vor Gericht zu kl&#228;ren.</p>
<div id="attachment_4574" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/henningerturm-neu.jpg" rel="lightbox[4564]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/henningerturm-neu-150x150.jpg" alt="So wird er aussehen: Visualisierung des k&#252;nftigen Henninger-Turms. Bild: Meixner Schl&#252;ter Wendt GmbH" title="So wird er aussehen: Visualisierung des k&#252;nftigen Henninger-Turms. Bild: Meixner Schl&#252;ter Wendt GmbH" width="150" height="150" class="size-thumbnail wp-image-4574" /></a><p class="wp-caption-text">So wird er aussehen: Visualisierung des k&#252;nftigen Henninger-Turms. Bild: Meixner Schl&#252;ter Wendt GmbH</p></div>
<p>Die traditionsreiche Brauerei Henninger geht schlie&#223;lich vor einem Jahrzehnt endg&#252;ltig unter. Bundesweit bekannt wird  das Geb&#228;ude durch das Profi-Radrennen, das &#252;ber Jahre seinen Namen tr&#228;gt. Doch 2002 muss der Turm geschlossen werden: Mit nur einem Fluchttreppenhaus h&#228;lt er den strengeren Brandschutzvorschriften nicht mehr stand. Lange ringen Kommunalpolitik, Projektentwickler und Architekten um die Zukunft des Turms. Das Gel&#228;nde geh&#246;rt seit 1998 einer Investorengruppe um den Milliard&#228;r Dietmar Hopp. Schlie&#223;lich wird entschieden: Der Henninger-Turm wird abgerissen. An seiner Stelle entsteht ein 130 Meter hohes Wohnhochhaus mit luxuri&#246;sen Eigentumswohnungen, dessen Gestalt an den alten Turm erinnert. An der Spitze des Hochhauses soll in einem fass&#228;hnlichen Aufbau wieder ein Restaurant entstehen. <em>Claudia Michels, Claus-J&#252;rgen G&#246;pfert</em></p>
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		<title>Die Nacht, &#252;ber die niemand offen sprach</title>
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		<pubDate>Fri, 03 May 2013 06:30:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frankfurter Rundschau</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Straßen, Plätze, Bauwerke]]></category>

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		<description><![CDATA[1938 endet f&#252;r die 16-j&#228;hrige Margrit die Schulzeit auf der Deutschherrnschule, und sie beginnt eine Lehre bei der Leuchtenfabrik Schanzenbach in Bockenheim. Es ist das Jahr, in dem auch in Frankfurt B&#252;cher und Synagogen brennen. Heute erinnert sich die 91-j&#228;hrige Margrit Seewald-Graf an jene Zeit.  Ihren Text stellt sie zur Ver&#246;ffentlichung auf Frankfurt Story zur Verf&#252;gung.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4604" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1938_synagoge1.jpg" rel="lightbox[4587]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1938_synagoge1-150x150.jpg" alt="" title="Am 10. November 1938 steht die Frankfurter Synagoge am B&#246;rneplatz in  Flammen. Fast zeitgleich werden im ganzen Land   Synagogen verw&#252;stet oder  niedergebrannt, ohne dass die Feuerwehr eingreift.  | Bild: FR-Archiv, Repro: Horst Winkler" width="150" height="150" class="size-thumbnail wp-image-4604" /></a><p class="wp-caption-text">Am 10. November 1938 steht die Frankfurter Synagoge am B&#246;rneplatz in  Flammen. | Bild: FR-Archiv, Repro: Horst Winkler</p></div>
<p>Vor genau 75 Jahren, zwischen meinem 16. Geburtstag im Februar und Ostern 1938, rief mich mein Vater an seinen Schreibtisch und sagte: &#8220;Hier, unterschreib das.&#8221; Er gab mir einen ausgef&#252;llten Lehrvertrag als kaufm&#228;nnischer Lehrling.  <span id="more-4587"></span></p>
<p>In fr&#252;heren Jahren war die Rede davon gewesen, dass ich nach der Schule f&#252;r ein Jahr zu der Schwester meiner englischen Tante Gertrude nach England gehe, um die Sprache zu lernen. Mein Vater meinte, danach k&#246;nne ich eine Stelle als Fremdsprachensekret&#228;rin bekommen. Wenn die Mutter einer Schulfreundin mich fragte, was ich einmal werden wolle, richtete ich mich auf und antwortete: &#8220;Ich gehe erst einmal f&#252;r ein Jahr nach England zu meiner Tante.&#8221; Das war zwar nur die halbe Antwort, aber an &#8220;Sekret&#228;rin&#8221; wollte ich nicht denken. Sp&#228;ter ist &#252;ber diesen Plan nicht mehr gesprochen worden. Woher sollte auch das Geld f&#252;r die Reise kommen? Die gro&#223;e Frage, &#8220;Was denn nun nach dem Schulabschluss an Ostern?&#8221;, habe ich mit &#8220;vielleicht arbeitslos&#8221; verdr&#228;ngt. Mein Vater hatte mir auch nichts davon gesagt, dass er eine Lehrstelle f&#252;r mich suchte. Zu Hause wurde &#252;berhaupt nichts besprochen. H&#228;tte mein Vater noch die Sauerkrautfabrik gehabt, w&#228;re es anders gelaufen. </p>
<p>Der Lehrvertrag war ein Schock. Ich unterschrieb. Auch mein Versprechen f&#252;r Flei&#223; und Treue war vorgedruckt. </p>
<p>Ich habe es nicht gewagt, die Unterschrift zu verweigern. Was ich mir denn sonst vorstelle, h&#228;tte mein Vater gefragt. Und dann h&#228;tte ich sie gestehen m&#252;ssen, meine Liebe zu B&#252;chern, B&#252;hnenst&#252;cken, Gedichten, dem Theater, &#8220;Dem Sch&#246;nen Guten Wahren&#8221;, wie es eingemei&#223;elt stand &#252;ber dem Portikus der Frankfurter Oper. (Die Frankfurter haben im Gespr&#228;ch &#252;ber das Opernhaus &#8220;Den sch&#246;nen guten Waren&#8221; daraus gemacht. Mein Vater f&#252;gte dem hinzu, die wohlhabenden j&#252;dischen Bankiers h&#228;tten sich an der Finanzierung ordentlich beteiligt. Er musste es ja wissen, denn meine Gro&#223;mutter war ihr Leben lang im Hause des Bankiers Maximilian Goldschmidt als Beschlie&#223;erin t&#228;tig gewesen.)</p>
<p> Auf einer B&#252;hne zu stehen, habe ich mir nicht vorgestellt. Gegen eine leinwandf&#252;llende Zarah Leander war ich eine kleine graue Maus. Im Souffleurkasten zu sitzen w&#228;re denkbar gewesen, allerdings nicht mit Frankfurter Dialekt. H&#228;tte ich dort einmal das Textbuch vergessen, kein Problem. Ich konnte jeden Text auswendig, wenn ich ihn ein paarmal gelesen hatte. Dass es auch Leute geben muss, die Kost&#252;me n&#228;hen, Kulissen malen, das ganze Drum und Dran erledigen, darauf kam ich nicht. Ein Studium von Literatur, Sprachen, Theatergeschichte war au&#223;er Reichweite. Von der Vielfalt der Studienf&#228;cher hatte ich auch keine Vorstellung. Ich hatte nur die Mittlere Reife und auch die nur durch meine Freistelle, sonst h&#228;tte die Schule monatlich 8 Mark gekostet. Noch 3 Jahre Gymnasium bis zum Abitur mit 12 Mark Schulgeld? Nicht finanzierbar. Dieser Schul&#252;bergang sei auch nicht m&#246;glich, das glaubte ich fest. Von meiner Phantasie zur Realit&#228;t gab es keine Br&#252;cke.</p>
<p>&#8220;N&#228;chste Woche gehen wir zur Firma Schanzenbach nach Bockenheim. Du stellst Dich dem Chef vor und er unterschreibt den Vertrag dann auch,&#8221; so mein Vater. Gesagt, getan. Meine Laufbahn war besiegelt. Mein Vater war erleichtert, dass er mich untergebracht hatte, ich sah eine mausgraue Zukunft vor mir.</p>
<p>Nachdem der Lehrvertrag bereits abgeschlossen war, nahm ich meinen Mut zusammen und ging zu unserem Klassenlehrer, Dr. Bardorff. Er gab uns Unterricht in Mathematik und Musik, hatte auch Philosophie und Psychologie studiert. Es war bis zu uns durchgesickert, dass er von einem Gymnasium an unsere Schule strafversetzt worden war. Lehrer mit einem Doktortitel gab es an Mittelschulen sonst nirgends. Unsere Liebe zu ihm hatte nur einmal einen Knacks bekommen. An einem einzigen Tag erschien er in der Schule in S.A.-Uniform. Wir tuschelten dar&#252;ber und ich gab mir die Erkl&#228;rung, er habe die Uniform angezogen, weil er im Visier der Nazis stand und in Gefahr war.</p>
<p>Ich erz&#228;hlte Dr. Bardorff von dem ungeliebten Lehrvertrag. Er war &#252;berrascht und sagte: &#8220;Aber du kannst doch so gut rechnen.&#8221; Darauf ich: &#8220;Aber ich liebe doch das Theater und die Dichter.&#8221; Darauf er: &#8220;Ich rate Dir, mache jetzt erst diese Lehre. Danach kannst du immer noch einen anderen Weg suchen.&#8221; Ein vern&#252;nftiger Rat, doch in mir war alles leer. Ich hatte es gewusst, es gab keine Br&#252;cke. Alles nur Backfischschw&#228;rmerei? Meine Tr&#228;ume von einem Leben inmitten begl&#252;ckender Dichterzeilen nahm ich aber doch ins erwachsene Leben mit. Sie tauchten als Zitate auf, bis heute.</p>
<p><b>&#8220;Auf zum  Hindemitht&#252;rmchen! Wir verbrennen die B&#252;cher!&#8221;</b></p>
<p>Vor Ostern bekamen wir unsere Abschlusszeugnisse. Es herrschte Hochstimmung. &#8220;Auf zum  Hindemitht&#252;rmchen! Wir verbrennen die B&#252;cher!&#8221;, riefen einige. Die Klasse setzte sich in Bewegung und ich trottete mit.</p>
<p>Die Deutschherrenschule lag an der Sachsenh&#228;user Mainseite nahe der Obermainbr&#252;cke. Westlich davon, an der Alten Br&#252;cke, war das gro&#223;e, abweisende Deutschherrenhaus mit der barocken Deutschordenskirche. Dazwischen stand der Hindemithturm, dessen richtiger Name Kuhhirtenturm war. Der Turm wurde im sp&#228;ten 14. Jahrhundert als Torhaus der Stadtbefestigung erbaut und damals Kuhhirtentor oder Paradiespf&#246;rtchen genannt. Er war umrahmt von einem  kleinen Waldst&#252;ck. Von 1923 bis 1927 hatte Paul Hindemith (geb.1895 in Hanau, gest. 1963 in Frankfurt), der ber&#252;hmte Komponist der Neuen Musik, im Turm gewohnt. Dort entstand seine Oper Cardillac. Mit den Nazis geriet er in Konflikt und wanderte nach Amerika aus. Nach dem Krieg kam er, vielbeklatscht, aber auch abgelehnt, nach Europa zur&#252;ck. </p>
<p>Im W&#228;ldchen am Turm war eine kleine Kuhle. Dort entfachten Schulkolleginnen schnell ein munteres Feuer und warfen ihre Schulb&#252;cher hinein. Es wurde mir klar, die Aktion war geplant. Ich stand oberhalb an einem Baum, meine Schultasche an den Stamm gelehnt, beobachtete den Vorgang und verstand den Sinn nicht. Mit den B&#252;chern in der Tasche ging ich verwirrt nach Hause. In der letzten Stunde mit der Klasse, bevor wir uns in alle Winde verstreuten, hatte ich mich von niemandem richtig verabschieden k&#246;nnen. Kein Lachen &#252;ber die Schlagballspiele, die uns in drei aufeinanderfolgenden Jahren die Stadtmeisterschaft und der Deutschherrenschule als Preis ein Segelschiff auf st&#252;rmischen Wellen in &#214;l eingebracht hatte &#8211; es hing im Klassenzimmer &#252;ber der Tafel -, keine Versprechungen, den Kontakt aufrecht zu erhalten. Alles vom Feuer erstickt. </p>
<p>Sie wussten nicht, was sie taten. Noch heute kann ich nicht verstehen, wie die infamen B&#252;cherverbrennungen, ausgeheckt und durchgef&#252;hrt von der bereits gleichgeschalteten Deutschen Studentenschaft unter F&#252;hrung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbunds, im Bewusstsein oder Vorbewusstsein auch bei uns Jugendlichen Platz greifen konnten. In Berlin und 21 weiteren deutschen St&#228;dten fanden sie bereits am 10. Mai 1933 statt, in Frankfurt auf dem R&#246;merberg. Am Hindemithturm im Jahr 1938 war kein Erwachsener zugegen. Es nahm auch niemand Notiz von unserer Aktion. Es war die Art und Weise der Entledigung geworden, egal von was. Ich stand verst&#228;ndnislos dabei und habe hingeguckt &#8211; wie bei sp&#228;teren Ereignissen. Manche Studenten haben es 1933 wohl ebenso gehalten. &#8220;Wo man B&#252;cher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen,&#8221; hat Heinrch Heine gewusst.</p>
<p><strong>Immer am Rande, nie zugeh&#246;rig</strong></p>
<p>F&#252;r Heldentum konnte ich mich nicht begeistern, auch nicht f&#252;r die in der Nazizeit hochgejubelten Nordischen Sagen. Grabbes &#8220;Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung&#8221; habe ich im Frankfurter Schauspielhaus wiederholt gesehen, mit Bum Kr&#252;ger als Teufel. </p>
<p>Will man sich gegen eine &#220;berzahl von Andersgesinnten wehren, muss man sich mit Gleichgesinnten zusammentun. Das ist mir nicht gelungen. Ich fand mich immer am Rande, nie zugeh&#246;rig. So habe ich vor dem Luftangriff auf Bockenheim am 8. Februar 1944, am Luftschutzkeller der Franzosen stehend, auf eine einladende Handbewegung gewartet. </p>
<p>Am Dienstag, dem 19. April 1938, gegen 6.15 Uhr, setzte ich mich auf mein Fahrrad und fuhr zu Schanzenbach. P&#252;nktlich um 7.00 Uhr stand ich im Hauptb&#252;ro. An diesem Morgen und f&#252;r ein paar weitere Wochen heulte ich, auf dem Fahrrad sitzend, ein bisschen vor mich hin, meistens auf der Bockenheimer Landstra&#223;e &#8211; da ging es immer geradeaus. </p>
<p>Wie jeder neue Lehrling kam ich die ersten drei Monate in die Registratur. Dort gab es zwei Registratoren, die sich im Dienst abwechselten. Der eine war krank und konnte schlecht laufen. Er kaute immer einen Priem. Wenn er h&#246;rte, dass jemand gestorben war, sagte er: &#8220;Der ist jetzt in den ewigen Jagdgr&#252;nden Mesopotamiens.&#8221; Der andere war d&#252;nn und fahrig. Er strich sich st&#228;ndig &#252;ber den Kopf. Vom Wahnsinn der deutsch/franz&#246;sischen Grabenk&#228;mpfe im 1. Weltkrieg hatte er ein Loch in der Sch&#228;deldecke. Unter der Haut pulsierte das Blut. Ich sa&#223; in einer Ecke des Raums und sie brachten mir laufend St&#246;&#223;e von Ordnern, in die sie die Korrespondenz mit Kunden bereits eingelegt hatten. Ich heftete diese Papiere ab und stellte die Ordner zur&#252;ck auf ihren Tisch. Eint&#246;nig. </p>
<p><div id="attachment_4598" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/P2240912.jpg" rel="lightbox[4587]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/P2240912-150x150.jpg" alt="Margrit Seewald-Graf heute, mit ihrer Enkelin Anna" title="Margrit Seewald-Graf heute, mit ihrer Enkelin Anna" width="150" height="150" class="size-thumbnail wp-image-4598" /></a><p class="wp-caption-text">Margrit Seewald-Graf heute, mit ihrer Enkelin Anna | Bild: privat</p></div>Im Sommer kam ich dann ins Hauptb&#252;ro. Dort sa&#223;en etwa 25 Leute: der B&#252;rodirektor, zwei Prokuristen, zwei Handlungsbevollm&#228;chtigte, Angestellte und Lehrlinge. Alle hatten mit Verkauf und Einkauf zu tun. Meine Arbeit dort war auch langweilig, Papiere sortieren und abheften. Aber ich stand an einem Tisch vor einer Wand voll Ordner. Von dort hatte ich das ganze B&#252;ro im Blick. Ich beobachtete, was die Leute so den ganzen Tag trieben, wie sie miteinander umgingen, wer wen nicht leiden konnte, wo Blicke wortlosen Einverst&#228;ndnisses gewechselt wurden, auch Blicke aus strahlenden Augen, ausgetauscht von jenen, denen die Welt umher versank. Hier lernte ich die anderen Lehrlinge kennen. Zu meiner Verbl&#252;ffung sah ich, dass die meisten M&#228;nner, ledig oder nicht, mit einer jungen Frau verbandelt waren. So also war die Welt der Erwachsenen. </p>
<p>Zwei der leitenden Angestellten riefen regelm&#228;&#223;ig ihre Sekret&#228;rin zum Diktat. Die beiden &#228;lteren Damen waren zur&#252;ckhaltend gekleidet. Die Kleinere steckte in orthop&#228;dischen Schuhen und hatte einen graumeliertem Dutt, die Gro&#223;e war &#252;berschlank und hatte kurzes, welliges Haar. Sie trugen schwarze B&#252;rokittel, zumindest &#196;rmelschoner. Im Jahr zuvor hatten sie ihr 25-j&#228;hriges Dienstjubil&#228;um begangen und schienen uns jenseits von Gut und B&#246;se. In meinem ersten Lehrjahr feierten beide ihren 40. Geburtstag. Wir alle trugen oft B&#252;rokittel. Ich hatte mir einen wei&#223;en mit Stehb&#252;ndchen gen&#228;ht und kn&#246;pfte ihn hinten zu.</p>
<p>Mein Lohn im 1. Lehrjahr war 23 Mark. Am Letzten des Monats kam die sehnlich erwartete Lohnbuchhalterin mit einem Kasten voller Lohnt&#252;ten. Den Kasten hielt sie waagrecht &#252;ber ihrem korsettierten Busen und stellte ihn auf jedem Schreibtisch ab, um eine T&#252;te auszuh&#228;ndigen. Die T&#252;ten hatte sie in Buchhalterschrift mit Namen versehen und s&#228;uberlich zugeklebt. Die leitenden Angestellten steckten die T&#252;ten in die Tasche. Wir rissen sie auf und z&#228;hlten nach. Lottchen Hillesheim und ich &#8211; sie war schon im 2. Lehrjahr mit 38 Mark &#8211; hatten eine Abmachung getroffen. Wir kauften uns jeden Zahltag in der Mittagspause eine Tafel Ritter Sport Vollmilchschokolade, schon damals quadratisch verpackt, und teilten sie. Sie kostete   35 Pfennig und abwechselnd bezahlte die eine von uns 17, die andere 18 Pfennig.</p>
<p><strong>Nach dem Kino ins Café Hauptwache</strong></p>
<p>Von meinem Lohn gab ich 10 Mark zu Hause ab, im Jahr darauf 15 Mark. Mit dem Rest konnte ich machen, was ich wollte: Neue Schuhe kaufen oder die alten zum Schuster bringen, Baumwollstr&#252;mpfe oder Seidene mit schicker Naht, sch&#246;ne Stoffe zum Selbern&#228;hen oder Billiges von der Stange, mit dem Fahrrad fahren oder 10 Pfennig f&#252;r die Stra&#223;enbahn ausgeben. Die Arbeitszeit war 48 Stunden, samstags bis zum Mittag. Mit dem Fahrrad sparte ich in der Woche 1,20 Mark und konnte daf&#252;r zwei Mal ins Kino gehen. Oder besser, einmal am Wochenende mit einer Freundin ins Kino und dann noch ins Café Hauptwache.     </p>
<p>Wir wohnten im Ostend, in der Schwanenstra&#223;e, einer ruhigen Seitenstra&#223;e der Obermainanlage. Im nahegelegenen Rechneiweiher in den Anlagen &#8220;tunkten holde Schw&#228;ne, trunken von K&#252;ssen, das Haupt ins heilign&#252;chterne Wasser&#8221; (H&#246;lderlin, H&#228;lfte des Lebens). Unser &#8220;H&#246;lder&#8221;, der 26-j&#228;hrig f&#252;r zwei schicksalhafte Jahre den Dienst als Hofmeister bei der Bankiersfamilie Gontard in Frankfurt antrat. Elf Jahre sp&#228;ter, 1807, im heimatlichen T&#252;bingen, nahm ihn die Schreinersfamilie Zimmer in ihren Turm am Neckar auf, jetzt H&#246;lderlinturm genannt. Da war er geistig verwirrt. 35 Jahre lang, bis zu seinem Tod, pflegten und versorgten sie ihn.  </p>
<p>In kaltem Winter, wenn das Eis fest genug war und die holden Schw&#228;ne wohl im nahen Zoo Schutz fanden, liefen wir auf dem Rechneiweiher in der Obermainanlage Schlittschuh. Bei angenehmem Wetter, nachdem es dunkel geworden war, erkundeten P&#228;rchen auf den verstreuten Parkb&#228;nken die heilign&#252;chterne Liebe.</p>
<p><b>10-Pfennig-St&#252;cke f&#252;r die Gasuhr</b></p>
<p>Im Frankfurter Ostend wohnte in den drei&#223;iger Jahren fast die H&#228;lfte der rund 30.000 Frankfurter Juden. Nahe unserer Wohnung standen auch zwei der drei gro&#223;en Synagogen der Stadt, eine an der Friedberger Anlage, die andere auf dem B&#246;rneplatz in der Altstadt. Die Synagoge an der Friedberger Anlage war der Mittelpunkt des orthodoxen j&#252;dischen Glaubens. </p>
<p>Die meisten Juden im Osten Frankfurts waren kleine Leute, viele davon aus Osteuropa. Unter uns, im 1. Stock, wohnte sehr zur&#252;ckgezogen ein j&#252;disches Ehepaar mit Sohn, wenig &#228;lter als ich. Die Bewohner des Hauses hatten kaum Kontakt miteinander. Im Treppenhaus gr&#252;&#223;te man sich, das war alles. Bevor wir 1935 in die Schwanenstra&#223;e zogen, bewohnten wir in der Obermainanlage 1 eine gr&#246;&#223;ere, auch sch&#246;nere Wohnung. Dort habe ich freitags bei der j&#252;dischen Familie im Parterre 10-Pfennig-St&#252;cke in die Gasuhr geworfen, damit das Gas zum Kochen nicht ausging. Fromme Juden d&#252;rfen am Sabbat n&#228;mlich kein Geld in die Hand nehmen. F&#252;r diesen kleinen Dienst bekam ich einen Datscher, ein rundes Sabbatbr&#246;tchen ohne Salz. Ich a&#223; es gleich. Manchmal bestrich meine Mutter den Datscher mit Zwetschenlatwerg. Mit den Gasuhren haben die Gaswerke damals daf&#252;r gesorgt, dass niemand mehr Gas verbrauchte als er bezahlen konnte. Viele Familien hatten eine mit Stroh gef&#252;llte Kochkiste. Abends stellte man den kochend hei&#223;en Eintopf in die Kiste, machte den Deckel zu und am n&#228;chsten Morgen war das Essen gar.</p>
<p><strong>Im Herbst feierten die Nachbarn ihr Laubh&#252;ttenfest</strong></p>
<p>Die H&#228;user im Ostend waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts solide gebaut worden, mit dicken W&#228;nden, breiten Holztreppen, hohen Decken und gro&#223;en T&#252;ren. Die meisten standen Mauer an Mauer und bildeten gro&#223;e Blocks. Von den K&#252;chenfenstern schaute man in G&#228;rten mit Stangen zum Teppichklopfen und solchen mit Haken f&#252;r W&#228;scheleinen. Dort standen B&#228;ume und auch Hecken, die die Grundst&#252;cke voneinander trennten. Kleine Blumenbeete gab es nur vereinzelt. </p>
<p>Zwischen dem sp&#228;ten September und Mitte Oktober feierten die Juden in der Mitte der G&#228;rten ihr Laubh&#252;ttenfest. 5. Buch Mose: &#8220;Wenn nicht nur die Getreide-, sondern auch die Weinernte eingebracht ist, sollt ihr sieben Tage lang das Laubh&#252;ttenfest feiern. Begeht es als Freudenfest mir euren S&#246;hnen und T&#246;chtern, euren Sklaven und Sklavinnen und mit den Leviten in eurer Stadt, den Fremden, die bei euch leben, den Waisen und Witwen.&#8221; F&#252;r das Fest im Freien hatten sie eine mit Laub gedeckte H&#252;tte errichtet. Dort nahmen sie gemeinsam die Mahlzeiten ein und hielten ihre Andachten ab. In unserer K&#252;che h&#246;rten wir ihre Ges&#228;nge, das Gewirr von Stimmen, Kinderlachen. </p>
<p>W&#228;hrend ich meine Erinnerungen niederschreibe, taucht bisweilen eine lang vergessene Szene wieder auf, so auch vom Laubh&#252;ttenfest im Herbst 1938. Die Gemeinde hatte sich in den G&#228;rten versammelt. Es war schon dunkel. Zwischen B&#228;umen und Geb&#252;sch flimmerte der Schein ihrer Lampen. Wir sa&#223;en am K&#252;chentisch beim Abendessen. Wahrscheinlich taten die Feiernden zu dieser Stunde ein Gleiches. Da sagte meine Mutter: &#8220;Ach, es regnet. Da werden sie unten im Freien ja wieder nass.&#8221; </p>
<p>In diesen Tagen m&#252;ssen die Pl&#228;ne f&#252;r die &#8220;Kristallnacht&#8221;-Pogrome schon festgelegt und das Naziregime mit den Details der &#246;rtlichen Durchf&#252;hrung befasst gewesen sein.  </p>
<p><b>9. November 1938: &#8220;Wo bleibt denn die Feuerwehr?&#8221;</b></p>
<p>Am Abend des 9. November waren wir im Wohnzimmer. Vielleicht hatte mein Vater ein paar Scheite Holz im Ofen nachgelegt, meine Mutter W&#228;sche sortiert und ich gestrickt. Wir h&#246;rten pl&#246;tzlich Schreie von der Stra&#223;e, Hilferufe, Befehle, Sch&#252;sse und liefen zu den Fenstern. Im Schein der Stra&#223;enlaternen sahen wir unten Menschen laufen &#8211; Alte, Junge, M&#228;nner, Frauen. Manche rannten hin und her, wussten nicht wohin, wurden von anderen eingefangen, gepr&#252;gelt, in Autos gezerrt. Mein Vater lief die Treppe hinunter auf die Stra&#223;e, kam wieder zur&#252;ck. Ich h&#246;rte, wie er die Wohnungst&#252;r abschloss. Er kam ins Zimmer, zog mich vom Fenster, aschfahl im Gesicht. &#8220;Sie holen die Juden aus ihren Wohnungen&#8221;, sagte er. Autos fuhren unten weg, andere kamen, Reifen quietschten. Kurze Ruhe. Dann wieder Befehle und Schreie. Endlich Stille. Nach einiger Zeit Rufe: Feuer! Es brennt! Ruft die Feuerwehr! Auf der Stra&#223;e war kein Feuer zu sehen. Meine Eltern gingen zum K&#252;chenfenster. Dort, hinter den Hausd&#228;chern der Weiherstra&#223;e, f&#228;rbte sich der Himmel rot und Rauch stieg auf. Meine Mutter rief: &#8220;Wo bleibt denn die Feuerwehr?&#8221; Mein Vater antwortete: &#8220;Da kommt keine Feuerwehr. Sie haben die Synagoge angesteckt.&#8221; In unser Haus kamen sie in dieser Nacht nicht, aber sp&#228;ter.</p>
<p>Mein Ged&#228;chtnis gibt nicht preis, ob die Nazischergen damals ihre Schandtat in Uniform ver&#252;bten oder nicht. Wenn die Szene aber vor meinen geschlossenen Augen abl&#228;uft, sehe ich keine Uniformen. Abgekartet haben sie sich also als Zivilisten verkleidet. Die internationale Presse berichtete &#252;ber die Pogrome in Deutschland und die Emp&#246;rung war weltweit gro&#223;. Schamlos log Joseph G&#246;bbels, der Reichsminister f&#252;r Volksaufkl&#228;rung und Propaganda, der Volkszorn gegen die Juden habe sich spontan entladen.</p>
<p><b>Am Tag danach: Die Zeil war seltsam leer</b></p>
<p>Der 10. November 1938 war ein Donnerstag und ich fuhr mit dem Rad ins B&#252;ro. In der Schwanenstra&#223;e sah ich keine Spuren mehr vom Pogrom der vergangenen Nacht. Am Rechneiweiher vorbei, durch den Rechneigraben zum B&#246;rneplatz. Die Synagoge dort, zum Teil eingest&#252;rzt, brannte noch und der Rauch stieg auf. Weiter durch die ehemalige B&#246;rnestra&#223;e zur Konstabler Wache und dann auf die Zeil. Die gro&#223;e Frankfurter Einkaufsstra&#223;e habe ich seltsam leer in Erinnerung, keine Stra&#223;enbahn, kaum Autos, wenig Fu&#223;g&#228;nger. Je weiter ich fuhr, desto gr&#246;&#223;er die Verw&#252;stung. Schaufensterscheiben eingeschlagen, die Auslagen gepl&#252;ndert. Die Fenster in den oberen Stockwerken auch zertr&#252;mmert. Vor einem der gro&#223;en Warenh&#228;user auf der rechten Seite lagen kaputte Radios auf der Stra&#223;e. Ich stieg vom Fahrrad und sah mich um. Vor dem zerst&#246;rten Eingang des Gesch&#228;fts standen breitbeinig zwei S.A.-M&#228;nner, eine Hand am Koppel, gerade so, als wollten sie das Haus besch&#252;tzen. Einer der beiden kam auf mich zu und ich fragte ihn, warum diese Radios herumliegen. Das ginge mich einen Dreck an, die Antwort &#8211; &#8220;und wenn du nicht gleich Leine ziehst, kannst du was erleben.&#8221; Ich stieg auf mein Fahrrad und er rief mir nach: &#8220;Sei froh, dass ich dich laufen lasse!&#8221; Ich fuhr weiter &#252;ber die Hauptwache, durch die Fressgasse, am &#8220;Sch&#246;nen Guten Wahren&#8221; des Opernhauses vorbei, die Bockenheimer Landstra&#223;e entlang bis zur Bockenheimer Warte und von dort in die Adalbertstra&#223;e zu Schanzenbach. Um halb acht stand ich im Hauptb&#252;ro vor der Wand mit den Ordnern.</p>
<p>Von 8.45 Uhr bis 9.00 Uhr hatten wir Fr&#252;hst&#252;ckspause. Drei oder vier von uns Lehrlingen trafen sich in einem verglasten Kabuff bei einer Typistin, die auf einer lautstarken Maschine Kundenauftr&#228;ge mit einem Dutzend Durchschl&#228;gen tippte. Sie war mit einem S.A.-Mann verlobt. Ich berichtete von meiner Fahrt durch die Stadt und fragte sie, ob ihr Verlobter gestern auch dabei gewesen sei. Das wisse sie nicht. &#8220;Fragst du ihn heute abend?&#8221;  &#8220;Das wei&#223; ich auch nicht&#8221;, ihre Antwort. &#8220;Aber willst du denn nicht wissen, ob er dabei war?&#8221; &#8220;In seine Arbeit f&#252;r die Partei mische ich mich nicht ein.&#8221;  &#8220;Aber wie kannst du mit jemandem verlobt sein und nicht wissen wollen, was er sonst tut?&#8221; &#8220;Und was geht dich das an? Jetzt habe ich genug von deiner Fragerei. Verschwinde hier.&#8221; Die Fr&#252;hst&#252;ckspause war sowieso vorbei.</p>
<p><b>Niemand sprach &#252;ber die vergangene Nacht</b></p>
<p>Ich ging wieder an meinem Sortiertisch vor der Ordnerwand. Nichts passierte an diesem Tag im Hauptb&#252;ro von Schanzenbach, das mir in Erinnerung geblieben w&#228;re &#8211; abgesehen davon, dass niemand &#252;ber die vergangene Nacht sprach. Vielleicht waren der Direktor, die beiden Prokuristen, die beiden Handlungsbevollm&#228;chtigten, die Angestellten und die Lehrlinge etwas wortkarger als sonst. Vielleicht emp&#246;rten sie sich zu zweit, zu dritt &#252;ber das Geschehene, und wenn, dann dort, wo niemand sie sah und h&#246;rte und aus Angst, als Gegner des Regimes auf eine Liste gesetzt zu werden. </p>
<p>Nach dem Krieg bildete sich f&#252;r diese Haltung in Deutschland der Begriff &#8220;innere Emigration&#8221;.  Man sprach auch allen Ernstes von &#8220;Vergangenheitsbew&#228;ltigung&#8221;. Der Abgrund der Nazizeit ist davon unber&#252;hrt geblieben. </p>
<p>In den Annalen ist nachzulesen, dass die Schergen in die Synagoge in der Friedberger Anlage noch drei Mal Feuer legten, auch mit Benzinf&#228;ssern, damit sie richtig ausbrannte. Danach erteilten sie den Befehl zum Abriss. Die Kosten daf&#252;r und f&#252;r die Beseitigung von Schutt und Tr&#252;mmern stellten sie den J&#252;dischen Gemeinden in Rechnung. Nicht allein in Frankfurt, sondern &#252;berall im Dritten Deutschen Reich. Obendrein mussten die J&#252;dischen Gemeinden noch eine Milliarde in die Staatskasse zahlen.</p>
<p>In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ist das Tor aufgesto&#223;en worden f&#252;r den Weg in die Vernichtungslager.</p>
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		<title>Kracauers &#8220;Ginster&#8221; &#8211; ein Frankfurter Anti-Held</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Apr 2013 09:45:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frankfurter Rundschau</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Erster Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Kriege & Besatzung]]></category>
		<category><![CDATA[Siegfried Kracauer]]></category>

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		<description><![CDATA[Frankfurt liest ein Buch - in diesem Jahr ist es "Ginster" von Siegfried Kracauer. Der junge Frankfurter Redakteur wird mit dem 1928 erschienen Roman weithin bekannt - und zur Hassfigur der Nazis. 1933 muss er Deutschland verlassen.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_4555" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/fr_71-51197842.jpg" title="Siegfried Kracauer  1930, in dem Jahr, als  er f&#252;r die Frankfurter Zeitung nach Berlin ging.   Bild: Schiller-Nationalmuseum" rel="lightbox[4545]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/fr_71-51197842-150x150.jpg" alt="Siegfried Kracauer 1930, in dem Jahr, als er f&#252;r die Frankfurter Zeitung nach Berlin ging." title="Siegfried Kracauer" width="150" height="150" class="size-thumbnail wp-image-4555" align="left"/></a><p class="wp-caption-text">Siegfried Kracauer  1930, in dem Jahr, als  er f&#252;r die Frankfurter Zeitung nach Berlin ging.   Bild: Schiller-Nationalmuseum</p></div>Im Alter von 17 Jahren, am 23. August 1906, hat es Siegfried Kracauer erstmals auf die Seite 1 der Frankfurter Zeitung geschafft. Der Reisebericht des Penn&#228;lers &#8220;Ein Abend im Hochgebirge&#8221; findet sich auf dem Feuilleton-Platz des Blattes. Mit diesem journalistischen Einstand hat der junge Kracauer nach Meinung des Literaturwissenschaftlers Wolfgang Schopf das Ziel markiert, &#8220;bis zu dessen Erlangung noch 15 Jahre vergehen werden&#8221;. Das Ziel ist ein Arbeitplatz in der bedeutenden Frankfurter Zeitung (FZ) in der Gro&#223;en Eschenheimer Gasse.</p>
<p>Siegfried Kracauer, der ein Jahr sp&#228;ter an der Klinger-Schule sein &#8220;Zeugnis der Reife&#8221; in Empfang nimmt, &#8220;m&#246;chte immer schreiben, dichten&#8221;. Das &#8220;praktische Arbeiten ist mir das Entsetzlichste&#8221;. Schon als Junge ist er auf Streifz&#252;gen durch Frankfurt unterwegs gewesen, &#8220;durch ein immer wechselndes Wandelpanorama von Bildern&#8221;. So entzieht er sich dem einengenden Zuhause im Nordend. Und so landet er auch in der geistigen Welt seines Onkels Isidor Kracauer, der als Historiker an einer &#8220;Geschichte der Juden in Frankfurt a.M.&#8221; arbeitet: &#8220;Auf der Schreibtischplatte h&#228;uften sich Aktenb&#252;ndel und einzelne Bl&#228;ttchen &#8230; es war gef&#228;hrlich, die Bl&#228;ttchen auch nur anzusehen, da ihre Reihenfolge dann sofort nicht mehr stimmte; allein der Onkel hatte &#252;ber die Zettel Gewalt&#8221;, schreibt Kracauer in &#8220;Ginster&#8221;, dem neuen Roman bei &#8220;Frankfurt liest ein Buch&#8221;.</p>
<p>Zum dritten Mal seit Beginn 2010  ist damit ein Werk ausgesucht worden, auf dessen Spuren sich  das alte Frankfurt aufbl&#228;ttern l&#228;sst.</p>
<blockquote><p>&#8220;Ginster stammte aus F., einer historisch gewachsenen Gro&#223;stadt. Wie andere St&#228;dte nutzte sie ihre Vergangenheit zur Hebung des Fremdenverkehrs aus.&#8221; </p></blockquote>
<blockquote><p>  „So ging ich von der Stadtbibliothek aus &#252;ber die Obermainbr&#252;cke, lie&#223; mich von den Sachsenh&#228;user Gassen verschlingen, glitt einem Flu&#223;kahn gleich durch die Allee am St&#228;del vorbei …“ </p></blockquote>
<blockquote><p>&#8220;Rechts strich die Mauer des st&#228;dtischen Hauptfriedhofs vorbei, mit ihren Kranzbuden und dem hohen Krematorium, einem neuzeitlichen Kuppelbau, dessen Schornstein an eine Fabrik gemahnt h&#228;tte, w&#228;re er nicht besonders religi&#246;s ausgebildet gewesen. &#8220;</p></blockquote>
<blockquote><p>&#8220;Sie gingen durch das Westend, wo die Villen und die Herrschaftsh&#228;user sich in ihre Vorg&#228;rten zur&#252;ckziehen, damit der  Asphalt sie nicht streift.&#8221; </p></blockquote>
<p>Es ist ein autobiografischer Roman, den Kracauer parallel zur Arbeit als Redakteur abschlie&#223;t. Der Protagonist verweigert sich allem patriotischen &#220;berschwang, aller Kriegsbegeisterung. Ginster, der junge Architekt, zieht 1914 nicht in den Ersten Weltkrieg. Zun&#228;chst einmal nicht.  Um diese Figur herum entwirft Siegfried Kracauer in  &#8220;Ginster&#8221;,  1928 erschienen, ein Panorama der Stadt Frankfurt und der Zeit des gro&#223;en Krieges. Dieses Buch machte den jungen Feuilletonredakteur als Schriftsteller in ganz Deutschland bekannt. Der studierte Architekt aus kleinb&#252;rgerlichem j&#252;dischen Elternhaus in Frankfurt, der auch Vorlesungen in Soziologie und Philosophie besucht hatte, wurde aber auch zu einer besonderen Hassfigur der nationalen Rechten und der Nationalsozialisten. 1933 musste er aus Deutschland fliehen, seine Mutter wurde sp&#228;ter ins KZ Theresienstadt deportiert.</p>
<p>&#8220;Ginster&#8221; ist der klassische Anti-Held. Er versteht die deutscht&#252;melnde Begeisterung nicht, die bei Kriegsausbruch 1914 viele Menschen ergreift. &#8220;Warum besch&#228;ftigen sich jetzt alle Leute mit Patriotismus. Seit rechts im Osten ein St&#252;ck Land vom Gegner besetzt worden ist, jammern sie, als geh&#246;re es ihnen privat. Fr&#252;her haben sie sich um das St&#252;ck Land gar nicht gek&#252;mmert. Ich kann doch keine Gef&#252;hle f&#252;r etwas aufbringen, das ich nicht kenne.&#8221;</p>
<p>Der junge Mann l&#228;sst sich ein Attest ausstellen, das ihn zun&#228;chst vom Kriegsdienst befreit. F&#252;r sechs Wochen. Aus diesen sechs Wochen werden zwei Jahre. Doch dann, als immer mehr M&#228;nner der Kriegsmaschine zum Opfer fallen, der Blutzoll an den Fronten immer gr&#246;&#223;er wird, muss auch Ginster einr&#252;cken. Er ger&#228;t in eine grotesk-absurde Welt mit ganz eigenen Regeln: in die Armee. Kracauer findet viele poetische und beeindruckende Sprachbilder, um die Entfremdung des jungen Mannes zu beschreiben. Beim Marschieren zum Beispiel: &#8220;Ginster zerfiel in zwei Teile, rechtes Bein, linkes Bein, rechts und links, der Kopf davon, weiter gehn, nichts geschehn. Wenn es ihm einmal gl&#252;ckte, aus den Beinen zu springen, geriet er in den Karabiner. Wie ein Streichholzm&#228;nnchen, aus drei Strichen gebildet.&#8221;  </p>
<p>Am 8. April 1928 k&#252;ndigt die Frankfurter Zeitung an: &#8220;Wir sind in der Lage, Fragmente aus einem gro&#223;en, noch unver&#246;ffentlichten Roman ,Ginster´ vorlegen zu k&#246;nnen, der die Schicksale eines bescheidenen Menschen im Hinterland w&#228;hrend des Weltkriegs behandelt. Dem Wunsch des Autors, ungenannt zu bleiben, haben wir Rechnung zu tragen. D.Red.&#8221;<br />
<em>Claudia Michels, Claus-J&#252;rgen G&#246;pfert</em></p>
<p>Das komplette Programm rund um Kracauers &#8220;Ginster&#8221; auf <a href="http://www.frankfurt-liest-ein-buch.de/2013/">www.frankfurt-liest-ein-buch.de</a></p>
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		<title>Die bewegte Geschichte des Hauses &#8220;Zum Engel&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Mar 2013 09:47:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frankfurter Rundschau</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Straßen, Plätze, Bauwerke]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Frankfurter Altstadt: Nicht erst in diesen Tagen wird &#252;ber die Rekonstruktion mittelalterlicher Bauten nachgedacht. Das Haus zum Engel an der Nahtstelle zwischen Dom und R&#246;mer etwa wurde in den 1980er Jahren originalgetreu wieder aufgebaut.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_4524" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/die-bewegte-geschichte-des-hauses-zum-engel/grosser-engel" rel="attachment wp-att-4524"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/grosser-engel-150x150.jpg" alt="Gro&#223;er Engel damals (1870) und heute (2011)" title="Gro&#223;er Engel damals (1870) und heute (2011)" width="150" height="150" class="size-thumbnail wp-image-4524" /></a><p class="wp-caption-text">Gro&#223;er Engel damals (1870) und heute (2011)</p></div>Ein Engel bewacht den R&#246;merberg. Er &#8220;tr&#228;gt&#8221; und &#8220;sch&#252;tzt&#8221; den leicht geschwungenen Erker-Sockel des ersten Hauses an der Ostzeile. Ein anderer Engel am selben Haus, kleiner und zierlicher, ragt genau &#252;ber die Ecke zum Dom hin und stellt mit seinem Zepter in der Hand eine f&#252;r das heutige Frankfurt ungew&#246;hnliche Verbindung her: zwischen Rathaus und Dom, also zwischen Politik und Kirche. Tats&#228;chlich zogen einst Kaiser mit Festgefolge an dieser Stelle vorbei, entlang der Gasse von der Wahlkapelle und Kr&#246;nungsst&#228;tte im Dom hin zum R&#246;mer. Bis zur Zerst&#246;rung in den Bombenn&#228;chten des M&#228;rz 1944 galt das reich verzierte &#8220;Haus zum Engel&#8221; als Schmuckst&#252;ck und Wahrzeichen.  <span id="more-4525"></span></p>
<p>Schmal und fein gegliedert, leicht gebeugt unter der Last der Jahre, mit seinem reich geschnitzten Fachwerk, seinen Figuren und dem turmgekr&#246;nten zierlichen Erker hatte das &#8220;Haus zum Engel&#8221; 382 Jahre lang die Ostseite des R&#246;merbergs flankiert. Anfang der achtziger Jahre wurde es mit der gesamten Ostzeile am R&#246;merberg vollst&#228;ndig rekonstruiert und 1985 neu bezogen. Der Abriss des steinernen Sockels mit den Renaissance-Skulpturen, der nach dem gro&#223;en Brand 1944 stehen geblieben war, hatte 1950 hei&#223;e Diskussionen unter den alten Frankfurtern entfacht. Dass ihr Schmuckst&#252;ck in der &#8220;gutt Stubb&#8221; nicht wieder aufgebaut werden sollte, schmerzte sie zutiefst. Mit dem Neubau der alten Zeile &#8211; als &#8220;identit&#228;tsstiftend&#8221; begr&#252;&#223;t und als &#8220;Disney-Land&#8221; abgelehnt &#8211; ist unbestritten ein St&#252;ck Frankfurter Geschichte pr&#228;sent. </p>
<p>Eigentlich besteht das &#8220;Haus zum Engel&#8221; aus zwei H&#228;usern unter einem Dach: dem &#8220;Gro&#223;en Engel&#8221; und dem &#8220;Kleinen Engel&#8221;. Aber der Boden an dieser Stelle war auch im Mittelalter schon kostbar und s&#252;ndhaft teuer, so dass man auf kleiner Fl&#228;che in die H&#246;he baute. 1342 wird das Haus zum ersten Mal urkundlich erw&#228;hnt, die pr&#228;chtige Ausstattung erhielt es allerdings erst 1562. </p>
<p>Zun&#228;chst hatte der erste in den B&#252;chern erw&#228;hnte Besitzer, ein Peter Essigmenger, das teure Eckhaus aus finanziellen Gr&#252;nden bald wieder absto&#223;en m&#252;ssen und ein Apothekermeister aus Worms, der gerade f&#252;r viel Geld das Frankfurter B&#252;rgerrecht erworben hatte, lie&#223; sich im &#8220;Engel&#8221; nieder. Seine S&#246;hne teilten sp&#228;ter das Haus in den &#8220;Gro&#223;en Engel&#8221; und den &#8220;Kleinen Engel&#8221;, doch der einzige Nachkomme musste seinen wieder zusammengelegten &#8220;Engel&#8221; verkaufen, weil er auf allzu gro&#223;em Fu&#223; gelebt hatte. Der neue Besitzer er&#246;ffnete 1458 eine Geldstube, und weil ihm mindestens noch ein M&#252;nzmeister nachfolgte, hie&#223; das Haus von da ab &#8220;Die Wechsel&#8221;. Der Name &#8220;Zum Engel&#8221; verschwand.</p>
<p>Interessant wurde es um das Haus wieder in den St&#252;rmen der Reformation. Der 1534 amtierende Dekan des St. Bartholom&#228;us-Stiftes und eingetragener Besitzer der &#8220;Wechsel&#8221; mit Namen Peter genannt Steinmetz, befreundete sich mit der Lehre des Dr. Martin Luther, legte 1535 sein Amt nieder, trat zum lutherischen Bekenntnis &#252;ber und f&#252;hrte 1536 die Witwe Anna Buff als Ehefrau in sein Haus.</p>
<p>Seine Missetat und die Konsequenzen waren an allen Kirchent&#252;ren angeschlagen: Der abtr&#252;nnige Priester war ab sofort aus der katholischen Kirche ausgeschlossen. Doch der Rat der Stadt Frankfurt wusste seine F&#228;higkeiten zu nutzen und &#252;bertrug ihm das verantwortungsvolle Amt des Spitalmeisters des Hospitals zum Heiligen Geist. Dazu bedurfte es auch der tatkr&#228;ftigen Unterst&#252;tzung seiner Frau, und die mittlerweile vierk&#246;pfige Familie zog in die Dienstwohnung des Spitals. Doch als der Spitalmeister zwei Jahre darauf mit einer schweren Krankheit darnieder lag, &#252;berschrieb er kurz vor seinem Tod &#8220;Die Wechsel&#8221; seinen beiden T&#246;chtern mit Nutzungsrecht f&#252;r seine Frau. Diese war es dann auch Jahre sp&#228;ter, die das mittlerweile verfallene alte Fachwerkhaus durch den reichen Schmuckbau ersetzen lie&#223;. Als Doppelhaus und wieder mit dem Namen &#8220;Haus zum Engel&#8221;.</p>
<p>Nat&#252;rlich herrschte der Engel mit dem Zepter wieder an der Nahtstelle zwischen Dom und R&#246;mer. Und der Engel am Erker stand seitdem auf den beiden Familien-Wappen der Erbauerin. Bis 1944 &#252;berstand das &#8220;Haus zum Engel&#8221; auch alle verheerenden Altstadtbr&#228;nde, 1905 hatte die Stadt nach dem Ankauf das Anwesen restaurieren lassen.</p>
<p>Heute befindet sich wieder eine Wechselstube im Erdgeschoss, quasi Nachfolgerin der Commerzbank als Erstbezieherin 1985. Diese r&#228;umte zehn Jahre sp&#228;ter das Feld, weil die Neubebauung der Ostzeile so starke M&#228;ngel aufwies, dass eine aufwendige Grundsanierung unumg&#228;nglich geworden war. Doch der &#8220;Schutzengel&#8221; des Hauses hat dessen ungeachtet so viel Patina angesetzt, dass man gern geneigt ist, ihm eine Aura der Standfestigkeit zuzubilligen, zumal mit dem Segensspruch des Jahres 1562 in seinen H&#228;nden: &#8220;Diese Behausung sdehet in Gotes Handt, zum Engel ist sie genandt. A. MDLXII&#8221;.  </p>
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		<title>Frankfurt und seine Rundschau</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Jan 2013 19:50:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[21. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Eschenheimer Turm]]></category>
		<category><![CDATA[FR]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Sachsenhausen]]></category>

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		<description><![CDATA[F&#252;nf Adressen hatte die Frankfurter Rundschau im Laufe der letzten fast 70 Jahre. Wir zeichnen nach, wo die Zeitung seit ihrer Gr&#252;ndung 1945 ihr Domizil aufschlug.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_4500" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1945_fr_schillerstrasse.jpg" title="Das Geburtshaus der Frankfurter Rundschau in der Innenstadt. Hier war die Frankfurter Zeitung zu Hause, bis sie 1943 auf Anordnung der Nazis nicht mehr erscheinen durfte. Die FR zog in den Keller des stark besch&#228;digten Baus. / Bildquelle: FR-Archiv" rel="lightbox[1274]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1945_fr_schillerstrasse_th.jpg" alt="Das erste Rundschau-Haus" class="left"/></a> <p class="wp-caption-text">So fing's an: Frankfurter Rundschau in der Schillerstra&#223;e</p></div>  Frankfurt am Main, <strong>Schillerstra&#223;e</strong> – das ist eine gute Adresse. Jetzt wieder. Im Sommer 1945 bezeichnete sie einen verw&#252;steten Ort inmitten Tr&#252;mmern. Das Haus des ehemaligen Generalanzeigers stand noch, keineswegs unversehrt, aber nutzbar. Dort hat die Geschichte der Frankfurter Rundschau begonnen. Die sieben Lizenztr&#228;ger, die anderen Redaktionsmitglieder, Verlag und Anzeigenabteilung hatten sich dort einzurichten und das zu produzieren, was die Presseoffiziere der US-Armee ihnen aufgetragen hatten: eine demokratische „Gruppenzeitung“, getragen von den antifaschistischen Parteien und Kr&#228;ften und eben deswegen keine Parteizeitung.  <span id="more-1274"></span></p>
<p>Produziert aber – n&#228;mlich gesetzt, umbrochen und gedruckt – wurde auf der anderen Stra&#223;enseite. Unter den Tr&#252;mmern des Geb&#228;udes der einstigen Frankfurter Zeitung, im Keller, war gerade noch so viel Technik vorhanden – von Setzmaschinen, Lettern, Winkelhaken und Maternpressen bis zur Rotation –,  dass die FR-Gr&#252;nder eine Zeitung machen konnten. Bis zum 8. August 1953.  </p>
<p>An diesem Tag zog das inzwischen gro&#223; gewordene Unternehmen Druck-und Verlagshaus um in den <strong>Berentzen-Bau, Gro&#223;e Eschenheimer Stra&#223;e 16-18</strong>, zwischen dem Portal des Thurn und Taxischen Palais bis zur Ecke Stiftstra&#223;e und noch eine gro&#223;e Strecke rechts herum. Verlag, Vertrieb, Anzeigenabteilung, Redaktion und damals auch Setzerei und Druckerei unter einem Dach. Ein ansehnliches St&#252;ck Industrie-Architektur der bundesrepublikanischen Gr&#252;nderjahre war das Rundschauhaus, in einem Quartier, das seit langer Zeit Frankfurts Presseviertel gewesen war und wozu die Schillerstra&#223;e ja auch geh&#246;rt hatte. </p>
<p><div id="attachment_4501" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/fr-eschersheimer-b.jpg" rel="lightbox[1274]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/fr-eschersheimer-b-150x150.jpg" alt="Das Rundschau-Haus am Eschersheimer Turm" title="Das Rundschau-Haus am Eschersheimer Turm" width="150" height="150" class="size-thumbnail wp-image-4501" /></a><p class="wp-caption-text">Das Rundschau-Haus am Eschersheimer Turm</p></div>Der Gang &#252;ber die – zugegeben: nicht unbedingt als Attraktion zu bezeichnenden – Flure und das mit Solnhofener Sandstein gepflasterte Treppenhaus, vom Redaktionsfl&#252;gel, von den Schreibtischen mit Schreibmaschine, Schere, Leimtopf, Typometer, Telefonen und Papierbergen zur Mettage ins Reich der Umbruchtische, Pr&#228;gepressen und Regletten war ein Gang von Kollegen zu Kollegen. Gemeinschaft ist da gewachsen. Das S&#228;useln der Rohrpost, das Tickern der Fernschreiber, das Klicken der Linotypes, kurz nach 18 Uhr dann das Brummen der Rotation jenseits der Innenhofs – es machte den t&#228;glichen Produktionsprozess zur sinnlich wahrnehmbaren Gesamtheit. </p>
<p>Doch der Auslieferung des Produkts setzten die engen Innenstadt-Stra&#223;en Grenzen. Seit 1973 zogen Druckerei und Versand um nach <strong>Neu-Isenburg</strong> ins Druckzentrum an der Rathenaustra&#223;e, im Hausjargon: Werk II. Setzer und Metteure blieben an der „Eschenheimer Gass“; das „Werk III“, die Kneipe mitten in der Ladenzeile des Erdgeschosses, blieb Ort der Kollegialit&#228;t. </p>
<p>Der technische Wandel, der das Gewerbe verwandelte, die Berufe der Setzer und Metteure, Pr&#228;ger und Chemigraphen vernichtete und Computer auch statt der Schreibmaschinen, Scheren und Leimt&#246;pfe in die Redaktionsr&#228;ume pflanzte, ist dort oft nostalgisch, zuweilen auch optimistisch begossen worden. </p>
<p>Das ist Vergangenheit. Die historisch zweite Adresse der FR gibt es nicht mehr. Das von Wilhelm Berentzen entworfene Rundschauhaus, die St&#228;tte des permanenten Umbaus (uns schien es oft, als sei es zur Lehrbaustelle des hessischen Baugewerbes bestimmt gewesen), ist der Stadtplanung gewichen. </p>
<p><div id="attachment_4507" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/rundschau-colosseo-dpa.jpg" rel="lightbox[1274]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/rundschau-colosseo-dpa-150x150.jpg" alt="Frankfurter Rundschau im Colosseo / Bildquelle: dpa" title="Frankfurter Rundschau im Colosseo / Bildquelle: dpa" width="150" height="150" class="size-thumbnail wp-image-4507" /></a><p class="wp-caption-text">Frankfurter Rundschau im Colosseo</p></div>Redaktion und Verlag zogen im Juli 2005 &#252;ber den Main, nach Dribbdebach, den Nichtfrankfurtern eher als Sachsenhausen bekannt. Mit einer fr&#246;hlichen Schifffahrt an Bord der „Nautilus“ auf dem ruhigen Gew&#228;sser des Main reiste der kleiner gewordene Teil der FR-Crew ans S&#252;dufer. Das <strong>Colosseum, Walther-von-Cronberg-Platz 2-18,</strong> wurde f&#252;r eine &#220;bergangszeit das neue Domizil. Es hatte seine Vorz&#252;ge: modernere Arbeitsr&#228;ume und das nahe Mainufer. Es fehlte die N&#228;he der lebendigen Stadt. </p>
<p>Auch dies &#228;nderte sich. Die vierte Adresse (eigentlich: die f&#252;nfte; Werk II, der l&#228;ngst gr&#246;&#223;ere Teil des Unternehmens, muss doch mitgez&#228;hlt werden) war wieder eine in <strong>Sachsenhausen, Textorstra&#223;e 35.</strong> Den Standort-Vorteil am S&#252;dbahnhof, unmittelbar an den S- und U-Bahn-Linien, in einem lebendigen Stadtteil hat die erneut deutlich geschrumpfte FR-Mannschaft sch&#228;tzen gelernt. </p>
<p><div id="attachment_4508" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/rundschau-depot.jpg" rel="lightbox[1274]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/rundschau-depot-150x150.jpg" alt="Frankfurter Rundschau im Depot / Bildquelle: FR/Peter J&#252;lich" title="Frankfurter Rundschau im Depot / Bildquelle: FR/Peter J&#252;lich" width="150" height="150" class="size-thumbnail wp-image-4508" /></a><p class="wp-caption-text">Frankfurter Rundschau im Depot</p></div>F&#252;nf Adressen, die die bewegte Geschichte der Frankfurter Rundschau wiederspiegeln. Im Foyer der Verlagsadresse am Karl-Gerold-Platz  erfuhren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Verlag, Druckerei und Redaktion am 16. November 2012, dass das Druck- und Verlagshaus Insolvenz anmelden musste. </p>
<p>In den Wochen und Monaten danach erlebt die Rundschau eine gro&#223;e Solidarit&#228;tswelle: Viele schlie&#223;en ein Soli-Abo ab, die Mailpostf&#228;cher quillen &#252;ber vor Sympathiebekundungen. Am 28. Februar 2013 wird klar, dass die FR auch &#252;ber den 1. M&#228;rz 2013 hinaus Bestand haben wird &#8211; sie hat mit der Frankfurter Societ&#228;t GmbH (55 Prozent) und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung GmbH (35 Prozent) neue Eigent&#252;mer. Die Karl-Gerold-Stiftung h&#228;lt zehn Prozent. Die allermeisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der FR indes sind bei diesem Neuanfang nicht mehr dabei: Ihre Stellen in Druckerei, Verlag und Teilen der Redaktion wurden gestrichen.</p>
<p>Ende Mai 2013 wird die FR wieder umziehen &#8211; diesmal  an die Frankenallee im Gallus in das Geb&#228;ude der Frankfurter Societ&#228;t GmbH. </p>
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		<title>Der ungekl&#228;rte Tod des G&#252;nter Sare</title>
		<link>http://www.frankfurt.frblog.de/der-ungeklaerte-tod-des-guenter-sare</link>
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		<pubDate>Thu, 25 Oct 2012 13:46:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frankfurter Rundschau</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Demo & Protest]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Gallus]]></category>
		<category><![CDATA[Todesfälle]]></category>

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		<description><![CDATA[Bis heute sind die Umst&#228;nde seines Todes nicht gekl&#228;rt: Am 28. September 1985 geriet der linke Aktivist G&#252;nter Sare unter die  R&#228;dern eines Wasserwerfers und starb kurz darauf.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/sare-monika-mueller.jpg" title="Gedenken an G&#252;nter Sare - eine private Gedenktafel, heruntergerissen von der Wand des Eckhauses Hufnagelstra&#223;e/Frankenallee, fotografiert im Jahr 2010 /  Bild: Monika M&#252;ller" rel="lightbox[35]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/sare-monika-mueller-150x150.jpg" alt="Gedenken an G&#252;nter Sare" title="Gedenken an G&#252;nter Sare" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-4412" /></a>Jahrzehnte sp&#228;ter noch fordert ein hingespr&#252;hter Schriftzug auf der Wand des Hauses Nr. 34 in der Bockenheimer Basaltstra&#223;e: &#8220;Rache f&#252;r G&#252;nter Sare!&#8221; Im Herbst des Jahres 1985 schallt der Ruf in dieser oder &#228;hnlicher Form immer wieder durch Frankfurter Stra&#223;en &#8211; bei Protestm&#228;rschen, Mahnwachen, Diskussionsabenden, Teach-Ins. Der Tod des 36-j&#228;hrigen Schlossers G&#252;nter Sare am 28. September 1985 w&#252;hlt viele auf. Auch in Bremen, Berlin, G&#246;ttingen, Hannover, Hamburg, Karlsruhe und M&#252;nchen geraten linke Demonstranten und Polizisten aneinander. Frankfurts Oberb&#252;rgermeister Walter Wallmann (CDU) verh&#228;ngt ein Demonstrationsverbot &#252;ber die Stadt. In Wiesbaden setzen die Landtags-Gr&#252;nen die Koalitionsverhandlungen mit den Sozialdemokraten aus. <span id="more-35"></span></p>
<p>An jenem 28. September 1985 hatten sich im Haus Gallus an der Frankenallee um die 70 Anh&#228;nger der rechtsradikalen NPD zu einer politischen Kundgebung versammelt. Ausgerechnet im multikulturellen Gallus! Nachmittags veranstalteten Antifaschisten, NPD-Gegner, Stadtteilparteien und Migrantengruppen gleich nebenan, im Hof der G&#252;nderrodeschule, ein deutsch-ausl&#228;ndisches Freundschaftsfest. Rund 700 Menschen feiern friedlich. </p>
<p>Am Abend schl&#228;gt die Stimmung um. Die Polizei spricht von &#8220;etwa 400 Militanten&#8221;, die gegen 19.30 Uhr beginnen, Steine, Flaschen, Beutel mit Butters&#228;ure auf NPD-Anh&#228;nger zu werfen, um deren Zugang zum Haus Gallus  zu verhindern. Die Polizisten vor Ort versuchen, die beiden Gruppen auseinanderzuhalten. Sie setzen ihre Schlagst&#246;cke gegen Demonstranten ein. Etwa ab 20 Uhr l&#228;sst die Polizei auf beiden Seiten der Frankenallee die Wasserwerfer auffahren. Es ist gegen 20.30 Uhr, als eine Gruppe von Demonstranten beginnt, die Absperrung zur Hufnagelstra&#223;e abzur&#228;umen.</p>
<p>Wieder r&#252;cken Polizisten mit Schlagst&#246;cken vor, wieder beschmei&#223;en die NPD-Gegner sie mit Flaschen und Steinen. Einer der Wasserwerfer, die auf die Flaschen- und Steineschmei&#223;er halten, so scheint es den Beamten, ger&#228;t durch die Menge in Bedr&#228;ngnis. Da f&#228;hrt ein Wasserwerfer des gr&#246;&#223;ten Typs in die Kreuzung Frankenallee / Hufnagelstra&#223;e vor.</p>
<p>Der Wasserwerfer, Typenbezeichnung Wawe 9 IV / 1, Kennzeichen WI &#8211; 3026, spritzt mit 15 At&#252; und ist 26 Tonnen schwer. Er steuert auf mehrere Personen zu, die auseinander stieben. Nur ein Demonstrant bleibt auf der Stra&#223;e zur&#252;ck. Der Strahl des Wasserwerfers erfasst ihn. Um 20.52 Uhr &#252;berrollt das Gef&#228;hrt G&#252;nter Sare, aufgewachsen im Gallus, 36 Jahre alt, von Beruf Schlosser, im Vorstand des Jugendzentrums Bockenheim, seit 15 Jahren aktiv in der links-autonomen Szene, bei H&#228;userbesetzungen im Westend und bei Demos gegen den Bau der Startbahn West.</p>
<p>G&#252;nter Sare liegt auf dem Asphalt der Stra&#223;enkreuzung. Aus seinem Kopf rinnt Blut. Sein Brustkorb ist eingedr&#252;ckt. Er atmet noch. Der Medizinstudent Michael Wilk, dazu ein Arzt und ein Sanit&#228;ter versuchen, an Ort und Stelle Erste Hilfe zu leisten. Wilk beschwert sich unmittelbar danach, umstehende Polizisten h&#228;tten keine Scheinwerfer angemacht, obwohl er sie darum gebeten habe. Auch sei der Notarztwagen zu sp&#228;t eingetroffen.</p>
<p>Der Notarztwagen ist um 21.14 Uhr an der Kreuzung Frankenallee / Hufnagelstra&#223;e. G&#252;nter Sare stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus. Zu dem Zeitpunkt ist f&#252;r die Demonstranten im Gallus klar, dass die Polizei einen der ihren umgebracht hat. Sie werfen Steine auf Polizisten, auf Telefonzellen, auf die nahe Empfangspforte des FAZ-Vertriebs. Etwa 200 Leute ziehen in einer spontanen Demo in die Innenstadt, zahlreiche Fenster gehen auf ihrem Weg zu Bruch. Die Feuerwehr sch&#228;tzt den Schaden am Tag danach auf zwei Millionen Mark. In diesen folgenden Tagen kommt es wieder und wieder zu w&#252;tenden Protesten auf den Stra&#223;en. Sachen werden besch&#228;digt, Polizisten zum Teil schwer verletzt, Demonstranten festgenommen.</p>
<p>Die Gr&#252;nen im Landtag, die mit der SPD eine Koalition eingehen wollen, verschieben diese Gespr&#228;che. Sie fordern von SPD-Innenminister Horst Winterstein, der die Oberaufsicht &#252;ber die Polizei hat, eine Aufkl&#228;rung der Vorg&#228;nge. Die Frankfurter Polizei nennt G&#252;nter Sares Tod &#8220;tragisch&#8221; und bekundet &#8220;tiefe Betroffenheit&#8221;. Der Tod resultiere aus einem Unfall. Dem Fahrer und dem Kommandeur des Wasserwerfers sei kein Fehlverhalten vorzuwerfen. Der Polizeipr&#228;sident h&#228;lt in einem Rundbrief die ihm unterstellten Polizisten dazu an, trotz der enormen psychischen und physischen Belastung aufgrund der vielen Demonstrationen nach G&#252;nter Sares Tod &#8220;differenziert vorzugehen&#8221; und, indem &#8220;sie sich nicht provozieren lassen und besonnen reagieren&#8221;, zur Deeskalation der angespannten Lage beizutragen.</p>
<p>Drei Tage nach G&#252;nter Sares Tod ver&#246;ffentlicht die Deutsche Presse-Agentur ein Bild eines Fotografen, der namentlich nicht genannt werden will: Es zeigt einen Mann, allein auf der Kreuzung Frankenallee / Hufnagelstra&#223;e, erfasst von zwei Wasserwerfer-Kaskaden. Alle sind sicher: Das ist G&#252;nter Sare kurz vor seinem Tod. F&#252;r Angeh&#246;rige und Sympathisanten autonomer und linker Kreise untermauert das Bild zusammen mit etlichen Zeugenaussagen bei der Demonstration Anwesender, dass G&#252;nter Sares Tod kein Unfall gewesen ist. Der Wasserwerfer habe den Mann im Scheinwerfer gehabt und sei schnell und direkt auf ihn zugefahren.</p>
<p>G&#252;nter Sare, so ergibt die Obduktion seines Leichnams, ist an einem Sch&#228;delbasisbruch gestorben. Diesen habe er sich beim Aufprall auf die Stra&#223;e zugezogen, nachdem der Wasserwerfer ihn umgefahren habe. Die Obduktion ergibt auch, dass G&#252;nter Sare zum Zeitpunkt seines Todes 1,49 Promille Alkohol im Blut gehabt hat. Ein Bericht des Innenministeriums beurteilt im Januar 1986 die Planung des Polizeieinsatzes bei der Anti-NPD-Demonstration als unbedenklich. Er klammert die Umst&#228;nde des Todes von G&#252;nter Sare jedoch bewusst aus: &#8220;Ob die Besatzung des Wasserwerfers IV / 1 sich im Kreuzungsbereich richtig verhalten hat, bleibt offen.&#8221;</p>
<p>Diese Frage zu kl&#228;ren, nimmt sich ein Gerichtsprozess vor. Im Juni 1986 erhebt die Staatsanwaltschaft Frankfurt Anklage gegen den Fahrer und den Kommandeur des Wasserwerfers wegen fahrl&#228;ssiger T&#246;tung G&#252;nter Sares. Fast ein Jahr sp&#228;ter, im Mai 1987, beginnt der Prozess am Landgericht. Darin kommt zutage, dass es f&#252;r die M&#228;nner im Wasserwerfer durch den Wassernebel hindurch wenn nicht unm&#246;glich, so doch extrem schwierig ist, das Geschehen vor sich auf der Stra&#223;e richtig zu erkennen &#8211; zumal bei Nacht. Die Aussage des Fahrers, er habe auf der Stra&#223;e keinen Mann gesehen, kurz bevor das Gef&#228;hrt G&#252;nter Sare &#252;berrollt hat, ist nicht zu widerlegen. Hingegen widerlegen zwei Sachverst&#228;ndige die bisherige allgemeine Annahme, der Mann im Wasserwerfer-Strahl auf dem von dpa kurz nach der Demonstration verbreiteten Foto sei G&#252;nter Sare. Der Abgebildete sei gr&#246;&#223;er und trage hellere Schuhe. Die beiden Angeklagten werden vom Vorwurf der fahrl&#228;ssigen T&#246;tung freigesprochen.</p>
<p>Bis heute ist nicht v&#246;llig gekl&#228;rt, wie G&#252;nter Sare am 28. September 1985 im Gallus unter das rechte Hinterrad des tonnenschweren Wasserwerfers geraten ist.  <em>Von Stephan Loichinger</em></p>
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		<title>Osthafen &#8211; in 100 Jahren um die H&#228;lfte geschrumpft</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jul 2012 15:06:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Michels</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Ostend]]></category>
		<category><![CDATA[Osthafen]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor 100 Jahren ist auf fr&#252;herem Ackerland der Osthafen in Frankfurt er&#246;ffnet worden. Das Ostend erwachte aus dem Dornr&#246;schenschlaf. Heute ist der Osthafen der zehngr&#246;&#223;te Binnenhafen Deutschlands.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/osthafen-19401.jpg" title="Der Osthafen um 1840 - Quelle: Institut f&#252;r Stadtgeschichte" rel="lightbox[4365]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/osthafen-19401-150x150.jpg" alt="Der Osthafen um 1840 - Quelle: Institut f&#252;r Stadtgeschichte" title="Der Osthafen um 1840 - Quelle: Institut f&#252;r Stadtgeschichte" width="150" height="150" class="alignleft size-thumbnail wp-image-4406" /></a>Der Kaiser h&#228;tte den Frankfurtern noch zu ihrem Gl&#252;ck gefehlt. Doch Seine Majest&#228;t Wilhelm II., dessen Portr&#228;t mit hochgezwirbeltem Schnurrbart am 23. Mai 1912 die in Umlauf gebrachte Festpostkarte schm&#252;ckt, bleibt wegen dringender famili&#228;rer Angelegenheiten fern, als die Stadt vor 100 Jahren feierlich den Osthafen er&#246;ffnet. <span id="more-4365"></span></p>
<p>Nach der „Doppelten Kraftbr&#252;he“ und f&#252;nf weiteren G&#228;ngen beim Festmahl im R&#246;mer besteigen die Ehreng&#228;ste mit dem b&#228;rtigen Oberb&#252;rgermeister Franz Adickes an der Spitze bei strahlendem Sonnenschein die 14 bereitgestellten Boote. „Unter Volldampf“, liest man in der Chronik des Tages, geht es flussaufw&#228;rts dem neuen Osthafen entgegen. Um „halb F&#252;nf“, notiert der Berichterstatter der Frankfurter Nachrichten, ist es dann so weit: B&#246;llersch&#252;sse k&#252;ndigen am Ziel das Nahen des Dampfer-Korsos an – jenen „historischen Moment“, der „den kraftvollen Beginn wirtschaftlich weitausblickender Ma&#223;nahmen eines starkentwickelten Gemeinwesens bedeutet“. Tats&#228;chlich ist es ein gro&#223;er Schritt in Richtung Gro&#223;stadt. Und „ein vieltausendstimmiges jubelndes Hoch“, steht dann in der Zeitung, „durchhallt die Luft“. </p>
<p>Allein die „Volksstimme“, das Organ der Frankfurter Sozialdemokratie, blickt sp&#228;ter mit Bitternis zur&#252;ck auf den gl&#252;cklichen Tag. Es habe sich eine „Kluft zwischen Besitz und Nichtbesitz“ an den Absperrungen im Publikum aufgetan. Als n&#228;mlich Oberb&#252;rgermeister Adickes den Grundstein legte und dabei zu Ehren des abwesenden Wilhelm die Umbenennung der Alten Br&#252;cke in „Kaiserbr&#252;cke“ verk&#252;ndete, durften nur ausgew&#228;hlte Pers&#246;nlichkeiten zuh&#246;ren: Das Tiefbauamt hatte f&#252;r die begehrten Logenpl&#228;tze Zutrittskarten verteilt. </p>
<p>Die „Volksstimme“ geht sowieso davon aus, dass all die Feierlichkeiten dazu dienten, „etlichen ordensl&#252;sternen Personen weitere Auszeichnungen zu verschaffen“. Und was den Kaiser angeht: Als 1926 endlich der Schlussstein zur neu und breiter gebauten Alten Br&#252;cke gelegt ist, gibt es diesen l&#228;ngst nicht mehr und damit auch bis heute keine Kaiserbr&#252;cke in Frankfurt. </p>
<p><strong>Einst der zweitgr&#246;&#223;te Binnenhafen Deutschlands</strong></p>
<dl class="imright" style="width:225px; padding:0 10px 0 0">
<dd><b>Osthafen Frankfurt</b></p>
</dd>
<p>Der Frankfurter Osthafen schl&#228;gt per Schiff 4,5 Millionen Tonnen um: Sand, Kies, Baustoffe, Kohle, &#214;l, Getreide.</p>
<p>In der „HFM-Managementgesellschaft f&#252;r Hafen und Markt“ arbeiten 100 Personen, der Hafenbetrieb hat 8000 Besch&#228;ftigte. Das st&#228;dtische Wirtschaftsdezernat ist gegenw&#228;rtig dabei, die Hafen-Laufzeit durch langfristige Mietvertr&#228;ge bis 2040 zu sichern, sagte Dezernent Markus Frank am Mittwoch.</p>
<p>Unter den deutschen Binnenh&#228;fen „spielen wir in der ersten Liga“, hei&#223;t es bei der HFM, die die Chronik „100 Jahre Osthafen“ der Autoren Thomas Bauer und Fritz Koch herausgibt.</p>
<p>Die Jubil&#228;ums-Ausstellung „Frankfurt ahoi“ ist noch bis zum 12. August 2012 im Karmeliterkloster, M&#252;nzgasse 9, zu sehen: Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. </dl>
<p>Es ist der Historiker Thomas Bauer, der im Auftrag der Hafengesellschaft auf den fr&#252;hen Abschnitt der „100 bewegten Jahre“ des Osthafens zur&#252;ckgeblickt hat. Gutes Material, sagte er zur Vorstellung seines Buches und Er&#246;ffnung der Ausstellung im Karmeliterkloster, gebe es zu dieser Frankfurter Geschichte. Der Osthafen sei „zeitweise der zweitgr&#246;&#223;te Binnenhafen in Deutschland gewesen“, sagte sein Co-Autor Fritz Koch, der sich mit der Zeit seit Kriegsende besch&#228;ftigt und besonders in den 70er Jahren „Schiffe im Minutentakt“ gesehen hat. Heute geht die Entwicklung zur „trimodalen Logistikdrehscheibe“, referierten die Stadthistoriker. Dabei ist das Hafengebiet nur noch halb so gro&#223; wie vor 100 Jahren.</p>
<p>Um seinerzeit die Andienung der Stadt mit gro&#223;en Schiffen zu erreichen, musste der Main kanalisiert werden, wurde der Ostbahnhof verlegt, f&#252;r die Hanauer Landstra&#223;e eine neue Trasse gezogen und die Deutschherrnbr&#252;cke gebaut. Vom Hospital zum Heiligen Geist kaufte man die meisten Grundst&#252;cke, &#252;ber 279 Hektar, f&#252;r 6,9 Millionen Mark.</p>
<p>&#220;berdies hatte der ferne Kaiser schon 1907 Frankfurt das Recht verliehen, „die zur Anlage des dortigen Osthafens n&#246;tigen Grundst&#252;cke im Wege der Enteignung zu erwerben“. 1908 herrschte bei der Baufirma Philipp Holzmann Hochstimmung, denn der Auftrag f&#252;r die erste Ausbaustufe des Hafens war eingegangen. Die Stadt w&#252;hlte sich durch die Landschaft; „die Erweiterung des Stadtgebiets verwandelte fr&#252;her unbedeutende Ackerfl&#228;chen in wertvolles Bauland“, schreibt Thomas Bauer.</p>
<p>Das Ostend erwachte. Und weil all die Hafenarbeiter hier wohnen sollten, die steigenden Mieten aber nicht zahlen konnten, baute der „Volks-Bau- und Sparverein“ ab 1910 „Kleinwohnungen am Riederwald“. Und vor ihrer Haust&#252;r legte man ihnen einen Volkspark an – den Ostpark, in dem „das Betreten des Rasens ausdr&#252;cklich erlaubt war“. Diese Bewegungsfreiheit f&#252;r die Arbeiterschaft sollte nicht zuletzt der Vorbeugung gegen irgendwelche revolution&#228;ren Umtriebe dienen.</p>
<p><a href="http://www.fr-online.de/fotostrecken-frankfurt,1474580,16105474.html">Mehr historische Bilder vom Osthafen bei FR-online.de</a></p>
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		<title>Margarete Mitscherlich: Lebendig bis zum Schluss</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Jun 2012 10:21:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Michels</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Margarete Mitscherlich]]></category>

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		<description><![CDATA["Das Leben ist nicht leicht, befand Margarete Mitscherlich, als man sie bei einer Diskussion vor einigen Jahren, wie so oft, zum Altwerden befragte. „Es ist immer wieder schwer“, f&#252;hrte sie aus, „und am Schluss ist es zu Ende.“ Am 12. Juni 2012 war es so weit.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/mitscherlich-dpa.jpg" title="Margarete Mitscherlich 2009 bei einem Gespr&#228;ch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in ihrer Wohnung im Westend von Frankfurt. Bild: dpa" rel="lightbox[4377]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/mitscherlich-dpa-150x150.jpg" alt="" title="Margarete Mitscherlich" width="150" height="150" class="alignright size-thumbnail wp-image-4383" /></a> Bis zuletzt wohnte die &#196;rztin, Psychoanalytikerin, Feministin, Frankfurterin und Westend-Bewohnerin  dort, wo sie vor 35 Jahren mit Alexander Mitscherlich eingezogen war; am Sonntag erst musste sie ins Krankenhaus, ins B&#252;rgerhospital. Am Dienstag, 12. Juni 2012, starb sie. So passt der Tod zu ihr. <span id="more-4377"></span></p>
<p>Diese Frau, sie war beinahe 95 Jahre alt, hat uns seit Jahrzehnten auf sehr schlagfertige Art, in unverbl&#252;mten und vollkommen eing&#228;ngigen Worten die Gesellschaft, die Zeit, das Zusammenleben erkl&#228;rt. Wie es sich verh&#228;lt mit Schuld und Trauer, mit Sexualit&#228;t und Trieben, mit Macht und Liebe, zwischen Mann und Frau – jetzt m&#246;chte man sie gern fragen, wie sie denn nun auf das Letzte zur&#252;ckblickt, ob sie also vers&#246;hnt ist, mit dem Lebensende.</p>
<p>Mehr als „lebendig zu bleiben bis zum Schluss“ hatte Margarete Mitscherlich, pragmatisch-n&#252;chtern wie sie war, ja gar nicht vor. Und was sie vorhatte, pflegte sie umzusetzen.</p>
<dl class="imleft" style="width:225px; padding:0 10px 0 0">
<dd><b>Margarete Mitscherlich</b><br />
Als Tochter eines d&#228;nischen Arztes und einer deutschen Lehrerin kam Margarete Nielsen 1917 in D&#228;nemark zur Welt. Ihr Abitur machte sie w&#228;hrend der Nazi-Diktatur in Flensburg. Nach dem Medizin-Studium in M&#252;nchen und Heidelberg arbeitete sie vor&#252;bergehend in der Schweiz, wo sie Alexander Mitscherlich (1908-1982) kennenlernte. 1955 heirateten sie, das Paar begr&#252;ndete eine jahrzehntelange Liebes- und Arbeitsbeziehung, eine Lebens- und Denkgemeinschaft. 1967, in dem Jahr, als das Paar nach Frankfurt zog, ver&#246;ffentlichen beide ihr bekanntestes Werk: &#8220;Die Unf&#228;higkeit zu trauern&#8221; &#252;ber die kollektiven Schuldleugnungsmechanismen der Gesellschaft. Es folgte eine Reihe weiterer Publikationen Margarete Mitscherlichs, darunter 1985 &#8220;Die friedfertige Frau&#8221;, ein Buch &#252;ber das Rollenverhalten von Frauen in der Politik.
</dd>
</dl>
<p>Nicht einmal zwei Jahre ist es her, dass ihr letztes Buch erschienen ist, das den Titel „Die Radikalit&#228;t des Alters“ tr&#228;gt. Diesen radikalen Einschnitt wird sie empfunden haben, wenn ihre Beine nicht mehr so wollten, wie sie es wollte. Im Feinkostladen von „Onkel Emmo“ um die Ecke ihrer Westendwohnung traf man Margarete Mitscherlich beim Einkauf mit einer Gehhilfe an, was &#252;berhaupt nicht zu ihrer Freiheitsliebe passen wollte. „Das Leben hat keinen Sinn, es muss auch ohne gehen …“ – solche S&#228;tze, typische Mitscherlich-Bemerkungen, bleiben von ihr.</p>
<p><strong>Streit um die Ehrenplakette</strong></p>
<p>Diese Frau hatte immer wieder die Courage, „in der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft auch Unbequemes anzusprechen“, sagte Oberb&#252;rgermeisterin Petra Roth (CDU) am Mittwoch &#252;ber Margarete Mitscherlich. 1990 habe Frankfurt sie f&#252;r ihre Beitr&#228;ge zur „Humanisierung der Gesellschaft“ mit der Ehrenplakette ausgezeichnet. Freilich entwickelte sich damals heftiger politischer Streit um die Ehrung – was J&#252;rgen Habermas in einem Gl&#252;ckwunsch zu Margaretes 75. Geburtstag zwei Jahre sp&#228;ter als „H&#228;me“ gegen&#252;ber „dieser streitbaren Intellektuellen“ deutete.</p>
<p>Auch der hessische Ministerpr&#228;sident Volker Bouffier (CDU) zeigte sich jetzt vom Tod der Analytikerin „betroffen“; Mitscherlich habe „immer das Wesen der Menschen verstehen wollen“. Wenn sie Missst&#228;nde ansprach, „nahm sie kein Blatt vor den Mund“. „Die Lust am Denken“ pr&#228;gte ihr Leben, &#228;u&#223;erte sich Rolf Haubl, Vize-Direktor des Sigmund-Freud-Instituts.</p>
<p>Um dort zu arbeiten, waren die Mitscherlichs 1967 nach Frankfurt gezogen; beide seien „bis heute geniale Stichwortgeber f&#252;r ungel&#246;ste Fragen“, formuliert Haubl. „Unser Land und unsere Gesellschaft verdanken ihr viel“, sagt J&#246;rg Bong, Gesch&#228;ftsf&#252;hrer des Fischer-Verlags, wo Frau Mitscherlichs letztes Werk erschienen ist.</p>
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		<title>Im &#8220;Weidenbusch&#8221; kochten die Emotionen hoch</title>
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		<pubDate>Thu, 24 May 2012 09:07:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Michels</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Demo & Protest]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Goetheplatz]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalversammlung]]></category>
		<category><![CDATA[Steinweg]]></category>
		<category><![CDATA[Straßen, Plätze, Bauwerke]]></category>

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		<description><![CDATA[Im "Weidenbusch" wurden im Revolutionsjahr 1848 leidenschaftliche politische Reden geschwungen: Das Gasthaus Ecke Steinweg/Goetheplatz war Sitzungssaal der parlamentarischen Mitte der Nationalversammlung.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/weidenbusch.jpg" title="Das Hotel Zum Weidenbusch im Steinweg, 1907 abgerissen. Unbekannter Fotograph, vor 1904. Wikipedia/Ursprungsquelle: Historisches Museum, Frankfurt"  rel="lightbox[1260]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/weidenbusch-150x150.jpg" alt="Das Hotel Weidenbusch" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-4354" title="Das Hotel Weidenbusch" /></a>Im Weidenbusch&#8221;, sagt der Frankfurter Historiker Roland Hoede, &#8220;tobte das Leben&#8221;. Der Weidenbusch ist auf einem &#8220;Plan von Frankfurt a/M.&#8221;, der in umtriebiger Zeit die &#8220;St. Paulskirche&#8221; als &#8220;Sitzungslokal der constituirenden National-Versammlung&#8221; in den Mittelpunkt r&#252;ckt, unter &#8220;Die besuchtesten Gasth&#246;fe&#8221; eingereiht. Der Gasthof, Treff der parlamentarischen Mitte, lag am Steinweg, Ecke Goetheplatz, &#8220;dem Schwanen gegen&#252;ber&#8221;. <span id="more-1260"></span></p>
<p>Ein Blick in die Erinnerungen der Abgeordneten des ersten deutschen Parlaments l&#228;sst ahnen, welche Emotionen 1848 im und vor dem Gasthaus hochkochten. Alexander Pagenstecher aus Elberfeld beispielsweise traf im Gro&#223;en Saal &#8220;1000 Deputierte zu vorbereitender Besprechung versammelt&#8221; an &#8211; &#8220;ein gro&#223;er Kn&#228;uel von Menschen&#8221;. Seiner &#8220;liebsten Frau&#8221; daheim schilderte der Abgeordnete einen Auftritt des Badeners Gustav Struve: &#8220;Er hatte gerade die Rednerb&#252;hne besetzt und donnerte in Robespierre&#8217;scher Rede f&#252;r die Republik&#8221;.</p>
<p>Auch Heinrich Laube aus Leipzig erlebt Struve, zusammen mit seinem Kampfgenossen Friedrich Hecker. Beide wurden &#8220;stets von der zudr&#228;ngenden, die eine Seite des Weidenbuschsaales &#252;berf&#252;llenden Jugend mit st&#252;rmischem Beifall begr&#252;&#223;t&#8221;. Hecker &#8220;rief damals im Weidenbusch nicht nur zur Revolution auf, er rief (. . .): ,Wir sind mitten in der Revolution!&#8217; (&#8230;) und dieser Schlachtruf fand stets ein bet&#228;ubendes Echo unter den Seinigen&#8221;. Laube sp&#252;rt der Stimmung &#8220;im Saale des Weidenbusches&#8221; nach: &#8220;Mit untergehender Sonne hatte das Redenhalten begonnen von einer improvisierten Rednerb&#252;hne, und es dauerte bis gegen Mitternacht. Man probierte seine Rosse, man forschte nach der St&#228;rke der Str&#246;mung, man forschte nach Grund und Boden. Die republikanisch Gesinnten dr&#228;ngten sich in den Vordergrund, die Nichtrepublikaner h&#246;rten.&#8221; Manchmal muss der mit 42 Jahren nicht mehr ganz jugendfrische Abgeordnete einfach raus, &#8220;auf eine halbe Stunde&#8221;, aus dem &#8220;gl&#252;hend hei&#223;en Saal, um auf der Stra&#223;e frische Luft zu sch&#246;pfen&#8221;. Da &#8220;st&#252;rzte wie donnernder Wogenschwall das Geschrei des Volks auf mich ein: Hurra hoch, die Freiheit, die Republik, hurra hoch! Die Stra&#223;e am Weidenbusche war vollgepfropft von Menschen, und Sch&#252;sse knallten und tausend Stimmen brausten, und qualmende Pechfackeln warfen rote Lichtstreifen durch die dunkle Nacht &#252;ber das Meer von K&#246;pfen hin.&#8221;</p>
<p>812 Abgeordnete geh&#246;rten im Laufe des einen Jahres dem Parlament mit seinen 597 Sitzen an. Sie debattierten und stritten nicht nur, sie mussten wohnen und essen. Der &#220;berlieferung nach taten sie das &#252;berwiegend in Privatquartieren. Parlamentspr&#228;sident Heinrich von Gagern wohnt zun&#228;chst in der Hochstra&#223;e 53, dann in der Gro&#223;en Bockenheimer Gasse 29, dann Taunusanlage 15, schlie&#223;lich Am Salzhaus 4. </p>
<p>Alexander Pagenstecher aus Elberfeld ist anfangs &#8220;bei Herrn S.G. Seufferheld, einem sehr netten, gentilen Junggesellen&#8221;, untergekommen. Dort lebt er &#8220;sehr einfach, stehe fr&#252;h auf, trinke 2 Tassen Tee, esse um 12 zu Mittag und genie&#223;e des Abends nur ein Butterbrot mit einem Glas Bier oder einer Tasse Tee, das ist billig, proletarisch, und so kommt&#8217;s, dass ich immer noch Geld habe&#8221;. Schon zwei Monate sp&#228;ter sitzt Pagenstecher &#8220;ganz gem&#252;tlich eingerichtet in der sch&#246;nen Wohnung meines Kollegen und speziellen Landsmannes, des Dr. Spiess, Unter-Mainkai Nr. 3. Ich zahle dem Herrn Kollegen 30 fl. monatlich f&#252;r ein h&#252;bsches Wohnzimmer, ein sehr kleines Schlafzimmer &#8211; und die gelegentliche Mitbenutzung des &#252;brigen Hauses&#8221;.</p>
<p>Wie mancher der Abgeordneten schwelgt der Mann von der Wupper (&#8220;Die B&#228;ume und Str&#228;ucher sind hier doch gr&#252;ner als in Elberfeld&#8221;) von der hiesigen Landschaft: &#8220;Das hohe Gebirg violett in feinsten Umrissen, vom Goldsaume des Abendhimmels umflossen, die N&#228;he so gr&#252;n und bl&#252;tenreich, so buschig und gartenhaft &#8211; alles so gesittet, so mild und weit. Es ist ein Paradies &#8211; und Goethe ward darin geboren.&#8221;  </p>
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		<title>Thurn und Taxis &#8211; in Frankfurt nicht willkommen</title>
		<link>http://www.frankfurt.frblog.de/die-thurn-und-taxis-wollte-man-in-frankfurt-nicht-haben</link>
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		<pubDate>Thu, 26 Apr 2012 09:56:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[18. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[21. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Anselm von Thurn und Taxis]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Fürstentag]]></category>
		<category><![CDATA[Palais Thurn und Taxis]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Firma Thurn und Taxis ist der erste international t&#228;tige Gro&#223;konzern - und die Zentrale des Postbetrieb befindet sich lange Zeit in Frankfurt am Main. Ein Blick auf die bewegte Geschichte eines Familienunternehmens und seines Palais am Main.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/anselm-thurn-taxis.jpg" title="Anselm Franz von Thurn und Taxis auf einem zeitgen&#246;ssischen Gem&#228;lde" rel="lightbox[3024]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/anselm-thurn-taxis-150x150.jpg" alt="Anselm Franz von Thurn und Taxis auf einem zeitgen&#246;ssischen Gem&#228;lde" title="Anselm Franz von Thurn und Taxis auf einem zeitgen&#246;ssischen Gem&#228;lde" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-4306" /></a>Sein Name ist im ganzen Kaiserreich und dar&#252;ber hinaus bekannt. P&#228;pste und gekr&#246;nte H&#228;upter geh&#246;ren zu seinen Stammkunden &#8211; doch in Frankfurt will man Anselm Franz von Thurn und Taxis nicht haben. Der Chef der Reichspost muss sich eines Winkelzuges bedienen, um am Main ans&#228;ssig werden zu k&#246;nnen: Weil die lutherische Freie Reichsstadt einen katholischen F&#252;rsten wie ihn innerhalb ihrer Mauern nicht gerne sieht, beauftragt Anselm anno 1724 einen Strohmann mit dem Kauf des Grundst&#252;cks Zum Wei&#223;en Hof in der Gro&#223;en Eschenheimer Gasse. Die Ratsherren sch&#228;umen, als sie dahinter kommen, wer sich da eingekauft hat. Sie versuchen alles, die Ansiedelung des F&#252;rsten doch noch zu verhindern. F&#252;nf Jahre lang geht das Gezerre, dann endlich kann Anselm offiziell von Br&#252;ssel nach Frankfurt umziehen. Seine Firmenzentrale hat er hier schon l&#228;nger.<span id="more-3024"></span></p>
<p>Wer ist er eigentlich, dieser Gro&#223;unternehmer und katholische F&#252;rst, auf dessen Anwesenheit sie im lutherischen Frankfurt keinen gesteigerten Wert legen? Anselm von Thurn und Taxis ist seit 1714 Chef eines der ersten international t&#228;tigen Unternehmens &#8211; der Kaiserlichen Reichspost. Die Familie Thurn und Taxis (der zweite Namensteil kommt erst sp&#228;ter hinzu) richtet Ende es 15. Jahrhunderts das erste l&#228;nder&#252;bergreifende System zur Nachrichten&#252;bermittlung ein &#8211; mit Staffetenreitern, Pferdewechselstationen und festen Kurierrouten. Papst und bald auch Kaiser nehmen ihre Dienste in Anspruch, die Familie wird in den Adelsstand bef&#246;rdert. Im 16. Jahrhundert expandiert die Firma, ihre Kuriere sind jetzt im gesamten Kaiserreich, in den Niederlanden, Spanien und Burgund t&#228;tig. Das Monopol zur &#220;bermittlung der Post ist fest in der Hand der Thurn und Taxis, die ihre Firmenzentrale in Br&#252;ssel haben. Dort k&#246;nnen sie jedoch nicht bleiben, als der Spanische Erbfolgekrieg beginnt. Auf der Suche nach einem neuen Standort f&#228;llt der Blick auf das an zentralen europ&#228;ischen Handelswegen gelegene Frankfurt am Main. 1724 will der Reichserbgeneralpostmeister Anselm von Thurn und Taxis umsiedeln, mit Unterst&#252;tzung Kaiser Karls VI. Doch Frankfurt stellt sich erstmal stur.</p>
<p><strong>Eintr&#228;gliche M&#228;nnerfreundschaft zwischen  Post-Chef und  Kaiser</strong></p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/palais.jpg" title="Das Palais Thurn und Taxis auf einem Bild von Jacob F&#252;rchtegott Dielmann, um 1845" rel="lightbox[3024]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/palais-150x150.jpg" alt="Das Palais Thurn und Taxis auf einem Bild von Jacob F&#252;rchtegott Dielmann, um 1845" title="Das Palais Thurn und Taxis auf einem Bild von Jacob F&#252;rchtegott Dielmann, um 1845" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-4308" /></a> Nach einigen Jahren aber kann Anselm schlie&#223;lich doch mit dem Bau seines Schl&#246;sschens beginnen. Das Palais Thurn und Taxis wird in den Jahren 1731 bis 1739 auf dem erworbenen Grundst&#252;ck an der Eschenheimer Gasse errichtet &#8211; die Fertigstellung erlebt Anselm jedoch nicht mehr. Sein Sohn Alexander Ferdinand &#252;bernimmt die Residenz. Er f&#252;hrt in Frankfurt ein ausschweifendes Leben mit &#252;ppiger Haushaltung, sein Gl&#252;ck am Main steht und f&#228;llt aber mit seinem Freund, Karl Albrecht von Bayern, der als Kaiser Karl VII. den Thron besteigt und ebenfalls in Frankfurt residiert &#8211; in direkter Nachbarschaft des Palais Thurn und Taxis.  Damit ist es schon 1745 wieder vorbei: Karl VII. stirbt, die Habsburger holen sich die Kaiserkrone zur&#252;ck, Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis verl&#228;sst Frankfurt in Richtung Regensburg. Die Inneneinrichtung des Palais nimmt er gleich mit. Die Geschichte der Postzentrale am Main endet damit aber noch nicht.</p>
<p><strong>Therese von Thurn und Taxis sichert das &#220;berleben des Familienbetriebs</strong></p>
<p>Auch wenn die Frankfurter das Schl&#246;sschen eigentlich gar nicht wollten &#8211; nun, da es schon mal da ist, kann man hier auch gleich den k&#252;nftigen Kaiser mit Entourage unterbringen, w&#228;hrend er zur Kr&#246;nung in der Stadt weilt. 1806 aber geht das Heilige R&#246;mische Reich unter: Franz II. legt die Kaiserkrone nieder, und auch die Kaiserliche Reichspost ist damit Geschichte. Therese von Thurn und Taxis, deren Mann Karl Alexander seit 1805 Chef des Imperiums ist, gelingt es in geschickten Verhandlungen, den Postbetrieb in mehreren Rheinbund-L&#228;ndern weiterzuf&#252;hren und die Firma als Privatunternehmen zu erhalten. </p>
<p>F&#252;r ihr Anwesen in Frankfurt finden die Thurn und Taxis immer wieder geeignete Zwischenmieter: Karl Theodor von Dalberg, von Napoleon zum F&#252;rstprimas und Gro&#223;herzog von Frankfurt ernannt, wohnt zwischen 1805/1806 und 1813 im Palais. In den Genuss kommt er durch einen Tausch: Dalberg bef&#246;rdert Karl Alexander von Thurn und Taxis zum Erblandpostmeister &#8211; und darf im Gegenzug in dessen Frankfurter Schl&#246;sschen wohnen.</p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/fuerstentag.jpg" title="Abschlussfoto des Frankfurter F&#252;rstentages am 1. September 1863 im Garten des Palais Thurn und Taxis Die Herren in der hellen Uniform sind (von links) K&#246;nig Maximilian II. Joseph von Bayern und Kaiser Franz Joseph I. von &#214;sterreich, rechts daneben K&#246;nig Georg V. von Hannover, zweiter und dritter von rechts Gro&#223;herzog Ludwig III. von Hessen und bei Rhein und Gro&#223;herzog Peter II. von Oldenburg, f&#252;nfter und siebenter von rechts Gro&#223;herzog Friedrich I. von Baden und Wilhelm I. K&#246;nig von W&#252;rttemberg, erster von links Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha, siebenter und achter von links Gro&#223;herzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach und K&#246;nig Johann von Sachsen." rel="lightbox[3024]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/fuerstentag-150x150.jpg" alt="Abschlussfoto des Frankfurter F&#252;rstentages am 1. September 1863 im Garten des Palais Thurn und Taxis Die Herren in der hellen Uniform sind (von links) K&#246;nig Maximilian II. Joseph von Bayern und Kaiser Franz Joseph I. von &#214;sterreich, rechts daneben K&#246;nig Georg V. von Hannover, zweiter und dritter von rechts Gro&#223;herzog Ludwig III. von Hessen und bei Rhein und Gro&#223;herzog Peter II. von Oldenburg, f&#252;nfter und siebenter von rechts Gro&#223;herzog Friedrich I. von Baden und Wilhelm I. K&#246;nig von W&#252;rttemberg, erster von links Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha, siebenter und achter von links Gro&#223;herzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach und K&#246;nig Johann von Sachsen." title="Abschlussfoto des Frankfurter F&#252;rstentages am 1. September 1863 im Garten des Palais Thurn und Taxis Die Herren in der hellen Uniform sind (von links) K&#246;nig Maximilian II. Joseph von Bayern und Kaiser Franz Joseph I. von &#214;sterreich, rechts daneben K&#246;nig Georg V. von Hannover, zweiter und dritter von rechts Gro&#223;herzog Ludwig III. von Hessen und bei Rhein und Gro&#223;herzog Peter II. von Oldenburg, f&#252;nfter und siebenter von rechts Gro&#223;herzog Friedrich I. von Baden und Wilhelm I. K&#246;nig von W&#252;rttemberg, erster von links Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha, siebenter und achter von links Gro&#223;herzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach und K&#246;nig Johann von Sachsen." width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-4307" /></a> Als auch Napoleon Geschichte ist, wird das Geb&#228;ude zum Bundespalais: Die Thurn und Taxis vermieten es an den Bundestag der 41 L&#228;nder des Deutschen Bundes, der hier zwischen 1816 und 1866 tagt &#8211; mit einer kurzen Unterbrechung im Revolutionsjahr 1848, als die provisorische Reichsregierung einzieht, w&#228;hrend dr&#252;ben in der Paulskirche die Nationalversammlung debattiert. 1863 richtet sich erneut die Aufmerksamkeit ganz Deutschlands auf das Palais an der Eschenheimer Gasse. Der &#246;sterreichische Kaiser Franz Joseph I. l&#228;dt die F&#252;rsten aller deutschen L&#228;nder hierher ein &#8211; der F&#252;rstentag soll Reformen f&#252;r die Bundesverfassung auf den Weg bringen. Preu&#223;ens Wilhelm I. boykottiert das Treffen, bei dem &#8211; au&#223;er einem Familienfoto f&#252;r die Nachwelt &#8211; nichts weiter herauskommt. </p>
<p>Die Revolution, das erste deutsche Parlament, die Reform des Deutschen Bundes &#8211; all das scheitert. Nur die Firma Thurn und Taxis ist (noch) nicht am Ende. Das kommt f&#252;r sie erst mit den Preu&#223;en, die sich 1866 Frankfurt einverleiben und ein Jahr sp&#228;ter auch die Posteinrichtungen, die die Thurn und Taxis ihnen gegen eine Abfindung &#252;berlassen. Die Post wird endg&#252;ltig zum Staatsbetrieb.</p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/Palais_Thurn_und_Taxis_Mode.jpg" title="Modellfoto des Palais Thurn und Taxis in Frankfurt am Main, Bild: TomAlt, Lizenz: GNU BY-SA 3.0"  rel="lightbox[3024]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/Palais_Thurn_und_Taxis_Mode-150x150.jpg" alt="" title="Modellfoto des Palais Thurn und Taxis in Frankfurt am Main" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-4309" /></a>Und das Palais in Frankfurt? F&#252;rst Albert I. von Thurn und Taxis verkauft es 1895 an die Reichspost, die den Postbetrieb in den R&#228;umen weiterf&#252;hrt &#8211; sehr zum &#196;rger einiger Frankfurter, die sich dar&#252;ber mokieren, dass der Betrieb dem repr&#228;sentativen Geb&#228;ude an die Substanz gehe. 1905 &#252;bernimmt die Stadt Frankfurt das Palais, ein paar Jahre sp&#228;ter zieht das V&#246;lkerkundemuseum ein. Im Zweiten Weltkrieg wird es bei Bombenangriffen stark getroffen &#8211; und 1951 f&#252;r den Neubau des Fernmeldehochhauses abgerissen. Sp&#228;ter hat man nur die Portalbauten neu errichtet. Zwischen 2004 und 2009 werden auch sie sie abgebaut, eingelagert und rekonstruiert. </p>
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		<title>Oberb&#252;rgermeister in Frankfurt: Ikonen und Pechv&#246;gel</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Mar 2012 10:08:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frankfurter Rundschau</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Petra Roth]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Rudi Arndt]]></category>
		<category><![CDATA[Volker Hauff]]></category>
		<category><![CDATA[Walter Kolb]]></category>
		<category><![CDATA[Walter Möller]]></category>
		<category><![CDATA[Werner Bockelmann]]></category>

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		<description><![CDATA[Elf M&#228;nner und eine Frau pr&#228;gen Frankfurt als Oberb&#252;rgermeister. Einige sterben fr&#252;h, einige sind fast vergessen - und vier politische Schwergewichte sind darunter.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/walter-kolb.jpg" rel="lightbox[4281]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/walter-kolb-150x150.jpg" alt="" title="Oberb&#252;rgermeister Walter Kolb geht baden" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-4285" /></a>Gerade wird in Frankfurt wieder um den OB-Sessel gek&#228;mpft, Boris Rhein und Peter Feldmann gehen am 25. M&#228;rz 2012 in die Stichwahl.  Zeit, auf die bisherigen Frankfurter Stadtoberh&#228;upter zur&#252;ckzublicken. Elf M&#228;nner und eine Frau pr&#228;gten Frankfurt – nur wenige waren politische Schwergewichte. <span id="more-4281"></span></p>
<p>L&#228;ngst vergessene Namen sind darunter, wie die von Wilhelm Hollbach und Kurt Blaum, die 1945/46 von der US-amerikanischen Besatzungsmacht eingesetzt worden waren. Vier politische Schwergewichte pr&#228;gten die Nachkriegszeit, zwei der SPD, zwei der CDU: Die Sozialdemokraten Walter Kolb (1946 bis 1956) und Rudi Arndt (1972 bis 1977) sowie die Christdemokraten Walter Wallmann (1977 bis 1986) und Petra Roth (1995 bis 2012).</p>
<p>Es gibt aber auch andere Stadtoberh&#228;upter, von deren Schicksal gesprochen werden muss. Denen eine „&#196;ra“ nicht verg&#246;nnt war. Deren Amtszeit abrupt, manchmal tragisch endete. Werner Bockelmann (SPD), der 1968 nach nur vier Jahren an der Spitze der Stadt bei einem Verkehrsunfall auf der Autobahn starb. Walter M&#246;ller (SPD), der, gerade 51-j&#228;hrig, nach kurzer, aufreibender Arbeit 1971 einem Herzinfarkt erlag. Willi Brundert (SPD), 1970 mit 57 Jahren an Leberversagen gestorben, eine Folge seiner Haft nach einem Schauprozess in der DDR 1950.</p>
<p>Tragisch gescheitert war auch Volker Hauff (SPD), der 1991 nach knapp zwei Jahren von der Kommunalpolitik und seiner eigenen Partei entmutigt und demoralisiert aus der Stadt floh. Heute ist die Erinnerung an ihn geradezu aus dem kollektiven Ged&#228;chtnis der Kommune getilgt – ein einmaliger Fall.</p>
<p><strong>Ikonen &#252;berstrahlen die dunklen Geschichten</strong></p>
<p>Die Ikonen aber &#252;berstrahlen diese dunklen Geschichten. Bis heute ist in Frankfurt eine Schwarz-Wei&#223;-Fotografie gegenw&#228;rtig, die einen beleibten Mann mit Glatze mit einer Schaufel in der Hand auf Tr&#252;mmerbergen vor dem Rathaus R&#246;mer zeigt. Dieses Portr&#228;t von OB Walter Kolb geriet zum Sinnbild f&#252;r die Entschlossenheit, mit der in der vielfach zerst&#246;rten Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg der Wiederaufbau angegangen wurde.</p>
<p>17 Jahre stand Petra Roth an der Spitze der Frankfurter Stadtregierung. Keine Frau hat bislang l&#228;nger im OB-Amt einer Gro&#223;stadt durchgehalten. Die aus Bremen stammende CDU-Politikerin bildete die die erste schwarz-gr&#252;ne Koalition im R&#246;mer.</p>
<p>1995 war sie im OB-Wahlkampf eigentlich eine Verlegenheitskandidatin der CDU. Der Kanzler und Parteivorsitzende Helmut Kohl hatte sie gebeten, zu kandidieren. Roth hielt sich auch gegen Widerst&#228;nde aus der konservativeren Landespartei.</p>
<p>Der 30. Juni ist voraussichtlich ihr letzter Arbeitstag. Zu ihren Erfolgen z&#228;hlt Roth den interreligi&#246;sen Dialog in der Stadt und die Einb&#252;rgerung vieler Ausl&#228;nder ebenso wie die Sanierung des Mainufers, den Neubau der Europ&#228;ischen Zentralbank, den geplanten Kulturcampus auf dem fr&#252;heren Unigel&#228;nde, den geplanten Wiederaufbau der Altstadt und den – sehr umstrittenen –Ausbau des Frankfurter Airports.</p>
<p>Als Kolb am 20. September 1956 gestorben war, auch er nur 54-j&#228;hrig und an den Folgen eines Herzinfarkts, s&#228;umten 100.000 Menschen den Weg des Sarges zum Hauptfriedhof. Er war eine popul&#228;re Vaterfigur, nach deren allgemeiner Akzeptanz sich die gebeutelte SPD heute in Frankfurt sehnt. Die Sozialdemokraten st&#252;rzten bei der Kommunalwahl 2011 auf das Rekord-Tief von 21,3 Prozent ab.</p>
<p>Der SPD-Mann Kolb legte politische Grundsteine, auf denen seine Nachfolger aufbauen konnten. Zwar scheiterte 1949 knapp der Plan, Frankfurt zur Hauptstadt der neuen Bundesrepublik zu ernennen. Aber es gelang, in Rekordzeit viele neue Wohnungen zu bauen und die unmittelbare Not in der Kommune einzud&#228;mmen. Die Moderne, in die man damals aufbrach, wird heute durchaus kritisch gesehen: Die Weichenstellung f&#252;r eine „autogerechte Stadt“ etwa mit dem ersten Parkhaus, das Kolb zwei Tage vor seinem Tod er&#246;ffnete, oder die breiten neuen Verkehrsschneisen.</p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/walter-moeller.jpg" rel="lightbox[4281]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/walter-moeller-150x150.jpg" alt="" title="Kanzler Willy Brandt spricht bei der Trauerfeier f&#252;r Walter M&#246;ller in der Paulskirche" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-4286" /></a>Walter M&#246;ller korrigierte sp&#228;ter diesen Kurs. Er war der erste Verkehrsdezernent der Stadt und setzte schon vor seiner Zeit als OB auf die U-Bahn als neues Mittel der Massenmobilit&#228;t. Mit Rudi Arndt erreichte die politische Hegemonie der Sozialdemokraten in Frankfurt ihren H&#246;hepunkt – aber auch ihr abruptes Ende. Der temperamentvolle Polterer Arndt hat sich als „Dynamit-Rudi“ in das Ged&#228;chtnis der Stadt eingeschrieben. Das ging auf einen Abend 1966 im zigarettenrauchgeschw&#228;ngerten „Club Voltaire“ zur&#252;ck, dem Treffpunkt der Linken. Arndt, damals noch hessischer Landesminister, empfahl launig, doch die bombenzerst&#246;rte Ruine der Oper „wegzusprengen“ und sie dann nach den alten Pl&#228;nen wiederaufzubauen. Sp&#228;ter setzte Arndt in der widerstrebenden SPD den Wiederaufbau durch – eingeweiht wurde das Konzerthaus Alte Oper aber erst 1981 durch seinen Nachfolger Walter Wallmann (CDU). <em>Claus-J&#252;rgen G&#246;pfert</em></p>
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		<title>Nationalversammlung: Auch Frankfurterinnen revoltieren</title>
		<link>http://www.frankfurt.frblog.de/frauen-in-der-48er-revolution</link>
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		<pubDate>Thu, 08 Mar 2012 13:04:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Michels</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Bettina von Arnim]]></category>
		<category><![CDATA[Demo & Protest]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Paulskirche]]></category>
		<category><![CDATA[Wachensturm]]></category>

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		<description><![CDATA[Frauenpower in Frankfurt? Gab's schon in den politisch bewegten Jahren rund um 1848. Frauen gingen auf die Barrikaden, befreien ihre M&#228;nner aus dem Zuchthaus - und werden selbst eingesperrt.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/frauenverein.jpg" title="Versammlung von Dienstm&#228;dchen, um 1850" rel="lightbox[631]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/frauenverein-150x150.jpg" alt="" title="Versammlung von Dienstm&#228;dchen, um 1850" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-4275" /></a>Um die politischen Rechte der Frauen stand es schlecht in den Zeiten des Freiheitskampfes von 1848: &#8220;Sind euch auch die Kreise des &#246;ffentlichen Wirkens verschlossen und (seid) ihr auf eure stille H&#228;uslichkeit angewiesen&#8221;, appellierte &#8220;ein Weib aus dem Volke&#8221; an den weiblichen Teil der nationalen Bewegung &#8211; &#8220;macht ihr es euch zur sch&#246;nen Aufgabe, in den jungen Herzen eurer Kinder die gl&#252;hende Liebe zur Freiheit anzufachen&#8221;.<br />
<span id="more-631"></span><br />
Wem das nicht reichte, die hatte Gelegenheit, die Debatten der 597 M&#228;nner in der Paulskirche zu beobachten: als Zuh&#246;rerin auf einem der rund 200 Pl&#228;tze der Damenloge. Dabei bewiesen die Besucherinnen, die dort auf der Empore meist von fr&#252;h bis sp&#228;t durchhielten, das &#8220;sicherste Ahnungsverm&#246;gen&#8221; (Veit Valentin) f&#252;r die Brisanz der Debatten. Auch nach dem Bericht der Abgeordnetenehefrau Louise Zimmermann zeigte manche der Frauen dort oben &#8220;mehr Liebe, Ernst, klare<br />
Besonnenheit und Treue f&#252;r die deutsche Sache als die M&#228;nner des Parlaments&#8221;.</p>
<p>Einige wenige Namen sind in Frankfurt gel&#228;ufig, wenn vom Einsatz der Frauen in revolution&#228;rer Zeit die Rede ist. Die Reflektionen der Weinh&#228;ndlersgattin Clotilde Koch-Gontard (1813-1869), der es &#8220;recht viel M&#252;he&#8221; machte, &#8220;die K&#252;che als den Hauptschauplatz meiner Tatkraft anzusehen&#8221; und die t&#228;glich in den<br />
Parlamentssitzungen Abwechslung suchte, lesen sich teilweise wie politische Episteln: &#8220;Die Politik ist immer noch garstig&#8221;, kommentiert sie im September 1848, &#8220;wird sich die Linke beruhigen, wenn sie in die Minorit&#228;t kommt, nachdem sie die Majorit&#228;t besessen bei der Sache?&#8221;</p>
<p>Annette Stoltze (1813-1840) hingegen, Schwester des Mundartdichters Friedrich Stoltze, hatte sich handgreiflich eingemischt ins aufst&#228;ndische Geschehen &#8211; sie darbte darum ab 1834 im Rententurm in Kerkerhaft und hat die Zeit der Nationalversammlung nicht mehr erlebt. Annette Stoltze war als 18j&#228;hrige im &#8220;Frankfurter Frauenkomitee zur Unterst&#252;tzung polnischer Fl&#252;chtlinge&#8221; und im &#8220;Versorgungskomitee f&#252;r Frankfurter Gefangene&#8221; aktiv geworden. Bis heute wird ihr zugeschrieben, sie habe in Seifest&#252;cken kleine S&#228;gen in die Haftzellen geschmuggelt, mit deren Hilfe sich die aufst&#228;ndischen Studenten des 1833 fehlgeschlagenen Wachensturms befreien konnten.</p>
<p>Auch die Frankfurter Schriftstellerin Bettine von Arnim, geborene Brentano (1785-1859), versuchte, Einfluss auf das Politikgeschehen zu nehmen. Beim &#8220;allergn&#228;digsten K&#246;nig&#8221; erbat sie, die in Berlin verheiratete Mutter von sieben Kindern, am 29. Juli 1849 die Begnadigung eines &#8220;wegen revolution&#228;rer Umtriebe&#8221; festgesetzten Gefangenen: &#8220;Kein Menschenblut soll mehr der r&#228;chenden Strafe geopfert werden!&#8221; Und listig f&#252;gt sie an: &#8220;Die Bitte f&#252;r den Gefangenen um Gnade ist auch f&#252;r das Gewissen des K&#246;nigs &#8211; dass es hell und wolkenlos zum Himmel hinsteige.&#8221; Denn: &#8220;Dem K&#246;nigsgewissen etwas aufb&#252;rden zu wollen, wer wagt das?&#8221;</p>
<p>1849, beim Frankfurter Septemberaufstand, hat nach den Recherchen der Historikerin Sabine Hock die Politik endg&#252;ltig auch Frauen in Bewegung gebracht: Von den 3974 Personen, die anschlie&#223;end verh&#246;rt wurden, seien etwa 15 Prozent weiblich gewesen. Darunter war auch Henriette Zobel, die Frau eines Bornheimer Lithographen, die sich &#8220;vom Strudel der Ereignisse ins Verderben gerissen&#8221; sah. Henriette hatte nach den Ermittlungen des Gerichts &#8220;zur T&#246;dtung des Abgeordneten von Auerswald aufgefordert&#8221;, und diesem, der nicht &#252;berlebte, mit ihrem Regenschirm &#8220;wiederholt auf den Kopf geschlagen&#8221;. Daf&#252;r sa&#223; sie 16 Jahre im Zuchthaus, davon sechs in Einzelhaft.</p>
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		<title>Stra&#223;ennamen &#8211; wer entscheidet dar&#252;ber?</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Mar 2012 11:09:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frankfurter Rundschau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Straßen, Plätze, Bauwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Straßennamen]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer gibt den Frankfurter Stra&#223;en die Namen? Hand aufs Herz, wer wei&#223; schon so genau, wer der Gasse den "Sch&#228;fer" oder der Stra&#223;e den "Kurt-Schumacher" vorangestellt hat. Wir l&#252;ften das Geheimnis. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/Liawoehrplatz.jpg"  title="Lia-W&#246;hr-Platz im Frankfurter Gallus / Foto: Peng/Wikimedia" rel="lightbox[284]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/Liawoehrplatz-150x150.jpg" alt="" title="Lia-W&#246;hr-Platz" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-4224" /></a>Jeden Tag aufs neue bahnen sich die Menschen auf ihnen ihren Weg, sie sind die Lebenslinien einer Stadt: die Stra&#223;en. An ihren Namensschildern l&#228;uft ein jeder vorbei &#8211; und doch, ab und zu h&#228;lt der eine oder die andere inne und &#252;berlegt: Wer war das eigentlich, der da auf dem Stra&#223;enschild verewigt wurde?<br />
<span id="more-284"></span><br />
Wer gibt den Stra&#223;en die Namen? Hand aufs Herz, wer wei&#223; schon so genau, wer der Gasse den &#8220;Sch&#228;fer&#8221; oder der Stra&#223;e den &#8220;Kurt-Schumacher&#8221; vorangestellt hat. Nun, das Geheimnis ist leicht zu l&#252;ften. Denn, wie sollte es anders sein, f&#252;r die nicht immer einfache Aufgabe ist in der Stadtverwaltung die Abteilung &#8220;Stra&#223;enbenennung&#8221; beim Vermessungsamt zust&#228;ndig. Sie wacht &#252;ber die Einhaltung aller rechtlichen Vorschriften und versucht alle Interessen unter einen Hut zu bringen.</p>
<p>Mitmachen bei der Namenssuche k&#246;nnen praktisch alle B&#252;rger. Die Vorschl&#228;ge werden von der Abteilung aufgenommen, ob sie dann allerdings den Zuschlag bekommen, ist dahingestellt. &#8220;Keine Chance haben verunglimpfende Namen wie ,Hinterm-Mond&#8217; oder ,In der Besenkammer&#8217;, die sich beispielsweise ein Frankfurter B&#252;rger ausgedacht hat&#8221;, sagt Sachgebietsleiter Aloys Molter. Auch der Vorschlag der Gr&#252;nen vor  Jahren f&#252;r die Benennung einer Stra&#223;e in der N&#228;he der Bundesbahndirektion in &#8220;Jim-Knopf-Stra&#223;e&#8221; wurde nicht verwirklicht.  Stattdessen machte der englische Eisenbahnpionier &#8220;Stephenson&#8221; das Rennen.</p>
<p>Eine Benennung endg&#252;ltig beschlie&#223;en kann der zust&#228;ndige Ortsbeirat, eine Kompetenz, die von der Stadtverordnetenversammlung weitergegeben wurde. Dabei kann der Magistrat aber immer noch Einspruch erheben oder den Ortsbeir&#228;ten Vorschl&#228;ge unterbreiten. &#8220;In die Wolle kriegen sich die beiden Gremien aber selten&#8221;, sagt Molter. Meistens greife der Magistrat nur ein, wenn es beispielsweise um gesetzliche Dinge geht, von denen der Ortsbeirat nichts wei&#223;. Es k&#246;nne aber auch der Fall eintreten, dass der Ortsbeirat den Namen eines Stadtteilb&#252;rgers ausw&#228;hlt, dem Magistrat aber eine st&#228;dtische oder internationale Pers&#246;nlichkeit als Namenspatron auf dem Stra&#223;enschild vorschwebt.</p>
<p>Auch aus anderen Gr&#252;nden sei es gar nicht leicht, passende Namen zu finden, erkl&#228;rt Molter. Gleichklingende Namen zu bereits bestehenden Stra&#223;en sollten vermieden werden, sonst bestehe Verwechslungsgefahr (Hamman- und Hermannstra&#223;e im Nordend). Kleine Siedlungsstra&#223;en sollten nicht nach international bekannten Personen benannt werden, dann stimme das Verh&#228;ltnis nicht. Bei Umbenennungen m&#252;sse man R&#252;cksicht auf Anwohner nehmen, denn der Stra&#223;enname sei auch Heimat und Identifikation, erg&#228;nzt Molter. So w&#252;rden Umbenennungen nur genehmigt, wenn sie wirklich n&#246;tig seien, beispielsweise, wenn bei Eingemeindungen Stra&#223;ennamen doppelt auftauchen. Nach einem Magistratsbeschluss von 1989 sollen Stra&#223;en m&#246;glichst auch nach Frauen benannt werden.</p>
<p>F&#252;r den eher unwahrscheinlichen Fall, dass einmal keinem etwas einfallen sollte, gibt es eine Vorschlagsliste mit mehreren Hundert Namen, denen die Ehre zuteil werden k&#246;nnte, auf dem Schild einer gr&#246;&#223;eren Stra&#223;e zu stehen. So wurden beispielsweise zwei Verstorbene aufgenommen: die Schauspielerin Liesel Christ und Frankreichs verstorbener Pr&#228;sident und Frankfurter Ehrenb&#252;rger Francois Mitterrand. Nach einer passenden Stra&#223;e wurde auch f&#252;r den Schriftsteller Heinrich B&#246;ll gesucht. </p>
<p>&#8220;Ein Bezug zur Geschichte des Viertels sollte da sein, deswegen wurden die Stra&#223;en nach den alten Sachsenh&#228;user Ritterh&#246;fen benannt&#8221;, erkl&#228;rt Molter beispielsweise &#252;ber das Deutschherrnufer. &#8220;Wissen wir einmal nicht mehr weiter, wenden wir uns an Fachleute, an das Institut f&#252;r Stadtgeschichte oder f&#252;r Sprachwissenschaft.&#8221;</p>
<p>Ist der neue Name beschlossen, geht die Arbeit f&#252;r das Stadtvermessungsamt erst richtig los: Alle Bestimmungen m&#252;ssen eingehalten, die Karten erg&#228;nzt, Polizei und Feuerwehr benachrichtigt werden. Das Gesetz, auf das sich die Beh&#246;rde st&#252;tzt, stammt &#252;brigens noch aus dem Jahr 1939. Nach dem Kriege wurde es lediglich &#8220;entnazifiziert&#8221;: In Frankfurt hatte das eine Umbenennungswelle zur Folge. </p>
<p>In der Hessischen Gemeindeordung sind im &#252;brigen keine Regelungen &#252;ber die Namensgebung von Stra&#223;en zu finden. Arbeitslos wird die Abteilung &#8220;Stra&#223;enbenennung&#8221; sicher nie: In Seckbach und Bergen-Enkheim zum Beispiel wurden mehrere Stra&#223;en umgetauft. Und in Preungesheim warten schon wieder ganz neue Wege auf ihre Namen. <em>Sabine Demm</em></p>
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		<title>Stra&#223;ennamen &#8211; wenn der Zeitgeist sie &#228;ndert</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Jan 2012 11:12:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fred Kickhefel</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Straßen, Plätze, Bauwerke]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn Stra&#223;en umbenannt werden, ist das oft ein Zeichen daf&#252;r, dass der Wind sich dreht. Die Frankfurter Stra&#223;en und Pl&#228;tze, die nach NS-Gr&#246;&#223;en benannt worden waren, wurden nach dem Krieg flugs umgewidmet. Manchmal muss aber ein alter Name auch aus anderen Gr&#252;nden weichen.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/stadtplan_1943.jpg" title="Adolf-Hitler-Br&#252;cke auf einem Stadtplan von 1943 / Quelle: www.frankfurt1933-1945.de/"  rel="lightbox[301]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/stadtplan_1943-150x150.jpg" alt="" title="Adolf-Hitler-Br&#252;cke" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-4251" /></a> Der Mensch, wer wollte es bestreiten, ist ein Gewohnheitstier. Auf Ver&#228;nderungen reagiert er meist unwillig; das gilt besonderes f&#252;r solche, die sein unmittelbares Lebensumfeld betreffen. Namen und Adressen zum Beispiel. Ein Thema, das regelm&#228;&#223;ig dann aktuell wird, wenn es gilt, bedeutende verstorbenen Pers&#246;nlichkeiten zu ehren. Was man am liebsten dadurch tut, dass man eine Stra&#223;e oder einen Platz nach ihnen benennt. Das Problem: Die &#214;rtlichkeit tr&#228;gt meist schon einen anderen Namen, einen, der oft durch historische Gegebenheiten bestimmt ist. <span id="more-301"></span></p>
<p>Oft sind diese Gegebenheiten freilich auch nur scheinbar traditonsbehangen. So war den wenigsten Kritikern, die 1993 gegen die Umbenennung des &#8220;traditionellen&#8221; Theaterplatzes in Willy-Brandt-Platz protestierten, bewusst, dass dieser Ort erst seit 1964 Theaterplatz hie&#223;. Von 1902 an n&#228;mlich war der Name &#8220;Am Schauspielhaus&#8221;. Durch den Neubau der St&#228;dtischen B&#252;hnen mit Theater, Oper und Kammerspiel war der Name obsolet geworden. </p>
<p>30 Jahre zuvor hatte es eine heftige Diskussion um einen anderen gro&#223;en Namen gegeben: Nach der Ermordung des US-Pr&#228;sidenten John F. Kennedy am 22. November 1963 sollte auch in Frankfurt &#8211; einer bedeutenden Station seiner Deutschlandreise wenige Monate zuvor &#8211; ein Ort nach Kennedy benannt werden. Der Magistrat schlug die Untermainbr&#252;cke vor, die SPD im R&#246;mer pl&#228;dierte wegen der N&#228;he zum Marshall-Brunnen f&#252;r die Taunusanlage, die FDP wollte den Paulsplatz umbenennen. Auch Opernplatz und Kaiserleibr&#252;cke waren f&#252;r Kennedy im Gespr&#228;ch.</p>
<p>Wochenlang f&#252;llte die Diskussion die Kommentar- und Leserbriefspalten der &#246;rtlichen Zeitungen. So schrieb ein Leser in der FR: &#8220;Die Sch&#246;pfer des Namens der Unter- und Obermainbr&#252;cke haben sich auch ihre Gedanken bei der Namensgebung gemacht. Man sprach fr&#252;her in Frankfurt von dem unteren und oberen Main innerhalb der Stadtgrenzen &#8230;&#8221; In der Sitzung des &#196;ltestenausschusses am 9. Dezember 1963 wurde die Namensgebung diskutiert und schlie&#223;lich der Kompromissvorschlag der CDU angenommen, die Forsthausstra&#223;e in Kennedyallee umzubenennen. Auf jener Stra&#223;e hatte der Pr&#228;sident Frankfurt verlassen, um von der Rhein-Main-Airbase per Hubschrauber nach Wiesbaden geflogen zu werden. Tage sp&#228;ter stimmte die Stadtverordnetenversammlung der Umbenennung zu. </p>
<p>So blieb Frankfurt der Name Untermainbr&#252;cke erhalten &#8211; ein Name, der freilich zwischen 1933 und 1945 im Frankfurter Stadtplan gefehlt hatte. Denn sowohl der Beginn wie das Ende des &#8220;Dritten Reiches&#8221; hatten auch in Frankfurt zu einem &#8220;B&#228;umchen-wechsle-dich-Spiel&#8221; der Namensgebung gef&#252;hrt. So &#228;hnlich wie es sp&#228;ter die Bewohner der ehemaligen DDR in den 90er Jahren erleben sollten. Die deutschen St&#228;dte wetteiferten damit, &#214;rtlichkeiten nach NS-Gr&#246;&#223;en zu benennen. Da wurde also aus der Untermainbr&#252;cke die &#8220;Adolf-Hitler-Br&#252;cke&#8221; und auch die Gallusanlage trug den Namen des &#8220;F&#252;hrers&#8221; und Reichkanzlers. Der Untermainkai wurde zum &#8220;Hermann-G&#246;ring-Ufer&#8221; und der B&#246;rsenplatz zum &#8220;Platz der SA&#8221;. Und so ging das munter weiter, nachdem der Mieterschutzverein gefordert hatte, &#8220;Stra&#223;en und Pl&#228;tze, die nach Nichtariern benannt sind, allm&#228;hlich umzubenennen&#8221;. Mit vielen anderen verschwand der Name des Komponisten Mendelssohn ebenso wie der des langj&#228;hrigen B&#252;hnen-Intendanten Emil Claar, von der Bildfl&#228;che. Die Emil-Claar-Stra&#223;e im Westend war erst 1930, nach dem Tode des Theatermannes, umgenannt worden und hatte bis dahin Praunheimer Stra&#223;e gehei&#223;en. </p>
<p>Nach dem Krieg dann also das Ganze retour. Man entsorgte alle Bezeichnungen, die nur irgendwie an Militarismus erinnerte. Darunter fielen preu&#223;ische Gener&#228;le wie Clausewitz, Scharnhorst, Gneisenau und L&#252;tzow ebenso wie der Marine-Poet Gorch Fock. Die geschichtliche Entwicklung der vergangenen Jahre schlug sich damals im Frankfurter Stadtplan in unterschiedlicher Weise nieder: Neue Stra&#223;en wurden nach den Opfern des NS-Terrorregimes benannt &#8211; von der geb&#252;rtigen Frankfurterin und Tagebuchautorin Anne Frank bis hin zu Widerstandsk&#228;mpfern wie den Geschwistern Scholl, Wilhelm Leuschner, Carl Goerdeler oder Adolf Reichwein. 1959 wurden am Industriehof in Hausen eine Reihe von Stra&#223;en nach ostpreu&#223;ischen Orten wie K&#246;nigsberg, Insterburg, L&#246;tzen benannt, um, so Stadtrat Kampffmeyer (SPD), &#8220;die Menschen an die ostdeutsche Heimat zu erinnern&#8221;. </p>
<p>Manche Umbenennung scheiterte freilich am z&#228;hen Widerstand der Frankfurter. Die Kaiserstra&#223;e beispielweise war 1947 zum Gedenken an den ersten Reichspr&#228;sidenten in Friedrich-Ebert-Stra&#223;e umgetauft worden &#8211; worauf sie jahrelang sp&#246;ttisch &#8220;Kaiser-Ebert-Stra&#223;e&#8221; genannt wurde. 1955 gab der Magistrat klein bei und der Prachtstra&#223;e zum Hauptbahnhof ihren alten Namen wieder. Friedrich Ebert aber ist bis zum heutigen Tage Namensgeber der Anlage zwischen Messegel&#228;nde und Platz der Republik. </p>
<p>Wie schwer das Umdenken manchmal f&#228;llt, daf&#252;r lieferte die Hessische Justizverwaltung ein sch&#246;nes Beispiel: Am 6. November 1962, also siebzehneinhalb Jahre nach Kriegsende, schickte die Justiz einen Brief an die &#8220;Einhorn-Apotheke, Horst Wesselplatz 1&#8243;. Ein findiger Postbeamter hat darunter geschrieben: &#8220;Goetheplatz&#8221;. Immerhin eine erkennbare Verbesserung &#8211; auch wenn die korrekte Adresse &#8220;Rathenauplatz&#8221; lautete.</p>
<p>Im Netz:<a href="http://www.aufbau-ffm.de/serie/Teil0/0-2.html"> &#220;bersicht &#252;ber Frankfurter Stra&#223;en, die  nach dem Zweiten Weltkrieg umbenannt wurden</a></p>
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		<title>Senckenberg &amp; Co: Der Club der reichen G&#246;nner</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Dec 2011 10:54:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frankfurter Rundschau</dc:creator>
				<category><![CDATA[18. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie waren reich - und sie gaben ab: Viele Einrichtungen in Frankfurt gehen auf Wohlt&#228;ter fr&#252;herer Zeiten zur&#252;ck. Allen voran: Johann Christian Senckenberg.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/club-der-goenner.jpg" rel="lightbox[295]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/club-der-goenner.jpg" alt="Club der G&#246;nner" title="Von links: Friedrich Metzler, Simon Moritz Bethmann, Philipp Jakob Cretzschmar, Johann Christian Senckenberg. Bilder: Wikimedia Commons" width="391" height="150" class="alignleft size-full wp-image-4195" /></a></p>
<p>Klassenweise bestaunen Kinder aus Frankfurt und Umgebung die &#8220;Dino&#8221;-Skelette in &#8220;seinem&#8221; Museum: Nach Dr. Johann Christian Senckenberg ist nicht nur die Senckenberg-Anlage benannt, die den Messekreisel mit der Bockenheimer Landstra&#223;e verbindet, sondern auch das naturkundliche Museum, das dort steht. Dabei handelt es sich nicht um die einzige Stiftung des Frankfurter Arztes.<span id="more-295"></span></p>
<p>Neben der &#8220;Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft&#8221; und ihrem Museum gehen auf Senckenberg zur&#252;ck: eine Bibliothek (die heute auch Aufgaben als Universit&#228;tsbibliothek erf&#252;llt), ein Institut f&#252;r Geschichte der Medizin, ein botanisches Institut mit botanischem Garten (heute zwischen Gr&#252;neburgpark und Palmengarten gelegen), ein Krankenhaus (das B&#252;rgerhospital) und die dazugeh&#246;rigen Institute f&#252;r Anatomie und Pathologie. </p>
<p>Senckenberg, 1707 geboren, war sein Leben lang eng mit Frankfurt verbunden: Schon sein Vater, ebenfalls Arzt, hatte eine &#8220;Flora Francofurtensis&#8221;, eine Botanik des Frankfurter Raumes, verfasst. Johann Christian Senckenberg selbst studierte zwar in Halle, lie&#223; sich aber sofort nach seiner Promotion &#8211; &#252;ber &#8220;Die Heilkraft des Maigl&#246;ckchens&#8221; &#8211; in Frankfurt als praktischer Arzt nieder. Dreimal heiratete Senckenberg, dreimal starben seine Ehefrauen bald nach der Hochzeit. Auch eine Tochter und ein Sohn lebten nicht lange: Kindbettfieber und Tuberkulose waren die Ursachen. </p>
<p><strong>Senckenberg schimpft gegen die unmoralische Branntwein-Steuer</strong></p>
<p>Nach diesen tragischen Erlebnissen widmete Senckenberg seine Erfahrungen als Amtsarzt (seit 1755 war er Stadtphysikus) und aus der eigenen Praxis dem Gemeinwohl: Er forderte die Einrichtung von Krankenh&#228;usern f&#252;r Arme und eines Findelhauses sowie regelm&#228;&#223;ige Gesundheitsuntersuchungen von Ammen. Im Rat der Stadt war Senckenberg ob seiner kritischen &#196;u&#223;erungen gef&#252;rchtet. So hielt er die Branntwein-Steuer f&#252;r unmoralisch, da sich der Staat damit an einer gesundheitssch&#228;digenden Sucht bereichere.</p>
<p>F&#252;r seine Pl&#228;ne, mit einer eigenen Stiftung den Missst&#228;nden im Frankfurter Gesundheitswesen abzuhelfen, erwarb Senckenberg nach dem Siebenj&#228;hrigen Krieg ein Grundst&#252;ck am Eschenheimer Turm, &#8220;wo neben der Anlage eines blo&#223; f&#252;r Frankfurter B&#252;rger bestimmten Hospitals ein botanischer Garten, ein anatomisches Theater, ein chemisches Laboratorium, eine ansehnliche Bibliothek und eine Wohnung f&#252;r den Direktor eingerichtet ward&#8221;. So beschreibt Johann Wolfgang Goethe im zweiten Buch von &#8220;Dichtung und Wahrheit&#8221; die Senckenbergische Stiftung: 1768 f&#252;hrte Senckenberg den jungen Studenten &#252;bers Gel&#228;nde.</p>
<p><strong>Im eigenen Institut obduziert</strong></p>
<p>Dem dreimal Verwitweten bereitete privat auch sein krimineller j&#252;ngerer Bruder Kummer, der die letzten 26 Jahre seines Lebens in Haft in der Hauptwache verbrachte. Und auch Johann Christian Senckenbergs Ende war kein gl&#252;ckliches: Am 15. November 1772 st&#252;rzte er bei einer Baubesichtigung des B&#252;rgerhospitales vom Ger&#252;st. Begraben wurde er in der barocken Krankenhauskapelle, deren Glockenturm er zum Zeitpunkt des t&#246;dlichen Unfalls besichtigt hatte. Zuvor wurde seine Leiche in dem von ihm eingerichteten anatomischen Institut obduziert.</p>
<p>Sein ganzes Verm&#246;gen von 95.000 Goldgulden hatte Senckenberg in sein Lebenswerk gesteckt &#8211; nach Auskunft des Stadtarchivs betrug ein Jahreseinkommen im mittleren bis gehobenem B&#252;rgertum rund tausend Goldgulden. Dennoch konstatierte nach den Napoleonischen Kriegen der Autor eines Berichts &#252;ber den Zustand von &#8220;Kunst und Altertum in den Rhein- und Main-Gegenden&#8221; Handlungsbedarf: Die wissenschaftlichen Abteilungen bed&#252;rften dringend des Ausbaus, um einer Stadt wie Frankfurt am Main gerecht zu werden. Der Verfasser war jener inzwischen zum Geheimrat gewordene Student namens Goethe, den Senckenberg &#252;ber das Stiftungsgel&#228;nde gef&#252;hrt hatte. Bei den Nachforschungen f&#252;r seinen Bericht f&#252;hrte ihn 1814 Dr. Johann Georg Neuburg, der bei der von Goethe angeregten Gr&#252;ndung der &#8220;Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft&#8221; im Jahre 1817 ihr erster Direktor wurde. </p>
<p><strong>Wohltaten werden belohnt &#8211; mit Stra&#223;ennamen</strong></p>
<p>Nicht nur Senckenberg ist es zu verdanken, dass sowohl die medizinischen als auch die naturwissenschaftlichen Einrichtungen begr&#252;ndet wurden und bis heute &#252;berlebten: So stiftete Bankier Simon Moritz von Bethmann der Gesellschaft 10.000 Gulden und Mittel f&#252;r den Bau des ersten Museums, andere steuerten Sammlungen von Insekten oder Versteinerungen bei.</p>
<p>Doch damit sind wir schon bei anderen &#8220;Geschichten in Stra&#223;ennamen&#8221;: Bethmannstra&#223;e und Bethmannpark ehren das Traditions-Bankhaus. In Bockenheim gibt es die Cretzschmarstra&#223;e; Philipp Jakob Cretzschmar war die treibende Kraft bei der Gr&#252;ndung der &#8220;Naturforschenden Gesellschaft&#8221;. Dem Bankier Joachim Andreas Grunelius, der der Gesellschaft 1000 Gulden vermachte, setzt eine Stra&#223;e in Oberrad ein Denkmal; Eduard R&#252;ppell, der mit seinen ergiebigen Forschungsreisen den Weltruf des Senckenberg-Museums begr&#252;ndete, ist im Dornbusch verewigt.</p>
<p>Kommerzienrat Johann Friedrich Metzler stellte seinen mit seltenen Gew&#228;chsen bepflanzten Garten der Gesellschaft zur Verf&#252;gung, &#8220;seine&#8221; Stra&#223;e ist in Sachsenhausen. An Johann Konrad Varrentrapp, der in Stiftung und &#8220;Naturforschender Gesellschaft&#8221; mitwirkte, erinnert eine Stra&#223;e an der Messe.</p>
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		<title>Das erste Telefonat in Frankfurt</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Nov 2011 08:16:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastruktur]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor 150 Jahren war die Erfindung von Johann Philipp Reis in Frankfurt eine echte Sensation: die eigenh&#228;ndig gebaute Apparatur namens Telefon.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/reis-telefon-gartenlaube-kl.jpg" title="Zeichnung des Reis&#039;schen Musiktelegraphen aus der Zeitschrift Die Gartenlaube, 1863 / Quelle: Wikimedia"  rel="lightbox[4152]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/reis-telefon-gartenlaube-kl-150x150.jpg" alt="" title="Zeichnung des Reis&#039;schen Musiktelegraphen aus der Zeitschrift Die Gartenlaube, 1863 / Quelle: Wikimedia" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-4168" /></a>Der Berliner Industrielle Werner von Siemens ist eigens in die  freie Reichsstadt Frankfurt am Main gereist. Gegen Abend versammeln sich die Mitglieder des Physikalischen Vereins  im H&#246;rsaal des Senckenbergischen Instituts an der Stiftsgasse. Dort will der Lehrer Johann Philipp Reis aus Friedrichsdorf seine Arbeiten zur &#220;bertragung von musikalischen T&#246;nen auf elektrischem Wege pr&#228;sentieren. Wie in der schriftlichen Ank&#252;ndigung zu lesen ist, bringt Herr Reis eine eigenh&#228;ndig erbaute Apparatur namens Telefon zur Vorf&#252;hrung. Es ist Samstag, der 26. Oktober 1861. <span id="more-4152"></span></p>
<p>Drau&#223;en im Garten spricht  ein Verwandter von Reis  S&#228;tze aus einem Buch in ein Trichtermikrofon, der Erfinder wiederholt die Worte, die leise aus seiner Empfangs-Apparatur erklingen, laut im Saal. Ein zweifelnder Zuh&#246;rer  l&#228;uft daraufhin in den Garten und spricht dort die legend&#228;ren  S&#228;tze „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“ und „Die Sonne ist von Kupfer“. Reis kann zwar nicht verstehen, was genau das Pferd frisst und auch das Kupfer h&#246;rt sich f&#252;r ihn wie Zucker an.  Aber den Test hat seine Apparatur  halbwegs bestanden.</p>
<p>Der Abend endet dennoch in Entt&#228;uschung. Von dieser Vorf&#252;hrung hatten sich beide Seiten offensichtlich mehr erwartet: Reis eine umfassende Unterst&#252;tzung bei der kommerziellen Umsetzung und Verwertung seiner Ideen, die Zuh&#246;rer wohl eine wesentlich &#252;berzeugendere Funktion der vorgestellten Apparatur. Werner von Siemens hat sp&#228;ter eingestanden: „Wir Esel haben zwar das Wunder des Verstehens auf 60 Fu&#223; und mehr angestaunt, aber die Sache nicht verfolgt.“</p>
<p>Warum Reis’ Experimentalvortrag – dessen etwas umst&#228;ndlicher Titel „&#220;ber die Fortpflanzung von T&#246;nen auf beliebige Entfernungen durch Vermittlung des galvanischen Stroms“ lautete – beim Fachpublikum damals nicht wesentlich mehr als h&#246;fliche Aufmerksamkeit erregte, dar&#252;ber ist im Nachhinein sehr viel diskutiert worden. Denn eigentlich h&#228;tte der Funke der Begeisterung vom Vortragenden auf das Publikum &#252;berspringen m&#252;ssen. Sein „musikalischer Telegraph“ oder das „Telephon“, wie der Erfinder die von ihm entwickelte Apparatur nannte, bot n&#228;mlich etwas, das bisher – zumindest in Europa  – noch nie dagewesen war: die &#220;bertragung von Gesang und Musik &#252;ber Draht mit Hilfe der Elektrizit&#228;t.</p>
<p>Die reservierte Zur&#252;ckhaltung der wissenschaftlichen Autorit&#228;ten – so lehnte es der renommierte Herausgeber der „Annalen der Physik und Chemie“, der Physiker und Elektrotechniker Johann Christian Poggendorff (1796- 1877), zun&#228;chst ab, einen Beitrag &#252;ber die Reis’sche Erfindung zu ver&#246;ffentlichen – mag zum einen darin begr&#252;ndet gewesen sein, dass um 1860 die gro&#223;e Zeit der Telegrafie in Deutschland gerade erst begonnen hatte.</p>
<p><strong>Zar Alexander II. und der &#246;sterreichische Kaiser am Kopfh&#246;rer</strong></p>
<p>Das Telegramm galt nicht nur beim breiten Publikum, sondern auch in Expertenkreisen als Optimum zeitgen&#246;ssischer Kommunikationstechnik, die „unterhaltsame physikalische Spielereien“ wie die von Reis vorgef&#252;hrte Apparatur nicht n&#246;tig habe. Die wenigen Spezialisten, die anderer Meinung waren, wie etwa  der an sich einflussreiche Vorsteher der preu&#223;ischen Telegraphen-Inspektion VIII, Wilhelm von Legat, der sich vehement f&#252;r das Reis’sche Telefon einsetzte, konnten sich zun&#228;chst nicht gegen diesen allgemeinen Ablehnungstrend durchsetzen.</p>
<p>Dazu mag auch nicht unwesentlich beigetragen haben, dass Johann Philipp Reis – ein aus dem osthessischen Gelnhausen stammender Sohn eines B&#228;ckermeisters –  kein Angeh&#246;riger des wissenschaftlichen Establishments war. Einem „einfachen“ Lehrer, selbst wenn er am durchaus renommierten „Knabeninstitut“ von Louis Frédéric Garnier (1809-1882) Physik, Mathematik und Chemie unterrichtete, traute man eine wirklich bahnbrechende Erfindung schlicht nicht zu.</p>
<p>G&#228;nzlich erfolglos war der Vortrag vom 26. Oktober 1861 aber doch nicht geblieben. So erschien im Jahresbericht 1860/1861 des Frankfurter Physikalischen Vereins immerhin ein von Reis verfasster Beitrag „&#220;ber Telephonie durch den galvanischen Strom“, der seine Erfindung in Kreisen des wissenschaftlich und technisch interessierten Bildungsb&#252;rgertums bekannt machte. Die Apparatur, die vom Erfinder mehrfach umkonstruiert und vervollkommnet wurde, fand in den darauffolgenden Jahren in zahlreichen Exemplaren als wissenschaftliches Demonstrationsobjekt in Deutschland und dar&#252;ber hinaus Absatz. So gelangten Modelle des Reis’schen Telefons nachweislich nach Russland, Gro&#223;britannien   und in die USA.</p>
<p>Es sind mehrere Demonstrationen des „musikalischen Telegraphen“ vor den damals Herrschenden belegt. So f&#252;hrte Johann Philipp Reis pers&#246;nlich am 6. September 1863 im Frankfurter Goethehaus eine verbesserte Version seines Apparates dem &#246;sterreichischen Kaiser Franz Joseph vor. Der englische Erfinder David Edward Hughes    (1831-1900), der mit der Apparatur von Reis ebenfalls gute Resultate erreicht hatte, pr&#228;sentierte das „deutsche Telephon“ im Sommer 1865 dem Zaren Alexander II., was auf gro&#223;e Aufmerksamkeit bei russischen Wissenschaftlern und Technikern stie&#223; und zahlreiche Aktivit&#228;ten zur Verbesserung ausl&#246;ste.</p>
<p>Und Verbesserungen hatte das Reis’sche Telefon, bei dem von Anfang an auff&#228;llig war, dass musikalische T&#246;ne wesentlich deutlicher wiedergegeben wurden als das gesprochene Wort, wahrlich n&#246;tig. Dieser offensichtliche Mangel lag haupts&#228;chlich in dem von Reis angewendeten &#220;bertragungsprinzip begr&#252;ndet, bei dem Sprachschwingungen und musikalische T&#246;ne nicht in analoge Stromschwankungen, sondern in Stromst&#246;&#223;e und Pausen umgewandelt – also quasi „zerhackt“ – wurden. Bei dem komplexen Schwingungsgemisch, aus dem sich die menschliche Sprache zusammensetzt, fiel diese  Verf&#228;lschung, die die Verst&#228;ndlichkeit mitunter stark beeintr&#228;chtigte, ganz besonders ins Gewicht.</p>
<p>Da Johann Philipp Reis sich dieser Tatsache offensichtlich bewusst war, bevorzugte er bei nahezu allen offiziellen Demonstrationen seiner Erfindung die &#220;bertragung von Musik und Gesang vor der des gesprochenen Wortes. Eine prinzipielle Verbesserung der Verst&#228;ndlichkeit wurde &#252;brigens erst mit den Telefonen von Alexander Graham Bell und Elisha Gray   erreicht, bei denen durch Nutzung des Prinzips der elektromagnetischen Induktion die Sprachschwingungen tats&#228;chlich in Stromschwankungen – und nicht in Stromst&#246;&#223;e – umgewandelt wurden.</p>
<p>Die seit 1853 erscheinende „Gartenlaube“ erreichte als erstes gro&#223;es deutsches Massenmagazin breite Bev&#246;lkerungskreise. Beitr&#228;ge, die in dieser Zeitschrift ver&#246;ffentlicht wurden, stie&#223;en in der Regel auf ein deutschlandweites Echo. So erging es auch dem  unter der &#220;berschrift „Der Musiktelegraph“ im Heft 3 der „Deutschen Bl&#228;tter“ – einer Sonderreihe der „Gartenlaube“ – im Jahre 1863 erschienenen Beitrag, in dem das Reis’sche Telefon und dessen Funktion in aller Ausf&#252;hrlichkeit vorgestellt wurden.</p>
<p>Johann Philipp Reis konnte die weitere Entwicklung jenes Mediums, zu dem er einen Beitrag von grunds&#228;tzlicher Bedeutung geleistet hatte, nicht mehr miterleben. Er starb am 14. Januar 1874 – sieben Tage nach seinem 40. Geburtstag – an Tuberkulose und hinterlie&#223; seine Familie in bescheidenen wirtschaftlichen Verh&#228;ltnissen.</p>
<p><strong>Erste innerst&#228;dtische Telefonnetze 1881 in Betrieb genommen</strong></p>
<p>Am 26. Oktober 1877 – auf den Tag genau 16 Jahre nach dem Vortrag von Reis beim Frankfurter Physikalischen Verein –  f&#252;hrte der deutsche Generalpostmeister Heinrich von Stephan das erste Telefongespr&#228;ch in Deutschland. Die Telefonverbindung bestand zwischen dem Generalpostamt und dem Generaltelegrafenamt in Berlin.</p>
<p>Als Apparate wurden zwei Prototypen des britischen Erfinders Alexander Graham Bell benutzt. Der Gr&#252;nder des Siemens-Konzerns, Werner von Siemens, &#252;bernahm auf von Stephans Anregung umgehend die Produktion von Telefonen, die sich zun&#228;chst an den Bell’schen Mustern orientierten, diese aber bald in Qualit&#228;t und Reichweite &#252;bertrafen. So wurden die Siemens-Apparate  mit einer Rufeinrichtung ausgestattet, die bei den Apparaten von Bell fehlte.</p>
<p>Konsequent und mit der Reputation seines Amtes im Hintergrund initiierte und f&#246;rderte Heinrich von Stephan die Einrichtung und den Ausbau des &#246;ffentlichen Telefonnetzes in Deutschland. Im Jahre 1881 wurden die ersten innerst&#228;dtischen Telefonnetze f&#252;r private und &#246;ffentliche Teilnehmer in Betrieb genommen. In Berlin gab es gleich zu Beginn 99 Teilnehmer und 193 Sprechstellen.</p>
<p>Es folgten Fernsprechnetze in Hamburg und M&#252;hlhausen im Elsass. 1885 &#252;berschritt der Fernsprechverkehr die innerst&#228;dtischen Grenzen: Die Fernleitung Berlin-Magdeburg verband die Teilnehmer beider Ortsnetze. Zum Jahresende 1897 verf&#252;gten bereits 529 Kommunen in Deutschland &#252;ber Fernsprechnetze; die Gesamtzahl der Telefonanschl&#252;sse lag bei &#252;ber 144.000.  Die L&#228;nge der verlegten Telefonkabel erreichte 210 532 Kilometer.</p>
<p>Im industriell entwickelten Ausland vollzog sich eine analoge Entwicklung, wobei insbesondere in den USA ein rasantes Tempo vorgelegt wurde. Bald z&#228;hlten die „Telephone“ – zun&#228;chst noch an der Wand befestigt – sowohl zu den Schmuckst&#252;cken der b&#252;rgerlichen Salons als auch zu den unverzichtbaren Utensilien in &#196;mtern, Beh&#246;rden, bei Polizei, Feuerwehr und sonstigen &#246;ffentlichen Einrichtungen. Auch das Milit&#228;r bediente sich recht schnell des Telefons.          </p>
<p>Im Verlauf seiner 150-j&#228;hrigen Geschichte haben sich sowohl die  Form als auch die  M&#246;glichkeiten des Telefons bedeutend gewandelt. Wenn Menschen n&#228;chstens wieder zum H&#246;rer greifen oder das allgegenw&#228;rtige Handy mit Ihrer Lieblingsmelodie auf sich aufmerksam macht, sollten sie auch  an die Pioniere  denken, in deren ersten Reihe der Lehrer aus Friedrichsdorf Johann Philipp Reis steht. <em>Sieghard Scheffczyk</em></p>
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		<title>Freak und Frieden: Die bewegten Achtziger</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 20:08:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Michels</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Demo & Protest]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Beltz]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Kabarettisten Matthias Beltz,  Hendrike von Sydow und Dieter Thomas ziehen durch das bewegte Land, in Hausen gibt es Zoff um die Blockade eines Munitionsdepots: Die 80er Jahre stehen auch in Frankfurt ganz im Zeichen der Friedensbewegung. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/mbeltz_kumpfmueller.jpg" rel="lightbox[191]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/mbeltz_kumpfmueller-150x150.jpg" alt="Erinnerungen an Matthias Beltz im Literaturhaus" title="Erinnerungen an Matthias Beltz im Literaturhaus" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-4141" /></a>Sonderzug nach Bonn: Zur gro&#223;en Friedensdemonstration am 10. Juni 1982 in den Bonner Hofgarten zu fahren, das war auch f&#252;r die im Anti-Startbahnkampf gest&#228;hlte Frankfurter Linke Ehren- und Herzenssache. Die Auflage &#8220;Mitf&#252;hren von T&#252;chern, Masken, etc. nicht gestattet&#8221; er&#252;brigte sich bald, denn die &#252;ber 300.000 Demonstranten verh&#252;llten sich doch: Es regnete in Str&#246;men. Die FAZ fragte hinterher entgeistert: &#8220;Wer sucht da Einfluss zu nehmen? Wer kann das steuern?&#8221; <span id="more-191"></span></p>
<p>Ja, wer? Mancher Vordenker von damals zeigt sich noch heute richtungweisend. Die Autorin Eva Demski r&#228;t Anfang der Achtziger der Bewegung, &#8220;sich nicht in eine Ecke von Gesundheitslatschen und gutem Willen dr&#228;ngen zu lassen&#8221;. Der Psychoanalytiker Horst Eberhard Richter erkennt in der schweigenden Mehrheit &#8220;eine Angst, zu begreifen, auf welchem Pulverfass wir sitzen&#8221;. </p>
<p>Zum H&#246;hepunkt eines Friedensforum im Juni 1982 in der Frankfurter Universit&#228;t, das 2500 Teilnehmer in acht H&#246;rs&#228;len zusammenf&#252;hrt, setzt das &#8220;Frankfurter Kurorchester&#8221; den Schlussakkord. Auch unter die Frage einer Zuh&#246;rerin, man wolle doch hoffentlich &#8220;nicht die Friedensbewegung, diese sch&#246;ne, erregende<br />
Sache, zum Vehikel f&#252;r den Klassenkampf machen&#8221;? Von da an ging’s voran: Zu einem &#8220;Friedensmarsch&#8221; beispielsweise, der an der Arbeiterselbsthilfe in Niederursel endet. Und weiter mit der &#8220;Friedensinitiative&#8221; zum &#8220;Friedensfest&#8221;, oder mit den &#8220;Friedensfrauen&#8221; zur &#8220;Friedenswerkstatt&#8221;.</p>
<p>Der Frankfurter Kritikaster Matthias Beltz zieht mit seinen Partnern Hendrike von Sydow und Dieter Thomas als &#8220;Vorl&#228;ufiges Frankfurter Fronttheater&#8221; mit dem Programm &#8220;Freak und Frieden&#8221; durch das von der Nato-Nachr&#252;stung erbebende Land. Die Bewegung, als deren Teil die Truppe sich bekennt, ist den Dreien dennoch nicht geheuer: &#8220;Mit welcher Begeisterung da ausgerechnet wird, was diese Bomben alles k&#246;nnen, das ist fast wie die Begeisterung der Leute, die sie dann anwenden w&#252;rden (&#8230;) Der Frieden wird zum Lebensinhalt, und irgendwann muss der Krieg kommen, weil’s Leben sonst sinnlos wird&#8221;, res&#252;miert das Trio im Interview.</p>
<p>Als Strategie gegen die angek&#252;ndigten US-Raketen f&#252;r 1983 war dann ausgegeben: &#8220;Blockade aller Stationierungsorte&#8221;. Das wird schweren Zoff geben am Munitionsdepot Hausen zum Jahresende. Sternf&#246;rmig und friedlich laufen noch im Fr&#252;hjahr die Osterm&#228;rsche mit 60.000 Leuten aus allen Himmelsrichtungen in der Stadt ein, die Massen h&#246;ren dem Theologen Helmut Gollwitzer und der &#8220;roten Heidi&#8221; Wieczorek-Zeul (SPD) auf dem Paulsplatz zu. Das Nordend erh&#228;lt nach sch&#246;n demokratischer Befragung und Abstimmung in der Lenaustra&#223;e seine erste &#8220;atomwaffenfreie Zone&#8221; &#8211; 153 von 265 befragten Haushalten geben der &#8220;Friedensaktion Nordend&#8221; dazu das Ja-Wort.</p>
<p>Der Herbst wird dann hei&#223;: Im Umfeld einer Bundestagsentscheidung f&#252;r oder gegen neue Atomraketen wachsen die verbindenden Menschenketten, breiten sich Todesgefahr symbolisierende Menschenteppiche auf den hiesigen Stra&#223;en aus. Die Teilnehmer sind jung, viele Sch&#252;ler darunter. Fast die gesamte Sozialverwaltung, 700 st&#228;dtische Angestellte, schicken den Frankfurter Bundestagsabgeordneten einen dringlichen Brief. Ein &#8220;Gegenparlament&#8221; wird von der Stadt aus der Paulskirche komplimentiert. Von der &#8220;Neuen deutschen Welle&#8221; wird der Schlager zum Ohrwurm: &#8220;Besuchen Sie Europa, so lange es noch steht &#8230;&#8221;</p>
<p>Als die Stadt eine viert&#228;gige Blockade des Munitionsdepots in Hausen verbietet, gibt es da drau&#223;en vier Tage Demonstrationen, fliegen Steine, und Wasserwerferkanonen kommen zur&#252;ck. Hass gegen &#8220;die Bullen&#8221; trifft auf kn&#252;ppeldicke H&#228;rte der Staatsmacht gegen die &#8220;gar nicht friedlichen Friedensk&#228;mpfer&#8221; (FR). </p>
<p>Schon ein Jahr drauf sind die Debatten &#252;ber Krieg und Frieden wieder in die S&#228;le verlegt, die Massen haben sich verlaufen. Die Bewegung kommt endg&#252;ltig im b&#252;rgerlich-humanistischen Teil der Gesellschaft an: Bei den &#8220;&#196;rzten gegen Atomkrieg&#8221; und den Kirchen. Was Krieg bedeutet, wird dann wieder aus der<br />
Geschichte her geleitet: Die nicht mehr sehr zahlreichen Friedensbewegten gedenken der Befreiung vom Nationalsozialismus, der Atombombenopfer von Hiroshima und stehen zusammen zum Antikriegstag am 1. September. &#220;ber die Jahre des segensreichen Wirkens von Michail Gorbatschow (seit 1985) und bis mit der Golfkrise wieder Krieg naht, wird ein Stadtteil nach dem anderen zur &#8220;atomwaffenfreien Zone&#8221;. </p>
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		<title>Im Schlaf get&#246;tet: Der Mord an Heinz-Herbert Karry</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Jul 2011 14:59:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frankfurter Rundschau</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Kriminalfälle]]></category>

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		<description><![CDATA[Durch das offene Fenster wird der damalige hessische Wirtschaftsminister am 11. Mai 1981 in seinem Frankfurter Haus erschossen. Der oder die T&#228;ter: unbekannt, auch 30 Jahre nach dem Mord.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/739221-e1310050065668.jpg" title="Am 11. Mai 1981 in seinem Haus in Frankfurt ermordet: Heinz-Herbert Karry / Bild: dpa" rel="lightbox[4046]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/739221-e1310050065668-150x150.jpg" alt="" title="Heinz-Herbert Karry" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-4098" /></a>Heinz Herbert Karry war ein ungeduldiger Mensch. Ein solches Versagen des Staates h&#228;tte den FDP-Mann verr&#252;ckt gemacht. &#8221; Ich bin sicher, der Alte rotiert heute noch im Grab&#8221; , sagte sein Sohn Ronald E. Karry 25 Jahre nach dem Tod des Vaters. Das war vor f&#252;nf Jahren.</p>
<p>Der Mordfall Karry ist auch nach nunmehr 30 Jahren nicht aufgekl&#228;rt. In den fr&#252;hen Morgenstunden des 11. Mai 1981 wurde der Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpr&#228;sident von Hessen im Schlaf erschossen. Der oder die T&#228;ter hatten eine Leiter an das Haus der Karrys im Frankfurter Stadtteil Seckbach gelehnt. Das Schlafzimmer-Fenster stand offen, und &#252;ber Karrys Frau hinweg schossen die T&#228;ter sechsmal auf den Minister. Er verblutete. <span id="more-4046"></span></p>
<p>Der volksnahe &#8221; Babba Karry&#8221; &#8211; seine lockere Art und Spr&#252;che im breiten Frankfurterisch trugen ihm den Spitznamen ein &#8211; hatte Leibw&#228;chter immer abgelehnt. Die Bluttat war der einzige Mord an einem amtierenden Minister in der Geschichte der Bundesrepublik und der erste in Deutschland seit den Todessch&#252;ssen auf Au&#223;enminister Walther Rathenau 1922. Doch nicht nur deswegen w&#252;hlte das Verbrechen die Politik auf. In der Person Karry und in den Hypothesen &#252;ber seine M&#246;rder spiegelte sich Zeitgeschichte. </p>
<p>Antisemitismus, Linksterrorismus, Startbahn West, Parteispenden-Skandale &#8211; nichts fehlte im Repertoire der Spuren und Ger&#252;chte. Als H&#246;hepunkt kam der Name Joschka Fischers ins Spiel, jenes Frankfurter Spontis, der vier Jahre sp&#228;ter Minister in Hessen werden sollte. Die Tatwaffe, lie&#223; die Polizei verlauten, sei acht Jahre vor dem Mord in Fischers Auto transportiert worden. Das war die Spur mit h&#246;chstem Sensationswert, die aberwitzigste Ger&#252;chte hervorbrachte. Eines davon: Ministerpr&#228;sident Roland Koch verwahre im Panzerschrank Dokumente, die Fischer belasteten. </p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/782479-e1310050082747.jpg" title="Spurensicherung am Tatort / Bild: dpa" rel="lightbox[4046]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/782479-150x150.jpg" alt="" title="Spurensicherung nach dem Karry-Mord" width="150" height="150" class="right size-thumbnail wp-image-4099" /></a> In Hessen werden mehr als 90 Prozent der Mordf&#228;lle aufgekl&#228;rt. Der Fall Karry geh&#246;rt nicht dazu. Obwohl es an Spuren nicht mangelte. Vieles ist schief gelaufen. Das begann mit der &#8221; Tollpatschigkeit am Tatort&#8221; , wie Karry junior sie beschreibt. &#8221; Die ber&#252;hmte Leiter ist siebzehnmal woanders hingestellt worden zum Fotografieren, ohne Handschuhe.&#8221; Die Umgebung wurde nicht gr&#252;ndlich nach Spuren abgesucht. Zwei Jugendliche fanden die Tatwaffe ein paar Tage sp&#228;ter, sie lag an der Stra&#223;e, in der Karry wohnte. Die Reihe der Pannen ist so lang, dass Karry junior nicht an reinen Dilettantismus glauben mag. Sein Eindruck: &#8221; Man h&#228;tte mehr erfahren k&#246;nnen, wenn man gewollt h&#228;tte.&#8221; Aufkl&#228;rung und Diskretion seien Gegens&#228;tze, sagt er. Den Schluss, der nahe liegt, spricht er nicht aus: dass einigen Verantwortlichen Diskretion wichtiger war als Aufkl&#228;rung. </p>
<p>Wie n&#252;tzlich Diskretion f&#252;r die etablierte Politik war, zeigte sich in der Flick-Aff&#228;re, die kurz vor Karrys Tod ins Rollen gekommen war. Es ging um illegale Parteispenden von Unternehmen, denen die Politik im Gegenzug dienstbar war. Heinz Herbert Karry, Bundes-Schatzmeister der FDP, der die Partei in erstaunlich kurzer Zeit schuldenfrei gemacht hatte, war eine der Schl&#252;sselfiguren. Nach seinem Tod redete sich so mancher damit heraus, nur Karry habe von Transaktionen gewusst. F&#252;r Sohn Karry ist klar, dass das die Ermittlungen im Mordfall nicht bef&#246;rdert hat. Allen sei bewusst gewesen, &#8221; dass man da nicht mehr weiterkommt &#8211; oder wenn ja, nur mit einer Staatskrise&#8221; . </p>
<p>F&#252;r weite Teile der &#214;ffentlichkeit war der Mordfall abgehakt seit dem Bekennerbrief der &#8221; Revolution&#228;ren Zellen&#8221; (RZ); der ungew&#246;hnlich sp&#228;t nach der Tat beim Szene-Blatt Pflasterstrand eintraf. Darin prangerten die Autoren Karry als Verantwortlichen f&#252;r Atomkraft, Autobahnen und Startbahn West an. Karrys Tod sei &#8221; nicht beabsichtigt, sondern ein Unfall&#8221; gewesen, schrieben sie. Man habe ihn nur verletzen wollen. </p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1305109683-e1310050135161.jpg" title="Nach der Tat gab es Bekennerbrief  – der Tod sei ein Unfall gewesen, hie&#223; es darin. / Bild: dapd" rel="lightbox[4046]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1305109683-e1310050135161.jpg" alt="" title="Mord an Heinz-Herbert Karry" width="600" height="400" class="aligncenter size-medium wp-image-4100" /></a></p>
<p>Zwei Jahrzehnte nach Karrys Tod schien die Terrorismus-Spur weiterzuf&#252;hren. In Berlin standen ehemalige RZ-Mitglieder wegen anderer Taten vor Gericht. Der Kronzeuge in diesem Verfahren verd&#228;chtigte zwei Angeklagte, auch mit dem Mord an Karry zu tun zu haben. Nach einem Jahr blieben die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft ohne Ergebnis. Seitdem hat sich nichts mehr getan. &#8221; Ein Mord verj&#228;hrt nie&#8221; , teilt das Landeskriminalamt mit. &#8221; Wir w&#252;rden jederzeit, wenn es neue Anhaltspunkte g&#228;be, wieder Ermittlungen aufnehmen.&#8221; </p>
<p>Ronald E. Karry glaubt nicht, dass der Mord aufgekl&#228;rt wird. Er habe das von Anfang an geahnt. &#8221; Ich war immer skeptischer als der Vater&#8221; , sagt er und lehnt sich tiefer in das Sofa: &#8221; Er hat an das Gute im Menschen geglaubt. Ich mehr an das Schlechte.&#8221; <em>Pitt von Bebenburg</em></p>
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		<title>Der Mittelpunkt des Frankfurter Tuns und Treibens</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Jun 2011 09:58:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias E. Kryn</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Römer]]></category>
		<category><![CDATA[Römerberg]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.frankfurt.frblog.de/?p=4063</guid>
		<description><![CDATA[1834: Die mittelalterliche Stadtbefestigung ist abgetragen, Frankfurt ist eine Freie Stadt, ihre Bewohner flanieren mit weitem Blick ins Umland – und die Preu&#223;en haben noch nichts zu sagen. Der Reisef&#252;hrer "Das wohlfeilste Panorama des Universums zur erheiternden Belehrung f&#252;r Jedermann und alle L&#228;nder" schw&#228;rmt &#252;ber Frankfurts bl&#252;hende G&#228;rten, pr&#228;chtige Landh&#228;user und &#252;ber den geschichtstr&#228;chtigen Frankfurter R&#246;merberg. Matthias E. Kryn hat den Text f&#252;r das Frankfurt-Blog digitalisiert.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/Panorama-Des-Universums-Der-Roemer-1843.jpg" rel="lightbox[4063]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/Panorama-Des-Universums-Der-Roemer-1843-150x150.jpg" alt="" title="Der R&#246;merberg 1843, abgebildet in 'Panorama des Universums'" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-4074" /></a> Von allen den ehemaligen freien Reichsst&#228;dten hat die bl&#252;hende Mainstadt Frankfurt in jeder Umwandlung der deutschen Verh&#228;ltnisse eine wichtige Stellung behauptet, und ist auch jetzt, als Sitz der deutschen Bundestagsversammlung die erste der vier freien St&#228;dte des deutschen Bundes. Sehenswerth und bedeutend durch Handel, Gewerbeflei&#223;, Reichthum und sch&#246;ne Umgebungen, liegt Frankfurt am rechten Ufer des Mains in einem weiten, anmuthigen Thale, in welchem sich lebhafte mit B&#228;umen bepflanzte Kunststra&#223;en in allen Richtungen durchkreuzen, und auf jeden Schritt ein anderes wechselndes Bild von gl&#228;nzenden Landh&#228;usern, bl&#252;henden G&#228;rten, reichen Kornfeldern und Weinbergen darbieten. <span id="more-4063"></span></p>
<p>Eine stattliche steinerne Br&#252;cke verbindet die Vorstadt Sachsenhausen am linken Mainufer mit der eigentlichen Stadt, welche vor Zeiten Festungswerke und enge finstere Thore hatte; jetzt sind die W&#228;lle niedergerissen und geebnet, theils mit sch&#246;nen H&#228;usern und Stra&#223;en besetzt, theils nebst den ausgetrockneten Gr&#228;ben zu Anlagen im englischen Geschmack verwendet. Eiserne Gitterthore bilden den Eingang in die Stadt, neben welchen nette Wach- und Zollh&#228;user erbaut sind, und Alles tr&#228;gt den Charakter der Freundlichkeit und Zierde.Im Innern der Stadt, die wohl gepflastert und zum Theil sehr gut mit Gas erleuchtet ist, bilden die engen finstern Stra&#223;en und die alten dunkeln mit den sonderbarsten Verzierungen und thurmartigen Giebeln verzierten H&#228;user aus der Vorzeit einen auffallenden Gegensatz mit den pallast&#228;hnlichen neuern Geb&#228;uden, die man an den &#246;ffentlichen Pl&#228;tzen und besonders an der sogenannten „belle vue“ (sch&#246;ne Aussicht) am Main findet. </p>
<p>Einer der wichtigsten Punkte dieser Stadt macht unstreitig der sogenannte R&#246;merberg, dessen Ansicht wir unsern Lesern heute darbieten, aus, welcher seinen Namen von dem ungef&#228;hr in der Mitte liegenden Rathhause, der R&#246;mer<sup>1</sup> erhalten hat. Auf allen seinen Seiten von alterth&#252;mlichen Geb&#228;uden umgeben, mit einem Brunnen, mit der Bilds&#228;ule der Gerechtigkeit geziert, ist dieser Platz der eigentliche Mittelpunkt des Frankfurter Thuns und Treibens, und gibt, zuvorderst das vortheilhafteste Bild von der reichen Bev&#246;lkerung der Stadt, indem sich zugleich die wichtigsten Erinnerungen der Vorzeit an denselben kn&#252;pfen. </p>
<p>Hier pflegte vor Zeiten, wenn der Tag der Kaiserwahl herankam, die s&#228;mmtliche B&#252;rgerschaft den herk&#246;mmlichen Eid abzulegen. Von hier aus begaben sich am Wahltage selbst die Kurf&#252;rsten und ihre Gesandten, die sich in ihrem Galawagen auf dem R&#246;mer versammelt hatten, zu Pferde im feierlichen Aufzuge nach der Domkirche, um dem Hochamt beizuwohnen, und in der dazu bestimmten Kapelle, den Kaiser zu w&#228;hlen. Hier empfing das zahllos versammelte Volk am Kr&#246;nungstag den neuerw&#228;hlten Kaiser mit Jubelgru&#223;, wenn er mit Zepter und Krone in feierlichem Zuge &#252;ber den mit bunten Teppichen belegten Platz aus der Domkirche herankam, oder sich in vollem Ornate an den Fenstern des Kaisersaals dem Volke zeigte. Auf dem R&#246;merberge lag der Hafer  aufgesch&#252;ttet, aus dem der Erbmarschall sei silbernes Ma&#223; f&#252;llte, und von hier brachte der Erbk&#228;mmerer dem Kaiser das Handbecken. Hier streute der Erbschatzmeister Gold= und Silberm&#252;nzen aus reichgestickten Beuteln vom hohen Rosse unter das Volk, und hier war der doppelte Springbrunnen aufgerichtet, aus welchen der Reichsadler aus seinen beiden Schn&#228;beln wei&#223;en und rothen Wein ausgo&#223;, wie die Bratenk&#252;che, worin der Ochse tage lang gebraten wurde, und der Erbschenk hohlte von dem Weine f&#252;r den Kaiser, w&#228;hrend der Erbtruchsa&#223; demselben das erste St&#252;ck des Ochsenbratens auf einer silbernen Sch&#252;ssel darreichte. Dann wurde Wein und Ochse dem Volke preisgegeben, und gew&#246;hnlich entstand nun ein heftiger Kampf um den Ochsen unter den Metzgern und Weinschr&#246;tern. Die letztern haben an dem vergitterten Giebelfenster ihres n&#228;chste der St. Nikolaus=Kirche gelegenen Zunfthauses zwei geh&#246;rnte Stierh&#228;upter als Wahrzeichen des Sieges aufgestellt, welchen sie in &#228;hnlichen K&#228;mpfen davon getragen haben. Auf diesem Platze huldigten fr&#252;her die B&#252;rger dem Kaiser, und hier schwuren sie 1816 an der dritten Jahresfeier der Schlacht von Leipzig ewige Treue.</p>
<p>Zur Me&#223;zeit ist der ganze, sanft aufsteigende R&#246;merberg, dessen belebte Lage vorz&#252;glich von den Verk&#228;ufern gesucht wird, mit h&#246;lzernen Buden bedeckt, und bildet mit dem gleichfalls mit Waaren aller Art erf&#252;llten unteren Hallen des R&#246;mers, ein h&#246;chst belebtes Bild.</p>
<p>Dieses letztere Geb&#228;ude, aus mehreren einzelnen H&#228;usern von der verschiedenartigsten Bauart bestehend, stellt ein gar sonderbares, im Innern zum Theil labyrinthisches Gemisch dar, und hat durchaus keine Einheit und eigentlichen Zusammenhang. Im Anfange des f&#252;nfzehnten Jahrhunderts erstand n&#228;mlich der Rath das mittlere Hauptgeb&#228;ude, zum R&#246;mer genannt, von der Familie K&#246;lner, und lie&#223; dasselbe zum Rathhause einrichten; wie aber in der Folge ein gr&#246;&#223;erer Raum nothwendig wurde, kaufte man mehrere Nachbarh&#228;user dazu, und verband selbe nothd&#252;rftig mit einander. Der vordere Theil des R&#246;mers mit seinen zwei eigenth&#252;mlichen Treppengiebeln  enth&#228;lt im Erdgeschosse gew&#246;lbte, auf Pfeilern ruhende Hallen, in welcher zur Me&#223;zeit Waaren ausgestellt werden. Oberhalb derselben befindet sich der lange, ziemlich d&#252;stre Kaisersaal mit gew&#246;lbten h&#246;lzernen Decken, und l&#228;ngs den W&#228;nden mit den Bildnissen der deutschen K&#246;nige und r&#246;mischen Kaisern, von Konrad I. an, in gothisch zugespitzten Nischen geschm&#252;ckt. In diesem Saale pflegten die neugekr&#246;nten Kaiser in vollem Ornate auf Thronstufen und von 33 Reichsgrafen bedient, zu speisen, und in der Herbstmesse wurde hier allj&#228;hrlich das sogenannte Pfeifergericht gehalten, wo die Abgeordneten mehrerer vom Me&#223;zoll befreiter St&#228;dte, unter Vortritt von Musikanten (Pfeifern) im komisch stattlichen Aufzuge erschienen, um den Schulthei&#223;en um die  Erneuerung ihrer Zollfreiheit anzusuchen, und ihm allerhand kleine Geschenke – h&#246;lzerne Becher, Handschuhe, Pfeifen, 1 Goldgulden, andere kleine M&#252;nzen u. s. w. – darzubringen.</p>
<p>An dem Kaisersaal st&#246;&#223;t das stattliche, und mit den kostbarsten Verzierungen geschm&#252;ckte Wahlkonferenzzimmer der F&#252;rsten und ihrer Bothschafter, worin sich gegenw&#228;rtig der Senat zu seinen Sitzungen versammelt. Das Deckengem&#228;hlde mit dem kaiserlichen Wappen ist von Colomba, dessen Pinsel auch die Haupttreppe, den Vorsaal und das Rondell versch&#246;nerte. In dem Fu&#223;boden bezeichnen die mit verschiedenen Holzarten eingelegte Wappen  die Stellen, auf welchen die Churf&#252;rsten bei den Wahlen nach der eingef&#252;hrten Ordnung sa&#223;en. In dem Archiv des R&#246;mers wird die ber&#252;hmte goldene Bulle Kaisers Karl IV. aufbewahrt. Dieses Reichsgrundgesetz besteht aus 43 Pergamentbl&#228;ttern, mit seidenem Faden zusammengeheftet, an welchem in einer Kapsel das mit Goldblech &#252;berzogene kaiserliche Majest&#228;tssiegel, die eigentliche goldene Bulle ( bulla aurea ) angeh&#228;ngt ist.</p>
<p>Die St. Nikolaus=Kirche am untern Ende des R&#246;merberges zeichnet sich durch eine ganz eigenth&#252;mliche Bauart aus. Das Hauptgeb&#228;ude, aus dem 13ten Jahrhundert herstammend, hat zun&#228;chst des Daches, eine ziemlich sonderbare, vielleicht einer sp&#228;tern Zeit angeh&#246;rige, gesimsartig hervorstehende Einfassung, einen Umgang und 3 Th&#252;rmchen an den Ecken. Die Einfassung und das mittlere Th&#252;rmchen sind von rothem Sandstein in gothischem Geschmacke sehr nett und zierlich gearbeitet. Hinter demselben erhebt sich das spitze Dach der Kirche, in dessen innerm Raume sich die Wohnung des Th&#252;rmers befindet. Der untere viereckige Theil des Thurmes scheint noch &#228;lter als das Hauptgeb&#228;ude, und etwa dem 12ten Jahrhundert anzugeh&#246;ren, w&#228;hrend der obere achteckige Theil des Thurmes erst um das Jahr 1350 gebaut wurde, und die h&#246;lzerne mi Blei belegte Aufsatzspitze aus einer noch sp&#228;tern Zeit herr&#252;hrt. Diese Kirche dient seit 1813 zu einer Waaren=Niederlage.</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_4063" class="footnote">Man leitet diesen Namen von dem Umstande her, da&#223; im Mittelalter die italienischen Kaufleute ihre Waaren-Niederlagen in diesem Geb&#228;ude zu haben pflegten.</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Liesel Christ: &#8220;Mit iwwer fuffzisch noch e Kind krieht&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 27 May 2011 14:29:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Michels</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Hirschgraben]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Liesel Christ]]></category>

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		<description><![CDATA[Frankfurt hat ja manche Tradition – aber keine Volkstheater-Tradition. Frankfurt hatte jedoch Liesel Christ. Erst die komische, energische und gern auch schnippische Liesel Christ, die seit „Peterchens Mondfahrt“ im Alter von sechseinhalb Jahren B&#252;hnenerfahrung besa&#223;, vermochte es, hier eine Mundartb&#252;hne zu gr&#252;nden.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/Lisel_Christ_Herr_Reinert.jpg.jpg" rel="lightbox[4050]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/Lisel_Christ_Herr_Reinert.jpg-150x150.jpg" alt="" title="Volkstheater Liesel Christ" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-4053" /></a> Es war im Juni 1971 und als alles klar war, das Volkstheater gl&#252;cklich gegr&#252;ndet, soll die Prinzipalin ausgerufen haben: „Jetzt hab’ isch mit iwwer fuffzisch noch emal e Kind krieht!“ Von ihren Erstgeborenen wurde das Baby aufgenommen und beh&#252;tet. Immer ging es um die Existenz. „Die Mutter hat immer gesagt, wir k&#246;nnen erst sicher sein, wenn f&#252;nf Jahre rum sind“, erinnerte sich Liesels Tochter Gisela Dahlem-Christ.<span id="more-4050"></span></p>
<p>Mutter Liesel, 1996 gestorben, ist im Volkstheater also weiterhin stets pr&#228;sent. Und die f&#252;nf Jahre des Bestehens sind sogar achtmal rum; jetzt will die heutige Volkstheater-Chefin mal ein Jubil&#228;ums-Fest feiern. Das bekomme sie hin, stellte sie klar: „Ich bereite es schon seit vier Jahrzehnten vor.“ </p>
<p>Am Sonntag, 19. Juni 2011, ist also Feiertag im Volkstheater; eine Benefiz-Gala ist geplant: „Wir brauchen Geld“, informierte Sylvia Hoffman, seit 2010 als k&#252;nstlerische Leiterin an der B&#252;hne t&#228;tig. Dauernd geht etwas kaputt, jetzt wieder die Scheinwerfer. Seinerzeit hatte sich das Volkstheater, nach l&#228;ngerer amtlicher Pr&#252;fung, „ob ein ausreichendes Bed&#252;rfnis f&#252;r die Einrichtung und Subventionierung eines Mundarttheaters vorhanden ist“, als eine Art Wanderb&#252;hne auf den Weg gemacht. Der Vorhang ging am 18. Juni 1971 erstmals im Volksbildungsheim hoch. Gegeben wurde „Der alte B&#252;rgerkapit&#228;n“ von Carl Mal&#223;; nach den Recherchen der Historikerin Sabine Hock „die &#228;lteste Frankfurter Lokalposse &#252;berhaupt“. In Mundart gespielt h&#228;tten vor dem Volkstheater in der Stadt jedoch allenfalls die St&#228;dtischen B&#252;hnen. </p>
<p>Den „B&#252;rger-Kapit&#228;n“, geschrieben 1820, wollten sofort viele sehen, doch die Kritik fand die Vorstellung dann „sehr hausbacken“. Die Figuren st&#252;nden meist herum „und erz&#228;hlen sich langatmige Schw&#228;nke“. Im antiautorit&#228;r bewegten Frankfurt weckte der Run zum Volkstheater ohnehin den Verdacht auf Heimatt&#252;melei. Liesel Christ nannte es „was f&#252;rs Herz suchen“. </p>
<p>1972 durfte die B&#252;hne fest ins Sachsenh&#228;user Haus der Jugend einziehen, 1975 dann, erinnert sich Gisela Dahlem-Christ, „hie&#223; es, wir k&#246;nnten wieder r&#252;berkommen, nach Frankfurt“. Denn im Gro&#223;en Hirschgraben wurde der „Cantate-Saal“ frei. In der Er&#246;ffnungspremiere „haspelte und trippelte die Christ als der Familien-Feldwebel durch den Pl&#252;sch“, registrierte die FR-Kritikerin. </p>
<p>Der Cantate-Saal hinter dem Buchh&#228;ndlerhaus ist als B&#252;hne geblieben. Zur Geburt des Theaters hatte die Presse noch wohlwollend registriert, dass „die Truppe aus zehn in Hessen geborenen, in Frankfurt aufgewachsenen Schauspielern“ bestand. Ein beteiligter „Regisseur von ausw&#228;rts“ blieb lieber anonym, wollte jedenfalls „nicht genannt“ werden. Heutzutage darf die k&#252;nstlerische Leiterin ohne weiteres aus Berlin stammen und betont das sogar. Auch das neue St&#252;ck, eine Bearbeitung von Hans Falladas Roman „Kleiner Mann, was nun?“ aus der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre, hat das Volkstheater nach l&#228;ngerem Nachdenken „in Berlin angesiedelt“. Immerhin: Die Mitspieler, die von hier sind, „sprechen weiter Hessisch“. </p>
<p>Es ist, betonte Regisseur Michael Wedekind, eine Geschichte von Arbeitslosigkeit und Pleiten, also traurig. Mit allerlei Songs dazwischen, meinte Sylvia Hoffman, versuche man dann „das Publikum wieder aufzurichten“.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Spektakul&#228;re RAF-Festnahme in Frankfurt</title>
		<link>http://www.frankfurt.frblog.de/spektakulaere-raf-festnahme-in-frankfurt</link>
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		<pubDate>Tue, 26 Apr 2011 09:18:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Kriminalfälle]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Sympathisanten-Nest Frankfurt nahm die Polizei 1972 Baader, Meins und Raspe fest.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/hofeckweg_festrnahme.jpg" rel="lightbox[3402]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/hofeckweg_festrnahme-150x150.jpg" alt="Festnahme" title="Festnahme von Holger Meins / Screenshot: HR-Bericht" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-3751" /></a> &#8220;Werfen Sie die Waffen weg, kommen Sie heraus!&#8221; Dutzende Augenzeugen erleben am Fronleichnamstag 1972 &#8220;wie im Kino&#8221; das letzte Gefecht der RAF-Gr&#252;ndungsmitglieder Andreas Baader, Holger Meins und Jan-Carl Raspe mit. In einer spektakul&#228;ren Aktion werden die drei Terroristen unter Sch&#252;ssen und Schreien in einem Garagenhof im Nordend gestellt und festgenommen. </p>
<p>Das Haus, ein Wohnblock an der Adresse Hofeckweg 2-4, sieht aus, als h&#228;tte es nach der Geschichte von damals jegliche Zuwendung verloren. Ein Betonklotz ohne einen Baum oder einen Busch oder irgendeine Pflanze an den vier Seiten. Nur Beton, Rasensteine &#8211; und hinter dem Absperr-Gest&#228;nge zur Stra&#223;e ein ungepflegtes Rasen-Dreieck, nicht gr&#246;&#223;er als ein Badehandtuch.<span id="more-3402"></span></p>
<p>Das Geb&#228;ude, aus dem am 1. Juni 1972 Andreas Baader, Holger Meins und Jan-Carl Raspe mit Hilfe von Tr&#228;nengas den neugierigen Zaung&#228;sten vor die Augen getrieben worden sind, repr&#228;sentiert die Bed&#252;rfnisse einer autogerechten Stadt: Parterre, am Garagenhof, wohnen die Autos, die Menschen leben oben dr&#252;ber. Wo damals die Anwohner Spalier standen, ist inzwischen eine Hecke so hoch gewachsen, dass das Grundst&#252;ck von hinten nicht mehr einsehbar ist.</p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/hofeckeweg01.jpg" rel="lightbox[3402]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/hofeckeweg01-150x150.jpg" alt="Hofeckweg" title="Der Hofeckweg 2-4 heute / Bild: Monika Gemmer" width="150" height="150" class="right size-thumbnail wp-image-3747" /></a>Die drei Terroristen hatten am Hofeckweg am Dornbusch, der von der Polizei damals viele Tage lang observiert worden war, Kellerraum und Garage gemietet. Am fr&#252;hen Morgen des Fronleichnamstags wird der Block von Polizeieinheiten umstellt. Der Garagenhof ist mit einem Panzerwagen blockiert. Das m&#228;chtige Fahrzeug rammt die Garagent&#252;r, versucht, das Tor einzudr&#252;cken, hinter dem man die drei M&#228;nner wusste. Dann platzen die ersten Tr&#228;nengask&#246;rper, die drei Gesuchten versuchen, in der Deckung des Panzerwagens nach zwei Seiten zu fliehen.</p>
<dl class="imleft" style="width:225px; padding:0 10px 0 0">
<dd><b>HR-Bericht von der Festnahme</b><br />
Der Schauplatz des Geschehens lag ganz in der N&#228;he des Hessischen Rundfunks. &#8220;Nachbarn riefen uns an und erz&#228;hlten von einem gro&#223;en Polizeieinsatz&#8221;, erz&#228;hlt die damalige HR-Journalistin Barbara Dickmann. &#8220;Ein Bulldozer habe dabei ein Garagentor eingedr&#252;ckt. Wir sind sofort hingerannt.&#8221; <a href="http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?key=standard_document_40405517&#038;jmpage=1&#038;type=v&#038;rubrik=62669&#038;jm=2&#038;mediakey=fs/allgemein/20101229_1972-baader-festnahme" target="_blank">Hier den HR-Bericht &#252;ber die Festnahme vom 1. Juli 1972 ansehen</a>.
</dd>
</dl>
<p>Die Polizei treibt sie mit einem „Sperrfeuer&#8221; aus ihren Maschinenpistolen zur&#252;ck. Andreas Baader wird im linken Oberschenkel getroffen und bricht schreiend und schimpfend zusammen. Einen Augenblick sp&#228;ter stolpert ein magerer Holger Meins, nur mit einer Unterhose bekleidet, in den Hof und stellt sich.</p>
<p>Dieser Tag, Fronleichnam 1972, war der Anfang vom Ende der Gr&#252;nder-Generation der RAF, die im Monat zuvor in ihrem bewaffneten Kampf gegen die Herrschenden sechs Bombenanschl&#228;ge quer durch die Republik ver&#252;bt hatte. Drei Menschen waren dabei get&#246;tet, 74 verletzt worden. Wenige Tage nach den Verhaftungen im Hofeckweg werden auch Gudrun Ensslin (in Hamburg) und Ulrike Meinhof (in Hannover) gefasst.</p>
<p>Das linke Frankfurt war auf dem Weg in den bewaffneten Kampf eine entscheidende Station gewesen. Es gab in der Stadt ein dicht gekn&#252;pftes Sympathisanten-Netz, genug Leute, die f&#252;r die Terroristen Wohnungen mieteten. Als der Baader-Meinhof-Bande im Winter 1970 der Standort Berlin zu hei&#223; wurde, suchte sie sich Frankfurt als wichtigstes Versteck aus. Sieben „konspirative Wohnungen`; Adressen f&#252;r das Agieren aus dem Untergrund, hat RAF-Chronist Butz Peters im Frankfurt der fr&#252;hen Siebziger Jahre gez&#228;hlt. Die „Bombenk&#252;che&#8221;, wo Baader, Ensslin, Meins und Raspe Chemikalien zu Sprengstoff mischten, lag im vierten Stock des Hochhauses Inheidener Stra&#223;e 69, im sch&#246;nen Bornheim.</p>
<p>Irritationen gab es lange um den genauen Schauplatz der Verhaftung. Die FR berichtete am 2. Juni 1972 unter dem Titel &#8220;Das letzte Gefecht im K&#252;hhornshofweg&#8221;  (statt Hofeckweg, wie es richtig hei&#223;en musste)  dar&#252;ber. Im folgenden dokumentieren wir den FR-Bericht von damals:</p>
<blockquote><p>In den fr&#252;hen Morgenstunden des Fronleichnam und einen Tag vor dem 2. Juni, den &#8211; f&#252;nf Jahre nach dem Tod des Berliner Studenten Benno Ohnesorg &#8211; bundesdeutsche Anarchisten in den Rang eines Datums von revolution&#228;rer Bedeutung erhoben, ist der Polizei ein Schlag gegen die Baader-Meinhof-Gruppe gelungen, der von ihr selbst als &#8220;m&#246;glicherweise entscheidend&#8221; bezeichnet wird.</p>
<p>Seit Donnerstagvormittag liegt der &#8220;Chef&#8221; Andreas Baader, 29, vermutlich mit einer Kugel im verl&#228;ngerten R&#252;ckgrat, in den Frankfurter Universit&#228;tskliniken. Zwei M&#228;nner seiner engsten Umgebung, unter ihnen der als &#8220;Waffenschmied&#8221; geltende 31j&#228;hrige Holger Meins, sind nach Angaben von Sprechern des Bundeskriminalamts per Hubschrauber an einen &#8220;unbekannten Ort&#8221; geflogen worden.</p>
<p>Schlussakt eines Dramas, das im Verlaufe der letzten beiden Jahre die ganze Nation bewegte? Zumindest auf Baader bezogen hat die Jagd ein Ende. Bewohner des Eckhauses K&#252;hhornshofweg 2 im Frankfurter Nordend h&#246;rten ihn, wenige Minuten nach sieben Uhr, &#8220;wie einen Stier aufschreien&#8221;; noch auf der Bahre habe er die Polizisten als &#8220;Schweine&#8221; beschimpft. Dann, so verfolgten Augenzeugen hinter geschlossenen Fenstern, wurde der &#8220;sich windende b&#228;rtige Mann&#8221; im Notarztwagen davongefahren.</p>
<p>Mehrere Dutzend Menschen erlebten sozusagen am Fr&#252;hst&#252;ckstisch und, wie eine Rentnerin es fast schw&#228;rmerisch registrierte, &#8220;wie im Kino&#8221; das letzte Gefecht eines Mannes mit, der f&#252;r die Strafverfolgungsbeh&#246;rden mit zunehmender Dauer nachgerade die Z&#252;ge eines Phantoms tragen musste. Die Hausfrau Brunhilde V. beobachtete &#8220;bei einer guten Tasse Kaffee&#8221;, wie Andreas Baader das Schicksal in der gleichen Stadt ereilte, in der er am 3. April 1968 mit einer Brandstiftung in zwei Kaufh&#228;usern in der Skala sich eskalierender Gewalt eine neue Schwelle &#252;berschritten hatte.</p>
<p>Zur Stunde ist noch ungewiss, ob die Beh&#246;rden den lange ersehnten Triumph einem gezielten Hinweis oder ihrer seit Mittwoch laufenden bundesweiten Gro&#223;fahndung zu verdanken haben. Immerhin gilt als gesichert, dass das dreigeschossige Haus in einer guten Frankfurter Wohngegend, in dessen unterster Etage die Anarchisten einen Kellerraum und eine Garage besa&#223;en, bereits seit l&#228;ngerer Zeit observiert worden war. Die Anwohner zumindest fielen buchst&#228;blich aus allen Tr&#228;umen, als zwischen f&#252;nf und sechs Uhr der Aufmarsch der Beamten begann. Sie erkl&#228;rten der FR ohne Ausnahme, ihnen sei nie in dieser Hinsicht zuvor ein Verdacht gekommen. Baader und Co. m&#252;ssen sich, diese Schilderungen zugrunde gelegt, so gut getarnt haben, dass sie von ihren Nachbarn arglos als &#8220;junge Leute&#8221; akzeptiert wurden. Allein die Vielzahl &#8220;schnittiger Wagen&#8221; &#8211; unter anderen ein Porsche, ein Alfa Romeo und ein Ro 80 &#8211; muss gelegentlich ins Auge gesprungen sein.</p>
<p>Die erste Bestandsaufnahme des Geschehens, angef&#252;llt mit einem Schwall von Ger&#252;chten, Mutma&#223;ungen und sich widersprechenden Augenzeugenberichten, gebietet im Detail sicher noch Zur&#252;ckhaltung. So ist der Hessische Rundfunk sehr schnell im Laufe des Donnerstags Darstellungen entgegengetreten, die wohl nur deshalb Querverbindungen vom T&#228;terdomizil zum Funkhaus konstruierten, weil sich die Sendeanstalt in unmittelbarer N&#228;he des K&#252;hhornshofwegs befindet.</p>
<p>In diesen Zusammenhang geh&#246;ren desgleichen Vorhalte, die Polizei habe einen r&#252;cksichtslosen Einsatz betrieben. Wahrscheinlich ist &#8211; und Beobachter best&#228;tigen dies -, dass der &#8220;harte Kern&#8221; der Baader-Meinhof-Gruppe nach einer Serie von Sch&#252;ssen, die an einem zwischenzeitlich vorgefahrenen Panzerwagen wirkungslos abprallten, vor der &#220;bermacht der Verfolger kapitulierte. Sp&#228;testens als Baader, nach offizieller Lesart von einer zur&#252;ckschlagenden Kugel getroffen, kampfunf&#228;hig war, gab Komplize Holger Meins den aussichtslos gewordenen Kampf auf. Mit erhobenen H&#228;nden stellte er sich den Beamten, die ihm befahlen, sich bis auf die Badehose auszuziehen.</p>
<p>Vorausgegangen waren wiederholte Appelle der Polizisten, die &#8211; so ein Arbeiter aus dem gegen&#252;berliegenden Haus &#8211; &#8220;die Gangster bei der Ehre packten&#8221;. Wortfetzen aus einem dramatischen Dialog: &#8220;Werfen Sie die Waffen weg, kommen Sie heraus!&#8221;, h&#228;tten die Beamten gefordert und hinzugef&#252;gt, dass &#8220;wir Sie da drinnen f&#252;r intelligente Leute halten&#8221;. Die Antwort seien indessen Sch&#252;sse und Schreie gewesen. Fazit eines Beobachters, der wie alle anderen aus verst&#228;ndlicher Angst vor Repressalien seinen Namen nicht nennen m&#246;chte: &#8220;Die Polizei hat sich anst&#228;ndig verhalten. Das k&#246;nnen wir jedem best&#228;tigen.&#8221;</p>
<p>Die Entscheidung f&#252;hrte nach &#252;bereinstimmenden Schilderungen aus erster Hand der Umstand herbei, dass es den Belagerern gelang, mit dem Panzerwagen die Garagent&#252;r einzudr&#252;cken: &#8220;In der Folge standen die Jungs im Freien, und alles andere ging dann wie von selbst.&#8221; Polizeiwagen jagten mit den Gefangenen davon, Spezialtrupps riegelten dennoch das Kampffeld hermetisch ab und begannen, unterst&#252;tzt von einem Kompressor, der das zuvor verwendete Tr&#228;nengas absaugte, mit der systematischen Durchsuchung der R&#228;umlichkeiten.</p>
<p>Nach den ersten Feststellungen kann davon ausgegangen werden, dass die Kellerr&#228;ume der Gruppe zur Herstellung vor Bomben &#8220;und anderen Sprengk&#246;rpern&#8221; (ein Mitglied der Sicherungsgruppe) gedient haben. Aus einem rotbraunen Porsche stellten Mitglieder des Bundeskriminalamtes Handgranaten wie &#8220;weitere zun&#228;chst nicht n&#228;her identifizierte Beh&#228;lter&#8221; sicher. Insgesamt soll die Beute jedoch &#8220;nicht sehr &#252;berw&#228;ltigend&#8221; gewesen sein. Vor allem aber steht die Beantwortung der Frage noch aus, ob die vorgefundenen Materialien identisch mit jenen Sprengs&#228;tzen sind, die bei der j&#252;ngsten Serie von Bombenattentaten verwendet wurden.</p>
<p>Frankfurt, Donnerstag nachmittag: Eine Schlacht schien geschlagen, doch vom Sieg mochte noch keiner der mit der Fahndung befassten offiziellen Sprecher reden. Hektik bestimmte die Szene. Vor dem Polizeipr&#228;sidium bauten sich mit Maschinenpistolen bewaffnete uniformierte Garden auf. Eine anf&#228;nglich beabsichtigte Pressekonferenz wurde mehrfach verschoben und schlie&#223;lich abgeblasen. &#8220;Aus taktischen Gr&#252;nden&#8221;, versuchte der Frankfurter Polizeipr&#228;sident Knut M&#252;ller zu erl&#228;utern, &#8220;sei es nicht m&#246;glich, in Einzelheiten einzusteigen.&#8221;</p>
<p>Statt dessen &#252;berschwemmte die Stadt, in der Journalisten mehrfach anonymen Martinsh&#246;rnern nachjagten, eine Welle von Ger&#252;chten und Nachrichten mit vorgeblich ernstem Hintergrund. Nach Baaders Gefangennahme elektrisierte Fahnder und Berichterstatter das Schl&#252;sselwort &#8220;Ulrike Meinhof&#8221;. Die 39j&#228;hrige, l&#228;ngere Zeit totgeglaubte Anarchistin, hie&#223; es, halte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit im Rhein-Main-Raum auf. Gen&#228;hrt wurden die Mutma&#223;ungen von einem spektakul&#228;ren Teach-in der &#8220;Roten Hilfe&#8221;, der einzigen studentischen Gruppe, die am Mittwochabend ihr Verst&#228;ndnis f&#252;r das Attentat auf das US-Hauptquartier bekundet und im H&#246;rsaal 6 der Universit&#228;t &#252;ber Tonband einen (freilich noch nicht mit absoluter Sicherheit verifizierten) Aufruf der &#8220;roten Ulrike&#8221; abgespielt hatte.</p>
<p>In die Totenstille des Raumes war die vorgebliche Anf&#252;hrerin der linken Extremisten so angek&#252;ndigt worden: &#8220;Es spricht jetzt&#8230;&#8221; &#8211; kunstvolle Pause &#8211; &#8220;Ulrike Meinhof zu euch&#8221;. Und &#252;ber Band vernahmen die faszinierten Versammlungsteilnehmer eine Stimme, die der gesuchten Journalistin zumindest sehr &#228;hnlich klang: &#8220;Es gibt keinen Grund, den bewaffneten Kampf aufzuschieben.&#8221; Die zum Widerstand gegen die &#8220;Verbrechen der Imperialisten&#8221; aufgeforderten Studenten wurden schlie&#223;lich mit einer Bitte und Verhei&#223;ung zugleich entlassen &#8211; Schlusswort: &#8220;Es lebe die Rote-Armee-Fraktion.&#8221;</p>
<p>Wie weit sie noch lebt oder aber an diesem denkw&#252;rdigen Donnerstag zerst&#246;rt worden ist, werden m&#246;glicherweise schon die n&#228;chsten Tage zeigen, wenn sich der Pulverdampf verzogen hat. Dass die &#8220;RAF&#8221;, Initialen f&#252;r die Propagierung des gewaltsamen Umsturzes &#8220;der Verh&#228;ltnisse&#8221;, selbst als vermutlich aufgeriebene Armee noch Schrecken verbreitet, bezeugt die Mahnung des Bundeskriminalamtes, das die Bev&#246;lkerung zu h&#246;chster Vorsicht aufforderte. Gesucht und gef&#252;rchtet werden f&#252;nf Personenwagen, die mit Sprengladungen irgendwo in der Bundesrepublik unterwegs sein sollen.</p></blockquote>
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		<title>Die Geschichte der FR: &#8220;Haltet die Ohren steif&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Apr 2011 08:04:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frankfurter Rundschau</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende, das Propagandageschrei des Dritten Reiches verstummt, und im zerst&#246;rten Framkfurt beginnt am 1. August 1945 ein "Wagnis": In einem schlichten Festakt &#252;berreicht ein US-Offizier sieben M&#228;nnern die Zulassungsurkunde, mit denen sie als Lizenztr&#228;ger die Frankfurter Rundschau herausgeben d&#252;rfen. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1945_fr_schillerstrasse.jpg" title="Das Geburtshaus der Frankfurter Rundschau in der Innenstadt. Hier war die Frankfurter Zeitung zu Hause, bis sie 1943 auf Anordnung der Nazis nicht mehr erscheinen durfte. Die FR zog in den Keller des stark besch&#228;digten Baus. / Bildquelle: FR-Archiv" rel="lightbox[227]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1945_fr_schillerstrasse_th.jpg" alt="Das erste Rundschau-Haus" class="left"/></a> Der Gr&#252;ndungsakt erfolgte, zeitungsgeschichtlich gesehen, auf historischem Boden. Im Kellergeschoss des Hauses zwischen Schillerstrasse und Gro&#223;er Eschenheimer Strasse, in dem am 1. August 1943 die Frankfurter Zeitung auf Anordnung der Nationalsozialisten ihr Erscheinen einstellen musste, kam es genau zwei Jahre sp&#228;ter zur &#8220;Geburt einer deutschen Zeitung&#8221;, wie es in der Publikation &#8220;heute&#8221; damals hie&#223;. Der Zweite Weltkrieg war zu Ende, das Propagandageschrei des Dritten Reiches verstummt, und im Kernbereich der schwer zerst&#246;rten Stadt begann am 1. August 1945 das, was General McClure, Kommandant der Abteilung f&#252;r die Nachrichtenkontrolle der US-Armee, ein &#8220;Wagnis&#8221; nannte. In einem schlichten Festakt, so berichten Zeitzeugen, &#252;berreichte der hohe Offizier sieben M&#228;nnern die Zulassungsurkunde, mit denen sie als Lizenztr&#228;ger die Frankfurter Rundschau herausgeben durften.<br />
<span id="more-227"></span><br />
<a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1945_fr_lizenzuebergabe.jpg" title="In einem schlichten Festakt &#252;berreichte der hohe Offizier sieben M&#228;nnern die Zulassungsurkunde, mit denen sie als Lizenztr&#228;ger die Frankfurter Rundschau herausgeben durften. Von links nach rechts: General McClure, Kommandant der Abteilung f&#252;r die Nachrichtenkontrolle der US-Armee (mit Lizenz), Arno Rudert, Paul Rodemann, Wilhelm Knothe, Otto Grossmann, Wilhelm Karl Gerst, Hans Etzkorn und Emil Carlebach. / Bildquelle: FR-Archiv" rel="lightbox[227]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1945_fr_lizenzuebergabe_th.jpg" alt="Lizenz&#252;bergabe" class="right"/></a> Bevor jedoch in der Nacht vom 31. Juli zum 1. August &#8217;45 die von Druckereiexperten der US-Armee reparierten Rotationsmaschinen der ehrw&#252;rdigen, 1856 von Leopold Sonnemann gegr&#252;ndeten <a href="http://www.frankfurt.frblog.de/frankfurt-lexikon/frankfurter-zeitung">Frankfurter Zeitung</a> wieder auf Touren kamen, um den ersten Exemplaren der FR auf die Beine zu helfen, gab McClure den sieben Journalisten noch folgende Mahnung mit auf den Weg: &#8220;Ich rate Ihnen, sich der Gr&#246;&#223;e der Aufgabe, die Sie auf sich genommen haben, bewusst zu sein. Sie k&#246;nnen im wahrsten Sinne des Wortes Fackeltr&#228;ger sein, die den Weg in eine bessere Zukunft erhellen. (&#8230;) Sie haben Verantwortung gegen&#252;ber den amerikanischen Besatzungsstreitkr&#228;ften, gegen&#252;ber den durch sie repr&#228;sentierten freien B&#252;rgern der Vereinigten Staaten und gegen&#252;ber der deutschen Bev&#246;lkerung, deren Sprecher Sie sind. Auch gegen sich selbst haben Sie Verantwortung, die Sie jetzt einen langen Weg beschreiten, an dessen Ende eines Tages die Schaffung einer freien und demokratischen Presse in Deutschland liegen wird.&#8221; </p>
<p>S&#228;tze, in denen auch Skepsis mitschwang. Die fr&#252;he Zulassung der von Hitler und seinen Gehilfen brutal unterdr&#252;ckten Meinungsfreiheit geschah rund drei Jahre vor der ersten Sitzung des Parlamentarischen Rates am 1. September 1948 und knapp vier Jahre vor der Verabschiedung des Grundgesetzes am 8. Mai 1949 mit dem f&#252;r die Pressefreiheit unabdingbaren Artikel 5. Dieser Gr&#252;ndungstermin verschaffte der Rundschau so etwas wie eine publizistische Vorreiterrolle im Nachkriegsdeutschland. Die Legitimation zur Herausgabe einer Tageszeitung, die f&#252;r die FR Emil Carlebach, Hans Etzkorn, Wilhelm Karl Gerst, Otto Grossmann, Wilhelm Knothe, Paul Rodemann und Arno Rudert anvertraut wurde, basierte auf der Lizenz Nr. 2 der Nachrichtenkontrolle der Milit&#228;rregierung, war jedoch die erste im amerikanisch besetzten Gebiet. Lizenz Nr. 1 erhielten in der britischen Zone die Aachener Nachrichten. </p>
<p>Die M&#228;nner, unter anderem damit beauftragt, den Gedanken der freiheitlichen, parlamentarischen Demokratie popul&#228;r zu machen, geh&#246;rten zur politischen Linken und hatten w&#228;hrend der NS-Zeit mehr oder weniger aktiv im Widerstand gegen die Nazis gestanden. Bis auf Rudert blieb jedoch keiner von ihnen l&#228;nger als zwei Jahre im Team der Lizenztr&#228;ger. Vier waren sogar bereits bis April &#8217;46 schon wieder ausgeschieden. W&#228;hrend also die Zahl der Zertifikats-Besitzer aus vielen, zum Teil auch politischen Gr&#252;nden schnell schrumpfte, stieg am 15. April 1946 jener Mann in die FR ein, der das Blatt eine weite Strecke lang entscheidend gepr&#228;gt hat: Karl Gerold. </p>
<p> Die Aufbruchzeiten waren vor allem Jahre knapper Ressourcen. Papier, das Produktionsmittel jeder Zeitung, fehlte an allen Ecken und Enden. Bereits in der ersten Nummer beklagte &#8220;DIE REDAKTION&#8221; diesen Mangel. Wenigstens zehn Seiten seien n&#246;tig, um mit der &#8220;F&#252;lle von Stoff fertig zu werden, den die Weltchronik zur Zeit bietet&#8221;. Doch die nach Informationsvermittlung und Publizit&#228;t d&#252;rstenden Kollegen, die nur zweimal die Woche ihre leicht verderbliche Ware auf den Markt bringen konnten, mussten erst einmal Schmalhans zum K&#252;chenmeister machen &#8211; mittwochs mit vier und samstags mit sechs Seiten. Die Auflage lag bei 400 000 bis 500 000. Gedrucktes fand, da multifunktional, rei&#223;enden Absatz. </p>
<p>Vom 1. Oktober 1946 an kam die FR dann dreimal w&#246;chentlich heraus. Bereits im dritten Jahrgang jedoch (August &#8217;47) wurde schon eine Deutschland-Ausgabe ins Leben gerufen. Das war eine Abendausgabe mit dem Datum des folgenden Tages, bestimmt f&#252;r den Versand au&#223;erhalb Frankfurts und ins Ausland. Erst vom 21. Juli 1948 an konnte das Blatt t&#228;glich erscheinen, jetzt bereits in Konkurrenz zur Frankfurter Neuen Presse (seit 15. April &#8217;46), aber noch nicht zur FAZ, die erst vom 1. November 1949 an das bis heute noch vorhandene Main-Trio komplettierte. </p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/fr_no1.jpg" title="Die erste Ausgabe der Frankfurter Rundschau vom 1. August 1945 / Bildquelle: FR-Archiv" rel="lightbox[227]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/fr_no1_th.jpg" alt="Die erste FR-Ausgabe" class="right"/></a>Die Neue Presse, deren Gr&#252;ndung auch von den Amerikanern beschlossen ward, um mit einem konservativen Gegengewicht das FR-Monopol zu brechen, trat nicht nur als Mitbewerber um die Gunst der Leser auf, sondern zugleich und mit Macht auch um die Zuteilung des Papiers. Das blieb nicht ohne Folgen. Im Sommer &#8217;46 hie&#223; es daher in einer Mitteilung des FR-Vertriebs: &#8220;Auf Anordnung der amerikanischen Nachrichtenkontrolle haben wir in den letzten Wochen die Auflage der Frankfurter Rundschau ganz erheblich herabsetzen m&#252;ssen. Zum 1. August &#8217;46 ist uns ein erneuter K&#252;rzungsauftrag von 65.000 Exemplaren erteilt worden. Die Ursache dieser Ma&#223;nahme ist in der starken Papierverknappung zu suchen. Leider m&#252;ssen wir auf Grund dieser Tatsache die Lieferung der Frankfurter Rundschau an Sie zum 1. August &#8217;46 einstellen.&#8221; Lesern, kaum vorstellbar, wurde gek&#252;ndigt. Reaktionen kamen postwendend. Eine war vielleicht sogar typisch: &#8220;Viele Ihrer Kronberger Abonnenten bitten Sie, Ihre Zeitung lieber in kleinerem Umfang erscheinen zu lassen, statt aus Gr&#252;nden der Papierersparnis wieder Abonnenten zu streichen. Ihre Zeitung ist uns ein Halt in dieser Zeit.&#8221; Das Blatt blieb, entgegen diesem Wunsch, bei seinem Format, von dem hierzulande nach wie vor verst&#228;ndlicherweise mancher glaubt, nur so k&#246;nne man im Tageszeitungsgesch&#228;ft ein Qualit&#228;tsprodukt verkaufen. </p>
<p>Im August &#8217;47 waren Karl Gerold und Arno Rudert (er starb 1954) als alleinige Lizenztr&#228;ger &#252;briggeblieben. Es begannen die Jahre, in denen sich die Konturen der Zeitung als linksliberale Publikation sch&#228;rften. Die Wortf&#252;hrer in der Redaktion f&#252;hlten sich dem Sozialstaatsgedanken und den B&#252;rgerrechten verpflichtet. Gerold stand f&#252;r diesen Weg und verhalf der FR damit zu ihrem Profil. </p>
<p>Karl Gerold stammte aus kleinen schw&#228;bischen Verh&#228;ltnissen (Giengen an der Brenz), war sozialdemokratisch orientiert und hatte eine Lehre als Schlosser- und Werkzeugmacher absolviert. Nach der Macht&#252;bernahme Hitlers geriet er wie zwangsl&#228;ufig mit dem Regime in Konflikt, kam in &#8220;Schutzhaft&#8221;, verteilte danach Flugbl&#228;tter und floh &#8211; bevor man ihn festnehmen konnte &#8211; im Herbst 1933 in die Schweiz. Dort erhielt er Asyl. </p>
<p>Ohne Komplikationen verlief das Leben aber auch hier nicht. 1943 verfolgte ihn die eidgen&#246;ssische Justiz wegen &#8220;verbotener illegaler T&#228;tigkeit gegen einen kriegf&#252;hrenden Staat&#8221; und internierte ihn in einem Arbeitslager. Ein Milit&#228;rgericht verh&#228;ngte ein Jahr Gef&#228;ngnis, setzte den Vollzug der Strafe jedoch zur Bew&#228;hrung aus, weil man ihm &#8220;idealistisch-politische Motive&#8221; zubilligte. Als der NS-Staat zusammengebrochen war, schickten Schweizer Zeitungen Karl Gerold als Korrespondenten nach Wiesbaden, in die politische Hauptstadt des Landes Hessen. Dort entdeckten ihn die Amerikaner. </p>
<p>Ein besonderes Kennzeichen dieses eigenwilligen Mannes, der von 1954 an neunzehn Jahre lang in der Dreifachfunktion als Verleger, Herausgeber und Chefredakteur (&#8220;Dreifaltigkeit&#8221;, wie in der Redaktion schon mal gesp&#246;ttelt wurde) die Zeitung leitete, war sein erfolgreiches Bem&#252;hen um Unabh&#228;ngigkeit. Im Nachruf auf Arno Rudert schrieb er 1954 und hatte dabei die ersten Jahre nach &#8217;45 im Blick: &#8220;Damals wogten die Parteileidenschaften hoch. Nat&#252;rlich musste sich das auch in dem Bild einer Zeitung niederschlagen. Der eigentliche Kampf um die Unabh&#228;ngigkeit hatte begonnen. Und es war Arno Rudert, der mit dem Schreibenden zusammen die Fackel der unabh&#228;ngigen Meinung durch die Menge trug. Wir konnten dies freilich nicht tun, ohne da und dort jemand den Bart zu versengen.&#8221; </p>
<p>Und etwa ein Jahr sp&#228;ter, die FR feierte ihren zehnten Geburtstag, sprach Gerold in einem Beitrag mit dem Titel &#8220;Unabh&#228;ngig &#8211; aber nicht neutral&#8221; wieder zur Sache: &#8220;Sollte einmal die Geschichte der Frankfurter Rundschau geschrieben werden, so kann sie unter dem Motto stehen: Es war von Anbeginn ein unabl&#228;ssiges Bem&#252;hen um Unabh&#228;ngigkeit in einer Zeit, in der Parteien aller Art versuchten, &#246;ffentlich Einfluss zu pachten. Und es war nicht nur ein Bem&#252;hen, sondern ein schwerer Kampf. Es gab keine Partei, keinen Parteif&#252;hrer und keine Regierung, mit denen wir uns nicht, wo wir die Notwendigkeit sahen, auseinandersetzten.&#8221; </p>
<p>In der Beilage zum 25. FR-Jubil&#228;um unterstrich er noch einmal: &#8220;Diese Zeitung ist strikt nach dem Grundsatz, von dem sie angetreten ist, eine unabh&#228;ngige Tageszeitung. Unabh&#228;ngig von allen und jeglichen Parteien und Interessengruppen. Geistig und finanziell frei von jeder Einflussnahme.&#8221; Wie sonst, m&#246;chte man erg&#228;nzend einf&#252;gen, lie&#223;e sich auch guter Journalismus machen? </p>
<p> Gerolds Drang nach Freiheit von Zensur durch die Milit&#228;rbeh&#246;rden, seine stets funktionierenden Abwehrreflexe auf Interventionsversuche von Gro&#223;organisationen und Gralsh&#252;tern reiner Lehren entsprachen seiner Pers&#246;nlichkeitsstruktur, gegen Vormundschaften jedweder Art zu rebellieren. F&#252;r das Binnenklima der FR hatte dieser Charakterzug positive Folgen. Zwangsl&#228;ufig entstanden wichtige, unverzichtbare Freir&#228;ume auch f&#252;r die Redaktion, Chancen f&#252;r ein Team, dessen Mitglieder sich nicht an Beschl&#252;ssen von Parteitagen oder gewerkschaftlichen Gruppen orientieren mussten, sondern ihrem Gewissen, ihrer Einsch&#228;tzung der Lage folgen konnten. </p>
<p>In den ersten beiden Dezennien nach dem Ende der Nazi-Diktatur herrschte in der politischen Auseinandersetzung sowohl in den Parlamenten als auch in den Medien ein scharfer Ton, der heute manchmal befremdend wirkt. Leitartikel-Schlagzeilen Gerolds, zugespitzt oder pathetisch wie &#8220;Die M&#246;rder von oben&#8221; oder &#8220;Steh auf, mein Volk&#8221;! (Kommentare &#252;ber die serienweisen Starfighter-Abst&#252;rze der Bundesluftwaffe), erkl&#228;ren sich durch die relative N&#228;he der f&#252;nfziger und sechziger Jahre zur NS-&#196;ra &#8211; und aus der polemischen Ader des Lyrikers Gerold. </p>
<p>Die Frankfurter Rundschau beobachtete von Anfang an besonders aufmerksam, wie die junge Republik mit der schrecklichen Vergangenheit und den Lehren daraus umging. Wie die Rechtsprechung einer Justiz ausfiel, deren belastete Vertreter nie wegen Rechtsbeugung belangt wurden. Wie Konrad Adenauer, vom Dritten Reich selbst kaltgestellt, einst hochkar&#228;tige Diener der Nazis in die Verantwortung holte (Globke, Oberlaender) und auf skandal&#246;se Art den Schlussstrich zu ziehen versuchte. Skeptisch analysiert wurde der Einstieg in die milit&#228;rische Normalit&#228;t, die von Korruption (Onkel Aloys, Sch&#252;tzenpanzer HS 30, Fibag) und Gro&#223;machtsucht (Franz Josef Strauss und seine Atomwaffen-Ambitionen) begleitet war. Wachsam blieb die FR, wenn Regierungen oder B&#252;rokratien die Gebote des Sozialstaats missachteten. Deutschlandpolitik, die in den Regularien und Verlogenheiten des Kalten Krieges steckenblieb, fand keine Gnade. Das gleiche galt f&#252;r die Verantwortlichen der Spiegel-Aff&#228;re, f&#252;r den ersten zentralen Angriff auf die Pressefreiheit und damit auf die bis dato erreichte Substanz der zweiten Republik. </p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/fr_lizenz.jpg" title="Die erste Lizenz in der amerikanischen Zone ging an die sieben Herausgeber der Frankfurter Rundschau. Die Lizenz Nr.2 der US-Kontrollbeh&#246;rde f&#252;r die Frankfurter Rundschau wurde auf deutsch und englisch abgefasst. / Bildquelle: FR-Archiv" rel="lightbox[227]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/fr_lizenz_th.jpg" alt="Die Lizenz" class="left"/></a>&#220;ber einen dauerhaft-kritischen Reflex aufs Dritte Reich und beseelt von dem Wunsch, der erneute deutsche Anlauf zur Demokratie m&#246;ge diesmal unbeschadet von allen Einmischungen totalit&#228;rer Gesinnungen gelingen, entstand innerredaktionell eine starke Klammer und streckenweise eine famili&#228;re Atmosph&#228;re. Fruchtbare Arbeit wurde geleistet, m&#246;gen die handelnden Personen auch noch so verschieden und die Tonlagen im Alltag, v&#246;llig normal, nicht immer zwischen allen gleicherma&#223;en freundlich gewesen sein. Man wusste jedoch gemeinsam, wof&#252;r und wogegen man einstand, publizistisch nicht selten allein, aber unverdrossen. </p>
<p>Viele sorgten f&#252;r den kontinuierlichen Reputations-Zuwachs des Blattes. Die Namen Werner Holzer (nach Karl Gerold ebenfalls 19 Jahre lang Chefredakteur und zuvor als Reporter weltweit unterwegs), Hans-Herbert Gaebel und Horst Wolf (beide Mitglieder der Redaktionsleitung), die jeder auf andere Art vielen Mitarbeitern die notwendigen Freir&#228;ume sicherten, sollen hier stellvertretend f&#252;r die Bem&#252;hungen um Aufstieg und Substanz des publizistischen Teils des Unternehmens stehen. Sie bauten aus und bauten an &#8211; die Seite 3, das weltweite Korrespondentennetz, lokale Br&#252;ckenk&#246;pfe rund um Frankfurt. </p>
<p>Im Jahre 1962 tauchte dann ein Mann am Main auf, den es ohne Erich Mende, damals Chef der Freien Demokratischen Partei, bei der FR wohl nicht gegeben h&#228;tte: Karl-Hermann Flach. Dem einstigen Bundesgesch&#228;ftsf&#252;hrer der FDP, ein &#252;ber den konservativen Kurs seiner Organisation schwer Entt&#228;uschter gelang dann etwas, was meist die Ausnahme bleibt: Er wechselte die Front und stieg ohne Prestigeverlust von der Politik auf den Journalismus um. </p>
<p>Flach z&#228;hlte sp&#228;ter zu den Wegbereitern der sozial-liberalen Koalition unter Willy Brandt und Walter Scheel. Er geh&#246;rte zu den Vordenkern im Lande, die das langsam wachsende, umk&#228;mpfte &#8220;historische B&#252;ndnis&#8221; (Werner Maihofer) mit Inhalten f&#252;llten. In der Redaktion sorgte er f&#252;r Ausgleich w&#228;hrend der Aufbruchphase, Zeiten, in denen von Berlin bis Frankfurt scharfe und erregte Diskussionen stattfanden &#8211; vor allem in den universit&#228;ren Arenen der 68er Revolution&#228;re. Deren Rolle und Funktion f&#252;r die gesellschaftliche Entwicklung wurde von der Rundschau fr&#252;h erkannt. Der eher sanfte, zum druckreifen Vortrag bef&#228;higte Liberale konnte auch in schwierigen Momenten wirkungsvoll sachlich bleiben und bestimmte damit letzten Endes nicht nur im kleinen Zirkel das Klima der Auseinandersetzungen, sondern h&#228;ufig auch die Sto&#223;richtung in hektischen hausgemachten Vollversammlungen. </p>
<p>Karl-Hermann Flach (&#8220;die Jahre bei der Rundschau waren die sch&#246;nsten meines Lebens&#8221;) hat der Redaktion ein geistiges Verm&#228;chtnis hinterlassen. Vor allem ihm und Hans-Herbert Gaebel verdanken wir die Endfassung der publizistischen Grundhaltung, die heute noch die Prinzipien der Redaktionsarbeit bestimmt. Unter der Firmierung sozial-liberal und links-liberal werden darin Gebote eines auf Minderheitenschutz und Gewaltverzicht, auf Frieden und Rechtsstaatlichkeit, auf europ&#228;ische Einigung oder Reform des Gemeinwesens pochenden Journalismus formuliert. Sie sind Teil der Arbeitsvertr&#228;ge und zugleich in der Satzung der Karl-Gerold-Stiftung niedergelegt, deren Errichtung der Erblasser f&#252;r die Zeit nach seinem Tod (er starb 1973) als Sicherung der FR vorgesehen hatte. </p>
<p>Das Unternehmen wuchs, und das Blatt erreichte den festen Status der &#220;berregionalit&#228;t. Parallel dazu gewann die eigene Druckerei in Neu-Isenburg gr&#246;&#223;ere Dimensionen (&#8230;)  Wie viele W&#252;nsche, Hoffnungen, Ansichten von den durch Krieg und Entbehrung geformten Redakteuren auf die Nachgekommenen &#252;bergegangen sind und weiter &#252;bergehen, l&#228;sst sich schwer absch&#228;tzen. Tempora mutantur &#8211; die Zeiten &#228;ndern sich. Nos et mutamur in illis &#8211; und wir ver&#228;ndern uns in ihnen. Heute bewegen die &#214;ffentlichkeit Fragen, die nach 1945 keiner stellte. Umweltschutz zum Beispiel. Oder Nord-S&#252;d-Konflikt. Aber auch jetzt geht es weiterhin um zeitlose Grunds&#228;tze &#8211; um Unabh&#228;ngigkeit, soziale Gerechtigkeit, Fairness, um Mut zum Unpopul&#228;ren, Verl&#228;sslichkeit, Standhaftigkeit. </p>
<p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es h&#228;ufig Bedrohungen der Meinungsfreiheit durch direkten politischen Zugriff. Nun findet der Kampf um Unabh&#228;ngigkeit erst einmal im Kopf eines jeden einzelnen statt. Die Gef&#228;hrdungen sind subtiler geworden, Opportunismus kommt raffinierter daher, oft ruft das Metier dies alles selbst hervor. &#8220;Haltet die Ohren steif&#8221;, hatte uns Willy Brandt zum 20j&#228;hrigen Jubil&#228;um empfohlen. Haben wir getan, werden wir tun. Und wir hoffen, unsere Leserinnen und Leser respektieren &#8211; gegen den Zeitgeist &#8211; auch in Zukunft unser Bem&#252;hen um eine Zeitung, die als engagiertes, differenzierendes Angebot beachtet werden m&#246;chte.</p>
<p><b>Hinweis: Dieser Text des langj&#228;hrigen FR-Chefredakteurs Roderich Reifenrath erschien zum 60. Geburtstag der Zeitung im Jahr 2005.</b></p>
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		<title>Cornelia Goethe, die vergessene Schwester</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Mar 2011 08:16:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[18. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Cornelia Goethe]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Hirschgraben]]></category>

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		<description><![CDATA[Als Kinder wachsen sie nahezu gleichberechtigt auf, teilen Geheimnisse und Gemeinsamkeiten. Doch dann kann Wolfgang Goethe zum Studieren das Elternhaus in Frankfurt verlassen, w&#228;hrend f&#252;r Schwester Cornelia ein anderer Lebensweg vorgezeichnet ist.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1770_cornelia_goethe.jpg" title="Cornelia Goethe um 1770 / Bildquelle: Wikimedia" rel="lightbox[2382]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1770_cornelia_goethe_th.jpg" alt="Cornelia Goethe" class="left"/></a> Im Goethehaus am Frankfurter Hirschgraben ist es mein Lieblingszimmer: der Raum im zweiten Stock, den Cornelia Goethe bis zu ihrem 23. Lebensjahr bewohnte. Bei gutem Wetter zeichnen die Sonnenstrahlen Fensterkreuze auf den Holzfu&#223;boden, und die W&#228;nde scheinen blau zu leuchten. Das Zimmer liegt abseits, rechts von der Treppe, und irgendwie passt das zu dem M&#228;dchen, das zeitlebens im Schatten des ber&#252;hmten Bruders bleibt. <span id="more-2382"></span></p>
<p>Sieben Kinder bekommen Catharina Elisabeth und Johann Caspar Goethe, doch nur zwei von ihnen erleben das Erwachsenenalter: Johann Wolfgang und die 15 Monate j&#252;ngere Cornelia, geboren am 7. Dezember 1750. Vielleicht bewegt der fr&#252;he Verlust von f&#252;nf Kindern die Eltern, Cornelia eine besonders guten Start ins Leben erm&#246;glichen zu wollen, vielleicht es es aber auch Standesd&#252;nkel des durch Erbe verm&#246;genden Privatiers Johann Caspar, der dazu f&#252;hrt, dass Cornelia  zusammen mit Bruder Wolfgang schon mit knapp drei Jahren in eine hoch angesehene Spielschule geht. Mit f&#252;nf wechselt sie aufs Rolandsche Institut, lernt Franz&#246;sisch, Geographie, Zeichnen, verbessert ihr Lesen, Schreiben und Rechnen. Wolfgang muss derweil zuhause die Blattern auskurieren und wird von Privatlehrern und seinem Vater unterrichtet. </p>
<p>Ab dem siebten Lebensjahr nimmt auch Cornelia am Hausunterricht teil, oft zusammen mit dem Bruder. Auf dem Stundenplan stehen Sprachen &#8211; Latein, Griechisch, Franz&#246;sisch, Englisch, Italienisch -, Jura, Geographie, Fechten, Reiten, Tanz. Dazu kommt Klavierunterricht, der bei der musikalischen Cornelia auf fruchtbaren Boden f&#228;llt. Noch heute ist ihr Zimmer im Goethehaus mit einem Clavichord ausgestattet.</p>
<p>Schwester und Bruder teilen Gemeinsamkeiten und Geheimnisse. Beide interessieren sich f&#252;r Theater, Musik und Literatur. Heimlich lesen sie den vom Vater verbotenen Klopstock, gemeinsam mit den Eltern besuchen sie das Frankfurter Konzert eines anderen Geschwisterpaares, Anna Maria und Wolfgang Amadeus Mozart.</p>
<p>Mit 14 verliebt sich Cornelia in den zwei Jahre &#228;lteren Engl&#228;nder Arthur Lupton, der in der N&#228;he ihres Elternhauses wohnt. Ungl&#252;cklich? Vermutlich. Viel ist nicht dar&#252;ber bekannt. Luptons reist nach vier Jahren Aufenthalt und Ausbildung in Frankfurt 1768 zur&#252;ck nach England, ohne sich von Cornelia zu verabschieden. Die vorangegangenen Jahre des Sehnens musste sie allein durchstehen, denn Bruder Wolfgang hat das Elternhaus zum Studieren in Richtung Leipzig verlassen. Das unsichtbare Band zwischen den Geschwistern h&#228;lt dennoch, viele ausf&#252;hrliche Briefe zeugen davon. Allerdings: Immer &#246;fter schulmeistert Wolfgang seine Schwester. Er st&#246;&#223;t sich in Leipzig als junger Studiosus die H&#246;rner ab, w&#228;hrend Cornelia in der bedr&#252;ckende Enge der v&#228;terlichen Aufsicht zur&#252;ckbleibt:</p>
<blockquote><p>Mein Vater hatte nach meiner Abreise seine ganze didaktische Liebhaberei der Schwester zugewendet, und ihr bei einem v&#246;llig geschlossenen, durch den Frieden gesicherten und selbst von Mietleuten ger&#228;umten Hause fast alle Mittel abgeschnitten, sich ausw&#228;rts einigerma&#223;en umzutun und zu erholen.</p></blockquote>
<p>Cornelia nutzt das gleiche Ventil wie ihr Bruder: Sie schreibt. Einige ihrer schriftstellerischen Arbeiten zeigt sie Wolfgang, der sie in Ma&#223;en lobt, aber auch keinen Zweifel daran l&#228;sst: Sie m&#252;sse noch viel lernen. Und zwar von ihm, dem gro&#223;en, erfahrenen Bruder. </p>
<p>Ihre Briefe an den Bruder sind verloren, doch aus den seinen l&#228;sst sich ablesen, dass sich die Schwester nur ungern von ihm ma&#223;regeln l&#228;sst. Sie vertraut sich einem Tagebuch an, das sie ausschlie&#223;lich einer Freundin zeigt. Hier spricht sie offen &#8211; &#252;ber sich, ihr Leben, ihre W&#252;nsche und Tr&#228;ume. &#220;ber die Zukunft, die auf sie wartet, das vorgeschriebene Schicksal, die Ehe, das Leben in der H&#228;uslichkeit. Sie macht sich wenig Illusionen. Mit einer geh&#246;rigen Portion Selbstironie schreibt sie: Sch&#246;nheit sei &#8220;eine gef&#228;hrliche Gabe. Ich bin entz&#252;ckt, sie nicht zu haben, jedenfalls mache ich niemanden ungl&#252;cklich.&#8221; </p>
<p>Nach dem, was schriftlich von ihr erhalten ist, scheint Cornelia nach der Geschichte mit Lupton entschlossen, keine Emotionen mehr zu zeigen. Vielleicht nimmt sie sich vor, sich nie mehr zu verlieben.</p>
<blockquote><p>
Man ist niemals gl&#252;cklicher, als wenn man ganz gleichg&#252;ltig ist, man kann alles mit mehr Freiheit beobachten, man ist imstande, &#220;berlegungen anzustellen.</p></blockquote>
<p>Aber sie sp&#252;rt auch die Kehrseite: Fehlende Empfindungen hemmen ihren schriftstellerischen Drang.</p>
<blockquote><p>
Die Einf&#246;rmigkeit, in der ich lebe, die Gleichf&#246;rmigkeit meines seelischen Daseins, die stumpfe Ruhe meines Herzens, all das geben mir keinen Stoff &#8230;</p></blockquote>
<p>Cornelia Goethe sieht den Lauf ihres weiteren Lebens vor sich &#8211; und was sie sieht, gef&#228;llt ihr nicht:</p>
<blockquote><p>
Heute ist mein Geburtstag, an dem ich das 18. Lebensjahr vollende. Die Zeit ist verflossen wie ein Traum; und ebenso wird die Zukunft vergehen; mit diesem Unterschied, dass mir mehr Leiden zu erdulden &#252;brig bleiben als ich bisher habe kennenlernen. Ich ahne sie. </p></blockquote>
<p>1769 taucht der Jurist Johann Georg Schlosser, ein Freund Wolfgangs, bei Familie Goethe auf. Er verliebt sich in Cornelia, wirbt um sie, macht ihr 1772 einen Heiratsantrag &#8211; mit Erfolg. Nur einer ist nicht einverstanden: Bruder Wolfgang. Er reagiert mit Eifersucht &#8211; und mit Verlust&#228;ngsten.  &#8220;Ich sehe einer fatalen Einsamkeit entgegen. Sie wissen, was ich an meiner Schwester hatte&#8221;, schreibt er kurz vor Cornelias Hochzeit 1773 und Abreise nach Karlsruhe an Johanna Fahlmer. In Karlruhe bleibt das junge Paar nur ein halbes Jahr, dann bekommt Georg eine Anstellung in Emmendingen bei Freiburg. Als sie dorthin abreisen, ist Cornelia schwanger.</p>
<p>Zu Beginn der Ehe schw&#228;rmt Johann Georg Schlosser gegen&#252;ber seinem Schwager: &#8220;Wenn du je heiratest, mein Bruder, so geb dir Gott eine Frau, die deiner Liebe so wert ist, als meine, die mich t&#228;glich mehr an sie fesselt, und nie mit einem Augenwink die Gewalt missbraucht, die ihr mein Herz &#252;bergibt&#8221;, schreibt Schlosser an seinen Schwager Wolfgang. Aber Cornelia ist ungl&#252;cklich. In dem Provinzst&#228;dtchen Emmendingen gibt es nichts, das sie reizt, das ihren Intellekt anspricht. Sie f&#252;hlt sich einsam, und sie kr&#228;nkelt &#8211; sehr zum Verdruss ihres Ehemanns, der seine Frau weder als Schriftstellerin und gebildete Gespr&#228;chspartnerin ernst nimmt noch mit ihrer zerbrechlichen Konstitution klarkommt. &#8220;Ihr ekelt vor meiner Liebe&#8221;, klagt er. </p>
<p>Die Geburt ihrer ersten Tochter 1774 schw&#228;cht Cornelia Schlosser so sehr, dass sie fast stirbt. Zwei Jahre sp&#228;ter ist sie wieder schwanger. Sie ahnt, dass sie die Geburt diesmal nicht &#252;berstehen wird. An eine Freundin schreibt sie im Dezember 1776:</p>
<blockquote><p>Da schleiche ich denn ziemlich langsam durch die Welt, mit einem K&#246;rper der nirgend hin als ins Grab taugt.</p></blockquote>
<p>Cornelia stirbt bald nach der Geburt der zweiten Tochter am 8. Juni 1777. Bei ihrem Tod ist sie 26 Jahre alt.</p>
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		<title>Nordend: Warum keiner so recht wei&#223;, wo es ist</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Mar 2011 09:07:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Nordend]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtteile]]></category>
		<category><![CDATA[Bertramshof]]></category>
		<category><![CDATA[Bornheim]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Cohn-Bendit]]></category>
		<category><![CDATA[Holzhausenschlösschen]]></category>
		<category><![CDATA[Joschka Fischer]]></category>
		<category><![CDATA[Oeder Weg]]></category>

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		<description><![CDATA[1877: Das Dorf Bornheim wird eingemeindet, und auf der Fl&#228;che zwischen diesem neuen Frankfurter Stadteil und der Innenstadt - dort also, wo einstmals das n&#246;rdliche Ende Frankfurts war - baut man Gr&#252;nderzeith&#228;user und breite Alleen. Viele Nordend-Bewohner halten sich heute f&#252;r Bornheimer.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/nordend_karte.jpg" title="Nordend in seiner heutigen Ausdehnung, markiert auf einer Karte aus dem 17. Jahrhundert / Quelle: Wikimedia" rel="lightbox[1032]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/nordend_karte-150x150.jpg" alt="Nordend" title="Nordend in seiner heutigen Ausdehnung, markiert auf einer Karte aus dem 17. Jahrhundert" width="150" height="150" class="left" /></a> Entstanden ist das Nordend im 19. Jahrhundert auf den Hangwiesen zwischen den abgetragenen Wallanlagen und dem Dorf Bornheim, das damals <a href="http://www.frankfurt.frblog.de/bornheim">den Ruf einer Am&#252;siermeile</a> hatte. Bornheim wurde 1877 eingemeindet, und auf der Fl&#228;che zwischen der Innenstadt und dem neuen Stadtteil Bornheim &#8211; dort also, wo einstmals das n&#246;rdliche (pr&#228;ziser: das nord&#246;stliche)  Ende Frankfurts war &#8211; baute man die f&#252;r die Gr&#252;nderzeit typischen breiten Alleen und H&#228;user im wilhelminischen Stil mit rotem Sandsteinsockel. Das Nordend nahm seine Gestalt an, f&#252;r die es bis in die heutige Zeit gesch&#228;tzt wird &#8211; bei Bewohnern ebenso wie bei Vermietern und Investoren.<span id="more-1032"></span></p>
<p> Und bis heute macht diese Entwickungsgeschichte auch die Grenzziehung schwer: Wo endet das Nordend, wo f&#228;ngt Bornheim an? Beide Viertel wuchsen aufeinander zu, und viele der heute 54.000 Nordend-Bewohner halten sich f&#252;r Bornheimer. Das ist der durch beide Stadtteile verlaufenden Berger Stra&#223;e geschuldet, die nur am obersten Ende durch Bornheim verl&#228;uft, sonst aber zweifelsfrei im Nordend liegt. Und die Aufsplittung des beliebten und dicht besiedelten Viertels in Nordend-Ost und Nordend-West macht die Sache nicht leichter.</p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/holzhausenschloesschen.jpg" title="Holzhausenschl&#246;sschen / Bild: Monika Gemmer" rel="lightbox[1032]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/holzhausenschloesschen-150x150.jpg" alt="Holzhausenschl&#246;sschen" title="Holzhausenschl&#246;sschen" width="150" height="150" class="right" /></a> An die Zeiten, als in dieser Gegend noch l&#228;ndliche &#214;de herrschte, die nur von Gutsh&#246;fen unterbrochen wurde, erinnern der Oeder Weg, der Bertramshof (heute vom Hessischen Rundfunk genutzt) und das Holzhausenschl&#246;sschen, im 18. Jahrhundert von der Frankfurter Patrizierfamilie Holzhausen errichtet und heute, umringt von Wasser und Park, beliebte Kulisse f&#252;r Hochzeiten &#8211; die Autorin muss es wissen, sie hat selbst dort geheiratet. </p>
<p> Es gibt hervorragende Gr&#252;nde, im Nordend beheimatet zu sein. Beispielsweise eine un&#252;berschaubare Menge an Kneipen und Bars: von der &#8220;Wielandstubb&#8221;, wo Joschka Fischer und <a href="http://www.frankfurt.frblog.de/daniel-cohn-bendit">Daniel Cohn-Bendit</a> Skat kloppten, als Gr&#252;n noch keine politische Farbe war, bis zur j&#252;ngsten Wasserstelle, keine f&#252;nf Minuten davon entfernt, dem &#8220;Feinstaub&#8221;. </p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/nordend.jpg" title="Blick aufs Nordend / Bild: Eva Kr&#246;cher, CC-Lizenz 2.5" rel="lightbox[1032]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/nordend-150x150.jpg" alt="Blick aufs Nordend" title="Blick aufs Nordend" width="150" height="150" class="left" /></a> Das Nordend nimmt f&#252;r sich in Anspruch, Keimzelle der Gr&#252;nen zu sein. Immerhin haben sich SPD und CDU damit abgefunden, dass der hiesige Ortsbeirat sch&#228;tzungsweise auf ewig von den Gr&#252;nen dominiert wird. Und dann sieht die charmant patinierte Baumasse noch aus wie eine WG an der n&#228;chsten. Sind zwar inzwischen meist Eigentumswohnungen, aber Image ist ja auch ein irgendwie urbaner Charakterzug. <em>Monika Gemmer / Peter Rutkowski</em></p>
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		<title>Familienkrach in Frankfurt: Kronprinz auf der Flucht</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Mar 2011 14:14:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frankfurter Rundschau</dc:creator>
				<category><![CDATA[18. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>

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		<description><![CDATA[Kronprinz Friedrich war es leid, von seinem Vater, dem preu&#223;ischen K&#246;nig Friedrich Wilhelm I., gedem&#252;tigt zu werden. Auf einer Reise, die auch durch Frankfurt f&#252;hrte. wagte er die Flucht.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/487px-FrederickIIofPrussia.jpg" rel="lightbox[36]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/487px-FrederickIIofPrussia-150x150.jpg" alt="" title="Antoine Pesne: Friedrich als Kronprinz (um 1740)" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-3928" /></a>Das Ma&#223; war voll. Er wollte sich von seinem Vater nicht mehr in der &#214;ffentlichkeit anbr&#252;llen, verpr&#252;geln und an den Haaren ziehen lassen. Er war es leid, wie ein kleiner Bub angeschnauzt zu werden, wenn er ein Messer fallen lie&#223;. Sein Entschluss stand fest: Er w&#252;rde sich dem Regiment des Vaters entziehen, der ihn wie einen &#8220;Sklaven&#8221; behandelte, und &#252;ber Frankreich nach England fliehen. Hatte der preu&#223;ische K&#246;nig Friedrich Wilhelm I. nicht selbst oft zu ihm gesagt: &#8220;H&#228;tte mein Vater mich behandelt, wie ich Sie behandle, ich w&#228;re mehr wie einmal geflohen, aber Sie sind nur ein feiger Patron.&#8221; <span id="more-36"></span></p>
<p>Die diplomatischen Vorkehrungen waren getroffen. Die H&#246;fe in Paris und London, zu denen der 18-j&#228;hrige preu&#223;ische Kronprinz Friedrich heimlich Kontakt hielt, hatten signalisiert, dass er auf &#8220;Gastfreundschaft&#8221; rechnen k&#246;nne. Eine Reise durch S&#252;ddeutschland mit seinem Vater im Sommer 1730 bot die willkommene Gelegenheit. Der Soldatenk&#246;nig, der eilig, aber mit Methode reiste, wie ein Historiker anmerkte, hatte sich ein umfangreiches Verwandten-Besuchsprogramm vorgenommen, das die wichtigsten touristischen Sehensw&#252;rdigkeiten auf der Route mit einschloss. Von Berlin sollte die Fahrt nach Leipzig gehen, von dort &#252;ber Bamberg, N&#252;rnberg, Ansbach, Augsburg, Ludwigsburg, Mannheim, Darmstadt nach Frankfurt, wo die Gesellschaft ein Schiff besteigen wollte, um den preu&#223;ischen Besitzungen am Oberrhein einen Besuch abzustatten. Friedrich war &#252;berzeugt, dass ihm auf dieser Reise die Flucht gelingen w&#252;rde. An seine Schwester Wilhelmine schrieb er: &#8220;Ich habe P&#228;sse und Wechsel und habe alles so gut eingerichtet, dass ich nicht die geringste Gefahr laufe.&#8221;</p>
<p>Der Kronprinz irrte. Die Offiziere des K&#246;nigs, die mit im Tross reisten, waren dank ihrer Spitzel &#252;ber den jeweiligen Stand der Fluchtpl&#228;ne ziemlich genau unterrichtet. Sie hatten selbst das gr&#246;&#223;te Interesse, ein scharfes Auge auf den jungen Mann zu haben, denn sie konnten sich lebhaft ausmalen, was der cholerische Friedrich Wilhelm mit ihnen anstellen w&#252;rde, sollte es dem Kronprinzen tats&#228;chlich gelingen, sich ins Ausland abzusetzen. F&#252;r den K&#246;nig w&#228;re die Flucht eine enorme diplomatische Blamage gewesen. In den Augen Europas h&#228;tte er einmal mehr als der unverbesserliche Despot dagestanden, bei dem es nicht einmal der eigene Sohn aush&#228;lt. </p>
<p>Der Fluchtversuch, den der verzweifelte Friedrich dann in der Nacht vom 4. auf den 5. August 1730 in Steinsfurth nahe Heidelberg wagte, scheiterte also. Der Page Friedrichs hatte seinen Bewachern den entscheidenden Tipp gegeben. Der Besuch in Frankfurt am 8. August 1730 stand noch ganz unter dem Eindruck der dramatischen Ereignisse. Der K&#246;nig hatte nat&#252;rlich von dem n&#228;chtlichen Vorfall erfahren. In seinen Augen war Friedrich ein Deserteur. Statt ihn aber wie &#252;blich vor aller Augen zu verpr&#252;geln, verh&#246;hnte er ihn: &#8220;Ich dachte, er sei schon in Paris?&#8221; Friedrich antworte zerknirscht, dass er h&#228;tte dort sein k&#246;nnen, wenn er gewollt h&#228;tte. </p>
<p>Seine Bewacher hatten vom K&#246;nig unterdessen den Befehl bekommen, den jungen Mann &#8220;tot oder lebendig&#8221; ins preu&#223;ische Wesel zu bringen. Dem K&#246;nig war klar, dass der Fluchtversuch keiner Laune entsprungen war. Einer der engsten Vertrauten seines Sohnes, der Page Keith, war spurlos aus seiner Garnison verschwunden. Der Vater vermutete Mitwisser und einen ausgekl&#252;gelten Plan.</p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/454px-Antoine_pesne_friedrich_wil.jpg" rel="lightbox[36]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/454px-Antoine_pesne_friedrich_wil-150x150.jpg" alt="" title="Friedrich Wilhelm I. von Preu&#223;en (Gem&#228;lde von Antoine Pesne, um 1733)" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-3927" /></a>Glaubt man seinem Biografen Reinhold Koser, brachten die Bewacher Friedrich unmittelbar nach seiner Ankunft am Morgen in Frankfurt auf ein Schiff. Der K&#246;nig sei unterdessen durch die Stadt &#8220;geeilt&#8221; und habe sich den R&#246;mer und eine Frankfurter Kostbarkeit zeigen lassen, die ihn als Kurf&#252;rst von Brandenburg schlie&#223;lich auch direkt betraf. Um 9 Uhr (unklar ist, ob abends oder morgens) habe sich die Reisegesellschaft eingeschifft und sei &#252;ber Bonn nach Wesel gefahren. Die Frankfurt-Chronik von Waldemar Kramer vermerkt noch einen Besuch Friedrich Wilhelms bei der Raugr&#228;fin Luise, einer weitl&#228;ufigen Verwandten.</p>
<p>Friedrichs Schwester Wilhelmine, die Markgr&#228;fin von Bayreuth, schildert in ihren Memoiren ebenfalls den Besuch ihres Bruders in der alten Reichsstadt. Ihrer Darstellung zufolge stellt die Stippvisite sogar eine Art Wendepunkt dar, was die Behandlung des Bruders durch den Vater betrifft. Wilhelmine schreibt, dass Friedrich in Frankfurt &#8220;geradewegs auf eine Jacht&#8221; gebracht worden sei, w&#228;hrend der K&#246;nig den Tag in der Stadt verbrachte. Auf dem Schiff soll es sp&#228;ter wieder zu einem der gef&#252;rchteten Wutausbr&#252;che des Vaters gekommen sein. &#8220;Sobald er meinen Bruder erblickte, st&#252;rzte er auf ihn los und h&#228;tte ihn erdrosselt, w&#228;re General Waldow nicht herzugeeilt. Er riss ihn an den Haaren und richtete ihn so zu, dass die Herren aus Furcht vor den Konsequenzen den K&#246;nig baten, dass der Kronprinz nach einem anderen Schiff gef&#252;hrt werden d&#252;rfe, was endlich gestattet wurde.&#8221;</p>
<p>Friedrichs Reise endete vier Tage sp&#228;ter mit seiner Verhaftung in Wesel. Der K&#246;nig f&#252;hrte eines der Verh&#246;re und h&#228;tte auf den selbstbewusst antwortenden Sohn fast mit dem Degen eingestochen, w&#228;re nicht sein Gefolge dazwischen gegangen. Friedrich wurde zu Festungshaft verurteilt.</p>
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		<title>Bergen-Enkheims Kampf um Autonomie</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Feb 2011 15:37:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frankfurter Rundschau</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Bergen-Enkheim]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtteile]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Gebietsreform 1977 hatte erm&#246;glicht, was die Frankfurter 496 Jahre vergebens versucht hatten - die Eingemeindung von Bergen-Enkheim. Millionenschwere Zugest&#228;ndnisse gab es, aber auch gute Gr&#252;nde f&#252;r die "Ehe" der ungleichen Partner.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/enkheim_weitkamp.jpg" alt="Plakat zur Eingemeindung" title="Plakat zur Eingemeindung. Bild: Gerhard Weitkamp" rel="lightbox[3885]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/enkheim_weitkamp-150x150.jpg" alt="" title="enkheim_weitkamp" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-3879" /></a>Die Gebietsreform in Hessen 1977 hatte erm&#246;glicht, was die Frankfurter 496 Jahre vergebens versucht hatten &#8211; die Eingemeindung von Bergen-Enkheim. Z&#228;h und hakelig gestalteten sich die Verhandlungen der beiden Kommunen, um unter dem Fusionsdruck zueinander zu finden. Millionenschwere Zugest&#228;ndnisse gab es, aber auch gute Gr&#252;nde f&#252;r die &#8220;Ehe&#8221; der ungleichen Partner, wie FR-Mitarbeiter Detlef Sundermann bei seinen Recherchen feststellte.  <span id="more-3885"></span></p>
<p>&#8220;Die in Frankfurt &#8230;&#8221; h&#246;rt man in Bergen-Enkheim nicht nur auf der Gass’, sondern auch im Ortsbeirat.  Doch trotz starken Wir-Gef&#252;hls m&#246;chten die B&#252;rger vom &#246;stlichsten Zipfel Frankfurts irgendwie schon zur Mainmetropole geh&#246;ren, von nachtragendem Separatismus also keine Spur. Die Autoaufkleber &#8220;Wir werden Frankfurter, bleiben aber Bergen-Enkheimer&#8221; beispielsweise sind l&#228;ngst aus dem Stadtbild verschwunden. Geschichte ist zudem das Autokennzeichen HU, was f&#252;r die amtliche Verbundenheit von Bergen-Enkheim mit dem einstigen Landkreis Hanau (heute Main-Kinzig-Kreis) stand. </p>
<p>Das war vor dem 1. Januar 1977 anders. Offenkundig getrieben von Heimatliebe, der Angst vor Identit&#228;tsverlust und nicht zuletzt das Bild von ungl&#252;cklichen Konstrukten der Gebietsreform vor Augen (etwa Lahn-Stadt), erschien am 18. M&#228;rz 1976 in der Bergen-Enkheimer Zeitung ein Pamphlet zu einer Unterschriftensammlung. Mehrere Einwohner lie&#223;en sich &#252;ber zwei Drittel der Zeitungsseite gegen die Eingemeindung aus. &#8220;Es ist f&#252;nf Minuten vor zw&#246;lf&#8221; lautete die &#220;berschrift. Doch au&#223;er den warnenden und fast aufr&#252;hrerisch anmutenden Worten l&#228;sst sich aus dem Text gleichfalls die Einsicht ins Unabwendbare herauslesen. &#8220;Bergen wird nicht mehr Bergen sein, altes sch&#246;nes Bergen Ade&#8221;, hie&#223; es da mit einer Tr&#228;ne im Knopfloch. Die Lokalpatrioten blieben dennoch mit ihrem Widerstand in der Minderheit. </p>
<p><strong>Genossen im neuen Stadtteil st&#252;tzen &#8220;Dynamit-Rudi&#8221;</strong></p>
<p>Bei der Kommunalwahl am 20. M&#228;rz 1977 verpassten die 15.000 Einwohner den f&#252;r die Eingemeindung verantwortlichen SPD-Politikern keinen Denkzettel. Die Sozialdemokraten errangen mit knapp 60 Prozent einen klaren Sieg im neuen Frankfurter Stadtteil und st&#252;tzten somit Oberb&#252;rgermeister Rudi Arndt &#8211; ungeachtet einer anderen Protestfront in Bergen-Enkheim, die sich gegen den Bau der A 66 richtete. Dem Wahlergebnis lagen neben einer breiten Zustimmung zur Ehe auch andere Ereignisse zugrunde: zum Beispiel &#196;rger &#252;ber die Politik der CDU im Kreis Hanau. Denn die &#196;u&#223;erung von B&#252;rgermeister Rudolf Fey, Genosse Arndt sei der &#8220;einzige richtige Mann&#8221;, d&#252;rfte die W&#228;hler genauso wenig zu den Urnen getrieben haben wie eine Spendierlaune von &#8220;Dynamit-Rudi&#8221; (den Spitznamen hatte er bekommen, da er seinerzeit angeblich die Ruine der Alten Oper sprengen lassen wollte): Beim Neujahrsempfang  ‘77 im Volkshaus hatte Arndt aus Freude &#252;ber den Zuwachs Sekt f&#252;r die 300 G&#228;ste auf eigene Rechnung flie&#223;en lassen.</p>
<p><strong>&#8220;Scheidung auf christdemokratisch&#8221;</strong></p>
<p>Die &#8220;Scheidung auf christdemokratisch&#8221;, wie SPD-Ortsvereinchef Alfred Schubert die Trennung Bergen-Enkheims vom Landkreis Hanau damals bezeichnete, blieb nicht ohne Wirkung. Die Kommune &#252;berwies Jahr f&#252;r Jahr 3,3 Millionen Mark Schul- und Kreisumlage in die Grimm-Stadt und galt als einer der besten Zahler<br />
im Kreis Hanau. Mit der absehbaren Eingemeindung stellte sich der von 1974 an CDU-gef&#252;hrte Kreis aber zunehmend stur. Investitionszusch&#252;sse blieben aus wegen eines angeblichen Formfehlers im Antrag (zweite Unterschrift fehlte). Der Bergen-Enkheimer CDU-Chef und heutige Ortsvorsteher Gerd Riechemeier<br />
musste sich als damaliger Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses im Kreis heftige Vorw&#252;rfe anh&#246;ren, etwa dass er &#8220;unt&#228;tig&#8221; sei. Und dann stand da noch die Forderung des Kreises an Frankfurt in H&#246;he von 6,5 Millionen Mark f&#252;r die Schule am Ried im Raum. </p>
<p>Landrat Hans R&#252;ger (CDU) hatte aber, wie sich herausstellte, mit der Schulumlage nicht das Baudarlehen getilgt, sondern das Geld in ein kreisweites, &#8220;umfangreiches Schulbauprogramm&#8221; gesteckt (FR, 7. November 1976), was Insider als &#8220;politische Schweinerei&#8221; bezeichneten.  </p>
<p>Bergen-Enkheim, das als Dorf auf eine mehr als 600 Jahre w&#228;hrende Geschichte  zur&#252;ckblicken konnte und einst Hanauer Vorposten war, kostete die Frankfurter aber auch sonst einiges. Mit dem Bau der Stadthalle auf dem einstigen Areal des Hofes Conradi neben der Schelmenburg (bis dato das Rathaus) und des Freibads hatte sich die Stadt Bergen-Enkheim &#8211; den Status trug sie nur in den letzten zehn Jahren vor der Eingemeindung &#8211; heftig verschuldet. &#8220;Mutter Frankfurt&#8221; zahlt die Rechnung von 18 Millionen Mark, das war im Fusionsvertrag ausgehandelt. Fey und sein Stadtrat Winfried Schneider konnten im Grenz&#228;nderungsvertrag den Frankfurtern zudem ein Budget f&#252;r den k&#252;nftigen Ortsbeirat von 500.000 Mark plus Teuerungszulage f&#252;r Vereins- und Kulturf&#246;rderung abhandeln. </p>
<p><strong>Adressb&#252;chlein als Orientierungshilfe f&#252;r &#8220;Dehaam im Ort&#8221; </strong></p>
<p>Ein Unikum in der Stadt. Ein Vertrag, der &#8220;das Limit dessen beinhaltet, das nach Lage der Verh&#228;ltnisse f&#252;r die B&#252;rger (. . .) herausgeholt werden konnte&#8221;, so Fey, der sich als Realpolitiker bezeichnete, in einem Gespr&#228;ch im Januar 1976. D&#246;rfer wie Harheim oder Nieder-Eschbach wurden 1972 ohne<br />
solche Morgengaben Frankfurt zugeschlagen. Etwas geben mussten die Neub&#252;rger aus dem Frankfurter Osten allerdings auch. Beispielsweise 55 Stra&#223;ennamen, die durch andere ersetzt wurden. So tauften die neuen Rathausherren die Westliche Sandstra&#223;e in Victor-Slotosch-Stra&#223;e. </p>
<p>Nicht alles Ortsgeschichtliche fand das Placet der eigens einberufenen Arbeitsgemeinschaft.  Ochsenweg, so etwas Unfeines wollte man den Anliegern nicht zumuten, berichtete die Lokalpostille aus einer Sitzung. Und weil zugleich viele Hausnummern ge&#228;ndert wurden, bekamen die B&#252;rger am Silvestertag  ‘76 ein Adressb&#252;chlein als Orientierungshilfe f&#252;r &#8220;Dehaam im Ort&#8221;, wie einst Mundartdichter Martin Dietz Bergen-Enkheim in einer Ode bezeichnet hatte. </p>
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		<title>Nie aufgekl&#228;rt: Der Mord am &#8220;Anarchistenfresser&#8221; Rumpff</title>
		<link>http://www.frankfurt.frblog.de/mordfall-rumpff</link>
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		<pubDate>Fri, 18 Feb 2011 13:42:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Michels</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Kriminalfälle]]></category>
		<category><![CDATA[Westend]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Altbau von 1885 wurde in Nachkriegszeiten ersetzt. Doch der Ort mit jenem Vorgarten, in dem der politische Polizist Rumpff an einem eiskalten Abend kurz vor acht in den Armen seines Dienstm&#228;dchens "sein Leben aushauchte", wie am 15. Januar 1885 die Frankfurter Zeitung berichtete, wird immer Tatort bleiben. Der K&#246;nigliche Polizeirat Dr. Karl Ludwig Franz Rumpff, in der linken Szene als "Anarchistenfresser" verhasst, war 62 Jahre alt, als man ihn mit einem einzigen Sto&#223; eines "dolchartigen Messers" t&#246;dlich verletzte.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/sachsenlager5.jpg" rel="lightbox[2089]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/sachsenlager5-150x150.jpg" alt="Tatort: Im Sachenslager 5" title="Tatort: Im Sachsenlager 5. Das Haus, in dem Polizeirat Rumpff wohnte, wurde in der Nachrkriegszeit abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Bild: Monika Gemmer" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-3843" /></a>Der Altbau von 1885 wurde in Nachkriegszeiten ersetzt. Doch der Ort mit jenem Vorgarten, in dem der politische Polizist Rumpff an einem eiskalten Abend kurz vor acht in den Armen seines Dienstm&#228;dchens &#8220;sein Leben aushauchte&#8221;, wie am 15. Januar 1885 die Frankfurter Zeitung berichtete, wird immer Tatort bleiben. <span id="more-2089"></span></p>
<p>Der K&#246;nigliche Polizeirat Dr. Karl Ludwig Franz Rumpff, in der linken Szene als &#8220;Anarchistenfresser&#8221; verhasst, war 62 Jahre alt, als man ihn mit einem einzigen Sto&#223; eines &#8220;dolchartigen Messers&#8221; t&#246;dlich verletzte. Der Stich traf das Herz, Rumpff starb auf dem Heimweg vor seiner Haust&#252;r im Frankfurter Villenviertel Westend.</p>
<p>Es herrschte in jener Zeit der Bismarckschen Sozialistengesetze &#8220;ein Klima der Denunziation und der Bespitzelung&#8221;. Und Rumpff hatte sich reichsweit dabei derma&#223;en hervorgetan, dass es dem Hauseigent&#252;mer Im Sachsenlager 5 schwer gefallen sei, weitere Mieter zu finden &#8211; und er nach dem Mord beinahe &#8220;froh war, dass die Sache erledigt war&#8221;. So schilderten es Dieter Johannes und Andreas W. Hohmann, die die Geschichte f&#252;r ein B&#252;chlein in ihrem Anarcho-Verlag Edition AV ‘89 aus Zeitungsartikeln, Archiven und Geschichtsb&#252;chern neu aufgerollt haben. Schon vor der Tat war das Frankfurter Polizeipr&#228;sidium und namentlich Polizeirat Dr. Rumpff Ziel von Drohungen. 1881 hatten Unbekannte versucht, das Pr&#228;sidium in die Luft zu jagen, Rumpff pers&#246;nlich bekam Drohbriefe. </p>
<p>W&#228;hrend der damalige &#220;berwachungsstaat nach Rumpffs Tod &#252;ber die Stadtgrenzen hinaus mit &#8220;zahlreichen wilden Verhaftungen&#8221; reagierte, kommentierte das Blatt &#8220;Der Sozialdemokrat&#8221; am 22. Januar 1885: &#8220;Hier liegt kein gemeiner Mord vor, sondern ein Akt wilder Gerechtigkeit; und der Mensch, gegen welchen er sich richtete, war ein moralisch Verworfener, war ein Verbrecher &#8230;&#8221; </p>
<p>Nur einen Zeugen fand die Tat damals: Der Tapezierlehrling aus dem Haus Im Sachsenlager 17 hatte einen Schrei und das Zuschlagen eines Gartentors geh&#246;rt, sodann einen schlanken Mann mit einer &#8220;M&#252;tze von Seide mit Schild&#8221; im Laternenschein eilig weggehen sehen.  F&#252;r den Mord musste zehn Monate sp&#228;ter ein Schuhmacher unterm Fallbeil sein Leben lassen: Schon am 19. Januar, nach einer Ausweiskontrolle in einem Wirthaus bei Schwetzingen, konnte die Polizei den Handwerksgesellen Julius Lieske pr&#228;sentieren, dessen &#8220;verr&#228;terische Schnittwunde an der linken Hand&#8221; f&#252;r sie auf den Frankfurter Fall deutete. Den &#8220;blassen, etwas &#252;ber f&#252;nf Fu&#223; hohen Menschen von sehr wenig intelligentem Aussehen&#8221; (Frankfurter Zeitung) machte aber besonders seine bald widerlegte Aussage verd&#228;chtig, dass er nie in Frankfurt gewesen sei. </p>
<p>Schwer bewacht sa&#223; der &#8220;anarchistisch orientierte&#8221; 22-J&#228;hrige im neuen Klapperfeld-Gef&#228;ngnis. Vor Gericht im Juni 1885, im von Schutzleuten umstellten und von Publikums-Massen bedr&#228;ngten Leinwandhaus, leugnete Lieske: &#8220;Dass ich den Polizeirat Dr. Rumpff ermordet haben soll, ist nicht wahr. Ich bin unschuldig&#8221;, &#252;berliefern die Autoren den Dialog mit dem Vorsitzenden. Nachdem die Geschworenen ihn f&#252;r schuldig befanden, soll der Angeklagte ausgerufen haben: „Der Rumpff ist kaputt gegangen, der Rumpff ist tot, ha! ha! ha!“  Der Gefangene wurde zum Tode verurteilt. Er leugnete die Tat jedoch bis zu seiner Hinrichtung am 17. November 1885 im Zuchthaus Kassel. </p>
<p> F&#252;r Hohmann und Johannes sollte aber mit diesem Anarchisten die Ideologie ausgerottet werden, &#8220;und zwar mit Stumpf und Stiel&#8221;, wie die Nord-S&#252;d-Zeitung verlangte. &#8220;Die anarchistische Theorie lie&#223; sich aber nicht ausrotten&#8221;, schlie&#223;en sie zufrieden.</p>
<p>Inzwischen hat der Historiker Volker Eichler festgestellt: Der Verurteilte war wohl kein Einzelt&#228;ter. Vieles deutet demnach darauf hin, dass Lieske &#8220;nur&#8221; als Helfershelfer an der Tat beteiligt war.</p>
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		<title>Die Gedenktafel bekam Oskar Schindler erst nach dem Film</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Feb 2011 08:00:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Oskar Schindler]]></category>

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		<description><![CDATA[In den Gang, der zu Oskar Schindlers einstiger Wohnung im Haus Am Hauptbahnhof 4 f&#252;hrt, f&#228;llt kein Licht. &#220;ber den Fahrstuhl erreicht man den sechsten Stock, dort st&#246;&#223;t man auf eine verschlossene T&#252;r, neben der acht Klingelkn&#246;pfe angebracht sind. Der L&#228;rm der Stra&#223;e dringt herauf. Bestimmt wird es nachts nicht leise, weil rund um den [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1968_oskar_schindler.jpg" title="Oskar Schindler im Jahr 1968 / Bild: ap" rel="lightbox[198]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1968_oskar_schindler_th.jpg" alt="Oskar Schindler" class="right"/></a> In den Gang, der zu Oskar Schindlers einstiger Wohnung im Haus Am Hauptbahnhof 4 f&#252;hrt, f&#228;llt kein Licht. &#220;ber den Fahrstuhl erreicht man den sechsten Stock, dort st&#246;&#223;t man auf eine verschlossene T&#252;r, neben der acht Klingelkn&#246;pfe angebracht sind. Der L&#228;rm der Stra&#223;e dringt herauf. Bestimmt wird es nachts nicht leise, weil rund um den Bahnhof auch dann mehr los ist als anderswo. Schindlers Haus ist kein Ort, an dem jemand bleibt, der die M&#246;glichkeit hat, zu gehen. <span id="more-198"></span></p>
<p>Die meisten Leute hier sind nach Schindlers Tod 1974 eingezogen, und sie wissen nicht mehr als das, was in die Gedenktafel neben der Haust&#252;r eingemei&#223;elt ist: Dass Schindler 1200 Juden vor der Ermordung durch die Nazis gerettet hat und dass er in diesem Haus die letzten 16 Jahre seines Lebens verbrachte. Der S&#228;ufer und Weiberheld passte nicht ins Bild eines Menschen, der Gutes tut; er lebte zur&#252;ckgezogen. </p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1962_oskar_schindler.jpg" title="Oskar Schindler 1962 mit Holocaust-&#220;berlebenden in Israel / Bild: ap" rel="lightbox[198]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1962_oskar_schindler_th.jpg" alt="Oskar Schindler" class="left"/></a> Die Gedenktafel h&#228;ngt erst an seinem Wohnhaus, seitdem er durch Steven Spielbergs Film &#8220;Schindlers Liste&#8221; posthum ber&#252;hmt geworden war. Seither hat die Presse Schindlers Unterkunft stets als &#8220;&#228;rmliche Dachwohnung&#8221; bezeichnet, und dieses Wortpaar gilt als Beleg daf&#252;r, dass er zu Lebzeiten in Deutschland nie den Ruhm erlangt hat, der ihm geb&#252;hrt. Auch dass in Frankfurt eine kleine Stra&#223;e am Nieder-Eschbacher B&#252;gel seinen Namen tr&#228;gt, war bis zu Spielbergs Film kaum bekannt.  Beerdigt immerhin wurde Oskar Schindler in einem Ehrengrab in Jerusalem.</p>
<p>Michel Friedman vom Zentralrat der Juden in Deutschland ist einer der wenigen Frankfurter, die sich schon immer an den Bewohner der &#8220;&#228;rmlichen Dachwohnung&#8221; erinnern: Seine Eltern geh&#246;ren zu den Juden, die Schindler gerettet hat. &#8220;Er war eine gro&#223;e Hilfe f&#252;r mich&#8221;, hat Friedman einmal einer Wochenzeitung gesagt. &#8220;Ohne sein positives Beispiel k&#246;nnte ich nicht in Deutschland leben.&#8221;</p>
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		<title>Frankfurt in den 70ern: Die neue Freiheit</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Jan 2011 14:38:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frankfurter Rundschau</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Demo & Protest]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>

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		<description><![CDATA[ Ehemalige Heinrich-von-Gagern-Sch&#252;ler haben Erinnerungen an ihre Schulzeit in den Siebzigern in ein Buch gepackt. Sie  spiegeln damit das  Lebensgef&#252;hl junger Leute in bewegten Frankfurter Zeiten. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/570324.jpg" rel="lightbox[3768]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/570324-150x150.jpg" alt="" title="Demonstration gegen Mietwucher im Frankfurter Westend. Bild: FR" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-3772" /></a> Ehemalige Heinrich-von-Gagern-Sch&#252;ler haben Erinnerungen an ihre Schulzeit in den Siebzigern in ein Buch gepackt. Sie  spiegeln damit das  Lebensgef&#252;hl junger Leute in bewegten Frankfurter Zeiten. <span id="more-3768"></span></p>
<p>Die Idee kam beim Klassentreffen vor drei Jahren auf. Zeitpunkt f&#252;r Sentimentalit&#228;ten. Wei&#223;t du noch&#8230;? M&#252;sste man mal alles aufschreiben, die Erinnerungen an die Schulzeit, diese „tolle Schule“, das Heranwachsen und dieses „ganz besondere Lebensgef&#252;hl jener Jahre“. Brigitte Bergmann und Michael Nitsche nennen sie bis heute die eindr&#252;cklichste, aufregendste und wichtigste Dekade ihres Lebens. Und sie haben es tats&#228;chlich gemacht. „Das Gagern-Feeling in den Siebzigern“ haben die ehemaligen Sch&#252;ler des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums am Zoo nach gut zwei Jahren Arbeit ihr 200 Seiten starkes, &#252;ppig bebildertes Erinnerungsbuch genannt. </p>
<p>Aber es ist weit mehr herausgekommen als nur sentimentale Geschichten aus der „Gagern-City“, von Lehrern, grauen Eminenzen, Klassenbucheintr&#228;gen, Ausfl&#252;gen oder vom Gef&#252;hl, die intellektuelle, politische und vor allem total abgefahrene Elite unter Frankfurts Sch&#252;lerschaft zu sein. Sie sind eingetaucht in die Jahre 1966 bis 1975, haben gekramt, recherchiert, begeisterte Co-Autoren gefunden, die ihre Erinnerungen ans Gagern und an die Protestjahre in Frankfurt zulieferten. Und so erz&#228;hlt Gagern-Feeling vor allem vom Lebensgef&#252;hl der Jugendlichen in den 70ern, die zweifellos zur bewegtesten Dekade in Frankfurt geh&#246;rt.  </p>
<p>Im Windschatten der 68er-Studentenrevolte, des Frankfurter H&#228;userkampfs und mitten drin im gesellschaftlichen Umbruch von der autorit&#228;ren, b&#252;rgerlichen Ordnung, in der Kinder und Jugendliche zu gehorchen hatten, hin zu neuem Selbstbewusstsein und Selbstbestimmtheit, die die Jugend lautstark f&#252;r sich reklamierte. </p>
<p>„Mit Staunen und Ehrfurcht haben wir den &#196;lteren zugesehen, wie sie auf die Barrikaden gingen, die Alten mit ihrer Nazivergangenheit konfrontiert haben und die alte Ordnung auf den Kopf stellten“, erz&#228;hlen Bergmann und Nitsche. Und wie sie sich selbst gemausert haben, von braven Kindern mit Rattenschw&#228;nzen und akkuratem Scheitel, in Karokleidchen, gerippten Strumpfhosen oder dunklen Anzughosen, als die sie zur Einschulung im „Gagern“ von ihren Eltern noch abgelichtet wurden, hin zu rebellischen jungen Leuten, die ihren Protest gegen das Establishment, spie&#223;ige Eltern, autorit&#228;re Schulmeister in &#196;u&#223;erlichkeiten demonstrierten: Mit langen Haaren, ausgefransten Jeans, Gammellook oder abgefahren schrill mit Minirock und hohen Stiefeln unterm langen Wollmantel. </p>
<p>Attribute, die es in Schauk&#228;mpfen im Elternhaus durchzusetzen galt. Manche l&#246;sten das Problem durch ein perfektes Doppelleben, sagt Bergmann: „Sie erschienen in wadenlangen Kleidern, ungeschminkt und mit zusammengebundenen Haaren, um sich kurz darauf in der M&#228;dchen-Toilette im ersten Stock des Lichtturms in angesagte Mini-M&#228;dchen zu verwandeln.“  </p>
<p>Mit dem Aufstieg von der Sexta in die Mittelstufe, wurden Levi´s, Wrangler, Feincord-Jeans, Wildleder-Boots oder Jesus-Latschen, Batik-Shirts und lange, offene Zottelhaare zum Symbol des antib&#252;rgerlichen, rebellischen Lebensgef&#252;hls und der Individualisierung  –  und die Abschaffung des Schulranzens. Hirtentaschen, mit G&#252;rteln zusammengebundene B&#252;cher, selbst Munitionstaschen mit Peace-Button wurden zu Tr&#228;gern f&#252;r die Utensilien humanistischer Bildung, die im Gagern, jenem traditionsverpflichteten, ehemaligen Kaiser-Friedrich-Gymnasium, nach wie vor gro&#223; geschrieben wurde.<br />
 Sch&#252;ler im Spagat zwischen Humanismus, „Bravo“, Aufbegehren und Stricken im Unterricht, zwischen Schulchor, klassischer Musik und Rock, Folk, Blues und Beatschuppen. </p>
<p>Aber es blieb nicht bei &#196;u&#223;erlichkeiten – und zur neuen Musik kam das Politische. W&#228;hrend in Frankfurt die Studenten mit Transparenten demonstrierend durch die Bockenheimer Landstra&#223;e in die Innenstadt und am Gagern vorbei ziehen, im Westend der H&#228;userkampf tobt, kein Wochenende ohne Gro&#223;demo mit Polizeiaufgebot und Wasserwerfereinsatz verstreicht, und die Innenstadt f&#252;r den U-Bahn-Bau als offene Wunde klafft, politisiert sich auch die Sch&#252;lerschaft. „Es war aufregend. Die politisch Wilden der Oberstufe schrieben Flugbl&#228;tter und lie&#223;en sie vom dritten Stock aus auf den Schulhof herunterregnen“, erinnert sich Bergmann. Und die Heranwachsenden sammeln sie gierig auf, reihen sich ein in die Demonstrationsz&#252;ge, versammeln sich zu Teach-Ins und Sit-Ins. </p>
<p>Es war die intensivste Zeit politischer und gesellschaftlicher Auseinandersetzung in ihrem Leben, sagen Bergmann und Nitsche im R&#252;ckblick. Und sie haben Mao, das Kommunistische Manifest, B&#252;cher &#252;ber Che Guevara, Kultautoren wie Grass, Sartre, Enzensberger oder Hochhuth gelesen und diskutiert. „Wir haben die B&#252;cher im Libresso an der Alten Oper erstanden.“ Und sie diskutieren hitzig, ziehen Gr&#228;ben, die sich unter den K&#252;rzeln K-Gruppen versus RCDs oder konservative Sch&#252;lerunion erbitterte Machtk&#228;mpfe liefern. „Durch die Klassen gingen zum Teil tiefe Risse.“ </p>
<p>Aber alle sind engagiert, beseelt von Aufbruchstimmung und einer idealen Vorstellung von Gesellschaft. Nachmittags haben sie sich freiwillig in selbst organisierten Gruppen in der Schule getroffen, sagt Brigitte Bergmann. Sie hat sich in der Antifa-Gruppe engagiert, sich mit der Psychoanalyse Freuds auseinander gesetzt – war gleichzeitig aber auch in den musischen Angeboten der Schule aktiv. Theater, Kunst, Literatur, „das hat mich sehr gepr&#228;gt“. </p>
<p>Auch in der Schule vollzieht sich ein Generationswechsel. Die autorit&#228;ren Eminenzen, die es in den Anfangsjahren noch gibt, werden allm&#228;hlich von jungen Lehrern abgel&#246;st, die eine neue P&#228;dagogik verfolgen. Im Unterricht wird in Arbeitsgruppen diskutiert, ein Lehrer schickt die Gymnasiasten sogar mal zu einer Umfrage &#252;ber Antisemitismus auf die Zeil, die f&#252;r Bergmann, Nitsche und alle Mitsch&#252;ler f&#252;r alle Zeiten „legend&#228;r“ bleiben wird. </p>
<p>Doch nicht alle P&#228;dagogen huldigen derart der neuen Zeit – was nicht ohne Konflikte abgeht: „G&#246;ldner &#246;ffnet mit lautem Knall in der Biologie-Stunde eine Sektflasche und versucht, sie in der Klasse rundgehen zu lassen“, notiert ein Lehrer am 16. 12. 1972 im Klassenbuch. Oder: „Steup verl&#228;sst Physik-Unterricht mit der Begr&#252;ndung gegen&#252;ber Mitsch&#252;lern „Physik stinkt ihm“&#8230;. Oder: Der Unterricht musste am Donnerstag, 1. 2. 1972 fr&#252;her beendet werden, da B. Schilling auf der R&#252;ckenlehne seines Stuhles sa&#223; und laut sang, ungeachtet der Ermahnungen&#8230;“  „Zunehmende Sch&#252;lerrenitenz“, kommentieren das Bergmann und Nitsche. Die Jugendlichen nehmen sich die Freiheit. </p>
<p>Auch das, was beide heute als die negativen Seiten bezeichnen: „Wir haben geraucht wie die Irren.“ Alkohol, Rauschgift – auch das geh&#246;rte zum „Normalbild“ wie das Ur-Mofa Vela-Solex oder Mopeds wie Kreidler und Z&#252;ndapp, die den Freiheitsst&#252;rmern neue Mobilit&#228;t er&#246;ffnen. Bis zum Abi, das eine neue Dekade einl&#228;utet. Erstmals mit Numerus Clausus, Radikalenerlass und der Erkenntnis, dass es auch f&#252;r Akademiker keine Arbeit gibt. Bisweilen ern&#252;chternd, wie Bergmann sagt: „Ich dachte im Studium geht es nun richtig los, aber so intensiv wie wir uns in der Schule auseinandergesetzt und diskutiert haben, war es sp&#228;ter nie mehr.“  <em>Von Anita Strecker</em></p>
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		<title>Die &#8220;Busen-Aktion&#8221; gegen Adorno</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Jan 2011 10:42:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Demo & Protest]]></category>
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		<description><![CDATA[F&#252;r Professor Adorno ist es an diesem 22. April 1969 nicht das erste Mal, dass Studenten seine Vorlesung mit Zwischenrufen st&#246;ren. Doch was dann passiert, ist f&#252;r den Sozialphilosophen ungeheuerlich.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1968_adorno_dpa2.jpg" rel="lightbox[1249]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1968_adorno_dpa2.jpg" alt="Adorno" title="Theodor Adorno am 28. Mai 1968  bei einer Veranstaltung gegen die Notstandsgesetzgebung im HR in Frankfurt / Bild: dpa" class="left" width="150px" height="100px" /></a>&#8220;Ich gebe Ihnen f&#252;nf Minuten Zeit. Entscheiden Sie, ob meine Vorlesung stattfinden soll oder nicht.&#8221; F&#252;r Professor Theodor W. Adorno ist es an diesem 22. April 1969 nicht das erste Mal, dass Studenten seine Vorlesung &#8220;Einf&#252;hrung in das dialektische Denken&#8221; mit Zwischenrufen st&#246;ren &#8211; er ist auch nicht der einzige Hochschullehrer, dem das passiert. <span id="more-1249"></span> In dem Moment, als Adorno seinen Satz beendet hat, treten drei langhaarige, mit Lederjacken bekleidete Studentinnen auf ihn zu. Sie umringen ihn, versuchen ihn zu k&#252;ssen und rei&#223;en sich die Jacken auf: darunter kommen nichts als ihre Br&#252;ste zum Vorschein. Das ist mehr als eine Kampfansage an den 65-J&#228;hrigen. </p>
<p>Die Initiatoren wollen ihren Lehrer dem&#252;tigen. So etwas Ungeheuerliches ist Adorno bisher noch nie passiert. Geschockt greift der Sozialphilosoph seine Aktentasche, h&#228;lt sie sich sch&#252;tzend vors Gesicht und l&#228;uft aus dem H&#246;rsaal. Hinter sich vernimmt er noch das Johlen und Gel&#228;chter einiger Studenten. Es war die letzte Vorlesung, die Adorno gehalten hat, wenige Wochen sp&#228;ter stirbt er an einem Herzinfarkt. Die revoltierenden Studenten m&#252;ssen sich danach den Vorwurf gefallen lassen, Adorno ins Grab gebracht zu haben. </p>
<p>Die &#8220;Busen-Aktion&#8221; gegen Adorno ist Ausdruck einer neuen Entwicklung, wie sie typisch f&#252;r die 70er Jahre werden sollte. Aktionistische Kleingruppen halten das Ruder in der Hand, die breite Mehrheit der Studenten steht nicht mehr &#8211; wie es noch zu Hochzeiten der Bewegung der Fall war &#8211; hinter den Aktionen. Und: Die Revolution frisst ihre Eltern. Die Vertreter der &#8220;Frankfurter Schule&#8221; um Adorno lieferten (unfreiwillig) die theoretische Rechtfertigung f&#252;r den Aufstand der Studenten. Der in den USA lehrende Herbert Marcuse formulierte die Theorie der &#8220;revolution&#228;ren Gegengewalt&#8221;, wonach unterdr&#252;ckte Minderheiten ein Naturrecht auf au&#223;ergesetzlichen Widerstand bes&#228;&#223;en. </p>
<p>Der Ort des studentischen Aufbegehrens sind Stra&#223;en und Pl&#228;tze. Ab 1966 protestieren die Studenten in Berlin, ein Jahr sp&#228;ter auch in Frankfurt gegen den Krieg der USA in Vietnam und gegen die geplante Notstandsgesetzgebung in Deutschland. Nachdem ein Polizist den 26-j&#228;hrigen Studenten Benno Ohnesorg bei einer Demonstration in Berlin t&#246;tet, springt der revolution&#228;re Funke auf fast alle Universit&#228;ten &#252;ber. Der Studentenbewegung gelingt es, Massen zu mobilisieren.</p>
<p>Die schlimmsten Stra&#223;enschlachten mit der Polizei liefern sich die Frankfurter Studenten an Ostern 1968 &#8211; ausgel&#246;st durch das Attentat auf den Studentenf&#252;hrer Rudi Dutschke am Gr&#252;ndonnerstag, 11. April, in Berlin. Am Karfreitag ziehen &#252;ber 2000 Studenten mit wehenden Fahnen und Transparenten in die Mainzer Landstra&#223;e. Dort druckt die Societ&#228;ts-Druckerei eine Teil-Auflage der Bild-Zeitung.</p>
<p>Deren Auslieferung wollen die Protestierenden verhindern. Sie machen die Hetzkampagne des Springer-Blattes f&#252;r den Anschlag auf Dutschke verantwortlich. Die Studenten verbarrikadieren die Eing&#228;nge der Druckerei mit M&#252;lltonnen und Brettern. Die Bild-Zentrale in Hamburg verlangt von der Polizei, die<br />
Auslieferung ihres Blattes durchzusetzen. Die Ordnungsh&#252;ter versuchen, die Demonstranten mit Schlagst&#246;cken zur&#252;ckzutreiben. Diese wehren sich, indem sie Flaschen und Steine werfen. Mehrmals versuchen Verlagsfahrzeuge vergeblich, die Druckerei zu verlassen. Auch den Wasserwerfern der Polizei gelingt es nicht, ihnen den Weg durch die Menge &#8220;freizuspritzen&#8221;. Die Stra&#223;enschlacht dauert bis in die fr&#252;hen Morgenstunden. W&#228;hrend es am Karsamstag ruhig bleibt, kommt es am Ostermontag erneut zu schweren Ausschreitungen. An dem Oster-Wochenende werden &#252;ber 50 Menschen zum Teil schwer verletzt. </p>
<p>Im Jahr 1968 kommt Frankfurt nicht mehr zur Ruhe. In der Nacht zum 4. April 1968 explodieren auf der Zeil in den Kaufh&#228;usern &#8220;M. Schneider&#8221; und &#8220;Kaufhof&#8221; zwei Brands&#228;tze, die hohen Sachschaden anrichten. Bereits einen Tag sp&#228;ter verhaftet die Polizei die 27-j&#228;hrige Studentin Gudrun Ensslin, den 26-j&#228;hrigen Studenten Thorwald Proll und den 24-j&#228;hrigen Journalisten Andreas Baader, alle aus Berlin, sowie den 25-j&#228;hrigen M&#252;nchner Schauspieler Horst S&#246;hnlein. Baader und Ensslin hielten sp&#228;ter das Land als RAF-Terroristen in Atem.  </p>
<p>Gudrun Ensslin sagt w&#228;hrend des Prozesses am 31. Oktober 1968 am Frankfurter Landgericht aus, dass sie keine Menschen gef&#228;hrden, sondern nur Sachen besch&#228;digen wollten: &#8220;Wir taten es aus Protest gegen die Gleichg&#252;ltigkeit, mit der die Menschen dem V&#246;lkermord in Vietnam zusehen.&#8221; Bei dem Prozess ruft der franz&#246;sische Studentenf&#252;hrer Daniel Cohn-Bendit, der aus Frankreich ausgewiesen worden ist, aus dem Publikum: &#8220;Sie geh&#246;ren zu uns.&#8221; </p>
<p>Im Mai 1968 treibt die geplante Verabschiedung der Notstandsgesetze die Studenten auf die Barrikaden. Aus Protest bestreiken Studenten unter F&#252;hrung des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) die Frankfurter Universit&#228;t und verriegeln ab dem 15. Mai die Eing&#228;nge mit Streikposten. Die Universit&#228;t bekommt einen neuen Namen: &#8220;Karl-Marx-Universit&#228;t&#8221;. Das Studentenhaus hei&#223;t nun &#8220;Che Guevara-Haus&#8221;. Jeden Tag h&#228;lt ein Streikkomitee, dem auch der Asta angeh&#246;rt, Teach-ins und Diskussionen ab, druckt Flugbl&#228;tter und organisiert Demonstrationen. Erstmals schlie&#223;en sich Schulen und Betriebe dem Studentenprotest an.</p>
<p>Tags&#252;ber wird auf dem Campus politisiert und auf den Stra&#223;en demonstriert, nachts steigen die Feten im mittlerweile ebenfalls besetzten Rektorat. Etwa ein Dutzend Studenten hat sich um den Schreibtisch von Rektor Walter R&#252;egg ein Nachtlager aufgeschlagen. Die &#8220;Besetzer&#8221; machen es sich mit Bier und<br />
Zigaretten gem&#252;tlich. Im Zimmer des Rektors sto&#223;en die Studenten auf Talare. Unter gro&#223;em Gel&#228;chter ziehen sich einige die Amtstracht an und imitieren die Professoren. Auch vor den Alkohol-Vorr&#228;ten des Rektors machen die Studenten nicht Halt. Als die Besetzer eines Nachts Aktenschr&#228;nke aufbrechen und Pr&#252;fungsakten durchw&#252;hlen, rei&#223;t dem Rektor der Geduldsfaden. Er holt die Polizei zu Hilfe und l&#228;sst die Universit&#228;t nach zwei Wochen Besetzung r&#228;umen. </p>
<p>Nicht alle Antiautorit&#228;ren, wie sich die Aktivisten nennen, verstehen sich als bierernste Revolution&#228;re à la Rudi Dutschke. Sie versuchen mit ihren provokativen Aktionen zwar auch den autorit&#228;ren Charakter des Staates blo&#223;zustellen, wollen aber vor allem Spa&#223; daran haben. </p>
<p>Die Vertreter der ber&#252;chtigten Kommune I oder die so genannten Provos geh&#246;ren dazu. Gef&#252;rchteter Demonstrant ist der Kommunarde Fritz Teufel. Immer wenn er sich in der Stadt aufh&#228;lt, ist im wahrsten Sinne des Wortes der Teufel los. Dies bekommt auch der Besitzer des gutb&#252;rgerlichen Café Laumer auf der Bockenheimer Landstra&#223;e, Helmut Rimbach, am Sonntag, 15. September 1968, zu sp&#252;ren. Er hat den Zorn der Frankfurter Provokateure auf sich gezogen, weil er sich mehrmals weigerte, einige Jugendliche zu bedienen, die sch&#228;big gekleidet ins Café gekommen waren. Nun wollen rund 150 &#8220;Provos&#8221; das Café st&#252;rmen &#8211; in ihrem Gefolge: Fritz Teufel. </p>
<p>Die Demonstranten versuchen mehrmals einzudringen &#8211; die herbeigerufene Polizei kann dies verhindern. Pl&#246;tzlich fliegen Tortenst&#252;cke und Mohrenk&#246;pfe Rimbachscher Produktion auf die Polizisten. Den &#8220;Provos&#8221; ist es gelungen, diese, als Normalb&#252;rger &#8220;verkleidet&#8221;, aus dem Café zu schmuggeln. Der &#8220;Spr&#252;cheklopfer&#8221; Teufel, der sich auf dem Dach eines Schaukastens am Café niedergelassen hat, verhindert, dass die Situation in einer Schl&#228;gerei endet, schreibt der FR am folgenden Tag. Er bringt den Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Rimbach sogar dazu, ihm ein Glas Wasser und ein St&#252;ck Kuchen servieren zu lassen.  </p>
<p>Die Verabschiedung der Notstandsgesetze am 30. Mai 1968 versetzt der Studentenbewegung einen herben Schlag. Die breite au&#223;erparlamentarische Opposition (APO) aus Verb&#228;nden und Initiativen f&#228;llt in sich zusammen. Die Studenten sind mit ihrem Protest wieder auf sich allein gestellt &#8211; l&#228;ngst ist aber auch bei ihnen die Luft raus. Ein harter Kern von Aktivisten bleibt &#252;brig, die immer radikale T&#246;ne anschlagen.  Ihnen gelingt es an der Frankfurter Uni im Wintersemester 1968 / 69 erneut, einen Streik zu inszenieren. Diesmal richtet sich der Protest gegen die Autorit&#228;ten der Universit&#228;t &#8211; auch gegen die eigenen, linken Professoren Habermas und Adorno, die &#8220;B&#252;ttel des autorit&#228;ren Staates&#8221;, wie es in einem Flugblatt hei&#223;t.</p>
<p> Um ihr Ziel, eine demokratische Universit&#228;t, zu erreichen, besetzen einige Studenten das Soziologische Seminar und geben ihm den Namen &#8220;Spartakus Seminar&#8221;. Nachdem Adorno das Soziologische Seminar mit Hilfe der Polizei r&#228;umen l&#228;sst, kehrt noch lange keine Ruhe an der Universit&#228;t ein. Mehrere Monate g&#228;rt es weiter an der Hochschule, bis 1970 der &#8220;revolution&#228;re Kampf&#8221; dort endg&#252;ltig einschl&#228;ft und sich in diverse kommunistische Gruppen und in die Hausbesetzer-Szene verlagert. <em>Von Sabine Demm  </em></p>
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		<title>Wenn der Main &#252;ber die Ufer tritt</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Jan 2011 12:16:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Brände, Seuchen, Katastrophen]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Main]]></category>

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		<description><![CDATA[Beim Jahrtausend-Hochwasser anno 1342 riss der Main die Alte Br&#252;cke weg. Ganz Sachsenhausen stand unter Wasser.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/hochwasser_1909.jpg" rel="lightbox[3536]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/hochwasser_1909-150x150.jpg" alt="" title="Trockenen Fu&#223;es zum Eisernen Steg: Hochwasser 1909 / Bildquelle: altfrankfurt.com" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-3549" /></a>Das erste urkundlich erw&#228;hnte Hochwasser in Frankfurt war wohl auch das verheerendste: Am 1. Februar des Jahres 1306 versammeln sich etliche Frankfurter auf der damaligen Alten Br&#252;cke, um den Main zu bestaunen, den die Schneeschmelze in einen rei&#223;enden Strom verwandelt hat. Viel zu rei&#223;end, wie sich am Abend herausstellt. Die Br&#252;cke &#8211; vermutlich sowohl aus Holz als auch aus Stein erbaut &#8211; ist dem Druck nicht gewachsen und st&#252;rzt ein. Wie viele Frankfurter bei der Katastrophe den Tod finden, dar&#252;ber sind sich die Chroniken uneins.<br />
<span id="more-3536"></span></p>
<blockquote><p>&#8230; ist der Meyn zu Franckfurt von ei&#223; und gew&#228;&#223;er so gros gewesen, da&#223; er die zwen th&#252;rn und den mehrern theil an der br&#252;cken hat hinweg gestosen und ist damaln ein gro&#223; volk von mannen und frawen bei 500 menschen auf der br&#252;kken gestanden, davon sind 10 umbkommen. </p></blockquote>
<p>Ein verheerendes Hochwasser, aber kein unerwartetes. Dass der Main bei Eisschmelze &#252;ber die Ufer zu treten pflegt, daran sind die alten Frankfurter bereits gew&#246;hnt. Das Ungl&#252;ck resultiert wohl mehr aus der Tatsache, dass die Br&#252;ckenbauer gerade erst damit begonnen haben, die Str&#246;me mit Stein zu bezwingen &#8211; die alten Holzkonstruktionen hielten kaum einem z&#252;nftigen Hochwasser stand. Was dann aber nur wenige Jahre sp&#228;ter, genauer am 21. Juli 1342, geschieht, das kommt unerwartet &#8211; und hat sich seitdem in dieser Form nie mehr wiederholt. Am Vorabend des &#8220;Magdalenen-Tages&#8221;, mitten im Sommer, spielt das Wetter v&#246;llig verr&#252;ckt. Sintflutartige Regenf&#228;lle und Sturm lassen den Main aus seinen Ufern treten. Der Pegel steigt auf nie zuvor und danach gekannte H&#246;hen. &#8220;Neun Schuh hoch&#8221;, berichten die Chroniken, steht das Wasser in der Wei&#223;frauenkirche. Ganz Sachsenhausen versinkt im Wasser, die Menschen suchen Schutz auf dem M&#252;hlberg. </p>
<p>Die neu erbaute Br&#252;cke &#8211; stabiler als ihre Vorg&#228;ngerin &#8211; st&#252;rzt in sich zusammen. Auf der Sachsenh&#228;user Mainseite wird der Br&#252;ckenturm nebst Kapelle fortgerissen. Lediglich auf der Frankfurter Seite bleibt die Br&#252;cke in rudiment&#228;ren sechs B&#246;gen stehen. Wie viele Todesopfer die Flut fordert, verschweigen die Chroniken. </p>
<p>Das Wasser sinkt wieder, aber der Schreck ist den Frankfurtern nachhaltig in die Glieder gefahren. Viele Bewohner fasten bei Wasser und Brot. Und noch bis ins Jahre 1527 werden sie jedes Jahr am Magdalenentag mit einer Bittprozession zur Wei&#223;frauenkirche ziehen &#8211; voran die Geistlichen und der Rat der Stadt, dahinter das Volk, alle mit einer Kerze in der Hand:</p>
<blockquote><p>MCCCXLII &#8211; in profesto Magdalene inundavit Moganus et Senatus Populusque Francofurtensis voto me frequentavit &#8211; 1342 &#8211; am Vortage des Festes Magdalenas &#252;berschwemmte der Main die Stadt, und der Rat und die Menschen besuchten mich wie gelobt. </p></blockquote>
<p>Die Br&#252;cke jedenfalls ist hin, und der Kaiser tut, was Politiker eben tun: Er erh&#246;ht die Steuern. Die Br&#252;cke wird neu erbaut, aber f&#252;r jedes Pferd, das sie &#252;berqueren will, zahlt sein Herr vier statt wie zuvor drei Heller. Das allein reicht nicht. 1358 gestattet Kaiser Karl IV. den unbegrenzten Zuzug von Juden in die Stadt &#8211; deren Steuern sollen helfen, die Br&#252;cke in Schuss zu halten. </p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1294928033.jpg" alt="Hochwasser in Frankfurt anno 2011" title="Hochwasser in Frankfurt anno 2011 / Bild: dapd" rel="lightbox[3536]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1294928033-150x150.jpg" alt="Hochwasser in Frankfurt anno 2011"  title="130111FRA442" width="150" height="150" class="right size-thumbnail wp-image-3544" /></a> Hochwasser sucht noch &#246;fter den Main heim. Im Januar 1633 sind erneut einige Todesf&#228;lle zu beklagen. Glimpflicher laufen die extremen Hochwasser der Jahre 1795 und 1845 ab, die dennoch enormen Schaden anrichten. Katastrophal wird es in der Neujahrsnacht 1882: Einsetzendes Tauwetter sorgt f&#252;r eine der schlimmsten &#220;berflutungen und macht der Alten Br&#252;cke endg&#252;ltig den Garaus &#8211; erst drei Jahrzehnte sp&#228;ter wird sie an gleicher Stelle neu gebaut. Nach der gro&#223;en Flut von 1882 wurden Wehre und Schleusen gebaut und der Westhafen errichtet. Die Hochwasser der j&#252;ngeren Vergangenheit &#8211; etwa 1962, 1974, 1982, 1993, 1995, 2003 &#8211; wirken dagegen beinahe harmlos.</p>
<p>Spuren der fr&#252;heren Fluten lassen sich in der Frankfurter Altstadt noch an einigen Stellen entdecken. Am Eisernen Steg vermitteln Hochwassermarken einen Eindruck, wie hoch der Pegel stand. In der Leonhardskirche, der &#228;ltesten Kirche in Frankfurts Innenstadt, ist in einen Pfeiler in verschiedenen Schriften eingraviert, bis wohin das Wasser im Kirchenraum reichte. H&#252;fthoch etwa stand es bei der gro&#223;en Flut von 1682. </p>
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<b>Historische Pegelst&#228;nde: Klicken und mit der Maus &#252;bers Bild fahren!</b></p>
<p>2011 schwappt der Main erneut auf die Uferstra&#223;en. Nach Tau- und Regenwetter steigt der Pegel, D&#228;mme und Sands&#228;cke sch&#252;tzen die Altstadt. Die Marke von 2003 &#8211; 5,19 Meter &#8211; wird jedoch nicht erreicht.</p>
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		<title>Hoch &#252;ber Frankfurt: Die Skyline</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Jan 2011 11:22:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Straßen, Plätze, Bauwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Hochhäuser]]></category>
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		<description><![CDATA[Sie ist das Symbol von "Mainhattan" und Wahrzeichen der Bankenstadt Frankfurt. Entstanden ist die Skyline der zweiten H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/Skyline.jpg" title="Die Skyline von Frankfurt / Bild: dpa" rel="lightbox[1046]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/Skyline-150x150.jpg" alt="Skyline" title="Skyline" width="150" height="150" class="left size-thumbnail wp-image-3511" /></a> Der Boden von Frankfurt muss wohl genau der richtige sein. Sonst k&#246;nnte der Beton hier ja nicht so gut gedeihen und so weit in die H&#246;he wachsen. Aber so gut wie in Chicago oder New York ist er sicherlich nicht. Schlie&#223;lich waren die Frankfurter vor dem Krieg doch recht z&#246;gerlich, als auf der anderen Seite des Atlantiks die ersten T&#252;rme in den Himmel schossen. Und auch wenn heute die h&#246;chsten H&#228;user die Zentralen von Banken sind, war das erste Hochhaus die Zentrale der Gewerkschaft. <span id="more-1046"></span></p>
<p>Statt mit dem Kapital hat also alles mit der Arbeit angefangen, auch wenn sich das Haus doch etwas bescheidener gab. Heute verschwindet es zwischen den Hochh&#228;usern, die die Skyline bilden. Nachdem die Nazis den Bau weiterer Hochh&#228;user verboten hatten &#8211; sie hatten was gegen die &#8220;Hochhausseuche&#8221; -, ging es erst nach dem Krieg weiter. Damals entstand zum Beispiel der Bienenkorb. Das so genannte Haus der Frankfurter Sparkasse an der Konstablerwache war 1954 das erste Hochhaus, dass sich an amerikanischen Vorbildern orientierte. Seinen Namen verdankt es dem damaligen Logo der Fraspa. In den vergangenen Jahren wurde es saniert und durch einen neuen Anbau erg&#228;nzt. </p>
<p>Mit dem Z&#252;rich-Hochhaus, 1957 neben der damals noch zertr&#252;mmerten Alten Oper gebaut, wurde Frankfurt zum Brennpunkt des Hochhausbaus in Deutschland. Mit ihm begann aber auch der Widerstand. Zwischen Bauwut und Immobilienspekulationen mochten sich viele Frankfurter nicht mehr recht zu Hause f&#252;hlen. &#8220;Mainhattan&#8221; wurde als Schm&#228;hwort geboren. </p>
<p>So richtig los ging es mit der heutigen Skyline allerdings erst in den 80er und 90er Jahren. Die Deutsche Bank lie&#223; ihre Zwillingst&#252;rme in den Himmel wachsen. 1993 wurde das Kronenhaus gebaut und ist heute als Hochhaus der DZ-Bank bekannt. Der Ring am Kopf des Hauses erinnert wohl doch niemanden an die kaiserliche Vergangenheit der Stadt. Der Messeturm, heute ein Wahrzeichen der Stadt, war eine Weile lang das h&#246;chste Haus Europas, wurde aber dann schnell von der Commerzbank-Zentrale am Kaiserplatz abgel&#246;st. </p>
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		<title>Vor 111 Jahren: Frankfurt in Aufbruchstimmung</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Dec 2010 15:53:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Michels</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Straßen, Plätze, Bauwerke]]></category>
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		<description><![CDATA[Chronik 1899: Im Jahr des Aufbruchs und des Aufschwungs erfolgte ein Wandel ohne soziale Spannungen.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1880_alte_oper.jpg" title="1880, zur Er&#246;ffnung der Alten Oper, fuhren die Stra&#223;enbahnen in Frankfurt noch mit Pferdest&#228;rke. Zwei Jahrzehnte sp&#228;ter ging diese Zeit zu Ende, die Elektrische kam. / Bildquelle: Wikimedia" rel="lightbox[2152]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1880_alte_oper_th.jpg" alt="Stra&#223;enbahn" class="left"/></a>Vor 111 Jahren, zum Jahreswechsel 1899, hat Frankfurt sich m&#228;chtig breitgemacht. Allenthalben wird, so ist es im &#8220;Frankfurter Jahrbuch 1899&#8243; festgehalten, &#8220;riesiges Terrain parzellirt und sch&#246;n bebauten Stra&#223;en und ger&#228;umigen Pl&#228;tzen und Alleen Raum gegeben&#8221;. Weil die Stra&#223;enbahn seit jenem Jahr elektrisch f&#228;hrt, verschwindet der Pferdemist von den Stra&#223;en. Auch ist &#8220;die Stadt von der Neuverwendung des Holzpflasters abgekommen&#8221;. In &#8220;den verkehrsreichsten Stra&#223;en wird jetzt Stampf-Asphalt angewendet&#8221;. <span id="more-2152"></span><br />
Blau und nur ein bi&#223;chen fleckig hat das in Leinen gebundene Jahrbuch 1899 die mehr als hundert Jahre &#252;berlebt. Der silbrige Frankfurter Adler vor orangerotem Hintergrund leuchtet auf dem Einband links oben ungebrochen. Heinrich Wolf ist der Autor, und als Einstieg in die 232-Seiten-Chronik w&#228;hlt er den ewigg&#252;ltigen Satz: &#8220;Rasch rollt das Rad der Zeit dahin.&#8221;</p>
<p>Damals muss es damit angefangen haben, dass hier die R&#228;der immer ein bisschen schneller laufen als anderswo. Die Stadt hatte sich zur Gr&#246;&#223;e entschlossen. Ziemlich emotionslos listet &#8220;der getreue Chronikenschreiber&#8221; jene Gassen auf, die zugunsten neuer &#8220;Stra&#223;enz&#252;ge, welche zur Erschlie&#223;ung der Altstadt dienen&#8221; sollen, bereits &#8220;von der Bildfl&#228;che verschwunden&#8221; sind. Wo historische und altbekannte Geb&#228;ude wie die H&#228;user &#8220;Zum gro&#223;en Goldstein&#8221;, &#8220;Zum Kalbskopf&#8221;, &#8220;Zum alten Raben&#8221; oder &#8220;Zum heiligen Geist&#8221; abgebrochen wurden, f&#252;hren jetzt Bethmannstra&#223;e oder Stiftstra&#223;e durch.</p>
<p>Das Dorf Bornheim hat die ausufernde Stadt 1877 geschluckt, 1895 war die Stadt Bockenheim dazugekommen. Jetzt bereitet der tatkr&#228;ftige Oberb&#252;rgermeister Franz Adickes die Eingemeindung von Niederrad, Oberrad und Seckbach vor. Hingegen ist die Umgestaltung der R&#246;mer-Fassade im gotischen Stil, &#8220;unter Beth&#228;tigung eines feinen Kunstsinnes, beendigt&#8221;. Kann sein, dass das Schn&#246;rkelkleid f&#252;r das mittelalterliche Ensemble dem einen oder anderen nicht passt: &#8220;M&#246;gen zur Zeit auch noch manchem, der an die n&#252;chternen Drei Giebel gewohnt ist, die Farben etwas zu grell, die Statuen zu g&#252;lden und die Wasserspeier zu unn&#252;tz vorkommen&#8221;, r&#228;umt der Jahrbuch-Chronist ein &#8211; &#8220;ein sp&#228;teres Geschlecht wird dem Meister Dank wissen&#8221;.</p>
<p>Auf dem Weg nach &#8220;Gro&#223;-Frankfurt&#8221;: &#8220;Im Westen und im Norden schreitet die Stadt ohne Rast vorw&#228;rts.&#8221; Die &#8220;neuen Stra&#223;enz&#252;ge s&#252;dlich der Bockenheimer Landstra&#223;e werden schnell bebaut sein&#8221;. Ebenso rasch &#8220;verschwindet der Rothschildsche Acker zwischen Friedberger Landstra&#223;e und Burgstra&#223;e&#8221;. Das Industrie-Viertel an der Galluswarte &#8220;n&#228;hert sich mit Riesenschritten der Gemarkung Griesheim&#8221;. Sachsenhausen hat sich &#8220;durch die gro&#223;artigen Erweiterungen des Schlacht- und Viehofs in &#246;stlicher Richtung bedeutend ausgedehnt&#8221;. Und auch die Forsthaus- und Sandhofstra&#223;e, &#8220;mit den aus der Erde<br />
wachsenden Villen, bieten dem Auge des Beschauers ein Bild kr&#228;ftiger<br />
Fortentwicklung&#8221;.</p>
<p><strong>&#8220;Viele schlimme Elemente&#8221; auf der Zeil</strong></p>
<p>Der gro&#223;e, b&#228;rtige <a href="http://www.frankfurt.frblog.de/franz-adickes">Franz Adickes</a> verstand es eben, so res&#252;miert der Stadthistoriker Wolfgang Kl&#246;tzer, &#8220;Frankfurt auf allen Bereichen weltst&#228;dtisches Flair zu geben&#8221;. Was durchaus auch seine Schattenseiten hatte. Nicht nur, weil mit &#8220;der sogenannten Citybildung&#8221; nach der Bewertung des Historikers Wilfried Forstmann im Herzen der Stadt auch die Verdr&#228;ngung von Bewohnern durch Ladengesch&#228;fte beginnt. Laut Jahrbuch 1899 birgt die werdende Gro&#223;stadt mit ihrer auf eine Viertelmillion Menschen gewachsenen Bewohnerschar &#8220;in ihrem Schoo&#223;e viele schlimme Elemente&#8221;.</p>
<p>Gegen derartige &#8220;verd&#228;chtige Gesellen&#8221;, die sich am liebsten &#8220;in der Neujahrsnacht auf der Zeil und den in dieselbe einm&#252;ndenden Stra&#223;en zum Scandalmachen vereinigen&#8221;, ist zu Beginn des Jahres allerdings entschlossene Vorsorge getroffen: &#8220;Ein starkes Aufgebot von Schutzleuten zu Fu&#223; und zu Pferde hatte unter dem Commando des energischen Polizei-Hauptmanns Gadamer die Zeil besetzt.&#8221;</p>
<p>Doch ist es ein gutes, ein Jahr des Aufbruchs und Aufschwungs, geworden. Chronist Heinrich Wolf registriert &#8220;einen fast zu sehr sich entwickelnden Unternehmungsgeist&#8221;, der sich auch darin zeige, &#8220;da&#223; der Consum in den Artikeln des t&#228;glichen Verbrauchs, in Mehl und Brod, in Fleisch, in Bier und Wein, in Thee und Chocolade, in Conserven und anderen Nahrungs- und Genu&#223;mitteln ein steigender war&#8221;. Da empfiehlt sich im Anzeigenteil des Jahrbuchs das Kaufhaus M. Schneider auf der Zeil f&#252;r &#8220;Seiden-, Manufactur- und Modewaaren&#8221; als &#8220;Reelle und billigste Einkaufsquelle&#8221;. Hoflieferant Wilhelm B&#252;ttel in der gro&#223;en Sandgasse 8, das &#8220;Specialgesch&#228;ft f&#252;r Bureau-Bedarf&#8221;, hat &#8220;Comptoir-Sessel&#8221;, &#8220;Excelsior-Copir-Maschinen&#8221; sowie die &#8220;verschiedensten amerikanischen und deutschen Schreibmachinen&#8221; im &#8220;Verkauf und auf Lager&#8221;. In &#8220;Schellenberg&#8217;s Kaisermagazin&#8221;, &#8220;dem Mittelportale der Hauptpost gegen&#252;ber&#8221;, bekommt der Frankfurter &#8220;aechte Broncen, Gold- und Silberbijouterie&#8221; und findet eine &#8220;permanente Ausstellung completer Musterk&#252;chen&#8221; vor.</p>
<p>Wohl hat Frankfurt sich damals nach der Bewertung von Wolfgang Kl&#246;tzer &#8220;in k&#252;rzester Zeit in einer Weise ver&#228;ndert, wie in keiner Periode je zuvor&#8221;. Doch der Wandel &#8220;vollzog sich im wesentlichen ohne soziale Spannungen&#8221;: Auch die &#8220;in die Stadt str&#246;menden Arbeitswilligen fanden ihr Auskommen&#8221;. Allein bei der Anilinfarbenfabrik Leopold Cassella &#038; Co. sind &#252;ber 2050 Chemiker, Techniker, Kaufleute und Arbeiter besch&#228;ftigt. &#8220;Der Intelligente und Strebsame verstand es wohl&#8221;, so Kl&#246;tzer, &#8220;rasch aufzusteigen.&#8221;</p>
<p><strong>Dr. Ehrlich br&#252;tet in seinem Arbeitszimmer</strong></p>
<p>1899 wird der Commerzienrath Alfred von Neufville zum Pr&#228;sidenten der Handelskammer gew&#228;hlt und l&#246;st dort den Geheimen Commerzienrath Max von Guaita ab. Am Philanthropin nimmt &#8220;im festlich geschm&#252;ckten Turnsaale Director Dr. Hermann Baerwald seinen Abschied&#8221;; zum Nachfolger beruft man &#8220;Herrn Dr. Adler von Berlin&#8221;. Im Berliner Reichstag werden Frankfurt und die Sozialdemokratie weiter von dem &#8220;confessionslosen&#8221; Lithographen Heinrich Wilhelm Schmidt vertreten.</p>
<p>Zuhause ersetzt Dr. Adolf Varrentrapp im &#8220;zweith&#246;chsten Ehrenamt unserer Vaterstadt&#8221; den zweiten B&#252;rgermeister, &#8220;Herrn Dr. Heussenstamm&#8221;, der sich in 19 Jahren Amtszeit besonders &#8220;um die &#220;berleitung der Quellwasserleitung in st&#228;dtischen Besitz verdient&#8221; gemacht hat.</p>
<p>Der Geheimrat Professor Dr. Paul Ehrlich br&#252;tet, von hoch aufgestapelten Arbeitsbl&#228;ttern und Kladden eingerahmt, in seinem Arbeitszimmer am Institut f&#252;r experimentelle Therapie &#252;ber neuen For meln. Richard Strau&#223; dirigiert im &#8220;Museum&#8221; die Urauff&#252;hrung seines &#8220;Ein Heldenleben&#8221; und &#228;u&#223;ert sich sp&#228;ter belu stigt &#252;ber das hiesige Publikum. Die Ballonfliegerin K&#228;thchen Paulus &#252;bt beim Zoo ihre k&#252;hnen Fahrten und kommt bei der &#8220;Wohll&#246;bl. Direction der Farbwerke Hoechst&#8221; um 25 cbm Wasserstoffgas zum Nachf&#252;llen ein. Der Maler Hans Thoma aber zieht, &#8220;dem Rufe seines Landesherrn, dem hochsinnigen Gro&#223;herzog von Baden folgend&#8221;, nach Karlsruhe davon, um dort &#8220;die Stellung eines Galeriedirectors einzunehmen&#8221;.</p>
<p>Frankfurt wird Gro&#223;stadt &#8211; und zeigt sich dabei als eine geschlossene, einige Gesellschaft. Als am 27./28. August 1899 Johann Wolfgang Goethes 150. Geburtstag zu feiern ist, sind &#8220;nicht nur Patricier und B&#252;rgerkreise, nein, auch die Arbeiterschaft&#8221; dabei. Und jeder, so ist es in der Jahreschronik festgehalten, &#8220;wu&#223;te, wen er ehrte, indem er Goethe, dem Culturbringer der ganzen Welt, seine Huldigung darbrachte&#8221;.</p>
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		<title>Pl&#252;nderung der Judengasse</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Dec 2010 19:24:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zeitzeuge</dc:creator>
				<category><![CDATA[17. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Judengasse]]></category>
		<category><![CDATA[Religionen]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>

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		<description><![CDATA[Pl&#252;nderung der Judengassen zu Frankfurt am Main den 22. August 1614. Nach Mittag um 5 Uhr von den Handwerksgesellen angefangen und die ganze Nacht durchkontinuiert, da dann ein B&#252;rger und 2 Juden gar tot blieben, viel aber beiderseits besch&#228;digt worden, bis ihn endlich als sie bis in die H&#228;lfte der Gassen kommen, von der B&#252;rgerschaft [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Pl&#252;nderung der Judengassen zu Frankfurt am Main den 22. August 1614. Nach Mittag um 5 Uhr von den Handwerksgesellen angefangen und die ganze Nacht durchkontinuiert, da dann ein B&#252;rger und 2 Juden gar tot blieben, viel aber beiderseits besch&#228;digt worden, bis ihn endlich als sie bis in die H&#228;lfte der Gassen kommen, von der B&#252;rgerschaft g&#228;nzlich abgewehrt worden.<br />
<em>Beschreibung unter einem zeitgen&#246;ssischen Kupferstich</em></p>
<p>Auszug der Juden den 23. August, da man ihnen das Fischerfeld-Pf&#246;rtlein er&#246;ffnet und sie auf dem Wasser hinauf- und hinunter abfahren lassen, da sind ihrer 1380 Personen, jung und alt, zu der Pforten hinausgegangen, abgez&#228;hlt worden.<br />
<em>Beschreibung unter einem zeitgen&#246;ssischen Kupferstich</em></p>
<p>Einf&#252;hrung der Juden in ihre Gassen, so der Herrn Kaiserl. Kommissarien Aufschutz, mit Pfeifen, Trommeln und fliegenden Fahnen, nach verrichteter Exekution, beneben etlichen reisigen, begleitet hat, allda ihnen ihre St&#228;ttigkeit vorgelesen und die Kaiserl. Wappen an ihre Tore angeschlagen worden. 28. Februar 1616.<br />
<em>Beschreibung unter einem zeitgen&#246;ssischen Kupferstich</em></p>
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		<title>550 Kilometer bis Berlin</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Dec 2010 15:29:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Michels</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Straßen, Plätze, Bauwerke]]></category>

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		<description><![CDATA[Ministerpr&#228;sident Georg August Zinn lie&#223; sich entschuldigen. Doch Frankfurts Oberb&#252;rgermeister Werner Bockelmann war am Nachmittag des 5. Oktober 1958 zur Stelle, um mitten auf der Autobahn, am Frankfurter Kreuz, einem gewissen Willy Brandt aus Verbundenheit zu Berlin die Hand zu reichen. Als fortw&#228;hrendes Zeichen der Solidarit&#228;t mit der zerst&#246;rten, geteilten und abgeschotteten Stadt blieb nach [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ministerpr&#228;sident Georg August Zinn lie&#223; sich entschuldigen. Doch Frankfurts Oberb&#252;rgermeister Werner Bockelmann war am Nachmittag des 5. Oktober 1958 zur Stelle, um mitten auf der Autobahn, am Frankfurter Kreuz, einem gewissen Willy Brandt aus Verbundenheit zu Berlin die Hand zu reichen. <span id="more-3410"></span></p>
<p>Als fortw&#228;hrendes Zeichen der Solidarit&#228;t mit der zerst&#246;rten, geteilten und abgeschotteten Stadt blieb nach dem H&#228;ndedruck ein Kilometerstein mit dem eingemei&#223;elten Berliner B&#228;ren auf dem Gr&#252;nstreifen zwischen den Fahrbahnen zur&#252;ck. Willy Brandt, Berlins Regierender B&#252;rgermeister, war zu &#8220;Berliner Tagen 1958&#8243; in die Stadt gekommen, die sich &#8220;mit den Fahnen Berlins geschm&#252;ckt&#8221; hatte, wie am n&#228;chsten Tag in der Rundschau stand. Nun sollte der Meilenstein an der Autobahn, 550 Kilometer von der fr&#252;heren Reichshauptstadt entfernt, fortan jedem anzeigen, &#8220;dass alle Wege nach Berlin f&#252;hren&#8221;.</p>
<p>Bis 1971, als das Frankfurter Kreuz ausgebaut wurde, blieb das auch so &#8211; und der Stein an seinem Platz. Seitdem, ist zu vermuten, besitzt ihn die Autobahnmeisterei an der Homburger Landstra&#223;e &#8211; freilich, ohne davon etwas zu ahnen. Irgendjemand hatte ihn irgendwann dort vor dem Eingang aufgestellt, glaubt Michael Damm, der das Erinnerungsst&#252;ck auf der Autobahn bei mehrerem Hin- und Herfahren gesucht und jetzt, nach zwei Anl&#228;ufen, in der Autobahnmeisterei gefunden hat.</p>
<p>Michael Damm, der Gastwirt des &#8220;Mampf&#8221; am Sandweg, scheint mit einem Berlin-Gen ausgestattet, das hat er von seinem Vater Ernst Theodor Damm, der sich im &#8220;Bund der Berliner und Freunde Berlins&#8221; engagierte. Damm junior ist der Spur der Berliner-B&#228;ren-Kilometersteine gefolgt; alle 500 Kilometer sollte damals einer gesetzt werden. Frankfurt bekam das 50. Exemplar. Damm will erreichen, dass der Stein vom Frankfurter Kreuz wieder einen Platz bekommt, etwa an der Berliner Stra&#223;e. Deshalb hat er sich auch in der Historie jener Tage schlaugemacht, als in Frankfurts Mitte Berliner Fahnen flatterten.</p>
<p>Bei dem Ortstermin an jenem 5. Oktober 1958 haben die beiden Stadtoberh&#228;upter Willy Brandt und Werner Bockelmann nahe der Abzweigung Kassel die Autobahn ohne Furcht &#252;berquert. Nur ein einziges Autochen kam in dem Moment vorbei, da die Herren sich &#252;ber dem enth&#252;llten Meilenstein die H&#228;nde gaben. Auch st&#246;rte sie kein Verkehrsl&#228;rm bei staatstragenden Erkl&#228;rungen. Willy Brandt zog das Tuch vom Stein und sprach die Worte: &#8220;Ich &#252;bergebe diesen Meilenstein in die Obhut der hessischen Landesregierung in der Hoffnung, dass wir in nicht allzu ferner Zeit in Deutschland ohne Zonengrenze reisen, und in der Gewissheit, dass wir in einem einigen, freien Deutschland leben k&#246;nnen.&#8221; &#8220;Alle Kraftfahrer&#8221;, schloss der Redner, solle die Wegmarke &#8220;an die unselige Spaltung und das Streben nach Wiedervereinigung mahnen.&#8221;</p>
<p>Das Frankfurter Kreuz, wo man sich traf, war erst zwei Jahre zuvor, im September 1956, feierlich dem wachsenden Verkehr &#252;bergeben worden. Da hier ja &#8220;eigentlich die Geburtsstunde der Autobahn geschlagen&#8221; habe, verdiene Frankfurt den 50. Berliner Kilometerstein, betonte bei der Enth&#252;llung im Namen des Berliner Abgeordnetenhauses dessen Pr&#228;sident Willy Henneberg.</p>
<p>Schon seit 1953 markierte die allerbreiteste Stra&#223;e der Innenstadt eine Spur der Verbundenheit mit dem geteilten Berlin, in dessen Osth&#228;lfte gerade der B&#252;rger-Aufstand des 17. Juni niedergeschlagen worden war. Das gab den Anlass, der Autoschneise &#8220;An der Paulskirche&#8221; den Namen Berliner Stra&#223;e zu geben. Genau da, denkt sich Damm, w&#228;re der richtige Ort, um den zwischengelagerten Kilometerstein aufzustellen. Schon ist er<br />
mit dem Auto hingefahren und hat &#8220;mit dem Navi die Entfernung ausgemessen&#8221;. Demnach sind es vom Gr&#252;nstreifen am fr&#252;heren Bundesrechnungshof genau 550 Kilometer bis Berlin. </p>
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		<title>Bahnhofsviertel &#8211; nicht totzukriegen</title>
		<link>http://www.frankfurt.frblog.de/bahnhofsviertel</link>
		<comments>http://www.frankfurt.frblog.de/bahnhofsviertel#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 04 Nov 2010 11:09:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[21. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnhofsviertel]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Rotlichtbezirk]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtteile]]></category>

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		<description><![CDATA[Der  Stadtteil zwischen Westend, Innenstadt, Main, Gutleut und Gallus entstand nach der Er&#246;ffnung des Frankfurter Hauptbahnhofs 1888. Von den Stadtoberen lange vernachl&#228;ssigt, entwickelte er sich &#252;ber die Jahre zum Rotlicht- und Spekulantenbezirk. Das Quartier gilt als multikulturellstes Viertel der Stadt mit starkem Entwicklungsbedarf. Beispiel: die M&#252;nchner Stra&#223;e.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der  Stadtteil zwischen Westend, Innenstadt, Main, Gutleut und Gallus entstand nach der Er&#246;ffnung des Frankfurter Hauptbahnhofs 1888. Von den Stadtoberen lange vernachl&#228;ssigt, entwickelte er sich &#252;ber die Jahre zum Rotlicht- und Spekulantenbezirk. Das Quartier gilt als multikulturellstes Viertel der Stadt mit starkem Entwicklungsbedarf. Beispiel: die M&#252;nchner Stra&#223;e. <span id="more-1021"></span></p>
<p><center><object width="500" height="400"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/p/5C7EA82A2724F9F2&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;autoplay=0"><param name="allowFullScreen" value="true"><param name="allowscriptaccess" value="always"><embed src="http://www.youtube.com/p/5C7EA82A2724F9F2&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;autoplay=0" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="500" height="400"></object> </center>
<p></p>
<p>Die Audio-Slideshow ist Teil einer Multimedia-Serie &#252;ber die M&#252;nchner Stra&#223;e im Frankfurter Bahnhofsviertel, mit der Stephan Morgenstern und Michaela B&#246;hm den dritten Platz des Internationalen Medienpreises Frankfurt 2010 belegten. &#8220;Spiegel TV&#8221; machte vor Jahren eine Reportage &#252;ber Prostitution in Deutschland, die in Frankfurt eine echte Lachnummer war. Denn das Kamerateam fuhr in schier endlosen Schleifen um den ewig gleichen Block mit Bordellen im Bahnhofsviertel. Erw&#252;nschtes Gef&#252;hl offenbar: Ganz Frankfurt ist ein Strich und ein &#252;bler noch dazu. Eine ZDF-Dokusoap versuchte 2004 das Viertel ein bisschen ehrlicher abzulichten. Es blieb bei dem bisschen und bei Portr&#228;ts schriller V&#246;gel. Die Realit&#228;t hat bislang noch niemand fassen k&#246;nnen. Ist auch zugegebenerma&#223;en schwierig. </p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1893_bahnhofsviertel_stadtp.jpg" title="Das Bahnhofsviertel auf einem Stadtplan von 1893 / Bildquelle: Wikimedia Commons" rel="lightbox[1021]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1893_bahnhofsviertel_th.jpg" alt="Bahnhofsviertel 1893" class="left"></a>Es f&#228;ngt beim Namen an: Manche &#252;berh&#246;ren &#8220;Bahnhof&#8221; und sprechen ausschlie&#223;lich vom &#8220;Kaiserviertel&#8221;. Das sind gottlob wenige, und ihre Interessenlage ist durchsichtig kleinb&#252;rgerlich. Eine Luftnummer. Andere verwechseln &#8220;Bahnhofsviertel&#8221; mit &#8220;Bankenviertel&#8221;. Falsch, aber verst&#228;ndlich, denn in den j&#252;ngsten Boomjahren versuchten die Gro&#223;banken dem Viertel immer mehr Raum abzuzwacken, um weitere Glast&#252;rme aufzupflanzen. Ging schief. Schade um die Skyline, Gl&#252;ck f&#252;r das Viertel. Denn alles, was dort heute ist, geh&#246;rt auch historisch da hin. </p>
<p>&#8220;Das&#8221; Gewerbe? Gibt’s schon lange. Logisch, denn Bahnh&#246;fe ziehen Prostitution an. Ausl&#228;nder? Gab es seit 1945 auch immer dort. Nur fragt heute keiner mehr die griechischen K&#252;rschner, die dort ihr Auskommen fanden, wie sie da hinkamen. Schwarzafrikaner, Maghrebiner und Russen, die sich dorthin fl&#252;chteten vor m&#246;rderischen Staatslenkern, w&#252;rde man gern fragen. Ist aber schwer, sie und der Rest der Stadt haben sich sch&#246;n effektiv voneinander abgeschottet. Drogen? Die kamen mit dem Rotlicht. Unweigerlich. Drogen gibt es aber auch &#252;berall sonst in Frankfurt. Und doch bewegt sich was. </p>
<p>Geschickte Projektentwickler &#252;berreden Kaufmann um Kaufmann (so hei&#223;en Ex-Bordelliers im Jargon), ihre Spekulationsobjekte in modernen Wohnraum umwandeln zu lassen. Die Karmeliterschule setzt Integration am besten Punkt an, im Grundschulalter. Und ein paar B&#252;rger suchen den Schulterschluss mit den Einwanderern. Frankfurt ist nicht totzukriegen. Das Bahnhofsviertel sowieso nicht. <em>Von Peter Rutkowski </em></p>
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		<title>Daniel Cohn Bendit: Lustvoll zwischen den Fronten</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Oct 2010 14:47:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Michels</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Cohn-Bendit]]></category>
		<category><![CDATA[Demo & Protest]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Daniel Cohn-Bendit hat das Rentenalter erreicht. Dabei wurde der rote Dany schon vor mehr als 20 Jahren als "Sponti-Opa" bezeichnet.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/cohn_bendit_kombo_dpa.jpg" alt="Daniel Cohn-Bendit" title="Daniel Cohn-Bendit 2004 und 1968 / Bildkombo: dpa" rel="lightbox[3407]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/cohn_bendit_kombo_th.jpg" alt="Daniel Cohn-Bendit" title="Daniel Cohn-Bendit" class="left"></a> Daniel Cohn-Bendit, der rote Dany, hat inzwischen das Rentenalter erreicht: Im April 2010 wurde er 65 Jahre alt. Wohl hat ihn eine gro&#223;e Frankfurter Tageszeitung bereits mit 41 Jahren als &#8221; Sponti-Opa&#8221; bezeichnet. Doch damals wusste jeder: Das Etikett dr&#252;ckte nicht mehr aus als den stillen Wunsch, der Dany m&#246;ge im Palavern und Streiten nicht nachlassen. Aber jetzt ist er 65, der Unruhestifter und Barrikadenk&#228;mpfer von einst. </p>
<p>Die Geschichten, die es  von ihm zu erz&#228;hlen gibt, glaubt einem ja heute keiner mehr. Das Munzinger-Archiv behauptet, jener gewisse rothaarige deutsch-franz&#246;sische Soziologiestudent mit Spitznamen &#8220;Danton&#8221; habe 1968 die Pariser Mai-Unruhen, in deren Verlauf &#8220;nahezu alle franz&#246;sischen Hochschulen in die H&#228;nde der Studenten &#252;bergingen&#8221;, nicht nur angef&#252;hrt, sondern bei einer Kundgebung &#8220;ausgel&#246;st&#8221;. Man verwies ihn im sch&#246;nen Frankreich des Landes &#8211; Frankfurt wurde zu seinem Asyl. <span id="more-3407"></span> Eine denkw&#252;rdige Wendung. Sp&#228;ter wurde behauptet, die Geschichte der Stadt w&#228;re ohne diesen Zuzug anders verlaufen: &#8220;Ohne Daniel Cohn-Bendits virtuose Rhetorik, die er multimedial einzusetzen versteht, w&#228;re jenes fruchtbare intellektuelle Klima, in dem in der Stadt am Main immer wieder heftig &#252;ber Gott, die Welt und die Gesellschaft gestritten und diskutiert wird, kaum denkbar&#8221; (Die Zeit, 14. April 1989). </p>
<p>Immer lustvoll also zwischen den Fronten: Das ging am 22. September 1968 bei einer Demonstration gegen die Friedenspreisverleihung an den Literaten und umstrittenen Pr&#228;sidenten Leopold Senghor auf dem Paulsplatz los. Da hat der &#8220;ehemalige franz&#246;sische Studentenf&#252;hrer&#8221;, so der FR-Bericht, &#8220;ein Absperrgitter &#252;bersprungen&#8221;. Das Foto des elastisch unter der Polizeikette hindurch Tauchenden ist tats&#228;chlich in die Stadtgeschichte eingegangen. &#8220;Aufruhr&#8221; und &#8220;Landfriedensbruch&#8221; hie&#223;en die Delikte, und der Demonstrant wurde zu acht Monaten Gef&#228;ngnis auf Bew&#228;hrung verurteilt. Ob die Zerst&#246;rung von Wohnraum im Westend, der Protest gegen das Franco-Regime in Spanien, der Streit um die &#8220;repressionsfreie Erziehung&#8221; in den Kitas, der Widerstand gegen die Startbahn West auf dem Frankfurter Flughafen: Dieser Agitator war meist mittendrin &#8211; als mutiger, frecher Argumentierer, nicht als Schreihals. Was auch kam, Ideen gingen ihm nicht aus. </p>
<p>Mit dem Einschlagen des parlamentarischen Weges als Mitglied der Gr&#252;nen (ab 1984) ist dieses Leben gesetzter geworden, man konnte den Widersetzlichen nun auch vom &#8220;Verlust der Utopie&#8221; reden h&#246;ren. Der Streitlust tat das keinen Abbruch &#8211; &#252;ber die Kandidatur zum Frankfurter OB (1986) und dann die langj&#228;hrige Arbeit als Frankfurter Stadtrat (ab 1989) hinaus. &#8220;Der ehemalige Studentenf&#252;hrer bekleidet ein &#246;ffentliches Amt&#8221; &#8211; das war Schlagzeilen wert. Und w&#228;hrend das Wort Ausl&#228;nderhass mit der Vereinigung der beiden Deutschl&#228;nder auf einmal gang und g&#228;be war, baute Cohn-Bendit mit dem Amt f&#252;r multikulturelle Angelegenheiten eine Bastion gegen Rassismus auf. Bald darauf konnte man den Dany als sp&#228;ten Vater mit seinem Sohn Bela im Korb gut gelaunt durch die Stadt radeln sehen. Ein &#8220;hochwohll&#246;blicher Europa-Abgeordneter&#8221; , frotzelte sein Freund Joschka Fischer in der taz zum 50. Geburtstag, ist er geworden, Vollzeit seit 1997. An seiner Verbundenheit mit Frankfurt hat die Arbeit in Stra&#223;burg und Br&#252;ssel nichts ge&#228;ndert: &#8220;Ich lebe weiter hier,&#8221; sichert er zu, &#8221; denn ich lebe immer da, wo ich verliebt bin.&#8221;</p>
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		<title>Die Rettung des H&#246;chster Schlosses</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Sep 2010 08:26:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fred Kickhefel</dc:creator>
				<category><![CDATA[17. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Höchst]]></category>
		<category><![CDATA[Kriege & Besatzung]]></category>
		<category><![CDATA[Dreißigjähriger Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Höchster Schloss]]></category>
		<category><![CDATA[Tilly]]></category>
		<category><![CDATA[Zuckschwerdt]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Stadtteil H&#246;chst erinnert bis heute eine Stra&#223;e an einen Hauptmann, der im Drei&#223;igj&#228;hrigen Krieg das Alte Schloss gerettet haben soll.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/800px-H&#246;chster_Schlo&#223;.jpg" title="H&#246;chster Schloss / Bild: Eva Kr&#246;cher, Wikimedia, Lizenz: GNU" rel="lightbox"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/800px-H&#246;chster_Schlo&#223;-150x150.jpg" alt="" title="H&#246;chster Schloss" width="150" height="150" class="left" hspace="5"/></a>Die Schlacht bei H&#246;chst am 20. Juni 1622: Eines der vielen &#8220;Treffen&#8221; des Drei&#223;igj&#228;hrigen Krieges. Wie andernorts spielte auch hier der kaiserliche Feldherr Tilly eine entscheidende Rolle. Der aus Brabant stammende Johann Tserclaes (ab 1623 Graf von) Tilly war seit 1620 Generalleutnant der katholischen Liga. Auf die Nachricht, dass einer der protestantischen Feinde, Herzog Christian von Braunschweig, sich mit 20.000 Mann Fu&#223;volk und 6000 Berittenen auf H&#246;chst zu bewegte, um sich hier mit anderen protestantischen Truppen zur Eroberung der Pfalz zu vereinen, setzte sich Tilly sofort mit seinem Heer in Marsch. Am 18. Juni stand er bereits zwischen Hanau und Frankfurt. <span id="more-3302"></span></p>
<p>Eine Vorhut des Braunschweigers unter Oberst von Kniephausen hatte das katholische H&#246;chst nach mehreren vergeblichen Versuchen durch den Beschuss mit zwei Kanonen zur &#220;bergabe gezwungen &#8211; nachdem ein Teil der H&#246;chster Verteidiger und Bev&#246;lkerung nach Frankfurt geflohen war. Woraufhin sich seine Soldaten ihrer Lieblingsbesch&#228;ftigung hingegeben hatten: dem Pl&#252;ndern. </p>
<p>Nun war auch die Hauptmacht der Braunschweiger aufmarschiert und hatte eine notd&#252;rftig befestigte Verteidigungsstellung von H&#246;chst &#252;ber Sossenheim bis Sulzbach errichtet. Zuvor lie&#223; Herzog Christian die D&#246;rfer Oberursel, Eschborn, Nied und Sulzbach anz&#252;nden, um den Kaiserlichen dort keine Stellungen zu bieten. Nicht dumm gedacht, so sollte sich herausstellen, war auch der Bau einer Notbr&#252;cke &#252;ber den Main oberhalb von H&#246;chst &#8211; als R&#252;ckzugsm&#246;glichkeit. Das Material daf&#252;r hatte &#252;brigens, nach einigem Bedenken, das neutrale Frankfurt geliefert. </p>
<p>Um 10 Uhr des Morgens an jenem 20. Juni 1622 begann die Schlacht bei H&#246;chst &#8211; die nicht mehr als drei Stunden dauern sollte. Dann n&#228;mlich zog Christian, der sich bald auf eine verkleinerte Stellung direkt vor H&#246;chst hatte zur&#252;ckziehen m&#252;ssen, endg&#252;ltig die Konsequenz aus der zahlenm&#228;&#223;igen Unterlegenheit seiner Truppen; zudem konnte er den 18 kaiserlichen Kanonen nur drei eigene entgegenstellen.</p>
<p>So befahl er den R&#252;ckzug &#252;ber die Br&#252;cke, was freilich in eine Massenflucht m&#252;ndete. Die Folge: Das Provisorium brach zusammen. Nach zeitgen&#246;ssischen Schilderungen sollen an diesem Tag mehr braunschweigische Soldaten im Main ertrunken als gefallen sein. Zur&#252;ck blieb ein braunschweigisches Kontingent von rund 300 (anderen Quellen zufolge 400) Mann, das sich im H&#246;chster Schloss verschanzt hatte. </p>
<p>Tilly versprach ihnen freien Abzug, worauf sie sich ergaben. Doch selbst auf das Wort eines katholischen Generals konnte man sich damals offenbar nicht verlassen: Tilly hat gewissen, freilich nicht belegten &#220;berlieferungen zufolge die Braunschweiger auf einem bald als &#8220;Blutacker&#8221; bekannten Feld &#8220;niedermachen&#8221; lassen. Konsequenterweise wurde hier sp&#228;ter der H&#246;chster Schlachthof gebaut. </p>
<p>H&#246;chst war eine politisch nicht unbedeutende Schlacht, aber keine der ganz gro&#223;en des Drei&#223;igj&#228;hrigen Krieges. F&#252;r die H&#246;chster bedeutete sie nicht das Ende der Entbehrungen dieser furchtbaren Zeit. Protestanten und Katholische wechselten sich noch mehrfach als Besatzer ab. So sollte denn im November 1631 auch ein gewisser K&#246;nig Gustav II. Adolf von Schweden mit 20.000 Mann vor der T&#252;r stehen &#8211; worauf man ihn kampflos einlie&#223;. Er hatte den inzwischen zum Generalissimus bef&#246;rderten gichtbr&#252;chigen, 72-j&#228;hrigen Tilly am 17. September bei Breitenfeld in Sachsen geschlagen. </p>
<p>Nach dem &#8220;Befreier&#8221; Tilly hat man im heutigen Stadtteil Nied ein Str&#228;&#223;chen genannt, das b&#246;sartigerweise zum Schwedenpfad f&#252;hrt. Eine gr&#246;&#223;ere, zentrale Stra&#223;e aber haben die H&#246;chster einem jungen Hauptmann im Dienste Christian von Braunschweigs gewidmet. Dem n&#228;mlich hatte dieser angeblich den Befehl gegeben, vor dem R&#252;ckzug das H&#246;chster Schloss niederzubrennen, auf dass es den Kaiserlichen nicht in die H&#228;nde falle. Der mitf&#252;hlende Offizier f&#252;hrte den Befehl nicht aus &#8211; was ihn bei seinem Boss ziemlich in Verschiss gebracht haben soll. Die H&#246;chster freilich feierten ihn als Helden und verliehen ihm das B&#252;rgerrecht. Er heiratete die Tochter eines angesehenen B&#252;rgers und lebte dort gl&#252;cklich bis an sein Lebensende.  Sein Name: Hauptmann Zuckschwerdt.</p>
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		<title>Knigge benimmt sich daneben</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Sep 2010 08:27:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[18. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Freimaurer]]></category>
		<category><![CDATA[Illuminaten]]></category>
		<category><![CDATA[Knigge]]></category>

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		<description><![CDATA[Man kennt ihn als Meister der Etikette - dabei benahm sich Freiherr von Knigge oft genug daneben. In seiner Frankfurter Zeit gediehen  die Illuminaten am Main unter seiner  Regie pr&#228;chtig.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1780_knigge_dpa.jpg" title="Freiherr von Knigge / Bild: dpa" rel="lightbox[89]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1780_knigge_th.jpg" alt="" class="left"/></a>Man kennt ihn als Meister der Etikette &#8211; dabei benahm sich Freiherr von Knigge oft genug daneben. In seiner Frankfurter Zeit &#8211; zwei Jahre lebte Knigge an der Bockenheimer Warte &#8211;  gediehen  die Illuminaten unter seiner  Regie pr&#228;chtig.  Ein rechter Lausbub muss er ja schon gewesen sein. Steckte, so berichten zeitgen&#246;ssische Anekdoten, den Hofdamen Ohrenzwicker in die Hochfrisuren, verriet auf Maskenb&#228;llen die Identit&#228;t verkleideter Grafen, indem er ihnen Namenszettel auf den R&#252;cken heftete &#8211; und auch ansonsten machte der junge Freiherr um keinen Schabernack einen Bogen. <span id="more-89"></span></p>
<p>Ein blo&#223;er Hanswurst war er deswegen nicht. In seinen Schriften begeisterte er sich leidenschaftlich f&#252;r die Ideale der Franz&#246;sischen Revolution &#8211; was den feudalen Herren, bei denen er in Lohn und Brot stand, gar nicht schmeckte. Und auch sein Faible f&#252;r Geheimb&#252;nde pflegte er artig: Ob Freimaurer oder Illuminaten, der Freiherr war stets mittenmang. Nur eines w&#228;re ihm vermutlich v&#246;llig gleich gewesen: Wenn sein Tischnachbar die Forelle mit dem Messer tranchiert und nebenbei eine Karaffe Rotwein in sich hinein gesch&#252;ttet h&#228;tte. Das sollte man heute gar nicht mehr denken vom alten Adolf Franz Friedrich Freiherr von Knigge.</p>
<p>&#8220;Alle deutschen Demokratennester sind der Widerhall Kniggescher Grunds&#228;tze, und Knigge ist der Widerhall der ganzen deutschen Aufkl&#228;rungspropaganda&#8221;, klagte Johann Georg Zimmermann, Leibarzt Friedrichs des Gro&#223;en und einer von vielen Gesinnungs-Untertanen, auf die der freche Freiherr so angenehm wirkte wie ein Kr&#228;uter-Einlauf. &#8220;Man beklatscht den Volksaufwiegler Knigge wegen der unz&#228;hlbaren Pasquillen, die er des lieben Brodes willen schrieb.&#8221; Wohl wahr, Knigge, Jahrgang 1751, schrieb viel &#8211; Theaterst&#252;cke, Reisebeschreibungen, Romane, politische, p&#228;dagogische und sp&#246;ttische Traktate &#8211; und nicht alles, was er verfasste, hat sich im literarischen Olymp etabliert. Aber seinerzeit, Ende des 18. Jahrhunderts, war der schreibende Adelsspross ein durchaus erfolgreicher Autor. </p>
<p>Reich werden konnte man damals damit nicht. Seit dem 14. Jahrhundert hatte die Knigges &#8211; &#8220;Herren auf Bredenbeck und Pattensen&#8221; &#8211; den Landstrich s&#252;dlich von Hannover als Guts- und Gerichtsherren regiert. Adolfs Vater schien den Gen&#252;ssen des weltlichen Lebens keinesfalls abhold und war gewiss kein Sparbr&#246;tchen: Als Adolf jedenfalls 1766 sein Erbe h&#228;tte antreten k&#246;nnen, befand es sich bereits in der Hand der Gl&#228;ubiger. Dem sp&#228;ter erfolgreichen Autor war es Zeit seines Lebens nicht verg&#246;nnt, den Familienbesitz wieder zur&#252;ckkaufen zu k&#246;nnen.</p>
<p>Dennoch verlief die Karriere des jungen Knigge leidlich: Nach Jura-Studium in G&#246;ttingen tummelte sich Adolf recht bald am Hofe des Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Kassel. Das passte nat&#252;rlich wie die Faust aufs Auge: Hier der verarmte Adelige mit Revoluzzer-Fantasien und Faible f&#252;r die Menschenrechte, dort der Kasseler Potentat, der f&#252;r gutes Geld seine Landeskinder an den K&#246;nig von England verh&#246;kerte, der die Hessen gegen die abtr&#252;nnigen amerikanischen Provinzen ins Feld schickte. Adolf lebte sich trotzdem gut bei Hofe ein, begann ein Techtelmechtel mit der Kusine des Landgrafen und war ob seiner scharfen Zunge und seines wachen Geistes durchaus beliebt.</p>
<p>Seine unselige Leidenschaft, die Leute auf die Schippe zu nehmen, brachte ihn wider Willen unter die Haube. Henriette von Baumbach &#8211; weder besonders sch&#246;n noch besonders helle, aber immerhin Hofdame &#8211; war offenbar bevorzugte Zielscheibe von Knigges Spott. Landgr&#228;fin Phillipine, die Henriette sch&#228;tzte, r&#228;chte sich aufs Furchtbarste: Sie gab, da Knigge ja ganz offenkundig die Gesellschaft der Baumbacherin sch&#228;tzte, recht einseitig die Verlobung bekannt &#8211; eine Zwickm&#252;hle, aus der sich der spottlustige Freiherr nicht mehr retten konnte. Die Ehe, aus der seine einzige Tochter Philippine (geboren 1775) stammt, hielt erwartungsgem&#228;&#223; nicht ewig, und seine schlechte Meinung &#252;ber den Bund f&#252;rs Leben muss Knigge wohl in dieser Zeit verfestigt haben: &#8220;Es ist ein Stand der schwersten Sklaverei, ein Seufzen unter den eisernen Fesseln der Notwendigkeit, ohne Hoffnung einer anderen Erl&#246;sung, als wenn der d&#252;rre Knochenmann mit seiner Sense dem Unwesen ein Ende macht.&#8221;  Von Amors Pfeilen und seinen Opfern hielt der Zwangsverm&#228;hlte nicht mehr viel: Verliebte, giftete er, &#8220;sind, so wenig als andere Betrunkene, zur Gesellschaft geschickt&#8221;.</p>
<p>Beruflich lief’s auch nicht gl&#228;nzend &#8211; obwohl Knigge bereits in Kassel die N&#228;he der kurf&#252;rstlich protegierten Loge &#8220;Zum gekr&#246;nten L&#246;wen&#8221; sucht. Er hofft, seine neuen Freunde k&#246;nnten ihm bei Erlangung der Promotion behilflich sein. Ein Irrglaube: Geholfen wird dort nur gegen Bares, das hat Knigge nicht, und er wandert entt&#228;uscht gen Hanau.</p>
<p>Hier erwartet ihn eine Anstellung als &#8220;inoffizieller Maître de Plaisir&#8221; am Hofe des Erbprinzen Wilhelm &#8211; und die Freimaurerloge &#8220;Ritter vom wei&#223;en Schwan&#8221;. Die protegieren ihre Logenbr&#252;der zwar honorarfrei, sind aber leider ein Haufen mystischer Schw&#228;rmer, die sich mit den angeblichen Traditionen der Templer dicke tun und die Freimaurerei als Privileg des Adels betrachten. Nichts f&#252;r Knigge.</p>
<p>Ihn zieht es jetzt nach Frankfurt &#8211; und zur Loge &#8220;Zur Einigkeit&#8221;. 1780 bezieht er ein Gartenh&#228;uschen an der Bockenheimer Warte. Seiner mystischen Ader tut die Mainluft gut: Knigge schlie&#223;t sich dem bayerischen Illuminaten-Orden an und schreibt dessen Chef Adam Wei&#223;haupt regelm&#228;&#223;ig Briefe &#252;ber den Zustand der Frankfurter Freimaurerei. Die Illuminaten gedeihen am Main unter Knigges Regie pr&#228;chtig: In den Mitgliedslisten findet sich neben jeder Menge Hochadel und Geistlichkeit auch der unvermeidliche Geheimrat Goethe. Ob er am Aufbau eines hessischen Illuminaten-Ordens arbeitet oder, wie oft vermutet, auf eine Vereinigung von Freimaurerei und Illumination hofft (die schlie&#223;lich beide auf dem Geist der Aufkl&#228;rung basieren), bleibt unklar. </p>
<p>Jedenfalls geht’s daneben. Seiner Karriere &#8211; Knigge lebt mittlerweile von der Schriftstellerei &#8211; bringt weder der eine noch der andere Orden neuen Schub. Knigge kehrt beidem den R&#252;cken. Den Geruch von Geheimb&#252;ndnerei und Jakobinertum wird er Zeit seines Lebens nicht mehr los. Frankfurt, das er 1782 verl&#228;sst, beh&#228;lt Knigge in nicht allzu guter Erinnerung. Unter den deutschen Reichsst&#228;dten, giftet er im Nachhinein, bef&#228;nde sich eine, die ma&#223;los &#252;bersch&#228;tzt werde. Und die schon damals kein tolles Pflaster war f&#252;r einen chronisch Klammen: &#8220;Wehe dem Manne, der bei einem Frankfurter Kaufmann Verbindlichkeiten haben sollte.&#8221; </p>
<p>So vergessen die Zeit des Wirkens des Freiherrn in Frankfurt ist, so unvergessen ist sein Lebenswerk &#8211; wenn auch brutal entstellt. Sein Hauptwerk &#8211; 1788 erschienen &#8211; gilt heute noch als Benimm-Fibel und Religions-Substitut f&#252;r Gouvernanten. Was Bl&#246;dsinn ist. Es ist eher ein philosophischer Exkurs &#252;ber das Verhalten der Menschen untereinander &#8211; unabh&#228;ngig von gesellschaftlichem Stand und Bildung. Das Buch wurde vielfach umgeschrieben, verf&#228;lscht, verw&#228;ssert von Post-Autoren, die Benimm mit Etikette verwechselten.</p>
<p>So verf&#228;lschend wie sein heutiger Ruf ist auch ein bis heute kursierender Witz &#252;ber Knigges Tod: Der Freiherr geht mit einem Schiff unter und wird von einem hungrigen Hai angegriffen, dessen Knigge sich mit einem Dolch erwehrt. Der Hai, in die Enge getrieben, rettet sich durch Lebensart: &#8220;Aber Herr Knigge! Fisch mit dem Messer?&#8221; </p>
<p>In Wahrheit gab Knigge 1796 &#8211; nach langer Krankheit und als Jakobiner-Freund allerlei Anfeindungen ausgesetzt &#8211; den L&#246;ffel ab. &#8220;Unerm&#252;det gei&#223;elte er Toren und Affen, wo er sie fand&#8221;, schreibt sein Freund Friedrich Rebmann, obwohl das &#8220;Heer der Pinsel und Buben ihn, wie jeden rechtlichen Mann, umso heftiger verfolgte, da diese elenden Pygm&#228;en vor dem Talente und dem unersch&#246;pflichen Witze des guten Knigge zu beben Ursache hatten&#8221;. <em>Von Stefan Behr</em></p>
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		<title>&#8220;Wenn Ihr wollt, bleibe ich&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Sep 2010 17:26:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Michels</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Max Beckmann]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurter Hof]]></category>
		<category><![CDATA[Hauptbahnhof]]></category>

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		<description><![CDATA[Max Beckmann kam 1915 als nervliches Wrack an den Main. In Frankfurt erholte sich der Maler vom Krieg - und schuf einige der ber&#252;hmtesten Stadtansichten.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Ja, ja, ich bin’s. Wenn Ihr wollt, bleibe ich bei Euch.&#8221; Das war im Herbst  1915 der erste Satz von Max Beckmann in Frankfurt, als er sich zum Bleiben entschlossen hatte. Es waren Kriegszeiten, der 31-J&#228;hrige fl&#252;chtete sich nach dem Sanit&#228;tsdienst an der Front als &#8220;kl&#228;gliches Nervenb&#252;ndel&#8221; zu seinem Freund und Kollegen Ugi Battenberg. Was er erlebt hatte, &#8220;der wilde Wahnsinn dieses Riesenmordens&#8221;, verfolgte ihn in Alptr&#228;umen und spiegelte sich in seiner Kunst. <span id="more-3064"></span></p>
<p>In dem alten Haus Schweizer Stra&#223;e 3, direkt gegen&#252;ber dem Filmmuseum, zog Beckmann unters Dach. Er sollte &#8220;das Atelier bis Ende 1932 volle 17 Jahre lang behalten&#8221;, schreibt sein Biograf Dieter Rebentisch, der vormalige Direktor des Instituts f&#252;r Stadtgeschichte. Denn Freund Battenberg,  selber Maler, trat gegen&#252;ber dem bereits mit Kunstpreisen Ausgezeichneten  zur&#252;ck: &#8220;Wissen Sie, f&#252;r mich war dann gar kein Platz mehr.&#8221; </p>
<p>Beckmann trieb Studien f&#252;r seine Gem&#228;lde auf Streifz&#252;gen durch die Stadt, im  Hauptbahnhof und an der Bar des Hotels Frankfurter Hof: &#8220;Das war das  lebendige Theater, die gratis laufende Materialsammlung&#8221;, erz&#228;hlte seine  Enkelin Mayen Beckmann, als sie einmal auf Frankfurt-Besuch war. Und doch spielen Menschen in seinen Stadtlandschaften die geringste Rolle.  Zeitgen&#246;ssische Kritiker sehen in den Bildern die Stadt &#8220;wie eingefroren&#8221;.</p>
<p>1925 hat der Magistrat Max Beckmann an die damals st&#228;dtische Kunstschule  berufen. Eine &#8220;Deputation f&#252;r Wissenschaft, Kunst und Volksbildung&#8221; hatte gewarnt: &#8220;Es besteht ernstliche Gefahr, dass Frankfurt diesen K&#252;nstler verliert, wenn es nicht gelingt, ihn durch einen Vertrag f&#252;r l&#228;ngere Zeit an die Stadt zu fesseln.&#8221; Darauf rechnete sich Beckmann &#8220;ein Ministereinkommen&#8221; aus. </p>
<p>Als wortkarger Lehrer, der unregelm&#228;&#223;ig anwesend war, wird der K&#252;nstler von seinen Sch&#252;lern beschrieben: &#8220;Man musste froh sein, im Bannkreis eines gro&#223;en Malers zu sein, und war sich der eigenen Kleinheit wohl bewusst.&#8221; Im Haus Untermainkai 3, am &#8220;Freitagstisch&#8221; des Verlegers der Frankfurter Zeitung, erschien er &#8220;in Abst&#228;nden&#8221;, wie Teilnehmern beschrieben; auch sei dort &#8220;viel F&#246;rderliches f&#252;r ihn geschehen&#8221;. </p>
<p>Doch als Anfang 1933 der von den Nazi-Machthabern eingesetzte Direktor der Kunstschule mit der &#8220;S&#228;uberung von undeutschen Elementen&#8221; begann, musste auch Beckmann das Haus &#8220;ohne Mitnahme seiner pers&#246;nlichen Habe verlassen&#8221;, wie Chronist G&#252;nter Vogt schreibt. Der K&#252;nstler zog nach Berlin, dann ins Exil, und hat &#8220;das liebe Frankfurt&#8221; nie wiedergesehen. Er starb 1950 in New York.</p>
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		<title>Rhaban Fr&#246;hlich &#8211; M&#246;nch mit legend&#228;ren Wutausbr&#252;chen</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Sep 2010 13:47:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Rhaban Fröhlich]]></category>

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		<description><![CDATA[Barmherzigkeit war f&#252;r Pfarrer Rhaban Fr&#246;hlich keine Sonntagsfloskel. Unter Obdachlosen ging das Wort um: "Geh' zu dem Eschersheimer, bei dem kriegste bestimmt was!" Ein frommes L&#228;mmchen war der Geistliche aber nicht.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;O Glaubensbr&#252;der, helfet! Helfet uns bauen eine hochgeweihte Gebetsst&#228;tte in Eschersheim, damit das Messgl&#246;cklein nach vierhundertj&#228;hrigem Schweigen zu klingeln anf&#228;ngt.&#8221; Diese pathetischen Worte des &#8220;Jubelpriesters&#8221; Rhaban Fr&#246;hlich gingen 1906 um die Welt. <span id="more-296"></span> Kaum hatte der junge Priester die Vikariatsstelle f&#252;r Ginnheim und Eschersheim angetreten, schon wollte er in seiner neuen Gemeinde ein Gotteshaus errichten. Eine Gemeinde ohne Kirche &#8211; das konnte sich Pfarrer Fr&#246;hlich nicht vorstellen. Und so schrieb er Katholiken in aller Welt an, bat, bettelte &#8211; und war erfolgreich: In der Urkunde, die bei der Grundsteinlegung der St.-Josephs-Kirche 1911 eingemauert wurde, hei&#223;t es: &#8220;Der Missionspfarrer Rhaban Fr&#246;hlich beschaffte innerhalb vier Jahren den Baufond durch fortgesetzte Sammlungen in Deutschland, &#214;sterreich, Amerika, Russland, Schweden und China.&#8221; Und das alles, ohne auch nur einen einzigen Pfennig staatlicher Gelder in Anspruch genommen zu haben.</p>
<p>Doch es war nicht nur das Engagement f&#252;r St. Joseph, das den 1872 in Oberaschenbach geborenen Priester zu einem der beliebtesten Repr&#228;sentanten seines Amtes in Frankfurt machte. Das Wort Barmherzigkeit war f&#252;r ihn keine Sonntagsfloskel, sondern grundlegender Bestandteil seiner Religion. Wenn Geld da war, wurde es auch verteilt. Das wussten beispielsweise auch die Frankfurter Landstreicher, unter ihnen ging das Wort um: &#8220;Geh&#8217; zu dem Eschersheimer, bei dem kriegste bestimmt was!&#8221;</p>
<p>Die Grenze seiner Gemeinde bedeutete f&#252;r Fr&#246;hlich wiederum nicht gleichzeitig die Grenze seines Engagements: Von 1913 bis 1919 war er Milit&#228;rseelsorger, und auch f&#252;r die Mitarbeit in der st&#228;dtischen Sozialf&#252;rsorge fand er immer wieder Zeit. Genauso wie f&#252;r das Gespr&#228;ch mit der evangelischen Gemeinde und ihrem Pfarrer. Lange bevor das Wort &#214;kumene in Mode gekommen war, lebte sie der Eschersheimer Geistliche bereits vor: &#8220;Ein wirklicher Vater seiner Gemeinde, offen f&#252;r jeden, ob Jud&#8217; oder Heid&#8217; oder Hottentott&#8217;&#8221;, wie er sich selbst ausdr&#252;ckte.</p>
<p>Ein frommes L&#228;mmchen war Rhaban Fr&#246;hlich jedoch nicht. Er war ein Mensch, der richtig w&#252;tend werden konnte, wenn es darauf ankam, und der es nicht unbedingt vermied, sich mit seinen Oberen &#8211; ob kirchlich oder staatlich &#8211; anzulegen. Seine Wutausbr&#252;che waren ber&#252;chtigt, von der Kanzel aus wurde immer Tacheles geredet. Allerdings nicht ohne ein vers&#246;hnliches Ende zu finden: &#8220;Auf der Kanzel ein L&#246;we&#8221;, schrie er manchmal mit geballten F&#228;usten, und dann setzte er ganz leise und leicht l&#228;chelnd hinzu: &#8220;Und im Beichtstuhl ein Lamm.&#8221;</p>
<p>Als seine bis dahin zum Bistum Fulda geh&#246;rige Gemeinde 1929 dem Bistum Limburg angegliedert wurde, schien dies dem 1900 in Fulda geweihten Priester geradezu ein Abfall vom rechten Glauben. &#8220;Das Beste an den Limburgern ist noch ihr K&#228;se &#8211; und der ist noch nicht einmal von da&#8221;, fasste der Geistliche seine Meinung &#252;ber seinen neuen Arbeitgeber zusammen. Dass er weiterhin die Hirtenbriefe aus Fulda und nicht die aus Limburg vorlas, versteht sich fast schon von selbst. Lediglich am Ende f&#252;gte der gewitzte Pfarrer hinzu: &#8220;Aus dem Hirtenbrief des Bischofs von Limburg lese ich nur den wichtigsten Satz vor: Es segne euch der allm&#228;chtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.&#8221;</p>
<p>Ein Widerstandsk&#228;mpfer war Rhaban Fr&#246;hlich nicht, aber er hat seine Gemeinde aufgefordert, mutig zum eigenen Glauben zu stehen, und in seinen Predigten von 1933 bis 1945 keinen Zweifel daran gelassen, was er von den nationalsozialistischen Machthabern hielt. In dieser Zeit, in der die Presse fest in Nazihand war, beschimpfte er die braunen Journalisten, wobei &#8220;Schmierfinken&#8221; noch eine der harmlosen Bezeichnungen war, mit denen er sie belegte. Um jedoch keine Angriffsfl&#228;chen zu bieten, schloss der Priester seine Schimpftiraden mit den Worten ab: &#8220;Ich meine nat&#252;rlich die Kommunisten.&#8221;</p>
<p>47 Jahre stand der arbeitsw&#252;tige, &#8220;dicksch&#228;dlige Rh&#246;nbauer&#8221; (Fr&#246;hlich &#252;ber Fr&#246;hlich) der Gemeinde vor. Vom Ruhestand wollte Rhaban Fr&#246;hlich auch mit 80 Jahren nichts wissen. Wenige Tage vor seinem Tod im August 1953 hat er noch seine letzte Messe gehalten. Er starb just an dem Tag, an dem ihm Bundespr&#228;sident Theodor Heuss das Bundesverdienstkreuz am Band verliehen hatte. Die nach Rhaban Fr&#246;hlich genannte Stra&#223;e liegt in Eschersheim, unweit der St.-Josephs-Kirche.</p>
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		<title>Kindsmord: Der Fall Veith</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Aug 2010 14:47:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[18. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Kriminalfälle]]></category>

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		<description><![CDATA[Schon den ganzen Tag hatte Susanna Catharina Feith &#252;ber schlimme Leibschmerzen geklagt. Als  ein Geselle der Kranken am 15. Februar 1776 gegen 9 Uhr abends Tee und Arznei bringt, bemerkt er die blutigen H&#228;nde der Magd. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Schon den ganzen Tag hatte die Magd &#252;ber schlimme Leibschmerzen geklagt. Als Phillip Christian Schuler, Gesell des Hutstaffierers Johann Peter Auler, der Kranken am 15. Februar 1776 gegen 9 Uhr abends Tee und Arznei bringt, bemerkt er die blutigen H&#228;nde der Magd. Hausherr Auler ahnt Unrat und zeigt seine Bedienstete noch am selben Abend beim B&#252;rgermeister an. <span id="more-101"></span></p>
<p>Um Mitternacht treffen die Hebamme Anna Bauriedel, Hofrat Doktor Pettmann und Ratsschreiber Claudi in dem Haus in der Schnurgasse ein. Susanna Catharina Feith, die kranke Magd, leugnet nicht: Ja, sie habe gegen 8 Uhr abends ein Kind zur Welt gebracht. Es liege neben ihr unter der Bettdecke. Die Zeugen schauen nach, es bietet sich ihnen ein grausames Bild: Neben der Frau liegt ein neugeborenes M&#228;dchen. Das Baby, das noch an der Nabelschnur h&#228;ngt, ist tot: Seine Mutter hat ihm mit einem stumpfen Messer den Kopf abgeschnitten.</p>
<p>Die ganze Wahrheit kommt erst St&#252;ck f&#252;r St&#252;ck ans Licht. &#8220;Die Veithin&#8221; behauptet zuerst, sie habe das Kind get&#246;tet, als nur sein Kopf herausguckte, um ihre unertr&#228;glichen Schmerzen zu lindern. Sp&#228;ter gibt sie zu, dass &#8220;des Kindes beyde Achseln aus dem Leib gewesen&#8221; seien und es schon seinen ersten Schrei<br />
getan hatte. Schlie&#223;lich gesteht sie, dass sie ihr Kind nach der Geburt get&#246;tet hat. Die heute schwer verst&#228;ndlichen Unterscheidungen haben vermutlich einen juristischen Hintergrund: Ihr Anwalt wird sp&#228;ter vergeblich argumentieren, dass das Kind zum Zeitpunkt seines Todes noch gar nicht richtig geboren war<br />
- und folglich nicht umgebracht werden konnte.</p>
<p>Das Ungl&#252;ck der 24-j&#228;hrigen Wiesbadenerin, die zum Zeitpunkt der Bluttat seit zwei Wochen in Frankfurt weilte, hatte im Jahr zuvor nach der Ostermesse begonnen. Im Wiesbadener Wirtshaus mit dem passenden Namen &#8220;Zum schwarzen Bock&#8221; erliegt sie dem Sturm und Drang eines &#8220;welschen Fuhrmannes&#8221; namens Zerbes. Eigentlich habe sie das gar nicht gewollt, erz&#228;hlt sie sp&#228;ter dem Pfarrer Johann Heinrich Bechthold, der sich w&#228;hrend ihrer Haft um sie k&#252;mmert. </p>
<p>&#8220;Allein der B&#246;sewicht habe sie w&#252;thend und heftig &#252;berfallen und Hurerey mit ihr getrieben, ehe sie vermuthet, da&#223; es geschehen werde. Nach diesem w&#228;re ihr Herz so zu b&#246;sen L&#252;sten des Fleisches gereizt gewesen, da&#223; sie an ihrem Verf&#252;hrer Belieben gekommen&#8221;, berichtet der Gottesmann.  Das Urteil der Frankfurter &#196;rzte, die den Kindsmord untersuchen, ist eindeutig.</p>
<p>Sie kommen zu dem Schluss, dass &#8220;die Veithin (&#8230;) den Kopf des lebenden Kindes, nachdem sie solches wenigstens bi&#223; an den Unterleib gebohren, mit gro&#223;er Gewalt ergriffen, sodann den Hal&#223; mit dem bey ihr gefundenen stumpfen Zuleg-Messer abgeschnitten, folglich dadurch dasselbe grausam und pl&#246;tzlich<br />
ermordet habe&#8221;. </p>
<p>Der Richterspruch ist erwartet hart &#8211; vergebens pl&#228;diert ihr Pflichtverteidiger Johann Adam Horn auf &#8220;delirium melancholicum&#8221; und versucht zu beweisen, dass bereits ihr Vater Tobias Feith zu Irrsinnstaten neigte: Er hatte versucht, seine Frau im Brunnen zu ers&#228;ufen. Die Richter ficht das nicht an. Am 1. Oktober 1776 bestimmen sie, dass sie &#8220;zur wohl verdienten Strafe und anderen zum abscheulichen Exempel mit dem Schwerth vom Leben zum Todt zu bringen und dieses Urtheil f&#246;rsamst zu vollziehen sey&#8221;. Mit dem &#8220;f&#246;rsamst&#8221; (baldigst) ist das so eine Sache &#8211; der Vollzug der Strafe zieht sich bis 22. Februar 1777 hin. An diesem Tag serviert man der &#8220;Malefizantin&#8221; ihre Henkersmahlzeit. Der Turm der Katharinenkirche, in dem sie einsa&#223;, sah folgendes Henkersmahl vor: </p>
<p>&#8220;1) eine gute Suppe 2) Gem&#252;se mit Bratw&#252;rsten 3) ein St&#252;ck Rindfleisch 4) gebackener Karpfen 5) gebratener gespickter Kalbsbraten 6) Nachtisch von Konfekt und 7) ein gutes Glas Wein.&#8221; Da die Feith des Morgens hingerichtet wird, begn&#252;gt man sich mit &#8220;einigen Flaschen Malaga-Wein und Milchbrot&#8221;.</p>
<p>Anschlie&#223;end geht’s vom Katharinenturm via Hauptwache und Bockenheimer Gasse zum Richtplatz am Rabenstein (heute etwa Ecke Mainzer Landstra&#223;e / Zimmerweg), wo das Henkers-Duo wartet: Der junge Hofmann von Marburg schert der Verurteilten die Haare und verbindet ihr die Augen, sein Vater Hofmann von Gro&#223;en-Gera vollstreckt &#8220;ungl&#252;cklicherwei&#223;e mit zweyen Hieben&#8221;. Der leblose K&#246;rper wandert<br />
schnurstracks zur Senckenbergischen Stiftung, wo er mit Hilfe zweier Siegel auf Stirn und Brust als &#8220;subjectum foemininum, frisch und gesund&#8221; zum Forschungsobjekt f&#252;r anatomische Studien erkl&#228;rt wird.</p>
<p>Doch der Tod der Kindsm&#246;rderin wird nicht nur anatomisch, sondern auch literarisch verarbeitet: Feith gilt neben der Leidensgenossin  <a href="http://www.frankfurt.frblog.de/der-fall-brandt">Susanna Margaretha Brandt</a> als Vorbild f&#252;r das Gretchen im &#8220;Faust&#8221; &#8211; ohne jemals den Bekanntheitsgrad ihrer &#8220;Konkurrentin&#8221; erreicht zu haben. Vielleicht war Goethe fasziniert vom Prozess, in denen alle Zeugen das Bild eines bigotten Zeitalters verfestigten: Alle hatten Feiths au&#223;ereheliche Schwangerschaft angeblich nicht bemerkt &#8211; oder sich auf Nachfrage mit ihrem Leugnen begn&#252;gt. H&#228;tte man von einem unehelichen Balg gewusst, so ihre vielen Dienstherren, h&#228;tte man ihr niemals Brot und Arbeit gegeben. </p>
<p>Vielleicht war es aber der von ihrem Gef&#228;ngnisbeichtvater geschilderte Charakter der Frau, der so gar nicht zur Bluttat passen wollte: &#8220;Nur Schade, da&#223; ich hier nicht die Gem&#252;ths Bewegung, die sich in ihrem Gesichte fanden, mahlen kann, so w&#252;rde es jedermann so gut einleuchten, da&#223; weder Verstellung noch Heucheley ihre Worte verd&#228;chtig gemacht haben. Einfalt, Treuherzigkeit, Offenherzigkeit und Furcht Gottes und Bereuung ihrer Thaten und Verlangung nach heil und Gnade Gottes und Jesum war in allen ihren Minen deutlich zu lesen.&#8221; Als w&#228;r’s ein St&#252;ck von Goethe. <em>Von Stefan Behr</em></p>
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		<title>&#220;ber den R&#246;mer</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Jul 2010 11:03:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zeitzeuge</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Römer]]></category>
		<category><![CDATA[Straßen, Plätze, Bauwerke]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer auf dem R&#246;merberge vor dem Rathaus steht, im Hintergrunde pr&#228;chtig herrschend den Bartholom&#228;usdom aufragen sieht, den Weg &#252;berblickt, den die Kaiser unter Glockenl&#228;uten zur Kr&#246;nung zogen, dem wird, wenn er die Geschichte seines Volkes auch nur in gro&#223;en Z&#252;gen kennt, Stolz und Andacht das Herz ergreifen. Der Bogen, den die das Rathaus umgebenden H&#228;user [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wer auf dem R&#246;merberge vor dem Rathaus steht, im Hintergrunde pr&#228;chtig herrschend den Bartholom&#228;usdom aufragen sieht, den Weg &#252;berblickt, den die Kaiser unter Glockenl&#228;uten zur Kr&#246;nung zogen, dem wird, wenn er die Geschichte seines Volkes auch nur in gro&#223;en Z&#252;gen kennt, Stolz und Andacht das Herz ergreifen.  Der Bogen, den die das Rathaus umgebenden H&#228;user bilden, gleicht in seinem sanften Schwunge einem Diadem, dessen Mitte der denkw&#252;rdige R&#246;mer mit Limpurg und Frauenstein einnimmt. Ungleich sch&#246;ner, durch wundervolle Schnitzereien reich verziert, &#252;beraus vornehm wirkend durch den dunkelschwarzen Ton des Holzes, sind andere H&#228;user des Platzes, namentlich das Salzhaus; der R&#246;mer ist erst in neuester Zeit durch einen Balkon, Kaiserfiguren und Wappen geschm&#252;ckt, aber immer noch schlicht.<br />
<b>Ricarda Huch, 1927</b> </p>
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		<title>&#220;ber den R&#246;mer</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Jul 2010 11:00:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zeitzeuge</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf vielen H&#228;usern sind T&#252;rme, Basen, Schn&#246;rkelwerk und anderer Zierrat angebracht; besonders sind in dieser Hinsicht der Samstagberg und der R&#246;merberg auffallend. Ich glaube kaum, dass in irgend einer Stadt auf einem Platze so verschiedenartig gebaute H&#228;user nebeneinander stehen, als hier. Fast jedes hat eine andere Form; manches darunter eine wunderliche und abenteuerliche. H&#228;tte Hofmann [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Auf vielen H&#228;usern sind T&#252;rme, Basen, Schn&#246;rkelwerk und anderer Zierrat angebracht; besonders sind in dieser Hinsicht der Samstagberg und der R&#246;merberg auffallend. Ich glaube kaum, dass in irgend einer Stadt auf einem Platze so verschiedenartig gebaute H&#228;user nebeneinander stehen, als hier. Fast jedes hat eine andere Form; manches darunter eine wunderliche und abenteuerliche. H&#228;tte Hofmann hier gelebt, er h&#228;tte sich gewiss vom R&#246;merberg Stoffe zu einigen phantastischen Erz&#228;hlungen geholt.<br />
<b>Johann Ludwig Deinhardstein, 1831</b></p>
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		<title>Drei&#223;igj&#228;hriger Krieg: Frankfurts Spagat zwischen den Religionen</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Jul 2010 07:43:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[17. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Kriege & Besatzung]]></category>
		<category><![CDATA[30jähriger Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Pest]]></category>

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		<description><![CDATA[Drei&#223;igj&#228;hriger Krieg: &#220;berall in Europa herrscht das gro&#223;e Morden, die Pest grassiert. Frankfurt aber kommt glimpflich davon - weil die Ratsherren ihr F&#228;hnchen in den Wind h&#228;ngen.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1643_galgenbaum.jpg" title="Jacques Callot, Die Schrecken des Krieges -  Der Galgen, 1632 / Bildquelle: Wikimedia" rel="lightbox[2221]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1643_galgenbaum_th.jpg" alt="" class="left"/></a> Am Reformationstag 1648  endete f&#252;r die Frankfurter offiziell der 30j&#228;hrige Krieg. F&#252;r die Protestanten in der Stadt ein Anlass zum Feiern: Sie mussten w&#228;hrend des langen Religionskriegs den Spagat zwischen &#8220;evangelisch und kaisertreukatholisch&#8221; machen &#8211; und blieben dabei ihrem protestantischen Bekenntnis treu. <span id="more-2221"></span></p>
<p>Als Ende Oktober 1648 auch in Frankfurt die Nachricht vom Westf&#228;lischen Frieden eintrifft und nun endlich klar scheint: 30 Jahre Krieg in Deutschland und Mitteleuropa sind beendet &#8211; da verf&#252;gen der protestantisch dominierte Rat der Stadt und die lutherische geistliche Obrigkeit einen Bu&#223;- und Bettag. Das Volk, so die Order, m&#246;ge &#8220;Gott f&#252;r die Verleihung des so erw&#252;nschten Friedens inniglich danken&#8221;.</p>
<p>Vieles deutet jedoch darauf hin, dass sich die meisten B&#252;rger nicht an das Dekret zu reuevoller Zerknirschung und and&#228;chtigem Christuslob gehalten haben. Der Anlass war ja auch eher danach, ein Fass auf- und einen draufzumachen, Zechgelage zu veranstalten und zum Tanze aufzuspielen. &#8220;Frankfurt war vor dem 30j&#228;hrigen Krieg, der ja auch ein Religionskrieg war, evangelisch, und ist es auch danach geblieben&#8221;, bilanzierte Roman Fischer vom Institut f&#252;r Stadtgeschichte den Grund zur Freude, &#8220;und im Vergleich zu seinem Umland und dem Rest des Reiches ist es dann auch noch mehr als glimpflich davongekommen&#8221;.</p>
<p>In der Tat: W&#228;hrend in allen hessischen Territorien mehr als die H&#228;lfte der Bev&#246;lkerung zwischen 1618 und 1648 umkam, ja in vielen Ortschaften die Verluste 70 bis 90 Prozent betrugen, kam Frankfurt mit 16 Prozent R&#252;ckgang an Einwohnern davon. In absoluten Zahlen: Vor dem gro&#223;en Krieg z&#228;hlte man 20.000 K&#246;pfe, danach waren&#8217;s nur noch 17.000. </p>
<p>Ein weiterer Beleg daf&#252;r, dass das gro&#223;e Morden und die grassierende Pest der Reichsstadt nicht so &#252;bel mitspielten wie anderswo, ist die augenf&#228;llige Bev&#246;lkerungsexpansion nach dem Friedensschluss in M&#252;nster. Arnold Schindling, Professor f&#252;r Geschichte der Fr&#252;hen Neuzeit an der Uni Osnabr&#252;ck, macht da folgende Rechnung auf: &#8220;W&#228;hrend im Reich als Ganzem erst 100 Jahre nach dem 30j&#228;hrigen Krieg die Bev&#246;lkerungszahl der Vorkriegszeit wieder erreicht war, hatte Frankfurt bereits um 1675 wieder die Einwohnerzahl von 1618/1620.&#8221;</p>
<p>Die Stadt war ja auch nicht zerst&#246;rt worden. Keine verbrannte Erde und keine Leichenberge wie drumherum in Wetterau, Odenwald, dem Rodgau, der Kinzig-Region und dem L&#228;ndchen Dreieich, wo sich schlimme Kriegsgreuel abspielten. &#8220;Sie haben den Leuten die Zungen, Nasen und Ohren abgeschnitten&#8221;, liest man da in einer hessischen Chronik, &#8220;N&#228;gel in die K&#246;pfe und F&#252;&#223;e geschlagen; hei&#223; Pech, Zinn, &#214;l und allerlei Unflat durch die Ohren, Nasen und Mund in den Leib gegossen (&#8230;) wie die wilden Thiere zwischen die Kinder gefallen, sie ges&#228;belt, gespie&#223;t und in den Backofen gebraten.&#8221;</p>
<p>Dass den Frankfurtern dergleichen erspart blieb, nimmt sich in der R&#252;ckschau immer noch wie ein kleines Wunder aus. Gerade ihre Stadt schien n&#228;mlich geradezu pr&#228;destiniert daf&#252;r, in den Kriegswirren unterzugehen. Sie war von der Konfession her erkl&#228;rt evangelisch, andererseits aber aufgrund ihres Status&#8217; &#8211; Wahl- und Kr&#246;nungsort der Kaiser, <em>die</em> Messe- und Finanzmetropole im Reich &#8211; zur Kaisertreue verpflichtet und verdammt. Was im Klartext hie&#223;: unbedingte und strikte Loyalit&#228;t gegen&#252;ber einem Herrscher, der massiv die katholische Sache vertrat.</p>
<p>Mit diplomatischem Lavieren und viel Geld haben Rats- und Handelsherren, Patrizier und Prediger &#252;ber drei Jahrzehnte verhindert, dass ihr Gemeinwesen zwischen den Fronten aufgerieben wurde. Ein Beispiel daf&#252;r, wie man da die Balance zu halten suchte, ist die Schlacht im benachbarten H&#246;chst anno 1622, als die Soldaten des katholischen Feldherrn Tilly die Einheiten des Protestanten Christian von Braunschweig besiegten. Die Frankfurter versorgten einerseits die verwundeten Braunschweiger und gaben andererseits dem Tilly viele Taler f&#252;r seine Kriegskasse und Lebensmittel f&#252;r die Landsknechte. </p>
<p>Proviantzufuhr und freien Durchzug versprachen und lieferten die Oberen im R&#246;mer so ziemlich jeder Armee, die sich dem Frankfurter Territorium n&#228;herte. Nur einmal musste man Farbe bekennen und die so hochgehaltene Neutralit&#228;t aufgeben &#8211; aber das erst nach massivem Druck. Der, der das erreichte, war ein Verfechter der protestantischen Sache: K&#246;nig Gustav Adolf von Schweden.</p>
<p>Der Regent r&#252;ckte 1631 mit seinen Truppen von Osten vor, die Frankfurter Ratsherren (und Glaubensgenossen!) eilten ihm entgegen und suchten im Schloss zu Offenbach einen wie auch immer gearteten Kompromiss- und Kuhhandel zu schlie&#223;en. Doch das Frankfurter Argument, man sei ja nun leider aus den bekannten Gr&#252;nden zur Kaisertreue verpflichtet, zog nicht. Gustav Adolf brauste auf und schnauzte die Gesandten an: &#8220;Ich bitt&#8217; Euch um Gottes Blut willen, nehmt das evangelische Wesen besser in Acht, sonst frag&#8217; ich nicht danach, wie ihr zu Frankfurt seid, schwedisch oder kaiserlich!&#8221;</p>
<p>Die Drohung wirkte: Die schwedische Armee zog zwei Tage lang durch Frankfurt gen H&#246;chst, und 600 Mann blieben als Garnison in Sachsenhausen zur&#252;ck, um die Mainbr&#252;cke in Schach zu halten. Der Rat der Stadt mu&#223;te zudem dem K&#246;nig schw&#246;ren, &#8220;kein schwedenfeindliches Volk aufzunehmen&#8221; und Frankfurt &#8220;zusammen mit dem schwedischen Volk&#8221; notfalls &#8220;bis auf den &#228;u&#223;ersten Blutstropfen zu verteidigen&#8221;.</p>
<p>Der B&#252;ndnispakt hatte indes nur einige Jahre Bestand. Gustav Adolf kam 1632 in der Schlacht bei L&#252;tzen zu Tode, die Sachsenh&#228;user Garnison verschwand im August 1635: 5000 Mann unter dem kaiserlichen Oberst Lamboy sowie die kommunalen S&#246;ldner hatten den Schweden einen Kampf um die Br&#252;cke geliefert und gesiegt. Die Br&#252;ckenm&#252;hle ging in Flammen auf, einige H&#228;user wurden zerst&#246;rt. Der Krieg war in der Stadt.</p>
<p>Und auch die Pest: 3241 M&#228;nner und Frauen in Frankfurt starben in eben diesem Jahr 1635 an der Seuche, im darauf folgenden Jahr waren es 6943. Die Epidemie verbreitete sich auch und gerade deshalb so rasch, weil viele unterern&#228;hrte Menschen aus den umliegenden D&#246;rfern wegen der Hungers-, Teuerungs- und Kriegsn&#246;te in die Stadt gefl&#252;chtet waren und hier unter den miserabelsten Bedingungen dahinvegetierten. Sie fingen Hunde und Katzen ein, um sie zu essen; andere holten sich aus den am Main liegenden Schindkauten und Kloaken das Aas und verzehrten es.</p>
<p>Der bekannte und wegen seiner st&#228;ndigen H&#228;ndel mit Geistlichen, Apothekern und Patienten ber&#252;chtigte Kaiserliche Rat und Medicus Professor Dr. med. et phil. et jur. Ludwig von H&#246;rnigk im Sommer 1622: &#8220;Eine der Ursachen der Pest sind die Garnisonen und Lagerst&#228;tten der Soldaten, bevorab der Kranken, die allerlei Unrat um und neben sich sammeln. Inma&#223;en wir allhie zu Frankfurt am Main nach der Schlacht bei H&#246;chst genugsam erfahren, da der verwundeten und kranken Soldaten so viel waren, da&#223; sie auch hin und wieder in den Gassen, vor den H&#228;usern auf dem Stroh lagen, dann auch weil es um Pfingsten und hei&#223;es Wetter, ein gro&#223;er Gestank und darauf eine Pest entstand.&#8221; </p>
<p>Als 1648 schlie&#223;lich der Westf&#228;lische Friede zustandekam, hatte sich die Stadt l&#228;ngst wieder aufgerappelt und ging &#8211; noch zu Kriegszeiten! &#8211; auf Boomtown-Kurs. Das Messegesch&#228;ft lief an, Handel und Wandel prosperierten, und die Bev&#246;lkerung nahm zu: Fl&#228;mischwallonische und hugenottische Einwanderer und Glaubensfl&#252;chtlinge wanderten in Scharen ein und machten Frankfurt zum Zentrum des europ&#228;ischen Buch-, Seiden- und Juwelenhandels. </p>
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		<title>Schiller in Frankfurt</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Jun 2010 12:51:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Michels</dc:creator>
				<category><![CDATA[18. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich Schiller]]></category>
		<category><![CDATA[Schiller]]></category>

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		<description><![CDATA[Als sich Friedrich Schiller im Jahr 1782 zum ersten Mal auf dem Weg nach Frankfurt begibt, ist er so arm, dass er sich die Postkutsche nicht leisten kann. Er bei seinem dritten Besuch liegt ihm die Stadt zu F&#252;&#223;en.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Johann Christoph Friedrich Schiller, geboren am 10. November 1759 in Marbach am Neckar, war in seinem kurzen Dichterleben drei Mal in Frankfurt. Jedes Mal blieb er nur f&#252;r Tage. Einen weiteren, einen l&#228;ngeren Aufenthalt, die Berufung als Lehrer an ein in Frankfurt projektiertes &#8220;Lyceum oder Mus&#228;um&#8221; lehnt Schiller im Jahr 1789 ab. Er habe &#8220;keinen Glauben an Frankfurt&#8221; als den geeigneten Ort f&#252;r eine solche Institution. Dem Kollegen und Frankfurter Johann Wolfgang Goethe hat Friedrich Schiller 1795 seinen Eindruck von Frankfurt mittels einer einzigen Gedicht-Zeile &#252;bermittelt: Und es herrscht der Erde Gott, das Geld. <span id="more-307"></span></p>
<p>Zehn Jahre sp&#228;ter, am 9. Mai 1805, ist Schiller tot. In Frankfurt wird der tote Dichter im 19. Jahrhundert sehr verehrt, zum 100. Geburtstag am 10. November 1859 feiern Zehntausende ein Volksfest. Bis heute gibt eine m&#252;hsam gep&#228;ppelte &#8220;Schiller-Eiche&#8221; am Friedberger Tor Zeugnis davon.</p>
<p>Nach Friedrich Schillers Tod &#228;u&#223;ert sich schon sein Freund Goethe verbittert, wie &#8220;die Herren Frankfurter, die sonst nichts als das Geld zu sch&#228;tzen wissen&#8221;, den lebenden Dichter behandelt hatten. Sie h&#228;tten, sagt Goethe bei einer Trauerfeier im hiesigen Theater am 9. Juni 1805, &#8220;besser daran getan, ihren Anteil realiter auszudrucken, da sie, unter uns gesagt, dem Lebenden Trefflichen, der es sich sauer genug werden lie&#223;, nie ein Manuskript honoriert haben, sondern immer warteten, bis sie das gedruckte St&#252;ck f&#252;r 12 Groschen haben konnten.&#8221;</p>
<p>Als sich Friedrich Schiller im Jahr 1782 zum ersten Mal auf dem Weg nach Frankfurt begibt, ist er so arm, dass er sich die Postkutsche nicht leisten kann. Er geht, von Darmstadt aus, mit seinem Freund Andreas Streicher zu Fu&#223;. Schweigsam, schreibt R&#252;diger Safranski in seiner neu erschienen Schiller-Biographie, &#8220;br&#252;tet er &#252;ber einem neuen Dramenprojekt&#8221;.</p>
<p>Nach zwei Tagen bricht der 23-J&#228;hrige zusammen, &#8220;schl&#228;ft unter einem Geb&#252;sch am Waldrand ein&#8221;. Im Standardwerk &#8220;Frankfurter Biographie&#8221; h&#228;lt Sabine Hock fest, wo das war: &#8220;im Stadtwald bei Neu-Isenburg&#8221;. Am Abend erreichen die beiden Wanderer Sachsenhausen; &#8220;leer in B&#246;rse und Hoffnung&#8221; ist der arme Schiller. </p>
<p>Am n&#228;chsten Tag, dem 6. Oktober 1782, schreibt er im Gasthaus &#8220;Zum Storch&#8221; einen Brief an den Mannheimer Theaterintendanten Dalberg und bittet um einen Vorschuss auf sein neues St&#252;ck, den &#8220;Fiesko&#8221;: &#8220;Es k&#246;nnte mich schamrot machen, dass ich Ihnen solche Gest&#228;ndnisse tun muss, aber ich wei&#223;, es erniedrigt mich nicht.&#8221; Schiller schreibt &#8220;mit gepresstem Gem&#252;t und nicht mit trockenen Augen&#8221;, &#252;berliefert Freund Streicher, ein Musiker. Das Gasthaus liegt an der Ecke Br&#252;cken-/Dreik&#246;nigstra&#223;e, und Friedrich Schiller, der sich inkognito als &#8220;Dr. Ritter&#8221; einquartiert hat, tr&#228;gt den Brief &#252;ber die Alte Br&#252;cke hin&#252;ber zur Post.</p>
<p><b>Handel um &#8220;Teufels Amor&#8221;</b></p>
<p>Dann beginnt das Warten auf die Antwort; drei Tage Zeit, um in die Frankfurter Geschichte einzugehen, um das Bild der geldgierigen Frankfurter zu verfestigen. Pr&#228;gend wirkt da ein unbekannter Buchh&#228;ndler, dem der junge Mann sein Gedicht &#8220;Teufels Amor&#8221; verkaufen will. Da hat er aus Mannheim bereits die Nachricht, dass sein &#8220;Fiesko&#8221; umgearbeitet werden m&#252;sse, ehe man ihm etwas daf&#252;r zahlen k&#246;nne. Doch f&#252;r 18 statt der geforderten 25 Gulden gibt Schiller dem Buchh&#228;ndler sein Gedicht nicht. &#8220;Heute gilt das Werk als verloren&#8221;, ist der Stand der Recherche in der &#8220;Frankfurter Biographie&#8221;. Der d&#252;pierte Dichter, erz&#228;hlte seine Frau Charlotte sp&#228;ter, habe &#8220;die Anwandlung gehabt, sich von der Br&#252;cke zu st&#252;rzen&#8221;, schreibt Biograf Safranski.</p>
<p>Schiller und sein Freund verlassen die Stadt, nachdem Streicher 30 Gulden von seiner Mutter bekommen hatte. Es ist verbrieft, dass Schiller dann auf dem R&#252;ckweg nach W&#252;rttemberg, am 26./27. Juli 1783, erneut in Frankfurt &#252;bernachtete.</p>
<p>So wenig der junge Dichter bei seinem ersten Besuch hier Anerkennung und Zuspruch finden konnte, so sehr feiert die Frankfurter Gesellschaft ihn, als er im April/Mai 1784 zum letzten Mal, und zwar im Gasthaus &#8220;Zum Schwarzen Bock&#8221; am Paradeplatz, absteigt. Da war in der Stadt bereits sein aufr&#252;hrerisches St&#252;ck &#8220;Die R&#228;uber&#8221; zu sehen, und auch der &#8220;Fiesko&#8221;, f&#252;r dessen Abfassung Schiller noch zwei Jahre zuvor hatte darben m&#252;ssen, war &#8220;aufgef&#252;hrt und begeistert aufgenommen worden&#8221;, schreibt Sabine Hock. </p>
<p>&#8220;Kabale und Liebe&#8221; hatte am 13. April 1784 im neuen Frankfurter Kom&#246;dienhaus die Urauff&#252;hrung erlebt &#8211; ohne den Autor, der bei den Proben am gleichen Text in Mannheim nicht abk&#246;mmlich war. Von einem Haus ins andere geladen, &#8220;von Fresserei zu Fresserei herumgerissen&#8221; wird der gefeierte Dichter Friedrich Schiller nun, wie er notiert.</p>
<p>Der Paradeplatz, wo er damals logierte, wird 80 Jahre sp&#228;ter, zu Schillers 59. Todestag, in &#8220;Schillerplatz&#8221; umbenannt. Schon 1859 hatten die Frankfurter den 100. Geburtstag des Dichters mit einem Festzug und &#246;ffentlichem (R&#252;tli)-Schwur &#8220;Wir wollen sein ein einig Volk von Br&#252;dern&#8221; auf dem R&#246;mernberg m&#228;chtig gefeiert. Auch das Modell des geplanten Schillerdenkmals wird rechtzeitig zum Gedenktag 1864 gegossen und auf dem Schillerplatz enth&#252;llt. In der Gr&#252;nanlage am Friedberger Tor steht seither die &#8220;Schiller-Eiche&#8221;, die die G&#228;rtner-Innung damals setzen lie&#223;. </p>
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		<title>Fu&#223;ball-WM 2006: Die ganze Stadt eine Arena</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Jun 2010 16:40:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frankfurter Rundschau</dc:creator>
				<category><![CDATA[21. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Feste, Feiern, Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Main]]></category>
		<category><![CDATA[Römerberg]]></category>
		<category><![CDATA[Sachsenhausen]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[Fu&#223;ball-WM 2006 in Frankfurt: Ecuadorianer, Schweden, Spanier, Togoer tanzen auf dem Paradiesplatz in Sachsenhausen. Engl&#228;nder klauen das Schwert der Justizia auf dem R&#246;merberg. Und ein holl&#228;ndischer Frachter rammt die Main-Arena.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/2006_mainarena_dpa.jpg" title="Fu&#223;ball-Gucken in der Main-Arena: Von beiden Ufern aus konnten Fans die Spiele auf dem Bildschirm-Ponton verfolgen. / Bild:  dpa" rel="lightbox[2091]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/2006_mainarena_th.jpg" title="Fu&#223;ball-Gucken in der Main-Arena/Bild:dpa" alt="" class="left"/></a> Es war eine WM der Massen: Die Ersten sind schon am Mittag gekommen und harren der Dinge in sengender Hitze und fremdem Schwei&#223;. <span id="more-2091"></span> Schon Stunden vor dem Anpfiff des Viertelfinales zwischen Deutschland und Argentinien bilden sich lange Schlangen an den Eing&#228;ngen der Main-Arena, am sp&#228;ten Abend vermeldet G&#252;nter Hampel, Chef der Tourismus- und Congress GmbH und von vielen z&#228;rtlich als &#8220;Vater der Main-Arena&#8221; betitelt, einen neuen Zuschauerrekord. Schon wieder. </p>
<p>80.000 Menschen auf Trib&#252;nen, Stra&#223;en, Br&#252;cken und D&#228;chern. Zwar war der weltweit bestaunte Bildschirm-Ponton erst in der Nacht zuvor von einem holl&#228;ndischen Frachter gerammt worden, kaputt ist aber nichts au&#223;er einer rot-wei&#223;en Warnbake. F&#252;nf Wochen lang ist Deutschlands sch&#246;nstes Public Viewing das Party-Nest der Region &#8211; und Papa Hampel eilt von Rekord zu Rekord. Dass die Oberb&#252;rgermeisterin derweil Entsch&#228;digungsgutscheine an Anwohner verteilt, verkommt zur Randnotiz &#8211; die Nachbarn sind l&#228;ngst die gr&#246;&#223;ten Fans der Arena am Fluss.</p>
<p>Es war eine WM ohne Grenzen: Holland gegen Argentinien, das vermeintliche Top-Spiel der WM. Zwei gro&#223;e Fu&#223;ballnationen spielen gegeneinander, da m&#252;ssten sich die Fans doch eigentlich spinnefeind sein, da m&#252;sste man doch eigentlich die Holl&#228;nder ganz in den Westen und die Argentinier ganz in den Osten der Stadt schicken. Mitnichten. Fans aller L&#228;nder treffen sich auf dem R&#246;merberg, sie singen, trinken und jubeln zusammen und starten auch schon mal gemeinsam die eine oder andere Polonaise. Einige Flursch&#228;den bleiben auf Frankfurts ber&#252;hmtesten Platz jedoch nicht aus. Engl&#228;nder klauen der Justitia das Schwert, und das Baden im Brunnen nimmt irgendwann &#252;berhand. Kurz entschlossen l&#228;sst die Stadt einen Zaun um den Wasserspender ziehen.</p>
<p>Es war eine WM mit Gewinnern: An diesem Sonntagabend, dem Tag nach dem ersten Frankfurter WM-Spiel, beschleichen den italienischen Taxifahrer am S&#252;dbahnhof ernsthafte Zweifel an seinen Englischkenntnissen. Drei junge M&#228;nner aus Birmingham sind zugestiegen und wollen schnell zum Bahnhof &#8211; in N&#252;rnberg. &#8220;Yes&#8221;, es sei ihnen bewusst, dass sie das mehrere hundert Euro kosten werde. Am Ende stehen 290 Euro auf dem Z&#228;hler, am Ende dieser WM sind es die Taxifahrer, die zu den gro&#223;en Siegern z&#228;hlen. Die chronisch unzufriedene Branche macht gute Gewinne trotz &#246;ffentlichem Nahverkehr &#8211; einen Umsatzzuwachs von 20 bis 25 Prozent vermeldet die Taxizentrale. Zu den Siegern z&#228;hlen auch die Wirte, vor allem jene mit Fernseher im Schankraum. Und auf der Zeil vermelden die gro&#223;en Kaufh&#228;user dank der verl&#228;ngerten &#214;ffnungszeiten satte Umsatzsteigerungen.</p>
<p><strong>Polonaise bis zum Umfallen</strong></p>
<p>Es war eine WM mit Verlierern: Bier ist der Verkaufsschlager. &#8220;Bier geht immer&#8221;, berichtet die Verk&#228;uferin im Kiosk auf der Schweizer Stra&#223;e, &#8220;alle paar Minuten kommen Leute und fragen, ob wir noch welches kalt gestellt haben&#8221;. Haben sie &#8211; und deshalb ist das Sachsenh&#228;user Wasserh&#228;uschen ein Kundenmagnet an diesem zweiten WM-Wochenende, an dem im Frankfurter Stadion Portugal und Iran spielen und in der Innenstadt Studenten und die J&#252;dische Gemeinde demonstrieren. Die anderen Einzelh&#228;ndler in den Stadtteilen haben in dem Trubel weniger zu lachen, in den Stadtteilen ist nicht allzu viel zu sp&#252;ren vom Jahrhundert-Ereignis. Ged&#228;mpft ist die Stimmung auch bei Lokalen abseits der Fanstr&#246;me und bei vielen Hotels, wo die Belegungszahlen entgegen der Hoffnungen nicht explodieren. Nur Bier, das geht nat&#252;rlich immer.</p>
<dl class="imright" style="width:225px; padding:0 10px 0 0">
<dd><b>WM 2006 in Bildern:</b><br />
<a href="http://www.fr-online.de/_em_cms/_multifunktion/?em_art=galery&#038;em_loc=3287&#038;em_cnt=903341&#038;">Frankfurt feiert in der Main-Arena</a><br />
<a href="http://www.fr-online.de/_em_cms/_multifunktion/?em_art=galery&#038;em_loc=3287&#038;em_cnt=910889&#038;">Frankfurt in Orange: Die Holl&#228;nder sind da</a><br />
<a href="http://www.fr-online.de/_em_cms/_multifunktion/?em_art=galery&#038;em_loc=3287&#038;em_cnt=898220&#038;">Sky-Arena: Frankfurt feiert den Fu&#223;ball mit einer spektakul&#228;ren Lichtshow</a><br />
<b>WM 2010 in Frankfurt:</B><br />
<a href="http://www.fr-online.de/wmfrankfurt">Alle Infos im Spezial auf FR-online.de</a>
</dd>
</dl>
<p>Es war eine WM voller Ausgelassenheit: Das Spiel geht ganz einfach. Rauf auf die Klappleiter, allen Mut gefasst und Sprung in die Menge. Es sind nat&#252;rlich Engl&#228;nder, die sich diesen Quatsch zur allgemeinen Erheiterung ausgedacht haben, und sie spielen das Spiel den ganzen Abend mitten in der Kleinen Rittergasse. Wenige Abende sp&#228;ter sind es Ecuadorianer, die trotz Niederlage auf dem Paradiesplatz tanzen, dann Schweden, Spanier, Togoer. Alt-Sachsenhausen wird w&#228;hrend dieser Fu&#223;ball-WM regelm&#228;&#223;ig &#252;berrannt von den Fans. Den Vogel schie&#223;en aber nat&#252;rlich wieder die Holl&#228;nder ab, die nicht enden wollende Rund-ums-Kneipenviertel-Polonaise nach dem Viertelfinale taugt wahrlich f&#252;rs Buch der Rekorde.</p>
<p><strong>B&#228;lle fliegen statt der Flaschen</strong></p>
<p>Es war eine WM in Sicherheit: Furchtbare &#196;ngste sind es, die vorher fast alle haben. Von bis zu 100.000 englischen Hooligans ist die Rede, von &#252;belsten Gewaltt&#228;tern aus Holland, Deutschland und Polen. Und dann passiert zumindest in Frankfurt so gut wie nichts. Nun gut, manch einer ist etwas irritiert, als gut 1000 englische Fans im Bahnhofsviertel singend den Abschuss deutscher Piloten im Zweiten Weltkrieg feiern. Aber handfeste Auseinandersetzungen bleiben die absolute Ausnahme. Dazu tr&#228;gt auch die Polizei bei, die erstmals so genannte Kommunikatoren einsetzt. Die Beamten, leicht an ihren blauen Leibchen zu erkennen, suchen w&#228;hrend des Turniers immer wieder den Kontakt zu den Fans und entsch&#228;rfen auch brenzlige Situationen. Als nach dem Spiel der Engl&#228;nder gegen Paraguay einige Randalierer Flaschen &#252;ber den R&#246;merberg feuern, schie&#223;en die Kommunikatoren Fu&#223;b&#228;lle in die Menge. Und schon konzentrieren sich alle aufs Kicken.</p>
<p>Es war eine WM in unglaublicher Lautst&#228;rke: Oliver Neuville erzielt in der Nachspielzeit das Tor zum 1:0-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Polen &#8211; und Frankfurt dreht v&#246;llig durch. Zehntausende setzen sich<br />
euphorisiert in die Autos und fahren ziellos durch die Stadt. Das Wichtigste ist, dass die Hupe funktioniert. Bis in die fr&#252;hen Morgenstunden dauert die Party an, wildfremde Menschen liegen sich in den Armen und schreien &#8220;Deutschland! Deutschland!&#8221;. Und alle sind sich sicher, dass die Mannschaft von J&#252;rgen Klinsmann Weltmeister wird. In den kommenden Tagen wiederholt sich das Spektakel. 3:0 gegen Ecuador, 2:0 gegen Schweden, 5:3 nach Elfmeterschie&#223;en gegen Argentinien &#8211; und immer tanzen und jubeln die Menschen in Frankfurt. Bis zu diesem 4. Juli, dem 0:2 gegen Italien im Halbfinale. Irgendwann endet eben auch die sch&#246;nste Party.  <em>Von Felix Helbig und Georg Leppert</em>  </p>
<p><strong>WM 2010: Public Viewing in Frankfurt und der Region</strong></p>
<p><iframe width="480" height="400" frameborder="0" scrolling="no" marginheight="0" marginwidth="0" src="http://maps.google.de/maps/ms?ie=UTF8&#038;lr=lang_en&#038;hl=de&#038;msa=0&#038;msid=114709392330925087163.00048880d596afbc636ba&#038;ll=50.150506,8.518524&#038;spn=0.351987,0.657806&#038;z=10&#038;output=embed"></iframe><br />
<small><a href="http://maps.google.de/maps/ms?ie=UTF8&#038;lr=lang_en&#038;hl=de&#038;msa=0&#038;msid=114709392330925087163.00048880d596afbc636ba&#038;ll=50.150506,8.518524&#038;spn=0.351987,0.657806&#038;z=10&#038;source=embed" style="color:#0000FF;text-align:left">WM 2010: Public Viewing</a> auf einer gr&#246;&#223;eren Karte anzeigen</small> <br clear="all"></p>
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		<title>Napoleon droht Frankfurt Pr&#252;gel an</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Jun 2010 10:44:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zeitzeuge</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>
		<category><![CDATA[Napoleon]]></category>

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		<description><![CDATA[23. September 1804: Napoleon empf&#228;ngt in Mainz deutsche Gesandte, darunter Adolf Karl von Humbracht und Johann Wilhelm Metzler aus Frankfurt. Napoleon: War Eure Messe gut? Wie lange dauert sie? Humbracht: Etwas besser als die vorhergehenden; sie dauert drei Wochen. Napoleon: Seid Ihr reich? Humbracht: Wir haben viele Schulden. Napoleon: Aber Ihr habt doch viele Kl&#246;ster [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>23. September 1804: Napoleon empf&#228;ngt in Mainz deutsche Gesandte, darunter Adolf Karl von Humbracht und Johann Wilhelm Metzler aus Frankfurt.</p>
<p><strong>Napoleon:</strong> War Eure Messe gut? Wie lange dauert sie?<br />
<strong>Humbracht:</strong> Etwas besser als die vorhergehenden; sie dauert drei Wochen.<br />
<strong>Napoleon:</strong> Seid Ihr reich?<br />
<strong>Humbracht:</strong> Wir haben viele Schulden.<br />
<strong>Napoleon:</strong> Aber Ihr habt doch viele Kl&#246;ster und Kircheng&#252;ter bekommen.<br />
<strong>Humbracht:</strong> Die Lasten, die darauf ruhen, sind gr&#246;&#223;er als die Eink&#252;nfte.<br />
<strong>Napoleon:</strong> Ich habe Veranlassung, mit Eurer Stadt unzufrieden zu sein. Ich beklage mich nicht &#252;ber die Beh&#246;rden, man hat mir Gutes von ihnen berichtet. Aber Ihr versteckt englische Agenten, Intriganten, die den Kontinent aufwiegeln.<br />
<strong>Humbracht</strong>: Sire, davon wissen wir nichts, wir w&#252;rden ja gegen unser Interesse handeln.<br />
<strong>Napoleon:</strong> Eure Bankiers, Eure Schreiberlinge sind fortw&#228;hrend in Bewegung; Ihr habt keine Polizei, Ihr versteht nicht, eine solche einzurichten. Ihr seid im letzten Krieg geschont worden, aber beim n&#228;chsten Krieg auf dem Kontinent — ich hoffe, es kommt nicht dazu — werde ich Euch ganz geh&#246;rig verpr&#252;geln und Euch irgend einem benachbarten F&#252;rsten geben, der nichts mehr als das verlangt. Bei der letzten Verschw&#246;rung haben Eure Bankiers die Tratten<sup>1</sup> der Engl&#228;nder bezahlt.<br />
<strong>Humbracht:</strong> Sire, der Bankier, auf den man zielt, muss die Tratte zahlen, wenn er seinen Kredit aufrecht erhalten will; er wei&#223; nicht, welchem Zweck das Geld dient, das er zahlt.<br />
<strong>Napoleon:</strong> Sie wissen recht gut, wer verd&#228;chtig ist. Die Hansest&#228;dte und Ihr, Ihr habt keine Energie in der Aus&#252;bung der Polizei; die Kurf&#252;rsten und die F&#252;rsten kennen ihre Interessen besser. Ich werde die Hansest&#228;dte dem K&#246;nig von Preu&#223;en geben und Euch einem F&#252;rsten, der wird schon einen t&#252;chtigen Oberst bei Euch einsetzen und verstehen, die Polizei arbeiten zu lassen.</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_2327" class="footnote">gezogene Wechsel</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Da ist Goethe!</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Jun 2010 14:09:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rahel Varnhagen von Ense</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rahel Varnhagen von Ense]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>
		<category><![CDATA[Gerbermühle]]></category>
		<category><![CDATA[Goethe]]></category>
		<category><![CDATA[Niederrad]]></category>
		<category><![CDATA[Willemer]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir fahren zu einem herrlichen Tore hinaus, an einem herrlichen Kai am Main vorbei, an kultivierten G&#228;rten in der wohlhabenden Gegend, durch Weingefilde, im k&#246;stlichsten, ges&#252;ndesten Wetter, nach einem Forsthause, wo man Kaffee nimmt; dort gehen wir im Walde spazieren; wir treten endlich aus dem Wald, sehen eine weite sch&#246;ne Wiese, am Ende ein hell [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wir fahren zu einem herrlichen Tore hinaus, an einem herrlichen Kai am Main vorbei, an kultivierten G&#228;rten in der wohlhabenden Gegend, durch Weingefilde, im k&#246;stlichsten, ges&#252;ndesten Wetter, nach einem Forsthause, wo man Kaffee nimmt; dort gehen wir im Walde spazieren; wir treten endlich aus dem Wald, sehen eine weite sch&#246;ne Wiese, am Ende ein hell beschienenes Dorf. Der Herr fragt, ob wir das sehen wollen. Ich sage, die Sonne sei zu stark, lieber sp&#228;ter; er sagt, es ist Niederrad, das Dorf, wovon Goethe so viel schreibt, wo er immer mit seinen jungen Freunden hinging. Dann wollen wir durch die Sonne, sag&#8217; ich: und Schauder grieselt mir &#252;ber die Backen. </p>
<p>Getrost, fr&#246;hlich, ja zerstreut im Gespr&#228;ch, gehen wir hin; es hat Stra&#223;en, wie die &#246;sterreichischen D&#246;rfer; wenig Menschen gehen hin und wieder; ein niedriger halber Wagen, mit einem Bedienten, f&#228;hrt den langsamsten Schritt; ein Herr l&#228;hrt vom Bock, drei Damen in Trauer sitzen drin, ich sehe den Wagen, und sehe Goethen. </p>
<p>Der Schreck, die Freude machen mich zur Wilden: Ich schrei mit der gr&#246;&#223;ten Kraft und Eile: &#8220;Da ist Goethe!&#8221; Goethe lacht, die Damen lachen: Wir rennen dem Wagen voraus, und kehren um, und sehen ihn noch einmal; er l&#228;chelt sehr wohlgef&#228;llig, und hielt sich Kr&#228;uter vor die Nase, mit denen er das Gesicht f&#228;chelte, das L&#228;cheln und das Wohlwollen uns, aber besonders seiner Gesellschaft, zu verbergen. </p>
<p>Der Wagen h&#228;lt in seiner Langsamkeit endlich ganz, der Herr vom Bock wendet sich und sagt: &#8220;Das ist der Schwan!&#8221; N&#228;mlich das Wirtshaus, von welchem Goethe schreibt, dort immer eingekehrt zu sein. Also auch Goethe ging heute in seine Jugend wallfahrten, und ich, deine Rahel, treffe ihn, greife ein in sein Leben! &#8230; Als er vorbei war und eine Pappelallee entlang aus dem Dorfe fuhr, zitterten mir die Kniee und Glieder mehr als eine halbe Stunde. Und laut, und wie rasend, dankte ich Gott in seine Abendsonne hinein&#8230; Den Mainherrn nennen wir ihn: er ist Herr hier. Gott, August! ich bin so agitiert: w&#228;rst Du hier! (Jetzt wein&#8217;ich.) In diesem Mond, heute! &#8211; Geheimrat Willemer&#8217;s Familie waren die, welche mit Goethen fuhren.</p>
<p><strong>1815</strong></p>
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		<title>Bankenstadt &#8211; wie es anfing</title>
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		<pubDate>Mon, 31 May 2010 08:48:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Michels</dc:creator>
				<category><![CDATA[15. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft, Technik, Verkehr]]></category>
		<category><![CDATA[Banken]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Frankfurt - Bankfurt: Wann und wo hat das eigentlich angefangen? Die erste Frankfurter Bank stand 1402 am R&#246;merberg  - drei Geldkisten in einer Bude.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Frankfurt ist seit jeher die Stadt der Banken, <em>der</em> Finanzplatz des Landes. Wann und wo hat das eigentlich angefangen?  An der Nikolaikirche hat es vor mehr als 600 Jahren angefangen mit den (un)christlichen Geldgesch&#228;ften. Da wurde 1402 die erste Frankfurter Bank gegr&#252;ndet. &#8220;Gr&#252;ndung der ersten st&#228;dtischen Wechselbank&#8221;, verzeichnet die von Carl-Ludwig Holtfrerich herausgegebene &#8220;Chronik des Finanzplatzes&#8221; f&#252;r das Jahr. <span id="more-3061"></span></p>
<p>K&#246;nig Ruprecht, der von der Stadt bei einem feierlichen Besuch kurz vorher mit Gold, Wein und Hafer jede Menge beschenkt worden war, hatte dem Rat sofort die Genehmigung erteilt. Denn der Handel auf den beiden Jahresmessen florierte &#8211; laut Frankfurt-Chronik kamen &#8220;Wein und Frankfurter Tuch, Pferde und Pelzwerk aus dem Osten, Metall aus Oberdeutschland, Gew&#252;rze und Fr&#252;chte aus dem Orient&#8221; zum Verkauf. Das &#8220;f&#246;rderte den Reichtum der Stadt&#8221;. Schon diese Warengesch&#228;fte waren &#252;berwiegend Kreditgesch&#228;fte. Aber viele M&#252;nzsorten, die die ausw&#228;rtigen H&#228;ndler mitbrachten, waren in Frankfurt nicht zugelassen. Also musste Geld eingewechselt werden und der Rat erkannte die M&#246;glichkeit zum Profit. Zwei Drittel des Gewinns aus der ersten Wechselstube ging in die Stadtkasse. </p>
<p><strong>Patrizier h&#252;teten die M&#252;nzen </strong></p>
<p>Gesch&#228;ftsort war eine Bretterbude, das Geld lag in drei Geldkisten. Drinnen sa&#223;en adlige Patrizier, h&#252;teteten den Mammon und betrieben die Gesch&#228;fte. Denn die Genehmigung, in den &#8220;Buden bei Sankt Nikolai&#8221; fremde Geldsorten zu wechseln, hatte der Rat den Familien Palmst&#246;rffer und Humbracht erteilt, die zur adligen Gesellschaft Alt Limpurg geh&#246;rten. Laut Carl-Ludwig Holtfrerich, dem Chronisten des Finanzplatzes, nannten die Frankfurter, die es bis heute lieben, die Namen von &#214;rtlichkeiten (wie &#8220;Konsti&#8221; oder &#8220;Gr&#252;ni&#8221;) zu verniedlichen, diese erste st&#228;dtische Wechselstube &#8220;Wessil&#8221;. </p>
<p>Lange stand die Bude an der Nikolaikirche aber nicht, &#8220;trotz guter Gesch&#228;fte&#8221;. Schon 1403 bekamen vier neue Banken in Frankfurt ihre Lizenz und begannen das Kreditgesch&#228;ft in gr&#246;&#223;erem Rahmen aufzuziehen.</p>
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		<title>Luftangriff auf Frankfurt</title>
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		<pubDate>Mon, 24 May 2010 14:16:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Michels</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Altstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Kriege & Besatzung]]></category>
		<category><![CDATA[Goldene Waage]]></category>
		<category><![CDATA[Salzhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Vormittag des 18. M&#228;rz 1944 f&#252;hrt Ernst Buxmann seine Braut Lieselotte in den Frankfurter R&#246;mer zum Standesamt. Elf Stunden sp&#228;ter, das frischgebackene Ehepaar feiert noch, steht Frankfurt in Flammen.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1945_luftbild.jpg" title="Das Luftbild der Altstadt rund um den Dom vom 31. M&#228;rz 1945 zeigt das Ausma&#223; der Zerst&#246;rung. / Bildquelle: US-Air-Force, Wikimedia Commons" rel="lightbox[2230]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1945_luftbild_th.jpg" alt="Luftbild 1945" class="left"/></a> Wie sicher sie sich hier gef&#252;hlt haben, mitten im Krieg. Am Samstag, 18. M&#228;rz 1944, kurz vor 11 Uhr, hat der Gefreite Ernst Buxmann seine Braut Lieselotte in den Frankfurter R&#246;mer zum Standesamt gef&#252;hrt. Elf Stunden sp&#228;ter, das frischgebackene Ehepaar feiert sein Gl&#252;ck bei den Eltern in Friedberg, zieht am Himmel &#8220;in der Ferne ein roter Feuerschein&#8221; auf: Frankfurt steht in Flammen. <span id="more-2230"></span></p>
<p>Auch der R&#246;mer, auch die Wohnung von Lieselottes Eltern in der Allerheiligengasse, wo sie hatten einziehen wollen, ist beim ersten der M&#228;rz-Bombenangriffe getroffen worden. Buxmanns hatten den letzten Standesamts-Termin im R&#246;mer, bevor die Altstadt verbrannt ist.</p>
<p>Doch ist die kirchliche Trauung dann f&#252;r sie ausgefallen. Im Jahr 1994, zu seiner Goldenen Hochzeit, hat sich das Paar den kirchlichen Segen mit Versp&#228;tung geholt. Unter all den Hochzeitstagen, die die beiden feierten, war keiner, an dem ihnen nicht auch die &#8220;von Sprengbomben f&#246;rmlich umgepfl&#252;gten&#8221; Altstadtgassen vor Augen gestanden h&#228;tten, deren trauriges Bild &#8220;Altstadtvater&#8221; Fried L&#252;bbecke &#252;berliefert hat. &#8220;Der Samstagsangriff vom 18. M&#228;rz&#8221;, erinnert sich L&#252;bbecke, &#8220;zerschlug die &#246;stliche H&#228;lfte der alten Stadt, vom Heiliggeisthospital zum Dom (&#8230;) Von der Alten Br&#252;cke bis zur Konstablerwache dehnte sich eine breite Schuttschneise.&#8221;</p>
<p>Der Angriff am 18. M&#228;rz hatte von 21.50 bis 22.30 Uhr gedauert. &#8220;Etwa tausend Flugzeuge kamen in sechs Wellen &#252;ber den Taunus eingeflogen. Starke Bew&#246;lkung und Westwind beg&#252;nstigte das Entstehen von Fl&#228;chenbr&#228;nden&#8221;, zeichnet der Luftwaffenhelfer Armin Schmid auf. F&#252;r das Standardwerk &#8220;Frankfurt im Feuersturm&#8221; reportiert er reihenweise nackte Daten und Zahlen, hinter denen die Gef&#252;hle in den Hintergrund treten konnten.</p>
<p>Es sind Angaben &#252;ber &#8220;10 gro&#223;e Luftminen, 208 Sprengbomben zu 10 Zentner, 2180 Sprengbomben zu 5 Zentner&#8221;, ferner &#252;ber &#8220;20 000 amerik. Fl&#252;ssigkeitsbomben zu 30 kg und 800.000 Stabbrandbomben&#8221;. Man findet Auflistungen von &#8220;Gro&#223;- Mittel- und Kleinbr&#228;nden&#8221;, die die Stadt verheerten. 108 Frankfurter kamen ums Leben, von 380 versch&#252;tteten Personen &#8220;konnten 313 nur tot geborgen worden&#8221;, bilanziert der Zeitzeuge: &#8220;Somit betrug die Zahl der Opfer 421&#8243; &#8211; nur in dieser ersten Bombennacht des M&#228;rz, der am 22./23. und 24. M&#228;rz 1944 weitere, viel schlimmere folgten. </p>
<p>Jahrzehntelang war es in der Stadt Gewohnheit, das Leid dieser Zeit wegzuschieben &#8211; hinter die Beschreibung der &#252;bergro&#223;en Schuld, welche sich Deutsche in den &#8220;ewigen zw&#246;lf Jahren&#8221; zuvor aufgeladen hatten. Im dicken Band &#8220;Die Geschichte der Stadt&#8221;, herausgegeben von der Frankfurter Historischen Kommission, nimmt die Schilderung der M&#228;rz-Angriffe 1944 im Kapitel &#8220;Der totale Krieg&#8221; nicht mehr als 22 Zeilen ein. Die mit dieser Erinnerung lebten, versuchten es durch die Zeiten ebenfalls mit Schweigen. </p>
<p>So auch der Diplom-Ingenieur Karl-Heinz Atzbach: Nichts von &#8220;dem Schlimmsten, was ich in meinem Leben durchgemacht habe&#8221;, sollte an die Oberfl&#228;che kommen, &#8220;die Erinnerung an die Stunden habe ich jahrzehntelang verdr&#228;ngt&#8221;.  Irgendwann aber &#8211; &#8220;in meinem Alter bleibt nicht mehr viel Zeit&#8221; &#8211; musste es  sein; was er mit Eltern und Hausgemeinschaft in den Stunden im Luftschutzkeller in der Idsteiner Stra&#223;e im Gallusviertel erlebte, hat er protokolliert und als Lose-Blatt-Sammlung an die Frankfurter Rundschau geschickt.  Nat&#252;rlich habe er &#8220;sehr darauf geachtet, die Ereignisse nicht zus&#228;tzlich zu dramatisieren&#8221;. &#8220;Ehe die Spuren verwehen!&#8221; lautet der Titel auf der aus Michelstadt &#252;bersandten Lose-Blatt-Sammlung zu den Ereignissen, da &#8220;unsere gemeinsame Zeit in meinem geliebten Frankfurt zu Ende ging&#8221;.</p>
<p>Mit dem Wunsch, Teile der Altstadt zu rekonstruieren, ist manches der H&#228;user, die damals verbrannten, in die Vorstellungswelt der Frankfurter zur&#252;ckgekehrt. Am 22./ 23. M&#228;rz, als die Zahl der Gro&#223;br&#228;nde das Ausma&#223; von 2762 angenommen hat, als in f&#252;nfzig Minuten allein 1,2 Millionen Stabbrandbomben auf die Stadt fielen, wurde der gesamte H&#228;userkranz um R&#246;merberg und Domh&#252;gel ruiniert. Ferner die &#8220;Goldene Waage&#8221;, das Salzhaus, das Schopenhauerhaus. Und: Goethes Geburtshaus. Sein Ende kam an Goethes Todestag.</p>
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		<title>R&#246;mer: Rathaus der Stadt, Mittelpunkt des Reiches</title>
		<link>http://www.frankfurt.frblog.de/roemer-rathaus</link>
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		<pubDate>Mon, 10 May 2010 08:03:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frankfurter Rundschau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Kaiserwahl]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Römer]]></category>

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		<description><![CDATA[Der R&#246;mer: Schauplatz glanzvoller Kaiserwahlen und erbitterter K&#228;mpfe um die Macht. Dabei kam es schon beim allerersten Umbau  zum Eklat. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/2010_roemer.jpg" title="Der R&#246;mer, das Frankfurter Rathaus / Bild: Monika Gemmer" rel="lightbox[304]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/2010_roemer_th.jpg" alt="R&#246;mer" class="left"/></a> Es ist Zeit, das Hohe Lied des R&#246;mers zu singen. Seit am 11. M&#228;rz 1405 laut Kaufbrief zwei Br&#252;der der Familie &#8220;z&#252;m Romer, burger z&#252; Franckenfurd dem hiesigen Rat umb sehshundert gulden geltes in bester Lage im Mittelpunkt der Stadt die H&#228;user zum Romer und z&#252;m Guldenswanen&#8221; &#252;berschrieben haben, hat dieses deutsche Rathaus Lob und Preis von allerh&#246;chster Stelle erfahren.  <span id="more-304"></span></p>
<p>Man nehme Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1894, der seine Bewunderung f&#252;r die &#8220;gro&#223;e traditionelle Bedeutung des R&#246;mers und der herrlichen Kaiserstadt Frankfurt&#8221; als handschriftliche Randnotiz hinterlie&#223;. Oder auch den Trinkspruch des Kaisers Franz Joseph von &#214;sterreich 1863 bei einem Prunkmahl im Kaisersaal &#8211; auf &#8220;Frankfurt, diese ehr- und erinnerungsw&#252;rdige Stadt&#8221;.</p>
<p>Der Geb&#228;udekomplex war nach Einsch&#228;tzung von Geschichtsforschern &#8220;nicht nur Rathaus der Stadt, sondern oft genug des Reiches&#8221;. Nachdem die Kaiserwahlen laut den Bestimmungen der &#8220;Goldenen Bulle&#8221; 1356 in die Freie Reichsstadt Frankfurt verlegt worden waren, standen dem R&#246;mer nach allseitiger &#220;berlieferung 230 Jahre lang &#8220;Tage glanzvollen Pompes ins Haus, w&#228;hrend deren sich die Aufmerksamkeit von ganz Deutschland auf das altehrw&#252;rdige Haus richtete&#8221;.</p>
<p>Im aus lauter B&#252;rgerh&#228;usern zusammengesetzten R&#246;mer ist es allerdings schon beim ersten Umbau zum Eklat gekommen. Die neuen zweischiffigen Gew&#246;lbe des am 11. M&#228;rz 1405 erworbenen Hauses &#8220;Zum R&#246;mer&#8221; st&#252;rzten ein, &#8220;worauf man den unversehrt gebliebenen Rest niederrei&#223;en und auch eine von demselben Meister gebaute Stiege abbrechen lie&#223;&#8221;, verzeichnen die st&#228;dtischen Annalen. Der Steinmetz hie&#223; Friedrich K&#246;nigshofen und ist mit diesem Handwerkerpfusch in die Geschichte eingegangen; &#8220;damit war K&#246;nigshofens Th&#228;tigkeit am R&#246;mer beendet&#8221;, steht im 107 Jahre alten Geschichtsbuch der Chronisten Carl Wolff und Rudolf Jung. Der Streitfall freilich nicht: Erst am 13. Oktober 1406 quittierte &#8220;Ich Friederich Konigeshofen steynmetze offenlich mit dissem brieffe&#8221;, dass er auf weitere Anspr&#252;che gegen die Stadt verzichte.</p>
<p>Aus dem R&#246;mer sollte nicht nur ein Verwaltungssitz und ein repr&#228;sentativer Ort f&#252;r Kaiserwahlen und Reichstage werden. Der Rat wollte aus dem Kellergew&#246;lbe, das ab 1406 mit dem Keller des Geb&#228;udes &#8220;Zum Goldenen Schwan&#8221; zu weiten Hallen verbunden wurde, ein Kaufhaus machen. &#8220;Kluger Gesch&#228;ftsgeist paarte sich also bei den Ratsherren mit politischem Scharfsinn zur Ausnutzung g&#252;nstiger Situationen im Interesse der Stadt&#8221;, lobte Geschichtsschreiber Friedrich Bothe 1913.</p>
<p>Bevor die schlauen Frankfurter aber im Jahr 1414 zum ersten Mal f&#252;r jeden Fu&#223; Boden der R&#246;merhallen einen Schilling Miete einsacken konnten, hatten sie H&#228;ndel mit einem Herrscher auszutragen. Sigismund hie&#223; der K&#246;nig, Sohn von Karl IV., der sich mit Gemahlin und Gefolge in zwei Patrizierh&#228;usern rechts und links des R&#246;mers einquartieren wollte. Sein Ersuchen, in die Seitenw&#228;nde des neuen Rathauses T&#252;ren brechen zu lassen, &#8220;um bequemer mit der K&#246;nigin verkehren zu k&#246;nnen&#8221;, lehnte der Rat schlichtweg ab. &#8220;Der Besuch des K&#246;nigs kam nicht zur Ausf&#252;hrung&#8221;, res&#252;mieren Wolff und Jung. Der Vorgang zeigt f&#252;r Friedrich Bothe, &#8220;wie eifers&#252;chtig der Rat darauf hielt, dass der R&#246;mer in seiner W&#252;rde als Rathaus nicht beeintr&#228;chtigt wurde&#8221;.</p>
<p><strong>Erste Kaiserkr&#246;nung 1562</strong></p>
<p>Etwa 9000 Menschen lebten zur Gr&#252;ndung des Rathauses in der Stadt. Das Leben vieler Leute war nach Auskunft der Stadtchroniken &#8220;voller N&#246;te&#8221;. Schier unglaublich scheint demgegen&#252;ber die Vielfalt der Waren, die an den St&#228;nden der R&#246;merhallen auslagen. &#8220;Goldene Ringe und Sp&#228;nglein, silberne Ortb&#228;nder an Degen, mit Perlen und Steinen gestickte Schl&#246;sser, Rosenkr&#228;nze aus Koralle, gelbem und schwarzem Bernstein, Krystall, b&#246;hmischem Amethyst, Perlmutter, rotem, blauem und anderem Glase; auch Totenk&#246;pfe, aus Bein geschnitzt &#8220;, &#252;berliefert Friedrich Bothe aus dem Inventarverzeichnis eines Marburger H&#228;ndlers.</p>
<p>Der Frankfurter Rat hatte selbst eine Kredit- und Wechselbank gegr&#252;ndet, die in einer Bretterbude vor der Nikolaikirche ihre Dienste anbot. Schon zog die Stadt, wo sich in den R&#246;merhallen &#8220;die F&#252;rsten der Nachbarschaft ein Stelldichein gaben, um die ausgelegte Pracht anzuschauen&#8221;, Neid auf sich. Lokalpolitisch musste in jener Zeit auf &#8220;Missbr&#228;uche in der Gesellenschaft&#8221; reagiert werden &#8211; etwa &#8220;schlechtes Betragen den Meistern gegen&#252;ber&#8221; und &#8220;das Feiern in der Woche&#8221;. Die Verwaltung befasste sich auch damit, dass &#8220;die duben vor dem Rathaus die lude beschiszen&#8221;. Das Taubenproblem ist also nicht<br />
neu.</p>
<p>Am 30. September 1562 ist im Dom der erste Kaiser, Maximilian II., gekr&#246;nt worden. Zu dem glanzvollen Ereignis baute man den inzwischen auf f&#252;nf Patrizierh&#228;user vergr&#246;&#223;erten R&#246;mer, wo in prachtvoller Zeremonie getafelt wurde, tiefgreifend um. Zw&#246;lf Ratsherren m&#252;ssen &#8220;den Himmel &#252;ber dem Neuerw&#228;hlten tragen&#8221;, wie die Frankfurt-Chronik berichtet, sich vorher aber auf Gehei&#223; des Hofmarschalls &#8220;neue seidene Hofkleider anschaffen&#8221;. Drau&#223;en sind &#8220;der alte Stadtgraben, die Pfuhle und T&#252;mpel auf den Gassen und Pl&#228;tzen ein Seuchenherd&#8221;, und die Pest kostet im Jahr nach dem ersten Kaiserrummel fast 2000 Tote. Der R&#246;mer aber w&#228;chst und prunkt. Ein Umbau folgt dem n&#228;chsten. Mal wird aus Fachwerk Stein, dann werden die Giebel gewei&#223;t, ein Glockenturm aufgesetzt und &#8220;Adler und Kn&#246;pfe vergoldet&#8221;. Innenr&#228;ume werden mal kunstvoll ausgemalt, dann wieder &#8220;vom Pinsel des Weissbinders &#252;berfahren&#8221;.</p>
<p><b>Ber&#252;hmte Kaisertreppe</b></p>
<p>So geht das bis in die Barockzeit und durch viele konfliktreiche und kriegerische Jahrzehnte. F&#252;nf Kaiserkr&#246;nungen sind vorbei, ehe 1742 die ber&#252;hmte Kaisertreppe eingebaut wird und sich die Herrscher nicht mehr im schweren Kr&#246;nungsornat &#8220;&#252;ber die um 1405 gebaute, enge und dunkle Treppe hinaufschleppen m&#252;ssen&#8221;, schreiben die Historikerinnen Heike Drummer und Jutta Zwilling in ihrem R&#246;mer-F&#252;hrer. F&#252;nf Herrscher k&#246;nnen das Bild jener barocken Treppe noch genie&#223;en, ehe es 1806 mit der &#8220;herausragenden Rolle des R&#246;mers in der Nationalgeschichte&#8221; vorbei ist. Kaiser Franz II. dankt ab, Frankfurt ist von franz&#246;sischen Truppen eingenommen und den Kaisersaal, schreibt Bothe, &#8220;durchbrausen die Rufe: Es lebe der Kaiser Napoleon!&#8221; </p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1945_roemer_dpa.jpg" alt="Der R&#246;mer nach Kriegsende" title="Der R&#246;mer nach Kriegsende | Bild: dpa" rel="lightbox[304]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1945_roemer_th.jpg" class="right"></a> Der Nachruhm der herrschaftlichen R&#246;mer-Jahre h&#228;lt sich bis heute. Trotz des Missbrauchs des geschichtlich bedeutenden Hauses durch Nazihorden, die 1933 SPD-Abgeordnete mit Faustschl&#228;gen aus dem Saal jagten, trotz der Kriegszerst&#246;rung im M&#228;rz 1944, die auf Frankfurt wie ein Schock gewirkt hat. </p>
<p>Man merkt es, wenn ehrbare H&#228;upter, wie etwa im Jahr 1975 Bundespr&#228;sident Walter Scheel, eine R&#246;mer-Visite als Staatsbesuch betrachten und um Nachsicht bitten, dass sie &#8220;es sich nicht leisten&#8221; k&#246;nnen, auf dem R&#246;merberg &#8220;Ochsen braten zu lassen wie weiland der Kaiser&#8221;. Und unter den Augen der seit 1846 in &#214;l festgehaltenen Herrscher an der Saalwand f&#252;hlt sich mancher Gast einer Festgesellschaft vom Hauch der Geschichte umweht. </p>
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		<title>Mir wolle Batzebier!</title>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 06:54:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fred Kickhefel</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Allerheiligentor]]></category>
		<category><![CDATA[Bierkrawall]]></category>
		<category><![CDATA[Demo & Protest]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Binding]]></category>
		<category><![CDATA[Brauereien]]></category>
		<category><![CDATA[Henninger]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Feiertag endet mit einem Blutbad: Beim  "Bierkrawall" anno 1873 gibt  es 21 Tote. Hintergrund des Aufruhrs: die Erh&#246;hung der Bierpreise. Binding und Henninger rudern schlie&#223;lich zur&#252;ck.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Feiertag endet mit einem Blutbad: Beim  &#8220;Bierkrawall&#8221; anno 1873 gibt  es 21 Tote. Hintergrund des Aufruhrs: die Erh&#246;hung der Bierpreise. Binding und Henninger rudern schlie&#223;lich zur&#252;ck.<span id="more-3197"></span></p>
<blockquote><p>Vor der Henrichsen Brauerei schwenkte auf einmal eine Abteilung Soldaten und zwar unter dem Kommando des Leutnants v. Holbach von der Gro&#223;en Friedberger Gasse in die Kleine Friedberger Gasse ein, marschierte noch ungef&#228;hr 20 Meter vorw&#228;rts, hielt an und machte sich schussfertig. Das Publikum, zu dem auch ich geh&#246;rte, befand sich in einer b&#246;sen Lage. Es fl&#252;chtete so schnell wie m&#246;glich, soweit die Haust&#252;ren noch offen standen, in die H&#228;user hinein und ich &#8211; ich verstehe es heute noch nicht, wie ich es fertigbringen konnte &#8211; kletterte und kam gl&#252;cklich &#252;ber eine zwei Meter hohe Holzwand in den Hof hinein &#8230;&#8221; </p></blockquote>
<p>So beschrieb der Frankfurter Hermann Reiffenstein in einem Leserbrief an die Frankfurter Zeitung Jahrzehnte sp&#228;ter, was er als 17j&#228;hriger erlebt hatte. Das von dem damaligen Offenbacher Kaufmannslehrling Beschriebene fand am 21. April 1873 statt, am traditionell arbeitsfreien dritten Montag der Frankfurter Fr&#252;hjahrsmesse, und ist als &#8220;Bierkrawall&#8221; in die Geschichte eingegangen. Nicht alle Angeh&#246;rigen des &#8220;Publikums&#8221; kamen so glimpflich davon wie der agile 17j&#228;hrige. Als der Tag vorbei war, z&#228;hlte man 21 Tote, darunter eine Frau und einen zehnj&#228;hrigen Jungen.</p>
<p>Schon acht Tage zuvor wollten Ger&#252;chte wissen, dass an diesem Tag etwas passieren w&#252;rde, hatte es doch &#8220;Krawalle&#8221; bereits in S&#252;ddeutschland gegeben. Der Anlass war derselbe, gut drei Wochen alt: die willk&#252;rliche Erh&#246;hung des Bierpreises durch die Brauereien, von denen es auch im Frankfurter Stadtgebiet etliche gab. Der halbe Liter sollte fortan statt einem Batzen (vier Kreutzer a drei Pfennig) 41/2 Kreutzer kosten. Da es keine halben Kreutzer gab, bot jeder Wirt eigene Halbkreutzer-Marken an, die nat&#252;rlich jeweils nur bei ihm einzul&#246;sen waren.</p>
<p>So nimmt denn der &#8220;Krawall&#8221; seinen Lauf: L&#228;ngst kocht die Volksseele und ausw&#228;rtige Agitatoren nutzen die Gunst der Stunde, die durch wirtschaftliche Not l&#228;ngst erregte Arbeiterschaft zu Ausschreitungen zu veranlassen. Den N&#228;hrboden daf&#252;r bildet die Menschenmenge, die sich beim traditionellen Volksfest dieses Messetages auf der &#8220;Bleichwiese&#8221;, nahe Breite Gasse, eingefunden hat. Gegen 4 Uhr nachmittags sind rund 100 Mann gen&#252;gend agitiert (&#8220;Mir wolle Batzebier!&#8221;), um ihre Wut an Brauereien und Wirtsh&#228;usern auszulassen. Ein roter Vorhang muss als politische Fahne dienen. &#220;ber die Allerheiligenstra&#223;e zieht die Menge in die Stadt, demoliert wahllos Kneipen, versucht, Brauereien zu st&#252;rmen. Kein einfaches Unterfangen, denn die Brauer wehren sich mit gl&#252;henden Eisenstangen und kochendhei&#223;em Bier aus den Sudkesseln.</p>
<p>Die Obrigkeit ist zun&#228;chst hilflos; zwar kennt man l&#228;ngst die Ger&#252;chte &#252;ber einen Aufruhr, doch die Frankfurter Polizeimacht besteht aus gerade mal sechs Kommissaren, f&#252;nf Wachtmeistern und 55 Schutzleuten. Und das f&#252;r eine Einwohnerzahl von immerhin 90 000 &#8211; in einem Stadtgebiet, wohlgemerkt, das nur aus dem Bereich innerhalb des Anlagenrings und aus Sachsenhausen besteht; alle anderen heutigen Stadtteile werden erst sp&#228;ter bebaut oder eingemeindet.</p>
<p>Oberb&#252;rgermeister Mumm und Polizeipr&#228;sident Hergenhahn rufen schlie&#223;lich das Milit&#228;r zu Hilfe. Die Soldaten schie&#223;en zun&#228;chst in die Luft, dann in die Menge. Au&#223;er den 21 Toten &#8211; von denen einer gar mit dem Bajonett erstochen wurde &#8211; gibt es ungez&#228;hlte Verletzte. Wie meist, trifft es haupts&#228;chlich unbeteiligtes &#8220;Publikum&#8221;. Rund 300 M&#228;nner werden sp&#228;ter verhaftet, gegen 47 wird Anklage erhoben; die meisten von ihnen m&#252;ssen ins Zuchthaus, manche bis zu viereinhalb Jahre.</p>
<p>Ach ja: Die Sprecher der Brauer-Vereinigung, Conrad Binding und Christian Henninger, erkl&#228;ren: &#8220;Wir und unsere Sache wollen nicht zum Vorwand dienen, da&#223; in unserer Stadt Leben und Eigentum bedroht erscheinen.&#8221; Die Bierpreiserh&#246;hung wird zur&#252;ckgenommen.</p>
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		<title>Walter Kolb &#8211; der B&#252;rgermeister mit dem Presslufthammer</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Apr 2010 10:59:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Walter Kolb]]></category>

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		<description><![CDATA[Als Walter Kolb die Stadtregierung &#252;bernimmt, gleicht Frankfurt einem Tr&#252;mmerhaufen. Bis heute ist er der legend&#228;rste, wenn nicht gar der beste OB, den Frankfurt je hatte.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1952_kolb.jpg" title="Walter Kolb 1952 | Bild: ap " rel="lightbox[247]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1952_kolb_th.jpg" alt="Walter Kolb 1952" class="right"/></a>Manchmal beginnen gro&#223;e Dinge mit einem bl&#246;den Spruch. Der 21 Jahre alte Walter Kolb bummelt Pfingsten 1932 w&#228;hrend der Jahrestagung des Reichbunds demokratischer Jugendvereine durch Frankfurt. Am Rathaus st&#246;&#223;t er auf einen Sinnspruch: &#8220;Geht dir Rat aus, geh aufs Rathaus.&#8221; Und was soll man sagen: Am 1. September 1946 wird Kolb Oberb&#252;rgermeister der Stadt Frankfurt. Und bleibt bis heute der legend&#228;rste, wenn nicht gar der beste.<br />
<span id="more-247"></span><br />
&#220;ber die Jugend wie &#252;berhaupt &#252;ber das gesamte Privatleben Kolbs ist wenig bekannt. Am 22. Januar 1902 wird Walter Eugen Kolb in Bonn geboren. Dort besucht er auch das Gymnasium. Eltern sind der Kaufmann Eduard Kolb und die Koblenzer F&#246;rsterstochter Clementine Stichter. Sein &#228;lterer Bruder Erich f&#228;llt 1916 im Ersten Weltkrieg.</p>
<p><strong>Staatsexamen in der Haft</strong></p>
<p>Schon fr&#252;h wird Walter Kolb Mitglied der SPD. Mit dem Republikanischen Studentenkartell, das er 1922 gr&#252;ndete, k&#228;mpft Kolb gegen antidemokratische und antisemitische Tendenzen an den Universit&#228;ten. Das hei&#223;t nicht, dass er nicht &#252;berzeugter Patriot w&#228;re &#8211; sein Eintreten f&#252;r Deutschland f&#252;hrt dazu, dass er 1923 von den franz&#246;sischen Besatzern erstmals verhaftet wird und monatelang in U-Haft sitzt. Er nutzt die Haftzeit und legt im Bau sein erstes Staatsexamen ab.</p>
<p>Kolb macht schnell Karriere. 1924 wird er Gerichtsreferendar. 1931 beruft ihn das Landwirtschaftsministerium nach Berlin. 1932 wird er Landrat in Schmalkalden &#8211; er ist mit 30 der j&#252;ngste Landrat Preu&#223;ens und ganz oben. Er heiratet Anna Maria Elisabeth Trimborn, eine Landratstochter. Er nennt sie Aenne. Sie nennt ihn &#8220;mein Dicker&#8221;. Zweifellos, Kolb ist ein Mann von Statur. Und Format. Das aber sind Eigenschaften, die im Dritten Reich wenig gebraucht werden. </p>
<p>Nach der Hochzeit geht es beruflich bergab. Schon 1932 wird er wegen Einsparungen in den einstweiligen Ruhestand geschickt. Nach der Machtergreifung ist f&#252;r den begabten Rhetoriker Kolb, der den Nazis schon lange ein Dorn im Auge ist, im Staatsdienst gar nichts mehr zu wollen. Er denkt ans Auswandern, er&#246;ffnet dann aber eine Anwaltskanzlei in Bonn. 1940 stirbt seine Tochter kurz nach der Geburt. 1941 wird er zur Wehrmacht einberufen und muss zur Flakartillerie. Einziger Lichtblick in dieser Zeit: 1944 kommt sein Sohn Walter junior zur Welt.</p>
<p>Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler wird der daran unbeteiligte Kolb 1944 von der Gestapo verhaftet. Er macht vorsichtshalber sein Testament, aber 1945 gelingt ihm auf einem Gefangenentransport die Flucht. Er versteckt sich bis zum Kriegsende. </p>
<p>Im Nachkriegsdeutschland startet der politisch unbelastete Kolb schnell eine zweite Karriere. Er wird Oberstadtdirektor von D&#252;sseldorf, bis ihn 1946 der Ruf an den Main ereilt. Hier ist die SPD st&#228;rkste Partei. Sie ist mit 32 Sitzen im Parlament vertreten und hat vier Sitze mehr als die CDU. Bislang ist aber der Christdemokrat Kurt Blaun, einst OB von Hanau, der Stadtvater. Kolbs Einstand sorgt f&#252;r heftiges Parteiengez&#228;nk. Kolb k&#252;mmert es nicht. Er bezieht sein B&#252;ro in der Lindenstra&#223;e, ausgerechnet im ehemaligen Gestapo-Geb&#228;ude, und legt los. Seine Schwerpunkte sind klar: Wohnungsbau, Messerevitalisierung, Flughafenausbau, Sportwiederbelebung. </p>
<p>Dazu muss erst einmal aufger&#228;umt werden: Ganz Frankfurt liegt in Tr&#252;mmern. Die Tr&#252;mmer-Verwertungs-Gesellschaft (TGV) wird gegr&#252;ndet. Von 1946 bis 1948 pendelt der Tr&#252;mmerzug &#8211; von den Frankfurtern &#8220;Adolf-Hitler-Ged&#228;chtnis-Express&#8221; getauft, zwischen der Scheffelstra&#223;e und dem TGV-Gel&#228;nde am Ostpark. Kolb greift publikumswirksam eigenh&#228;ndig zum Presslufthammer. Die Altstadt wird &#8211; nicht sch&#246;n, aber funktionell &#8211; wiederaufgebaut, neue Siedlungen entstehen.</p>
<p><strong>&#8220;Rede an die Deutschen&#8221;</strong></p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1949_kolb_mann_dpa.jpg" title="Walter Kolb mit dem Goethepreistr&#228;ger Thomas Mann am 25. Juli 1949 in der Paulskirche | Bild: dpa " rel="lightbox[247]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1949_kolb_mann_th.jpg" alt="Walter Kolb mit dem Goethepreistr&#228;ger Thomas Mann am 25. Juli 1949 in der Paulskirche" class="left"/></a>Zugleich widmet sich der OB seinem Lieblingsprojekt: dem Wiederaufbau der Paulskirche. Am 18. Mai 1948 ist es soweit. Mit gro&#223;em Programm wird die Kirche wiederer&#246;ffnet. 35.000 Zuschauer kommen. Kolb erh&#228;lt als Erster die Paulskirchen-Plakette. Das eigens von Harald Genzmer komponierte &#8220;Frankfurter Konzert 1948&#8243; wird aufgef&#252;hrt. Der aus New York angereiste, vor den Nazis geflohene Dichter Fritz von Unruh h&#228;lt eine bewegende &#8220;Rede an die Deutschen&#8221;, die auch ihn selbst derma&#223;en bewegt, dass er am Rednerpult ohnm&#228;chtig wird.</p>
<p>Die Bev&#246;lkerungszahl steigt, die Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. Unter Kolb bl&#252;ht nicht nur die Kultur, sondern auch der Sport. 1948 wird das Frankfurter Turnfest gefeiert. Der als Sch&#252;ler eher unsportliche Kolb hat sich gemausert. Er schwimmt t&#228;glich durch den Main, bis der zu dreckig wird. Zehn hochm&#252;tigen FR-Journalisten, die Kolb 1949 zu einem Wettschwimmen im Kahler See herausfordern, ergeht es schlecht. Nur zwei erreichen das Ziel, zwei m&#252;ssen per Ruderboot gerettet werden. Der 115-Kilo-Mann Kolb schwimmt die sechs Kilometer in einer Stunde und 40 Minuten und siegt klar. Im Eifer des Gefechts platzt ihm die Badehose. Der Spiegel druckt das unvorteilhafte Foto bundesweit. Viele Frankfurter sind emp&#246;rt. Kolb lacht sich schlapp. Auch deshalb wird er bei den Frankfurtern immer beliebter. </p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1956_kolb_trauerfeier_weine.jpg" title="Trauerfeier f&#252;r Walter Kolb 1956 | Bild: FR-Archiv " rel="lightbox[247]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1956_kolb_trauerfeier_th.jpg" alt="Trauerfeier f&#252;r Walter Kolb 1956" class="right"/></a>Er hat nur einen Misserfolg zu verbuchen: dass Bonn 1949 Bundeshauptstadt wird. Der bereits gebaute Plenarsaal des Bundestags an der Bertramstra&#223;e wird von Frankfurter Schlappm&#228;ulern als &#8220;Kolbs Badewanne&#8221; bezeichnet. 1954 w&#228;hlt der Magistrat Kolb mit deutlicher Mehrheit f&#252;r weitere zw&#246;lf Jahre. Aber die zweite Amtszeit wird kurz. Der zuckerkranke Vielarbeiter, der bereits mehrere Herzinfarkte hinter sich hat, mutet sich zu viel zu. Er l&#228;sst sich 1950 gar noch in den Landtag w&#228;hlen. </p>
<p>Am 20. September 1956 stirbt der um 80 Pfund abgemagerte Kolb an einem Herzinfarkt. Er wird auf dem Hauptfriedhof beigesetzt. Mehr als 100.000 Menschen kommen zu einem imposanten Trauerzug. Kurz vor seinem Tod &#228;u&#223;ert Kolb, von dem man mit Fug und Recht sagen kann, dass er Frankfurt wiederaufgebaut hat, gegen&#252;ber dem Magistrat noch eine letzte Bitte: &#8220;Seid einig f&#252;r unsere Stadt.&#8221; <em>Von Stefan Behr</em></p>
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		<title>Der Magen ist die Hauptperson</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Apr 2010 08:52:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinrich Laube</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Essen & Trinken]]></category>
		<category><![CDATA[Heinrich Laube]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>

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		<description><![CDATA[Man muss es freilich den Frankfurtern lassen, dass sie durch ihre Kochk&#252;nstlichkeit alle Leiden und Entbehrungen dieses Lebens &#252;berwinden, denn der Magen wird hier als eine Hauptperson des menschlichen K&#246;rpers betrachtet.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Man muss es freilich den Frankfurtern lassen, dass sie durch ihre Kochk&#252;nstlichkeit alle Leiden und Entbehrungen dieses Lebens &#252;berwinden, denn der Magen wird hier als eine Hauptperson des menschlichen K&#246;rpers betrachtet.</p>
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		<title>Unertr&#228;glich</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Apr 2010 10:35:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johann Wolfgang Goethe</dc:creator>
				<category><![CDATA[17. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Johann Wolfgang Goethe]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>
		<category><![CDATA[Goethe]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie erinnern sich der letzten Zeiten, die ich bei Ihnen, ehe ich hierher ging, zubrachte; unter solchen fortw&#228;hrenden Umst&#228;nden w&#252;rde ich gewiss zugrunde gegangen sein. Das Unverh&#228;ltnis des engen und langsam bewegten b&#252;rgerlichen Kreises zu der Weite und Geschwindigkeit meines Wesens h&#228;tte mich rasend gemacht. Bei der lebhaften Einbildung und Ahndung menschlicher Dinge w&#228;re ich [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Sie erinnern sich der letzten Zeiten, die ich bei Ihnen, ehe ich hierher ging, zubrachte; unter solchen fortw&#228;hrenden Umst&#228;nden w&#252;rde ich gewiss zugrunde gegangen sein. Das Unverh&#228;ltnis des engen und langsam bewegten b&#252;rgerlichen Kreises zu der Weite und Geschwindigkeit meines Wesens h&#228;tte mich rasend gemacht. Bei der lebhaften Einbildung und Ahndung menschlicher Dinge w&#228;re ich doch immer unbekannt mit der Welt und in einer ewigen Kindheit geblieben, welche meist durch Eigend&#252;nkel und alle verwandten Fehler sich und anderen unertr&#228;glich wird.<br />
<strong> 1781 aus Weimar an die Mutter Catharina Elisabeth Goethe</strong></p>
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		<title>Goethe und Frankfurt: In Abneigung verbunden</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Apr 2010 08:42:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[18. Jahrhundert]]></category>
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		<category><![CDATA[Aja Goethe]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Hirschgraben]]></category>
		<category><![CDATA[Johann Wolfgang Goethe]]></category>
		<category><![CDATA[Goethe]]></category>

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		<description><![CDATA[Freiwillig kehrte er nicht zur&#252;ck, und Frankfurt war froh, ihn los zu sein: Das Verh&#228;ltnis zwischen dem Dichterf&#252;rsten und seiner Heimatstadt war stets problematisch.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1779_goethe.jpg" title="Johann Wolfgang Goethe auf einem Bildnis vonn Georg Oswald May, 1779 / Bildquelle: Wikimedia Commons" rel="lightbox[2368]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1779_goethe_th.jpg" alt="Goethe" class="left"></a>Runde Geburts- und Todestage ihres &#8220;gr&#246;&#223;ten Sohnes der Stadt&#8221; feiern die Frankfurter gerne ganz gro&#223;. Indes: Ein rechten Grund f&#252;r Jubelfeten gibt&#8217;s eigentlich nicht. Goethe hat Frankfurt als Erwachsener ausgiebig gemieden, und die Frankfurter zeigten ihm oft die kalte Schulter. Freiwillig kehrte er nicht in seine Geburtsstadt zur&#252;ck, und Frankfurt war froh, ihn los zu sein. <span id="more-2368"></span></p>
<p>Anno 1775, im Alter von 26, hat Johann Wolfgang Goethe seine Vaterstadt Frankfurt verlassen. Dass er f&#252;r den Rest seines Lebens, immerhin noch 56 lange Jahre, in Weimar wohnen und nur noch sechs Mal zu Besuch an den Ort seiner Geburt und Jugend zur&#252;ckkehren w&#252;rde &#8211; das d&#252;rfte ihm, den die Frankfurter sp&#228;ter zum &#8220;gr&#246;&#223;ten Sohn der Stadt&#8221; ausriefen, damals wohl kaum bewusst gewesen sein.</p>
<p>Oder doch? Auff&#228;llig jedenfalls: Wenn er sich denn schon mal nach Frankfurt kutschieren lie&#223;, dann scheint Goethe das niemals aus Heimweh, freien St&#252;cken oder Nostalgie heraus getan zu haben. In den wenigen F&#228;llen war meist eine Dienstreise im Auftrag des Weimarer Hofes der Anlass, wieder mal daheim Station zu machen. Ansonsten lie&#223; der als polyglott geltende Staatsmann und Gro&#223;schriftsteller die Stadt seiner Kindheit links liegen. Im Sommer 1815 ist Goethe zum letzten Mal dort &#8211; erst 17 Jahre sp&#228;ter, am 22. M&#228;rz 1832, ist er gestorben.</p>
<p>Als der Vater, der Kaiserliche Rat Johann Caspar Goethe, 1782 nach mehreren Schlaganf&#228;llen in Frankfurt das Zeitliche gesegnet hatte, war der ber&#252;hmte Sohn nicht zur Beerdigung gekommen. Und auch als die Mutter Catharina Elisabeth (&#8220;Aja&#8221;) 1808 auf dem Totenbett lag, blieb der Spr&#246;ssling in Weimar und dem Begr&#228;bnis auf dem Frankfurter Peterskirchfriedhof fern. Ohnehin hatte er Frau Aja in den zur&#252;ckliegenden elf Jahren nicht mehr gesehen, sondern mit ihr nur noch Briefe gewechselt.</p>
<p>Bereits 1781 hatte er der Mutter aus Weimar geschrieben, was ihn seinerzeit Frankfurt nachgerade fluchtartig verlassen lie&#223;: </p>
<blockquote><p>Sie erinnern sich der letzten Zeiten, die ich bei Ihnen, ehe ich hierher ging, zubrachte; unter solchen fortw&#228;hrenden Umst&#228;nden w&#252;rde ich gewiss zugrunde gegangen sein. Das Unverh&#228;ltnis des engen und langsam bewegten b&#252;rgerlichen Kreises zu der Weite und Geschwindigkeit meines Wesens h&#228;tte mich rasend gemacht. Bei der lebhaften Einbildung und Ahndung menschlicher Dinge w&#228;re ich doch immer unbekannt mit der Welt und in einer ewigen Kindheit geblieben, welche meist durch Eigend&#252;nkel und alle verwandten Fehler sich und anderen unertr&#228;glich wird.</p>
</blockquote>
<p>Mehr als einmal schildert er die Frankfurter Verh&#228;ltnisse als &#8220;bedr&#252;ckend&#8221;, &#8220;erstickend&#8221; und &#8220;dumpf&#8221;. Eine ihm 1792 offerierte Ratsstelle im R&#246;mer lehnte er mit der Begr&#252;ndung ab, dass f&#252;r ihn in seiner Vaterstadt &#8220;kein Wohnens und Bleibens&#8221; sei; und auch 1815, als man ihm in Frankfurt eine Art Musen-Superdezernat andient &#8211; er h&#228;tte das Sagen &#252;ber Theater, St&#228;delsches Institut, Museum, Bibliothek &#8220;und alles, was der Kunst verwandt ist&#8221; -, wehrt Goethe ab. &#8220;Nach Frankfurt m&#246;cht&#8217; ich nicht wieder.&#8221;</p>
<p>Selbst die Idee einiger prominenter Frankfurter B&#252;rger, dem zum Nationaldichter avancierten aus Anlass von dessen 80. Geburtstag 1829 das Ehrenb&#252;rgerrecht der Stadt zu verleihen, fand keine Gnade beim Jubilar. Man habe in all den Jahren zuvor so manche Gelegenheit zu diesem Schritt vers&#228;umt, lie&#223; er diejenigen knurrig wissen, die ihm das angetragen hatten, und nun sei es ja doch wohl zu sp&#228;t &#8211; man m&#246;ge die Angelegenheit ruhen lassen. </p>
<p>Dieser beleidigten und beleidigenden Absage war indes eine langj&#228;hrige Fehde vorausgegangen, an deren Ende ein total ver&#228;rgerter Goethe ganz offiziell &#8220;aus dem Frankfurter B&#252;rgerverband ausschied&#8221;, wie es im Amtsdeutsch hie&#223;. Und das kam so: Trotz seines permanenten Aufenthalts in Weimar hatte Goethe das Frankfurter B&#252;rgerrecht beibehalten, denn die kommunalen Steuern auf das Goethe&#8217;sche Familienverm&#246;gen, die dieses Recht materiell begr&#252;ndeten, wurden p&#252;nktlich von Mutter Aja an die R&#246;mer-Kasse bezahlt. Als Katharina Elisabeth Goethe starb, erbte der prominente Sohn 1808 die H&#228;lfte dieses Kapitals &#8211; und musste fortan aus seiner Tasche die f&#228;lligen Frankfurter Abgaben berappen.</p>
<p>Goethe hielt das f&#252;r &#8220;unn&#246;tig&#8221; und wollte auch gern das in Frankfurt stehende Verm&#246;gen nach Weimar transferieren. Doch in diesem Fall w&#228;re eine Wegzug- oder Fluchtsteuer kassiert worden &#8211; immerhin ein Siebtel der in Rede stehenden Summe. Goethes Antrag, ihn da nicht zu schr&#246;pfen und ihm die Steuer zu<br />erlassen, lehnte der Rat rundweg ab.</p>
<p>Erst 1817 &#8211; durch eine Rechts&#228;nderung via Deutsche Bundesakte waren solche &#8220;Fluchtsteuern&#8221; zwei Jahre zuvor verboten worden &#8211; kam Goethe auf die Angelegenheit zur&#252;ck. Und wurde auch prompt aus dem &#8220;Frankfurter Staatsverband entlassen&#8221;, wie das damals hie&#223;. Das geschah in knappen, d&#252;rren, schnauzigen Worten, denn Goethe galt seinen ehemaligen Mitb&#252;rgern als eine Art Fahnenfl&#252;chtiger. Die Stadt n&#228;mlich war hoch verschuldet und finanziell arg in der Klemme &#8211; wegen der Lasten und Kontributionen w&#228;hrend der Napoleonischen Kriege. Jeder, der in dieser Situation auch noch sein Geld aus der Stadt abzog und ihr die kalte Schulter zeigte, hatte nur noch wenig Sympathisanten in Frankfurt.</p>
<p>Das mag auch mit der entscheidende Grund daf&#252;r gewesen sein, dass sich die Frankfurter mit ihren Goethe-Gedenkst&#228;tten ziemlich schwer taten. So gab es ein langj&#228;hriges Hin und Her um ein Denkmal f&#252;r den Dichterf&#252;rsten. Ein B&#252;rgerkomitee formierte sich anl&#228;sslich des 70. Goethe-Geburtstages, doch erst 25 Jahre danach &#8211; Goethe war zw&#246;lf Jahre tot &#8211; wurde die vom M&#252;nchner Bildhauer Ludwig Schwanthaler entworfene Skulptur am 22. Oktober 1844 enth&#252;llt.</p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1755_goethehaus.jpg" title="Goethes Geburtshaus vor dem Umbau 1755 / Bildquelle: Wikimedia Commons" rel="lightbox[2368]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1755_goethehaus_th.jpg" alt="Goethe" class="right"></a>Dazwischen lag ein Vierteljahrhundert Gez&#228;nk um Finanzierung, Standort, Konzeption und Auftragsvergabe. Auch um das Goethehaus, seit Jahr und Tag Weihe- und Pilgerst&#228;tte f&#252;r die Anh&#228;nger des Poeten, haben sich die Frankfurter zun&#228;chst &#252;berhaupt nicht gek&#252;mmert. Das Geb&#228;ude im Gro&#223;en Hirschgraben war 1795 von Frau Aja an einen Weinh&#228;ndler verkauft und der Hausrat versteigert worden. Mehrmals wechselte der Besitzer, schlie&#223;lich erstand ein &#8220;Eingeplackter und Hergeloffener&#8221; aus L&#252;neburg, der Dr. Otto Volger, die Immobilie &#8211; und brachte dort das Freie Deutsche Hochstift, eine Art Volkshochschule, unter. Die Stadt Frankfurt gab keinen roten Heller dazu und lie&#223; es auch an jeglicher ideeller Unterst&#252;tzung mangeln.</p>
<p>Einem Ortsfremden, den die Einheimischen im Regen stehen lie&#223;en, ist es also geschuldet, dass Goethes Elternhaus jetzt als Museum erhalten ist und als literarhistorische Forschungsst&#228;tte genutzt werden kann. Am 28. Juli 1815 hat nach eigenem Bekunden Goethe selbst zum letzten Mal vor diesem Haus gestanden &#8220;und die alte Standuhr schlagen geh&#246;rt&#8221;. Er war nach Frankfurt gekommen, um hier seinen &#8220;k&#252;nstlerischen Reisef&#252;hrer&#8221; durchs Rhein-Main-Gebiet zu komplettieren, die (von ihm sp&#228;ter hochger&#252;hmten) Bibliotheken, Galerien und naturwissenschaftlichen Sammlungen seiner Vaterstadt<br />zu besichtigen. Und um eine um 45 Jahre j&#252;ngere Frau wiederzutreffen, in die er sich bis &#252;ber beide Ohren verliebt hat: die mit einem seiner Bankiersfreunde verheiratete Marianne von Willemer. </p>
<p>Mit ihr arbeitet er an den Suleika-Gedichten des West-&#246;stlichen Divan und verbringt, wie es sp&#228;ter hei&#223;t, &#8220;eine beschwingte Zeit&#8221; in der Gerberm&#252;hle, dem Anwesen der Willemers. Er hat dann Ende September Frankfurt und seine Freundin verlassen &#8211; f&#252;r immer. <em>Von Peter Holle</em></p>
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		<title>Kunstraub in der Schirn</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Apr 2010 07:27:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Altstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Kriminalfälle]]></category>
		<category><![CDATA[Kriminalität]]></category>
		<category><![CDATA[Schirn]]></category>

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		<description><![CDATA[Beim spektakul&#228;rsten Frankfurter Kunstraub wurden 1994 drei Bilder aus der Schirn entwendet - die Hinterm&#228;nner sind bis heute unbekannt.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1994_kunstraub_dpa.jpg" title="Leere Wand in der Schirn: Drei Bilder verschwinden 1994 &#252;ber Nacht aus der Kunsthalle. / Bild: dpa" rel="lightbox[3160]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1994_kunstraub_th.jpg" alt="Kunstraub" class="left"/></a> Beim spektakul&#228;rsten Frankfurter Kunstraub werden 1994 drei wertvolle Bilder aus der Schirn entwendet &#8211; die Hinterm&#228;nner sind bis heute unbekannt.  Ein Jahrzehnt sp&#228;ter sind alle drei Gem&#228;lde wieder da &#8211; gegen &#8220;L&#246;segeld&#8221;.   Am Morgen danach bot sich Betrachtern in der Schirn ein ungew&#246;hnliches Motiv: Eine leere, wei&#223;e Wand in der Kunsthalle. <span id="more-3160"></span> In der Nacht zuvor, am 28. Juli 1994, hatten sich maskierte Diebe in der Ausstellung &#8220;Goethe und die Kunst&#8221; einschlie&#223;en lassen, einen Wachmann &#252;berw&#228;ltigt und drei wertvolle Gem&#228;lde abgeschraubt: zwei Werke des britischen Malers William Turner sowie  &#8220;Nebelschwaden&#8221; von Caspar David Friedrich. Versicherungswert insgesamt: 70 Millionen Mark. Die zwei Turner-Bilder stammten aus der Londoner Tate Gallery, das Friedrich-Gem&#228;lde geh&#246;rte der Hamburger Kunsthalle.</p>
<p> Noch heute gilt dieser Raub als der spektakul&#228;rste Fall von Kunstdiebstahl in der Nachkriegsgeschichte. Zwei der T&#228;ter waren 1999 geschnappt und zu Haftstrafen von elf und acht Jahren verurteilt worden. &#220;ber ihren Auftraggeber aber schwiegen sie eisern. Er wird in Kreisen der jugoslawischen Mafia vermutet.</p>
<p>Nicht nur der Raub ist bizarr, auch die Umst&#228;nde, unter denen die Bilder wieder auftauchten, sind es. Die Londoner Tate Gallery lie&#223; sich nach dem Diebstahl zun&#228;chst die Versicherungssumme f&#252;r die beiden Turner auszahlen, versuchte aber unabh&#228;ngig davon auf eigene Faust, die Gem&#228;lde  zur&#252;ckzubekommen. F&#252;r den Fall, dass diese Bem&#252;hungen erfolgreich sein w&#252;rden, traf sie mit der Versicherung die Vereinbarung, die Besitzrechte zur&#252;ckzukaufen &#8211; f&#252;r ein Drittel der ausgezahlten Versicherungssumme.</p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1994_kunstraub_friedrich.jpg" title="Gestohlen und wieder aufgetaucht: Caspar David Friedrichs Nebelschwaden / Bild: dpa" rel="lightbox[3160]"> <img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1994_kunstraub_friedrich_th.jpg" alt="" class="right"/></a> Der Plan ging auf, und die Tate machte unterm Strich ordentlich Gewinn.  Nach einer Geld&#252;bergabe, die laut WDR-Recherchen auf einer Parkbank in Bad Homburg stattgefunden haben soll, war das erste Turner-Bild &#8220;Schatten und Dunkelheit&#8221; im Jahr 2000 wieder im Besitz des Londoner Kunsthauses.  </p>
<p>Zwei Jahre sp&#228;ter kehrte auch  &#8220;Licht und Farbe&#8221; heim nach London. Wie im ersten Fall vermittelte dabei ein Frankfurter Anwalt &#8211; diesmal allerdings wohl nicht mit den R&#228;ubern selbst, sondern mit Handlangern, die das das Diebesgut lediglich verstecken sollten. Deponiert worden waren die wertvollen Kunstwerke laut sp&#228;terer Anklage nach dem Raub in einer Garage in der Frankfurter Waldschmidtstra&#223;e. F&#252;r den Verkauf des Turners &#8220;Licht und Farbe&#8221; sollen die Handlanger rund zwei Millionen Euro von der Tate Gallery kassiert haben, f&#252;r Caspar David Friedrichs &#8220;Nebelschwaden&#8221; bekamen sie von dem Vermittler noch einmal 250.000 Euro. Die streckte der Anwalt zun&#228;chst vor &#8211; und musste sich die R&#252;ckzahlung sp&#228;ter gerichtlich von der Hamburger Kunsthalle erstreiten. Die beiden Hehler machten sie sich mit dem Geld aus dem Staub. Frankfurter Ermittler sp&#252;rten sie Anfang 2007 in Brasilien auf, danach wurden ihnen der Prozess gemacht. Die eigentlichen Drahtzieher des Kunstraubes sind bis heute unbekannt.</p>
<p>Andere Kunstdiebst&#228;hle in Frankfurt sind weniger spektakul&#228;r. So tauchen beispielsweise auf Flohm&#228;rkten in Frankfurt immer wieder einmal gestohlene Kunstwerke auf. 2006 werden auf dem gro&#223;en Flohmarkt am Ratsweg mehrere Fragmente von Sandsteinplastiken angeboten. Sie stammen von barocken Grabmalen des alten Peterskirchhofes an der Stephanstra&#223;e und sind dort von Unbekannten abgeschlagen worden. Stadthistoriker Bj&#246;rn Wissenbach gelingt es, die Fragmente zu identifizieren. Es wird Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Doch die Spuren verlaufen im Sand. </p>
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		<title>&#220;ber den W&#228;ldchestag</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Apr 2010 15:10:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wilhelm Hauff</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feste, Feiern, Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>
		<category><![CDATA[Wäldchestag]]></category>

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		<description><![CDATA[Kommt man um die Zeit des Pfingstfestes nach Frankfurt, so sollte man meinen, es gebe keine heiligere Stadt in der Christenheit; denn sie feiern daselbst nicht wie z. B. in Bayern 1½, oder, wie im Kalender vorgeschrieben, 2 Festtage, sondern sie rechnen vier Feiertage; die Juden haben deren sogar f&#252;nf, denn sie fangen in Bornheim [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Kommt man um die Zeit des Pfingstfestes nach Frankfurt, so sollte man meinen, es gebe keine heiligere Stadt in der Christenheit; denn sie feiern daselbst nicht wie z. B. in Bayern 1½, oder, wie im Kalender vorgeschrieben, 2 Festtage, sondern sie rechnen vier Feiertage; die Juden haben deren sogar f&#252;nf, denn sie fangen in Bornheim ihre heiligen &#220;bungen schon am Samstag an, und der Bundestag hat sogar acht bis zehen. <br />
<b>In &#8220;Mein Besuch in Frankfurt&#8221;</b></p>
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		<title>Das wird Effekt machen!</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Apr 2010 07:10:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maria Belli-Gontard</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Aja Goethe]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>
		<category><![CDATA[Goethe]]></category>
		<category><![CDATA[Gontard]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie war, w&#228;re sie auch nicht die Mutter dieses gro&#223;en Dichters geworden, eine originelle Frau. Einen Gru&#223; auf der Stra&#223;e erwiderte sie durch Stehenbleiben, zierlich, wie beim Menuett-Tanzen, die R&#246;cke ergreifend, und einen tiefen Knicks machend. Man konnte bei jeder Gelegenheit fest auf sie bauen, und so wie sie in ihrer Jugend sich gerne Vergn&#252;gen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Sie war, w&#228;re sie auch nicht die Mutter dieses gro&#223;en Dichters geworden, eine originelle Frau. Einen Gru&#223; auf der Stra&#223;e erwiderte sie durch Stehenbleiben, zierlich, wie beim Menuett-Tanzen, die R&#246;cke ergreifend, und einen tiefen Knicks machend. Man konnte bei jeder Gelegenheit fest auf sie bauen,  und so wie sie in ihrer Jugend sich gerne Vergn&#252;gen machte, ebenso lieb war es ihr im Alter, der Jugend Freude schaffen zu k&#246;nnen. </p>
<p>Doch hatte sie die Gewohnheit, bei solchen Gelegenheiten immer erst die L&#228;den schlie&#223;en zu lassen; sie meinte, man k&#246;nne eher Trauer als Freude zur Schau tragen, da letztere meist den Neid errege. Ihr Gatte gab ihr noch in der ersten Zeit Unterreicht im Schreiben, so wenig war sie gebildet. Einst bat sie ihren Sohn, er m&#246;ge ihr doch einen allgemeinen Ausdruck sagen, den sie bei dem Anblick eines jeden Kunstwerkes anwenden k&#246;nne, und der f&#252;r alles passe; er gab ihr an zu sagen &#8220;Das wird Effekt machen&#8221;; bis ins hohe Alter war ihr dieser Ausdruck geblieben, woher er kam, sagte sie ohne Hehl.<br />
<b>&#220;ber Catharina Elisabeth Goethe, 1850</b></p>
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		<title>Nebbiensches Gartenhaus &#8211; Oase im Gr&#252;nen</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Apr 2010 07:00:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Michels</dc:creator>
				<category><![CDATA[18. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Straßen, Plätze, Bauwerke]]></category>
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		<category><![CDATA[Anlagenring]]></category>
		<category><![CDATA[Nebbiensches Gartenhaus]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Herr Verleger Markus Johannes Nebbien lebte mitten im Gr&#252;nen, hinter dem Eschenheimer Turm. Heute umkurven viele tausend Pferdest&#228;rken die einstige Idylle. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/2010_nebbiensches.jpg" title="Nebbiensches Gartenhaus im Anlagenring / Bild: Monika Gemmer" rel="lightbox[1263]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/2010_nebbiensches_th.jpg" alt="Nebbiensches Gartenhaus" class="left"></a>Der Herr Verleger Markus Johannes Nebbien (1755-1836) lebte mitten im Gr&#252;nen, hinter dem Eschenheimer Turm. Viele tausend Pferdest&#228;rken umkurven inzwischen unaufh&#246;rlich den Ort. Ein paar Grashalme halten sich an den R&#228;ndern der Kanaldeckel. Schwere Metallb&#252;gel sch&#252;tzen die Blumenbeete zwischen den Asphaltbahnen Hochstra&#223;e und Taubenstra&#223;e. <span id="more-1263"></span></p>
<p>In dem Garten, wo einst Herr Nebbien zuhause war, schalten die Frankfurter gern in den Promenadengang. Die Sonne teilt Rasen und Wege in Felder und Streifen. Die Sonnenstreifen binden das Gartenh&#228;uschen, das  noch immer von dem Verleger des Frankfurter Intelligenzblattes Zeugnis gibt, mit seinem  Gegen&#252;ber zusammen, dem rosarot-eisgrauen Hilton-Hotel. Hilton, genau dort, wo einst die Villa zum Gartenh&#228;uschen stand, protzt hintenraus mit dicken, runden S&#228;ulen. Das Gartenhaus antwortet mit sanften B&#246;gen.</p>
<p>Markus Johannes Nebbien hat es genossen, sich mit Frau und Kindern vor Wipfeln malen zu lassen, wie sie sein Gartenhaus noch heute umstehen. Zwei turmhohe, massige Platanen in schuppigem Rindenkleid dr&#252;cken Wurzeln wie Echsenkrallen aus dem Boden. Eine Glyzinie stemmt sich weg von der Haust&#252;r unter dem axialen Giebel und wirft die langen &#196;ste auf eine Pergola. </p>
<p>Drinnen pr&#228;sentieren sich K&#252;nstler. Dem Frankfurter K&#252;nstlerclub ist seit &#252;ber 40 Jahren das &#8220;Nebbiensche Gartenhaus&#8221; &#252;berlassen, dieses Relikt der ger&#252;hmten Frankfurter Gartenkultur, das nach dem Krieg mit einem anderen &#220;berbleibsel hochherrschaftlicher G&#228;rtnerei zu einem Ensemble verbunden worden ist. Als die Welt des Niederr&#228;der Fabrikanten-Ehepaars Carl und Mary von Weinberg erst durch die Nazis, dann durch Bomben zerst&#246;rt war, brachte man den Renaissance-Brunnen mit seinen Fabeltieren von der Weinberg-Villa Waldfried in die Stadtmitte und r&#252;ckte ihn neben das Erinnerungsst&#252;ck der Verlegerfamilie. </p>
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		<title>An Gleis 16 gehen die Z&#252;ge nach Auschwitz ab</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Mar 2010 08:00:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Michels</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Lindenstraße]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Deportationen]]></category>
		<category><![CDATA[Gestapo]]></category>

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		<description><![CDATA[Schon im Herbst 1942 ist Frankfurt nach Massen-Deportationen und Emigration nahezu "judenrein". Doch der Ehrgeiz der Verfolger geht weiter.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1943_gestapo.jpg" title="Die ehemalige Gestapo-Zentrale in der Lindenstra&#223;e im Westend / Bild: Monika Gemmer" rel="lightbox[1664]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1943_gestapo_th.jpg" alt="Ehemalige Gestapo-Zentrale" class="left"/></a>Schon im Herbst 1942 ist Frankfurt nach Massen-Deportationen und Emigration nahezu &#8220;judenfrei&#8221;. Doch der Ehrgeiz der Verfolger geht weiter. Die Gestapo versucht alles, den Betroffenen irgendwelche Vergehen anzuh&#228;ngen &#8211; sei es die Weigerung, den gelben Stern zu tragen, oder der Besuch &#8220;arischer Fris&#246;re&#8221;. <span id="more-1664"></span></p>
<p>Die j&#252;dische Frankfurterin Cl&#228;re von Mettenheim lebte mit ihrem nichtj&#252;dischen Mann Heinrich von Mettenheim, der seit 1908 Direktor der hiesigen Kinderklinik war, in der Unterlindau 33 im Westend. Im Februar 1943, im Alter von 59 Jahren, f&#252;hlt die Mutter sechs erwachsener Kinder &#8220;den Griff an meine Kehle&#8221; sich n&#228;hern. &#8220;Der j&#252;dische Teil der Mischehen&#8221;, schreibt sie, ist in die Gestapo-Zentrale Lindenstra&#223;e geladen &#8211; &#8220;was dort geschieht, wei&#223; niemand&#8221;. Cl&#228;re von Mettenheim, die 1941 erlebt hatte, wie &#8220;wahllos etwa 2000 Juden, vom kleinen Baby bis zur alten wei&#223;haarigen Gro&#223;mutter, von eins bis 80 Jahren, Frauen, Damen &#8230; und die Bl&#252;te der Wissenschaft, mitgenommen&#8221; worden waren, erkennt: &#8220;Im beschleunigten Tempo geht die Aktion zur kalten Erledigung der Mischehen weiter.&#8221;</p>
<p>Wie Geschichtsforscherin Monica Kingreen, Mitarbeiterin des Fritz Bauer Instituts, erstmals nachwies, hatte diese &#8220;reichsweit einzigartige Aktion&#8221; zu jener Zeit in Frankfurt mit der Verhaftung von mindestens 250 Personen aus Mischehen &#8220;einen deutlichen H&#246;hepunkt erreicht&#8221;. Die hiesige Geheime Staatspolizei habe in Eigenregie &#8220;eine M&#246;glichkeit ersonnen, j&#252;dische Mischehepartner und auch Mischlinge zu verfolgen, die durch Erlasse des Reichssicherheitshauptamts vor einer Deportation gesch&#252;tzt waren&#8221;. Das Reichssicherheitshauptamt in Berlin, so Monica Kingreen, habe die Unruhe gef&#252;rchtet, die das Auseinanderrei&#223;en von j&#252;disch-christlichen Familien ausl&#246;sen k&#246;nnte.</p>
<p>In Frankfurt aber, das schon im Herbst 1942 nach Massen-Deportationen und Emigration nahezu &#8220;judenrein&#8221; ist, geht der Ehrgeiz der Verfolger weiter. Die Gestapo versucht, den Betroffenen irgendwelche Vergehen oder Verst&#246;&#223;e anzuh&#228;ngen. Sei es die Weigerung, den gelben Stern zu tragen, der Bezug von nicht zustehenden Lebensmittelkarten oder der Besuch &#8220;arischer Fris&#246;re&#8221;. Dann kann die Gestapo acht Wochen &#8220;Schutzhaft&#8221; verh&#228;ngen &#8211; und dieses Instrument zur &#8220;Abwehr aller volks-und staatsfeindlichen Bestrebungen&#8221; nutzt sie aus.</p>
<p><strong>Beschimpft, erniedrigt und gequ&#228;lt</strong></p>
<dl class="imleft" style="width:225px; padding:0 10px 0 0">
<dd><b>Gestapo in Frankfurt</b><br />
Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) des nationalsozialistischen Regimes hatte ihre Frankfurter Zentrale 1941 bis 1945 im Cronstett‘schen Stiftsgeb&#228;ude in der Lindenstra&#223;e 27. Die Gestapo kontrollierte fast eine Million Menschen in ihrem Machtbereich. &#8220;Bei der Verfolgung von Antifaschisten und Juden ging sie weit &#252;ber die Weisungen der Gestapo-Zentrale in Berlin hinaus&#8221;, res&#252;miert Adolf Diamant in seiner Gestapo-Chronik des Jahres 1988. </dd>
</dl>
<p>Per Postkarte werden die Menschen &#8220;zur Er&#246;rterung&#8221; in die Lindenstra&#223;e bestellt. Dort beschimpft, erniedrigt und qu&#228;lt man sie. &#8220;Meine Strafe ist f&#252;r ungeb&#252;hrliches Benehmen&#8221;, schreibt eine Frankfurterin auf ein St&#252;ck Toilettenpapier, das aus dem Polizeigef&#228;ngnis zu Mann und Sohn geschmuggelt werden kann; &#8220;ich h&#228;tte mich getarnt und nicht als J&#252;din zu erkennen gegeben&#8221;. Wie in der Berliner Rosenstra&#223;e, halten sich auch vor dem Frankfurter Klapperfeld tagelang Angeh&#246;rige auf, die versuchen, mit den gefangenen Lieben in Verbindung zu bleiben. Montags um 10.05 Uhr geht mancher bangen Herzens zum Hauptbahnhof, Gleis 16 &#8211; da gehen die Z&#252;ge mit den Sonderabteilen nach Auschwitz ab.</p>
<p>Cl&#228;re von Mettenheim ist &#8220;fest entschlossen, einer Vorladung nicht zu folgen, nicht durch Gewalt umzukommen&#8221;. Der Satz, den die Westend-Bewohnerin am 19. Februar 1943 in ihr Tagebuch schreibt, klingt mutig. Doch sie lebt in Panik. Mehrfach k&#252;ndigt sie an, aus dem Leben zu gehen: &#8220;Nicht, dass ich lebensm&#252;de w&#228;re. Aber ich habe ein solches Entsetzen vor diesen unmenschlichen Gewalten, ich habe sie so nahe kennengelernt &#8211; dass eben sterben leichter ist, als leben.&#8221; Letztlich ist es die totale Zerst&#246;rung des Hauses Unterlindau 33 am 29. Januar 1944, bei der ihr Mann Heinrich umkommt, die ihr zur Rettung verhilft.</p>
<p>Mit den j&#252;ngsten Kindern verl&#228;sst sie die Stadt und kann ihre Spuren verwischen. Die Vorladung zum Transport nach Theresienstadt an die alte Adresse erreicht Cl&#228;re von Mettenheim nicht mehr. Sie &#252;berlebt den Krieg auf einem Gut in Brandenburg und kehrt 1945 nach Frankfurt zur&#252;ck.</p>
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		<title>Nationalversammlung: Paulskirche zu klein, nichts zu trinken, vorlautes Publikum</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 14:00:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zeitzeuge</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dass die Reichsversammlung, wie schon das Vorparlament, in der Paulskirche ihre Sitzungen hielt, ist weltbekannt. Das Geb&#228;ude hatte manche gute Eigenschaften, aber auch unzweifelhaft, als zu einem ganz anderen Zwecke errichtet, gro&#223;e M&#228;ngel. (&#8230;) Von Lokalen f&#252;r Aussch&#252;sse war gar keine Rede; diese waren in der Stadt, zum Teile in ziemlichen Entfernungen, gemietet. Es konnte [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Dass die Reichsversammlung, wie schon das Vorparlament, in der Paulskirche ihre Sitzungen hielt, ist weltbekannt. Das Geb&#228;ude hatte manche gute Eigenschaften, aber auch unzweifelhaft, als zu einem ganz anderen Zwecke errichtet, gro&#223;e M&#228;ngel. (&#8230;) Von Lokalen f&#252;r Aussch&#252;sse war gar keine Rede; diese waren in der Stadt, zum Teile in ziemlichen Entfernungen, gemietet. Es konnte also, was doch oft n&#246;tig gewesen w&#228;re, kein schneller Zusammentritt eines Ausschusses stattfinden. Allein nicht einmal der Pr&#228;sident oder das Ministerium hatten Sprechzimmer, so dass eine Beratung oder schnelle Besprechung in freier Luft auf dem Paulsplatze bei jeder Witterung stattfinden mu&#223;te. Ich erinnere mich, eine Verhandlung mit dem Staatsrate (&#8230;) &#252;ber den Eintritt in ein von ihm zu bildendes Ministerium hier in str&#246;mendem Regen gehabt zu haben. </p>
<p>St&#246;rend und in den Folgen unanst&#228;ndig erwies sich, dass kein Raum f&#252;r Erfrischungen im Hause selbst eingerichtet werden konnte. Solche zu genie&#223;en war aber bei den langen, oft sechs bis acht Stunden dauernden Sitzungen f&#252;r viele ein Bed&#252;rfnis. Es blieb nichts &#252;brig als eine der in benachbarten G&#228;sschen liegenden Schenken zu besuchen, was denn f&#252;r das Stra&#223;enpublikum den nicht sehr erbaulichen Anblick des Hin- und Herstr&#246;mens aus dem Sitzungssaale in die Kneipe und umgekehrt zur Folge hatte.</p>
<p>Endlich und haupts&#228;chlich war es ein wirkliches Ungl&#252;ck, dass die Emporb&#252;hnen der Kirche Raum f&#252;r viel zu viele Zuh&#246;rer boten. (&#8230;) Ihr Beifalls- oder Missfallensrufen war unw&#252;rdig f&#252;r die Versammlung und hatte auf manches Mitglied einen Einfluss bei der Abstimmung (&#8230;).</p>
<p>Nun war aber die Versammlung keine geschulte, an eine altherk&#246;mmliche Disziplin gew&#246;hnte. Sie lebte in einer fieberhaft bewegten Atmosph&#228;re, war in sich selbst tief gespalten, die Parteien standen sich feindlichst gegen&#252;ber. Dass unter solchen Umst&#228;nden Ausbr&#252;che lauten Beifalls und Tadels vorkamen, war ganz nat&#252;rlich. Dann konnten aber auch die Galerien schwer von Teilnahme abgehalten werden. (&#8230;)</p>
<p>Gl&#252;cklicherweise war jedoch dieser Unfug nicht regelm&#228;&#223;ig, im Anfang sogar sehr selten; bei ruhiger Haltung aber machte die Versammlung in der Tat einen gro&#223;en Eindruck, welchen keiner, welcher sie sah, leicht vergessen wird.</p>
<p><strong>Aus den Erinnerungen Robert von Mohls, der 1848/49 Reichsjustizminister war.</strong></p>
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		<title>Frankfurt wird braun</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 13:51:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zeitzeuge</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
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		<description><![CDATA[Nach Steinberg1 muss Landmann2 verschwinden. (&#8230;) Tausendfach brauste das Heil &#252;ber den Opernplatz und die Nebenstra&#223;en. (&#8230;) Die Begeisterung kannte keine Grenzen (&#8230;) Wer noch nie den Arm zum Gru&#223; erhob, gestern tat er es. (&#8230;) Die Menschen wurden mitgerissen von dem Schwung &#8230;, der die motorisierten SA, SS und Hitlerjugend beseelte. (&#8230;) Die Stra&#223;en, [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Nach Steinberg<sup>1</sup> muss Landmann<sup>2</sup> verschwinden. (&#8230;) Tausendfach brauste das Heil &#252;ber den Opernplatz und die Nebenstra&#223;en. (&#8230;) Die Begeisterung kannte keine Grenzen (&#8230;) Wer noch nie den Arm zum Gru&#223; erhob, gestern tat er es. (&#8230;) Die Menschen wurden mitgerissen von dem Schwung &#8230;, der die motorisierten SA, SS und Hitlerjugend beseelte. (&#8230;) Die Stra&#223;en, auch die der Altstadt, geh&#246;rten gestern ausnahmslos den Braunhemden. (&#8230;) Von den Fenstern wehten die leuchtenden Farben unserer Hakenkreuzfahnen, T&#252;cher wurden geschwenkt, es war gestern, als m&#252;sse die Truppe ins Feld.</p>
<p><strong>Volksblatt, 26. Februar 1933</strong></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_3119" class="footnote">Der sozialdemokratische Frankfurter Polizeipr&#228;sident Ludwig Steinberg wird am 14. Februar 1933 von G&#246;ring des Amtes enthoben</li><li id="footnote_1_3119" class="footnote">J&#252;discher Oberb&#252;rgermeister von Frankfurt, der am 11. M&#228;rz  offiziell zur&#252;cktritt, um seiner Entlassung zuvorzukommen, und die Stadt verl&#228;sst</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Das erste Haus wird besetzt</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 13:42:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zeitzeuge</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir haben dieses Haus besetzt, um zu verwirklichen, was Regierung und Magistrat immer nur versprechen. Deshalb werden wir dieses Haus selbst verwalten. Hausbesetzer in der Eppsteiner Stra&#223;e 47, 1970]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wir haben dieses Haus besetzt, um zu verwirklichen, was Regierung und Magistrat immer nur versprechen.  Deshalb werden wir dieses Haus selbst verwalten. </p>
<p><strong>Hausbesetzer  in der Eppsteiner Stra&#223;e 47, 1970</strong></p>
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		<title>Die Oberschicht der Ratsherren</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 13:36:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthäus Merian der Ältere</dc:creator>
				<category><![CDATA[17. Jahrhundert]]></category>
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		<category><![CDATA[Patrizier]]></category>
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		<description><![CDATA[Es werden die B&#252;rger in drei Ordnungen abgeteilt. Die erste ist der Geschlechter im alten Limpurg, welches Haus an den R&#246;mer oder das Rathaus zur rechten Hand sto&#223;et. In der andern sein diejenige, so den Geschlechtern am n&#228;chsten, als die keine Handwerk, sondern Handlungen treiben oder von ihren v&#228;terlichen Renten und Einkommen leben und ihre [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Es werden die B&#252;rger in drei Ordnungen abgeteilt. Die erste ist der Geschlechter im alten Limpurg, welches Haus an den R&#246;mer oder das Rathaus zur rechten Hand sto&#223;et. In der andern sein diejenige, so den Geschlechtern am n&#228;chsten, als die keine Handwerk, sondern Handlungen treiben oder von ihren v&#228;terlichen Renten und Einkommen leben und ihre Zusammenkunft im Frauenstein haben, welches Haus auf der linken Seite des besagten R&#246;mers liegt. Die &#252;brigen B&#252;rger haben ihre gewissen Z&#252;nfte, deren Zunft-Recht aber ist denselben verm&#246;ge des am 28. Februar anno 1616 von dem kaiserlichen Herren Kommissarien, dem Kurf&#252;rsten zu Mainz und Landgrafen zu Hessen-Darmstadt ergangenen Dekrets entzogen und selbige von dem Rat Gesetz und Ordnung zu nehmen angewiesen worden.</p>
<p>Es regieret aber beide St&#228;dte, Frankfurt und Sachsenhausen, einerlei Rat, welcher der evangelischen Religion und unge&#228;nderter Augsburgischer Konfession zugetan und von 43 Personen bestehet. Ihr der Stadt Reichs Anschlag zum einfachen R&#246;merzug ist monatlich 20 zu Ross, 140 zu Fu&#223; oder 800 Gulden, und zur Unterhaltung des Kammergerichts zu Speyer nach dem erh&#246;hten Anschlag j&#228;hrlich 416 Gulden 42 Kreuzer 5 Heller.</p>
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		<title>Den Verf&#252;hrer trifft die Schuld am Kindsmord</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 13:32:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zeitzeuge</dc:creator>
				<category><![CDATA[18. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Kriminalfälle]]></category>
		<category><![CDATA[Susanna Margaretha Brandt]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>

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		<description><![CDATA[Da ich ebensowenig geneigt bin, dem Verbrechen das Wort zu reden, als wenig solches mein Amt mit sich bringt, gleichwohl aber dasselbe von mir verlangt, dass ich alle, auch die geringsten Umst&#228;nde, so der Inquisitin zur Entschuldigung dienen k&#246;nnen, getreulich anzeige, so sehe ich die gro&#223;en Schwierigkeiten, welche sich bei der mir aufgetragenen Verteidigung der [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Da ich ebensowenig geneigt bin, dem Verbrechen das Wort zu reden, als wenig solches mein Amt mit sich bringt, gleichwohl aber dasselbe von mir verlangt, dass ich alle, auch die geringsten Umst&#228;nde, so der Inquisitin zur Entschuldigung dienen k&#246;nnen, getreulich anzeige, so sehe ich die gro&#223;en Schwierigkeiten, welche sich bei der mir aufgetragenen Verteidigung der Susanna Margaretha Brandt von allen Seiten darbieten, nur allzu wohl ein, wenn ich hierbei nichts unterlassen und dennoch in jenen Fehler nicht verfallen will.</p>
<p>Auf der einen Seite zeigt sich das Bekenntnis eines gro&#223;en Verbrechens,  und wenn ich dieses als zuverl&#228;ssig annehmen will, so scheint fast alle Verteidigung entbehrlich und nichts &#252;brig zu sein, als die allemal noch bedauernsw&#252;rdige Inquisitin der Gnade ihrer Richter zu empfehlen.<br />
Auf der anderen Seite aber egeben sich solche Umst&#228;nde, welche dieses Bekenntnis verd&#228;chtig machen, und wenn mir dieses zum Leitfaden meiner Verteidigung dienen soll, so fordert Pflicht und Gewissen, da Inquisitin als denn mehr ungl&#252;cklich als lasterhaft sein m&#246;chte, alles aufzubieten, um sie von der drohenden schweren Strafe zu befreien. (&#8230;)</p>
<p>Dass Inquisitin ein Kind zur Welt gebracht, dass ein totes Kind gefunden worden, dass sich Gewaltt&#228;tigkeiten an demselben gezeigt, dieses sind Umst&#228;nde, welche teils durch das Bekenntnis der Inquisitin, teils sonsten best&#228;tigt worden, und solches bezweifeln wollen, w&#252;rde l&#228;cherlich, ja strafbar sein. (&#8230;) Alleine, da zu v&#246;lliger  Sicherstellung derselben in vorliegendem Fal die Recognition des gefundenen Kindes n&#246;tig war, und da der Umstand, ob das Kind gelebet, als es zur Welt kam, so unumst&#246;&#223;lich gewiss nicht sein m&#246;chte, so wird von beiden einiges zu ber&#252;hren notwendig sein. (&#8230;) </p>
<p>Inquisitin habe auch das ihr vorgezeigte Kind vor das ihrige erkannt, und es m&#246;chte also &#252;berfl&#252;ssig erscheinen, hiervon weiters was zu denken. Betrachtet man aber die der Recognition vorhergegangenen Umst&#228;nde, so wird jeder Unbefangene eingestehen m&#252;ssen, dass Inquisitin hier ein Gest&#228;ndnis abgelegt, welches ihr zu tun nach der Natur der Sache schlechterdings unm&#246;glich war. &#8230;</p>
<p>Ich glaube nicht viel zu sagen, wenn ich behaupte, dass ich jeder Mutter ihr neugeborenes Kind wegnehmen, solches unter zehn andere mengen und, wo nicht ein blindes Ungef&#228;hr ihre Wahl leitet, sie gewiss das Ihrige verfehlen w&#252;rde. Vergeblich wird man sagen, die Stimme der Natur habe alles dieses bei der Inquisitin ersetzen und bewirken k&#246;nnen, da diese Stimme nur allzu tr&#252;glich und solches alsdann auch bei allen M&#252;ttern eintreffen m&#252;sste. Ein k&#252;rzlich &#246;ffentlich bekannt gemachtes Beispiel, wo einer vornehmen Dame ihr totgeborenes Kind gegen ein lebendes vertauscht, von derselben mit allen Zeichen der m&#252;tterlichen Z&#228;rtlichkeit angenommen worden und vielleicht bis auf diese Stunde noch f&#252;r das ihriges gehalten wird, beweist die Richtigkeit meiner S&#228;tze unwidersprechlich. (&#8230;)</p>
<p>Ihr Verf&#252;hrer war der erste und letzte, der &#252;ber ihre Tugend gesieget hatte. (&#8230;) Dieser B&#246;sewicht ist die moralische Ursache alles des Ungl&#252;cks, das die bejammernsw&#252;rdige Inquisitin betrifft. Und so wie er seinem Schicksal und der Strafe der r&#228;chenden Gerechtigkeit gewiss nicht entgehen wird, so muss eine listige Verf&#252;hrung der Inquisitin ihr in gewissem Ma&#223;e zur Entschuldigung gereichen. Die ihr geraubte Ehre, dieses unsch&#228;tzbare Kleinod, welches billig dem Wert des Lebens gleich geachtet wird, die Wiedererlangung desselben, oder eigentlicher zu reden, die Verbergung der Schande, war der Hauptbeweggrund ihres Verbrechens. &#8230;</p>
<p>Dies sind die Verteidigungsgr&#252;nde, welche nach Anleitung derer Untersuchungsarten und Ma&#223;gabe der Rechte zum besten der Inquisitin sich vorgefunden. Sind solche gleich nicht verm&#246;gend, die Gefangene von der Strafe zu befreien, so schmeichle mir dennoch, dass solche nicht wenig zur Linderung derselben beitragen werden, zumal wenn die Gnade Ew. Wohl- und Hochedelgeborene Gestrenge und Herrlichkeiten, wie auch wohlf&#252;rsichtige Hoch- und Wohlweisheiten, dasjenige ersetzen wird, was meinen Gr&#252;nden an St&#228;rke abgeht.</p>
<p><b>Aus der Verteidigungsschrift von Dr. Schaaf, Pflichtverteidigers der wegen Kindsmordes angeklagten Susanna Margaretha Brandt, 23. November 1771 </b></p>
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		<title>Eine Sitzung nach der anderen</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 13:27:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert Blum</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalversammlung]]></category>
		<category><![CDATA[Paulskirche]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Blum]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Treiben hier ist jetzt bet&#228;ubend, keinen Tag, keine Stunde Ruhe, und doch keine Frucht. &#214;ffentliche Sitzungen, Abteilungssitzungen, Sitzungen in drei Kommissionen, und zwar den wichtigsten, Parteiberatungen, Klubberatungen, Kommissionsarbeiten und dazu eine Zeitung – wer sagt, dass ich nicht arbeite, der l&#252;gt schauderhaft. Brief an seine Frau Jenny, 27. Mai 1848]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das Treiben hier ist jetzt bet&#228;ubend, keinen Tag, keine Stunde Ruhe, und doch keine Frucht. &#214;ffentliche Sitzungen, Abteilungssitzungen, Sitzungen in drei Kommissionen, und zwar den wichtigsten, Parteiberatungen, Klubberatungen, Kommissionsarbeiten und dazu eine Zeitung – wer sagt, dass ich nicht arbeite, der l&#252;gt schauderhaft.</p>
<p><strong>Brief an seine Frau Jenny, 27. Mai 1848</strong></p>
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		<title>Ein F&#252;rst muss es sein</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 13:05:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinrich von Gagern</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Heinrich von Gagern]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer soll die Zentralgewalt schaffen? Meine Herren! Ich tue einen k&#252;hnen Griff, und sage Ihnen, wir m&#252;ssen die provisorische Zentralgewalt selbst schaffen. (Lang anhaltender st&#252;rmischer Beifall.) Die Majorit&#228;t dieser Versammlung scheint mehr und mehr zu der Ansicht gekommen zu sein, die auch ich teile, dass die k&#252;nftige Zentralgewalt einem Reichsverweser mit verantwortlichen Ministern &#252;bertragen werden [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wer soll die Zentralgewalt schaffen? Meine Herren! Ich tue einen k&#252;hnen Griff, und sage Ihnen, wir m&#252;ssen die provisorische Zentralgewalt selbst schaffen. <em>(Lang anhaltender st&#252;rmischer Beifall.)</em> Die Majorit&#228;t dieser Versammlung scheint mehr und mehr zu der Ansicht gekommen zu sein, die auch ich teile, dass die k&#252;nftige Zentralgewalt einem Reichsverweser mit verantwortlichen Ministern &#252;bertragen werden m&#252;sse (&#8230;) Wollen wir, wie jetzt unzweifelhaft, der Mehrheit nach, einen, so ist ein Mann, hochstehend, gefunden, der der Unterst&#252;tzung der Nation f&#252;r die h&#246;chste  Stelle sich wert gezeigt hat und ferner wert zeigen wird. </p>
<p>Aus der h&#246;chsten Sph&#228;re m&#252;ssen wir den Reichsverweser nehmen; denn es gibt keinen Privatmann, der unter solchen Umst&#228;nden das Amt &#252;bernehmen k&#246;nnte, wie vielleicht einzelne oder auch Parteien gedacht haben. <em>(Auf der Rechten vielstimmiges Bravo.)</em> (&#8230;)</p>
<p>Meine Herren! Nachdem ich diese Frage vor Ihnen er&#246;rtert habe, wird man <em>(zur Linken gewendet)</em> mir nicht den Vorwurf machen, als habe ich das Prinzip der Souver&#228;nit&#228;t der Nation aufgegeben (&#8230;) Und auch darin wird keine Abdankung dieses Prinzips gefunden werden k&#246;nnen, wenn etwa meine Meinung, wie sie es wirklich ist, die sein sollte, dass die hochstehende Person ein F&#252;rst sein m&#252;sse, was auch Sie einr&#228;umen k&#246;nnen, nicht <i>weil</i> es, sondern <i>obgleich</i> es ein F&#252;rst ist. <em>(Allgemeines wiederholtes Bravorufen und H&#228;ndeklatschen in der Versammlung und auch den Galerien.)</em> </p>
<p>Meine Herren! <em>(Zur ganzen Versammlung.)</em> Es ist Ihnen vorhin viel Schlimmes gesagt worden von den F&#252;rsten; ich  habe diesen Hass gegen die F&#252;rsten nicht mit auferzogen, und die Liebe zu den Menschen war mir immer n&#228;her. <em>(Auf der Rechten lebhaftes Bravorufen.)</em> Aber, meine Herren, einen Hass gegen ganze Generationen zu tragen, ohne die Personen zu bezeichnen, die etwa des Hasses wert sein k&#246;nnten, das ist nicht gro&#223;m&#252;tig! <em>(Auf der Rechten und auf der Galerie vielfaches, anhaltendes Bravo.)</em> (&#8230;) </p>
<p>Einigen wir uns, soweit Einigung m&#246;glich! Opfern wir, was zu opfern ist, um zu erhalten und den &#220;bergang zu erleichtern zu besseren Zust&#228;nden.  (&#8230;) Wir stellen nicht die Freiheit blo&#223;, und wir schaffen die Einheit unseres Volkes und Vaterlandes, nach der wir schon so lange uns sehnten. <em>(St&#252;rmischer, lang andauernder Beifall von allen Seiten der Versammlung und von den Galerien.)</em></p>
<p><b>Paulskirche, Juni 1848, Stenografischer Bericht</b></p>
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		<title>Blanchard bringt Gold in die Stadt</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 12:36:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joachim Heinrich Campe</dc:creator>
				<category><![CDATA[18. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Joachim H. Campe]]></category>
		<category><![CDATA[Luftfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>
		<category><![CDATA[Blanchard]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein so neues und nie gesehenes Schauspiel zog eine erstaunliche Menge von Neugierigen aus der N&#228;he und Ferne herbei. Nicht blo&#223; alle Gasth&#246;fe und B&#252;rgerh&#228;user der Stadt, sondern auch die umliegenden D&#246;rfer und Flecken waren voll davon, weil in den &#246;ffentlichen H&#228;usern der Stadt kein Zimmerchen mehr f&#252;r Geld zu haben war. Die Stra&#223;en wimmelten, [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein so neues und nie gesehenes Schauspiel zog eine erstaunliche Menge von Neugierigen aus der N&#228;he und Ferne herbei. Nicht blo&#223; alle Gasth&#246;fe und B&#252;rgerh&#228;user der Stadt, sondern auch die umliegenden D&#246;rfer und Flecken waren voll davon, weil in den &#246;ffentlichen H&#228;usern der Stadt kein Zimmerchen mehr f&#252;r Geld zu haben war. Die Stra&#223;en wimmelten, aus allen Fenstern guckten Menschenk&#246;pfe hervor, die &#246;ffentlichen Pl&#228;tze waren bes&#228;t mit Menschen aus allen St&#228;nden. Auch der Prinzen, Prinzessinnen und der Beb&#228;nderten waren so viele angekommen, dass man sie nicht mehr zu unterscheiden vermochte. &#8230;</p>
<p>Ich glaube nicht zuviel zu sagen, wenn ich zu behaupten mir getraue, dass Herr Blanchard der Stadt Frankfurt und der umliegenden Gegend ein paar Tonnen Goldes zugef&#252;hrt habe. Es ist nicht &#252;bertrieben, wenn man annimmt, dass blo&#223; einzelne Gastwirte, wie z.B. der im Roten Hause, &#252;ber zwei- bis dreitausend Taler bei der Gelegenheit gewonnen haben.</p>
<p><strong>Aus: Sammlung merkw&#252;rdiger Reisebeschreibungen, 1785</strong></p>
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		<title>Niemand mochte bei der Befreiung Deutschlands helfen</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 12:33:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Heinrich Eimer</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Heinrich Eimer]]></category>
		<category><![CDATA[Demo & Protest]]></category>
		<category><![CDATA[Hauptwache]]></category>
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		<category><![CDATA[Wachensturm]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir wurden, etliche 30 Studenten, in drei Rotten abgeteilt. Wir Heidelberger sollten unter der F&#252;hrung von Bunsen von der M&#252;nze aus, wo wir uns abends zu versammeln hatten, die Hauptwache nehmen. Eine zweite Abteilung sollte die Konstablerwache st&#252;rmen und das daneben liegende Zeughaus &#246;ffnen, um die zwei Kanonen und Flinten herauszuholen: zu dieser Abteilung wurden [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wir wurden, etliche 30 Studenten, in drei Rotten abgeteilt. Wir Heidelberger sollten unter der F&#252;hrung von Bunsen von der M&#252;nze aus, wo wir uns abends zu versammeln hatten, die Hauptwache nehmen. Eine zweite Abteilung sollte die Konstablerwache st&#252;rmen und das daneben liegende Zeughaus &#246;ffnen, um die zwei Kanonen und Flinten herauszuholen: zu dieser Abteilung wurden einzelne, speziell Bayern, die Artillerieschulen durchgemacht, gew&#228;hlt, und Patronen f&#252;r die Gesch&#252;tze waren gefertigt. Die dritte Rotte hatte einiger kleinere Posten zu besetzen, speziell auch den Pfarrturm mit den Frankfurter Metzgereien zu &#246;ffnen und das Sturml&#228;uten zu besorgen. Einzelne Frankfurter sollten verschiedene Herren der st&#228;dtischen Regierung und Polizei arretieren.</p>
<p>&#8230; Punkt 9 Uhr brachen wir, etwa 15 Mann hoch, auf, &#252;ber den Ro&#223;markt zur Hauptwache, die st&#228;rker besetzt war als gew&#246;hnlich, denn die Frankfurter Beh&#246;rden hatten Wind bekommen, es solle heute losgeschlagen werden. Wir st&#252;rzten uns sofort auf die  au&#223;erhalb aufgestellten Flinten und nahmen sie weg; es fielen einige Sch&#252;sse. Der Leutnant, der auf der Wache das Kommando hatte, fl&#252;chtete durch ein hinteres Fenster, als wir in die Stube drangen. &#8230; Eine Masse Volk versammelte sich vor der Hauptwache, aber niemand lie&#223; sich bewegen, von den Flinten zu ergreifen und mit uns zu helfen an der Befreiung Deutschlands &#8230; </p>
<p>Wir zogen nun die Zeil hinab gegen die Konstablerwache, und hier entspann sich ein kleines Gefecht; es wurde her&#252;ber und hin&#252;ber geschossen.  Die Kanonen konnten gl&#252;cklicherweise nicht verwendet werden, da der betreffende Herr den Schl&#252;ssel zum Zeughaus nicht fand.</p>
<p>Wir paar Studenten, die noch vor der Konstablerwache beisammen waren, hielten bald f&#252;r geraten, der gro&#223;en &#220;berzahl zu weichen. Wir gingen die Allerheiligenstra&#223;e hinaus bis zum Hanauer Tor, wo alles still war; hier legten wir unsere Flinten vorl&#228;ufig in einem Bau begriffenen Hause ab und gingen wieder gegen die Zeil vor; wir fanden die Konstablerwache stark von Milit&#228;r besetzt, ebenso die Hauptwache; Patrouillen durchzogen die Stra&#223;en, und der regierende B&#252;rgermeister kam in offener Chaise dahergefahren, an das Volk, das herbeigestr&#246;mt war, beruhgigende Reden haltend.</p>
<p>Schlie&#223;lich ging ich etwa gegen halb elf in den Gasthof zur&#252;ck, wo ich meine Freunde antraf. Wir berieten, was zu tun, und waren der Ansicht, ruhig abzuwarten, was weiter geschehe und f&#252;r uns zu tun sei. Ich speziell dachte nicht daran, mich zu verbergen, wa sich wohl leicht h&#228;tte tun k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Zeitgen&#246;ssischer Bericht &#252;ber den Wachensturm von 1833</strong></p>
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		<title>Von Goethe trennt euch eine ganze Welt</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 12:14:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinrich Heine</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Johann Wolfgang Goethe]]></category>
		<category><![CDATA[Straßen, Plätze, Bauwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmäler]]></category>
		<category><![CDATA[Goethe]]></category>
		<category><![CDATA[Heine]]></category>

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		<description><![CDATA[H&#246;rt zu, ihr deutschen M&#228;nner, M&#228;dchen, Frauen, Und sammelt Subskribenten unverdrossen; Die B&#252;rger Frankfurts haben jetzt beschlossen, Ein Ehrendenkmal Goethen zu erbauen. &#8220;Zur Messzeit wird der fremde Kr&#228;mer schauen&#8221; &#8211; So denken sie &#8211; &#8220;dass wir des Manns Genossen, Dass unserm Miste solche Blum entsprossen, Und blindlings wird man uns im Handel trauen.&#8221; O, lasst [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>H&#246;rt zu, ihr deutschen M&#228;nner, M&#228;dchen, Frauen,<br />
Und sammelt Subskribenten unverdrossen;<br />
Die B&#252;rger Frankfurts haben jetzt beschlossen,<br />
Ein Ehrendenkmal Goethen zu erbauen.</p>
<p>&#8220;Zur Messzeit wird der fremde Kr&#228;mer schauen&#8221; &#8211;<br />
So denken sie &#8211; &#8220;dass wir des Manns Genossen,<br />
Dass unserm Miste solche Blum entsprossen,<br />
Und blindlings wird man uns im Handel trauen.&#8221;</p>
<p>O, lasst dem Dichter seine Lorbeerreiser,<br />
Ihr Handelsherrn! Behaltet euer Geld.<br />
Ein Denkmal hat sich Goethe selbst gesetzt.</p>
<p>Im Windelnschmutz war er euch nah, doch jetzt<br />
Trennt euch von Goethe eine ganze Welt,<br />
Euch, die ein Fl&#252;sslein trennt vom Sachsenh&#228;user.</p>
<p><strong>Gedicht aus Anlass der Diskussion um ein Goethedenkmal in Frankfurt 1821</strong></p>
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		<title>Ein leidig Loch</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Mar 2010 07:51:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johann Wolfgang Goethe</dc:creator>
				<category><![CDATA[18. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Johann Wolfgang Goethe]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>
		<category><![CDATA[Goethe]]></category>

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		<description><![CDATA[Franckfurt bleibt das Nest. Nidus wenn sie wollen. Wohl um V&#246;gel auszubr&#252;teln, sonst auch fig&#252;rlich spelunca ein leidig Loch. Gott helf aus diesem Elend. Amen. Brief an den Freund Johann Daniel Salzmann, 28. November 1771]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Franckfurt bleibt das Nest. Nidus wenn sie wollen. Wohl um V&#246;gel auszubr&#252;teln, sonst auch fig&#252;rlich spelunca ein leidig Loch. Gott helf aus diesem Elend. Amen.<br />
<strong>Brief an den Freund Johann Daniel Salzmann,  28. November 1771</strong></p>
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		<title>Frankfurter Hof &#8211; das Hotel, das Thomas Mann unsterblich machte</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Mar 2010 07:00:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Straßen, Plätze, Bauwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft, Technik, Verkehr]]></category>
		<category><![CDATA[Ernest Hemingway]]></category>
		<category><![CDATA[Felix Krull]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurter Hof]]></category>
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		<category><![CDATA[Hotel]]></category>
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		<category><![CDATA[Steigenberger]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Mann]]></category>

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		<description><![CDATA[Hemingway findet das Grandhotel schlicht "zu teuer", Thomas Mann macht es unsterblich: Um den Frankfurter Hof ranken sich viele Geschichten. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/2010_frankfurter_hof.jpg" title="Hotel Frankfurter Hof / Bild: Monika Gemmer" rel="lightbox[244]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/2010_frankfurter_hof_th.jpg" alt="Hotel Frankfurter Hof" class="left"/></a>Um den Frankfurter Hof ranken sich viele Geschichten. In wilhelminischer Zeit ist das Hotel Inbegriff der Moderne. 1880 wird ein Telefonanschluss gelegt, im Jahr darauf elektrisches Licht angeknipst. Die Reichspost richtet dort 1891 Frankfurts erste &#246;ffentliche Fernsprechstelle ein. Hemingway findet das Grandhotel schlicht &#8220;zu teuer&#8221;, Thomas Mann macht es unsterblich. <span id="more-244"></span></p>
<p>Das Gel&#228;nde mit dem Geb&#228;ude &#8220;Wei&#223;er Hirsch&#8221; geh&#246;rte einst der Patrizierfamilie Gontard, die den Frankfurtern nicht zuletzt wegen eines exquisiten Puppenhauses noch immer ein Begriff ist. Die eigentliche Geburtsstunde des Hotels schlug mit der Gr&#252;ndung der Frankfurter Hotel-Actien-Gesellschaft am 29. Oktober 1872, zum Zwecke eines Hotelneubaus. Stadtrat Johann Wilhelm Pfaff, Pr&#228;sident der Palmengarten-Gesellschaft, und Leopold Sonnemann, Gr&#252;nder und Verleger der &#8220;Frankfurter Zeitung&#8221;, waren die Initiatoren des Unternehmens. </p>
<p>Architekt Kalb hatte die Idee, das nicht ganz rechtwinklige Grundst&#252;ck mit einem Ehrenhof am Kaiserplatz voll auszunutzen. Die Bauplanung lag in so ber&#252;hmten H&#228;nden wie Carl Jonas Mylius und Friedrich Alfred Bluntschli. Der Entwurf sah einen Bau im Stil der Hochrenaissance vor. Von 1874 bis 1876 baute die Firma Philipp Holzmann am Hotel. Inklusive Inneneinrichtung, an der der Schweizer Architekt Davinet ma&#223;geblich beteiligt war, kostete das Projekt damals sagenhafte 4,75 Millionen Mark.</p>
<p>250 Zimmer mit 350 Betten, 20 Salons, ein Speisesaal f&#252;r 800 Personen, Aufz&#252;ge, Dampfheizung und eine K&#252;che mit 6,5 Meter hohen Decken lie&#223;en G&#228;ste und Fachleute staunen. Am 26. Juni 1876 wurde der &#8220;Frankfurter Hof&#8221; er&#246;ffnet. Vier Jahre sp&#228;ter konnte von dort telefoniert werden, 1881 wurde die erste elektrische Beleuchtung installiert. Es gab sogar eine Telegramm-Annahmestelle, die sp&#228;ter Postagentur wurde. </p>
<p>1892 verpachtete die AG den Frankfurter Hof an ein Konsortium, an dessen Spitze der legend&#228;re César Ritz aus Paris stand, den K&#246;nig Eduard VII den &#8220;Hotelier der K&#246;nige und K&#246;nig der Hoteliers&#8221; genannt hatte. Noch vor Ablauf der Pachtzeit wurde aus dem Konsortium die Frankfurter Hof AG, mit Ritz im Aufsichtsrat. </p>
<p>Ernest Hemingway ist als Gast in den 20ern wenig erbaut. Zu teuer, notiert er und berichtet von einem Schild, demzufolge Franzosen, Engl&#228;nder und Amerikaner im Frankfurter Hof nicht willkommen sind. Thomas Mann schenkt dem Grandhotel literarische Unsterblichkeit. Sein Roman &#8220;Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull&#8221; entsteht &#8211; und spielt &#8211; in Teilen im Frankfurter Hof. </p>
<p>Bis zum &#220;berfall auf Polen, mit dem die Nazis den Zweiten Weltkrieg begannen, bl&#252;hte das Gesch&#228;ft, obwohl seit der Macht&#252;bernahme 1933 kaum noch G&#228;ste aus dem Ausland kamen. 1940 erwarb Albert Steigenberger, der Besitzer des &#8220;Europ&#228;ischen Hofs&#8221; in Baden-Baden und des &#8220;Monopol&#8221; am Frankfurter Hauptbahnhof, die Aktienmehrheit. In der Nacht zum 23. M&#228;rz 1944 schlugen Bomben ein. Nur die Fassaden blieben &#252;brig. </p>
<p>Steigenberger war nicht der Typ, der aufgab. Im Fr&#252;hjahr 1948 wurde das Hotel mit 20 Betten in einem Nebentrakt wieder er&#246;ffnet.   Bis 1953 wurde wiederaufgebaut, &#252;brigens auf den Original-Fassaden von Mylius/Bluntschli. Nicht willkommen ist dort eine junge Frau, die in den 50ern im schwarzen Mercedes-Kabrio im Kreisverkehr den Kaiserplatz umrundet. Rosemarie Nitribitt h&#228;lt gern vor dem Frankfurter Hof nach Freiern Ausschau.  1951 &#246;ffnete die ber&#252;hmte Lipizzaner-Bar.  1961 war der &#8220;Frankfurter Hof&#8221; nach mehreren Erweiterungen mit 700 Betten das gr&#246;&#223;te Hotel Deutschlands. </p>
<p>Nach Modernisierung und Umbau hat das Haus heute 299 Zimmer und 33 Suiten. 2009 verkauft die Familie Steigenberger &#8211; Anne-Marie Steigenberger, die Witwe Egons,  ist bis dahin Seniorchefin &#8211; ihre traditionsreiche Hotelkette an einen &#228;gypischen Tourismuskonzern, bleibt aber Eigent&#252;merin der Immobilie.</p>
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		<title>Bertha Pappenheim: K&#228;mpferin gegen soziales Unrecht</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Mar 2010 05:10:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
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		<category><![CDATA[Bertha Pappenheim]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
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		<category><![CDATA[Prostitution]]></category>
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		<description><![CDATA[Sie ist eine Tochter aus gutem j&#252;disch-orthodoxen Hause - und um 1900 eine der ersten, die &#246;ffentlich die Zwangsprostitution anprangert. Bertha Pappenheim k&#228;mpft in Frankfurt mit Partnerin Hannah Karminski zusammen gegen soziales Unrecht. Den Nazis sind die Frauen ein Dorn im Auge.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1882_pappenheim.jpg" title="Bertha Pappenheim im Jahr 1882, als 22-J&#228;hrige / Bildquelle: Wikimedia" rel="lightbox[821]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1882_pappenheim_th.jpg" alt="" class="left"/></a> Sie ist eine Tochter aus gutem j&#252;disch-orthodoxen Hause &#8211; und eine der ersten, die &#246;ffentlich die Zwangsprostitution anprangert. Bertha Pappenheim k&#228;mpft in Frankfurt gemeinsam mit Lebensgef&#228;hrtin Hannah Karminski gegen soziales Unrecht. Den Nazis sind die Frauen ein Dorn im Auge. <span id="more-821"></span></p>
<p>Die Armenpflegerinnen der Stadt Frankfurt machen um 1900 eine erschreckende Entdeckung: Es gibt immer mehr unehelich geborene Kinder. Ihre M&#252;tter &#8211; h&#228;ufig geschlechtskrank &#8211; kommen aus Osteuropa, leben in &#228;rmlichen Behausungen oder kaserniert in Bordellen.</p>
<p>Aus ihren Lebensl&#228;ufen wird deutlich, dass sie nicht freiwillig als Prostituierte arbeiten. Von w&#246;chentlich am Hauptbahnhof eintreffenden &#8220;Ladungen&#8221; ist die Rede. Wer schickt die jungen Frauen? Es muss  kriminelle H&#228;ndlerringe geben, die sie mit falschen Versprechungen in den Westen locken und zur Prostitution zwingen. Man munkelt, dass die Opfer meist J&#252;dinnen sind und auch die T&#228;ter in der Mehrzahl aus j&#252;discher Tradition stammen.</p>
<p>Bertha Pappenheim, Tochter aus gutem Hause, ist st&#228;dtische Armenpflegerin. Als sie mit dem Problem der jungen J&#252;dinnen konfrontiert wird, ist sie au&#223;er sich vor Emp&#246;rung: &#8220;Welch furchtbare K&#228;mpfe gegen Scham, Schande und Erniedrigung von vielen Tausenden menschlicher Gesch&#246;pfe durchfochten werden mussten, ehe sie so ,gesunken‘ sind.&#8221; Den Vorwurf der Unmoral gegen die M&#228;dchen l&#228;sst sie nicht gelten: &#8220;K&#246;nnten die Frauen sich denn verkaufen, wenn es keine K&#228;ufer g&#228;be?&#8221; Und wer ihr vorwirft, mit ihren Ausf&#252;hrungen dem Antisemitismus Vorschub zu leisten, dem entgegnet sie: &#8220;Totschweigen kann eine Tods&#252;nde sein.&#8221;</p>
<p><strong>Als &#8220;Anna O.&#8221; ber&#252;hmt</strong></p>
<p>Bertha Pappenheim, 1859 in Wien geboren, stammt aus einer orthodox-j&#252;dischen Familie. M&#252;tterlicherseits geh&#246;rt sie zur Frankfurter Familie der Goldschmidts. Als junges M&#228;dchen erliedet sie wegen der Krankheit ihres Vaters eine tiefe seelische St&#246;rung und wird unter dem Pseudonym &#8220;Frl. Anna O.&#8221; als erste Patientin der Studien &#252;ber Hysterie von Josef Breuer und Sigmund Freud ber&#252;hmt. Dank ihrer inneren Kraft und Klugheit und mit Hilfe einer &#8220;Redekur&#8221;, die sie mit ihrem Arzt Josef Breuer entwickelt, befreit sie sich aus ihrer Krankheit und wird eine bedeutende K&#228;mpferin gegen soziales Unrecht.</p>
<p>Mit ihrer Mutter zieht Bertha Pappenheim 1888 &#8211; der Vater war gestorben &#8211;  von Wien nach Frankfurt, wohnt dort zun&#228;chst in der Leerbachstra&#223;e 10, sp&#228;ter in der Feldbergstra&#223;e 22.  Auf mehrmonatigen Reisen nach Galizien, in den Vorderen Orient und nach Rum&#228;nien untersucht sie die Ursachen und Folgen der Zwangsprostitution, regt Hilfsaktionen an &#8211; und trifft auf Unverst&#228;ndnis und Kopfsch&#252;tteln.</p>
<p>Um dem Frauenhandel organisiert entgegenzutreten, gr&#252;ndet Pappenheim 1902 in Frankfurt den Verein Weibliche F&#252;rsorge. 1904 folgt der J&#252;dische Frauenbund, dessen pr&#228;gende Vorsitzende sie wird. Der J&#252;dische Frauenbund richtet f&#252;r j&#252;dische, allein reisende M&#228;dchen einen Bahnhofsdienst ein, wie er l&#228;ngst in allen gro&#223;en St&#228;dten f&#252;r evangelische und katholische M&#228;dchen bestand. </p>
<p>Pappenheim ist die erste, die den Mut aufbringt, &#246;ffentlich davon zu sprechen, dass es auch in j&#252;dischen Kreisen uneheliche Kinder gibt, f&#252;r die niemand sorgt. Ein Sturm der Entr&#252;stung erhebt sich in der gro&#223;en J&#252;dischen Gemeinde Frankfurts gegen die Aktivistin, weil sie es wagte von &#8220;den gefallenen j&#252;dischen M&#228;dchen und der j&#252;dischen Dirne im Bordell&#8221; zu schreiben. Man h&#228;tte sie am liebsten mundtot gemacht. Aber sie l&#228;sst sich nicht einsch&#252;chtern. </p>
<dl class="imleft" style="width:225px; padding:0 10px 0 0">
<dd><b>Mehr zum Thema</b><br />
Archiv und Dokumentationszentrum Frauenmediaturm: <a href="http://www.frauenmediaturm.de/dossier_pappenheim.html" target="_blank">Dossier &#252;ber Bertha Pappenheim</a><br />
Neu-Isenburg: <a href="http://www.hugenottenhalle.de/2bkultursportfreizeit/3astadtkultur/3dgedenkstaettepappenheim/pappenheim_01.html" target="_blank">Gedenkst&#228;tte Bertha Pappenheim</a>
</dd>
</dl>
<p>Im Kampf gegen den M&#228;dchenhandel gr&#252;ndet sie in Neu-Isenburg bei Frankfurt ein Heim f&#252;r j&#252;dische M&#228;dchen und Frauen, die dort ihre Kinder zur Welt bringen und mit ihnen leben k&#246;nnen &#8211; ein Vorbildprojekt f&#252;r soziale Arbeit. Heute ist dort eine Gedenkst&#228;tte zu Ehren Pappenheims eingerichtet.</p>
<p>In Frankfurt ruft Bertha Pappenheim  auch den Israelitischen M&#228;dchenclub und eine Stellenvermittlung f&#252;r M&#228;dchen und Frauen ins Leben, gr&#252;ndet die Tuberkulosevorsorge, ist f&#252;hrend an der Neuorientierung der Sozialarbeit unter den Bedingungen des Industriezeitalters beteiligt. Neben ihrer vielseitigen sozialen Arbeit &#252;bersetzt sie wichtige Texte aus dem Jiddischen ins Deutsche, unter anderem die &#8220;Memoiren der Gl&#252;ckel von Hameln&#8221;. </p>
<p>Bertha Pappenheim lebt nach dem Tod ihrer Mutter (1905) allein und bleibt unverheiratet. „Mir ward die Liebe nicht“, schreibt sie 1911. Eine enge Beziehung verbindet sie sp&#228;ter mit Hannah Karminski, die ab 1924 den J&#252;dischen M&#228;dchenclub leitet. Die Erzieherin und Sozialp&#228;dagogin Karminski, 40 Jahre j&#252;nger als Pappenheim, geht 1925 zeitweilig nach Berlin zur&#252;ck, wo sie die &#8220;Bl&#228;tter des J&#252;dischen Frauenbundes f&#252;r Frauenarbeit und Frauenbewegung&#8221; herausgibt. Sie ger&#228;t dort ins Visier der Nazis, wird am 10. November 1938 kurzzeitig verhaftet, die &#8220;Bl&#228;tter&#8221; verboten. In den jahren danach k&#252;mmert sich Hannah Karminski unter anderem um die Flucht von j&#252;dischen Kindern nach England.</p>
<p>Die Frankfurter Freundin Bertha Pappenheim ist inzwischen schwer erkrankt. Hannah Karminski pflegt sie bis zu deren Tod. Pappenheim stirbt am 28. Mai 1936 im Alter von 77 Jahren. Noch wenige Wochen vor ihrem Tod hat sie ein Verh&#246;r der Gestapo &#252;ber sich ergehen lassen m&#252;ssen. </p>
<p>Das Heim in Neu-Isenburg ist den Nazis ein Dorn im Auge. Am 10. November 1938 wird es &#252;berfallen und in Brand gesteckt, 1942 endg&#252;ltig geschlossen. Zu diesem Zeitpunkt leben noch 15 Kinder und Jugendliche zusammen mit vier Erzieherinnen in dem Heim &#8211; sie alle werden in Konzentrationslager wie Theresienstadt und Auschwitz deportiert.</p>
<p>In den 1940er Jahren lebt Hannah Karminski  mit der Montessori-P&#228;dagogin  Paula F&#252;rst zusammen, die 1942 nach Minsk deportiert wird.  Hannah Karminski selbst wird am 9. Dezember 1942  verhaftet. Sie stirbt am 4. Juni 1943 in Ausschwitz.</p>
<p>&#8220;Es ist nicht genug&#8221;, lautet die trotzige Lebensbilanz von Bertha Pappenheim. Auf dem Frankfurter Friedhof an der Rat-Beil-Stra&#223;e ist sie neben ihrer Mutter Recha begraben.</p>
<p>Die Identit&#228;t von Anna O. und Bertha Pappenheim wird erst 1953 &#8211; eher beil&#228;ufig &#8211; in der Fu&#223;note einer Freud-Biografie enth&#252;llt. Doch hat es die Sozialpionierin im Gegensatz zu dem immer neu analysierten &#8220;Frl. Anna O.&#8221; bis heute schwer, angemessen gew&#252;rdigt zu werden. Stark wie nie zuvor betreiben H&#228;ndlerringe das verbrecherische Gesch&#228;ft des Frauenhandels. Eine Sisyphusarbeit nannte Pappenheim zeitlebens ihren Kampf dagegen. Damit hat sie Recht behalten.   <em>Von Monika Gemmer und Marianne Brentzel</em></p>
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		<title>&#8220;Kristallnacht&#8221; in Frankfurt</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Mar 2010 14:56:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zeitzeuge</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Verbrannt wurden die Synagogen Friedberger Anlage, B&#246;rnestra&#223;e, Liebigstra&#223;e. Da das Feuer in der Synagoge Friedberger Anlage zun&#228;chst nur begrenzten Schaden anrichtete, wurde auch an den folgenden Tagen, insgesamt vier Mal, erneut der Brand unter Benutzung von Benzinf&#228;ssern und dergleichen entfacht, wodurch der Volksmenge wiederholt ein Schaust&#252;ck bereitet wurde. Nachdem die Inneneinrichtung der Synagogen ausgebrannt war, [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Verbrannt wurden die Synagogen Friedberger Anlage, B&#246;rnestra&#223;e, Liebigstra&#223;e. Da das Feuer in der Synagoge Friedberger Anlage zun&#228;chst nur begrenzten Schaden anrichtete, wurde auch an den folgenden Tagen, insgesamt vier Mal, erneut der Brand unter Benutzung von Benzinf&#228;ssern und dergleichen entfacht, wodurch der Volksmenge wiederholt ein Schaust&#252;ck bereitet wurde. Nachdem die Inneneinrichtung der Synagogen ausgebrannt war, wurde die Gemeinde von der Polizei aufgefordert, wegen Einsturzgefahr die Geb&#228;ude auf eigene Kosten abzubrechen. Mit dem Abbruch Friedberger Anlage wurde sofort am 17. November begonnen. Die Polizei hat nachtr&#228;glich die Juden selbst der Brandstiftung an den Synagogen verd&#228;chtigt und eine dementsprechende formale Strafanzeige erlassen.<br />
<b>Aus dem Brief eines Juden &#252;ber die sog. Reichskristallnacht am 9. Nobember 1938</b></p>
<p>Auf den Stra&#223;en der Gauhauptstadt Frankfurt am Main str&#246;mten Zehntausende zusammen, die gegen Mittag in so unermesslichen Scharen die Stra&#223;en f&#252;llten, dass der Fahrverkehr nur unter gro&#223;en Schwierigkeiten aufrecht erhalten werden konnte. Die Menschenmassen forderten in ihren Rufen Rache f&#252;r den j&#252;dischen Meuchelmord in Paris und verlangten in ununterbrochenen Sprechch&#246;ren die Entfernung der Juden aus Deutschland. Die j&#252;dischen Gesch&#228;fte wurden von den Massen der aufs Tiefste erregten M&#228;nner und Frauen gest&#252;rmt. Trotz der au&#223;erordentlich gro&#223;en Erbitterung, die dem j&#252;dischen Treiben ein f&#252;r allemal Einhalt gebieten wollte, kam es nirgendwo zu Pl&#252;nderungen. S&#228;mtliche Frankfurter Synagogen fielen der allgemeinen und von allen Bev&#246;lkerungsschichten getragenen, mitrei&#223;enden Demonstration zum Opfer.<br />
<b>Der NS-Gaudienst Hessen-Nassau &#252;ber die Vorg&#228;nge am 9. November 1939</b></p>
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		<title>Frankfurt ist Kampfzone</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Mar 2010 14:44:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zeitzeuge</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kriege & Besatzung]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Ihr wohnt in einem der wichtigsten Kriegsindustriegebiete Deutschlands. Die Kriegsindustrien Frankfurts und Mannheim-Ludwigshafens werden von jetzt ab einem erbarmungslosen Bombardement ausgesetzt. (&#8230;) Stadtkern Frankfurt am Main einschlie&#223;lich folgender Vororte: Niederursel, Heddernheim, Eschersheim, Eckenheim, Ginnheim, Preungesheim, Seckbach, Fechenheim, B&#252;rgel, Offenbach, Oberrad, Griesheim, R&#246;delheim, Hausen, Praunheim &#8211; sind jetzt Kampfzonen. An alle Bewohner dieser namentlich aufgef&#252;hrten Gebiete [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ihr wohnt in einem der wichtigsten Kriegsindustriegebiete Deutschlands. Die Kriegsindustrien Frankfurts und Mannheim-Ludwigshafens werden von jetzt ab einem erbarmungslosen Bombardement ausgesetzt. (&#8230;) Stadtkern Frankfurt am Main einschlie&#223;lich folgender Vororte: Niederursel, Heddernheim, Eschersheim, Eckenheim, Ginnheim, Preungesheim, Seckbach, Fechenheim, B&#252;rgel, Offenbach, Oberrad, Griesheim, R&#246;delheim, Hausen, Praunheim &#8211; sind jetzt Kampfzonen. An alle Bewohner dieser namentlich aufgef&#252;hrten Gebiete ergeht hiermit die Aufforderung, sich selbst und ihre Familien unverz&#252;glich au&#223;erhalb der Kampfzone in Sicherheit zu bringen. (&#8230;) Handelt sofort! Heraus aus der Gefahrenzone! Heraus aus dem Krieg!<br />
<b>Flugblatt vom 17. M&#228;rz 1945, unterschrieben von General Dwight D. Eisenhower.</b></p>
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		<title>Angst vor Luftangriffen</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Mar 2010 14:38:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zeitzeuge</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Kriege & Besatzung]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8220;Frankfurt werden sie schonen, denn in Frankfurt wollen sie wohnen.&#8221; &#8220;Die guten Hoechster Tabletten werden vor Bomben uns retten.&#8221; Spr&#252;che, die um 1943 in Frankfurt kursierten.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Frankfurt werden sie schonen, denn in Frankfurt wollen sie wohnen.&#8221;<br />
&#8220;Die guten Hoechster Tabletten werden vor Bomben uns retten.&#8221;<br />
<b>Spr&#252;che, die um 1943 in Frankfurt kursierten.</b></p>
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		<title>Braubachstra&#223;e &#8211; die Stra&#223;e &#252;ber dem Bach</title>
		<link>http://www.frankfurt.frblog.de/braubach</link>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 07:00:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Altstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Braubach]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.frankfurt.frblog.de/?p=2169</guid>
		<description><![CDATA[Nicht nur die Bombenangriffe haben Frankfurts Altstadt zugesetzt: F&#252;r eine Verbindung zum Hauptbahnhof wurde eine zerst&#246;rerische Schneise geschlagen, ganze H&#228;user in der Mitte durchgeschnitten.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/2008_braubach_boeckheler.jpg" title="Die Braubachstra&#223;e - f&#252;r die Verbindung zwischen Altstadt und Hauptbahnhof mussten 80 H&#228;user weichen. Unter der Stra&#223;e verl&#228;uft 'die Braubach', wie die Frankfurter sagen. / Bild: FR/Boeckheler" rel="lightbox[2169]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/2008_braubach_th.jpg" alt="Braubachstra&#223;e" class="left"/></a>Nicht nur die Bombenangriffe haben Frankfurts Altstadt zugesetzt: Viele H&#228;user waren schon zuvor abgetragen worden, um Platz zu schaffen f&#252;r eine Stra&#223;e zwischen Altstadt und Hauptbahnhof. Ihren Namen bekam die neue Verbindung von dem Gew&#228;sser, das unter ihr liegt. Die Hoffnungen, die man auf sie setzte, blieben unerf&#252;llt. <span id="more-2169"></span></p>
<p>1906 lie&#223; die Stadt eine neue Stra&#223;e durch die Altstadt schlagen, um eine direkte Verkehrsverbindung zum neuen Hauptbahnhof zu schaffen. Rund 80 H&#228;user sind damals daf&#252;r gefallen. &#8220;Der Braubachstra&#223;en-Durchbruch unter Oberb&#252;rgermeister Franz Adickes war einer der gr&#246;&#223;ten Eingriffe in die Altstadt vor dem Ersten Weltkrieg&#8221;, sagt Helmut Nordmeyer vom Institut f&#252;r Stadtgeschichte. </p>
<p>Die Altbauten seien &#8220;mit der Spitzhacke&#8221; abgerissen worden. Der Hof Zum Rebstock &#8211; das Geburtshaus des Dichters Friedrich und seine Schwester Anette Stoltze &#8211; und der N&#252;rnberger Hof wurden beim Stra&#223;enbau in der Mitte durchschnitten. Auch die Domstra&#223;e wurde damals angelegt. Die Nordseite des Rathauses R&#246;mer hat man im Zuge der Bauarbeiten ebenfalls abgerissen, um im wilhelminischen Stil einen m&#228;chtigen Neubau zu errichten, der &#8220;vor dem Zweiten Weltkrieg bereits Altes Rathaus hie&#223;&#8221;, wie der fr&#252;here Stadtkonservator Heinz Schomann notierte.</p>
<p><strong>Verbindung zum Hauptbahnhof</strong></p>
<p>Mit dem Stra&#223;enbau sollte einerseits eine bessere Verbindung von der Altstadt zum 1888 er&#246;ffneten Hauptbahnhof geschaffen werden. Andererseits erhofften sich die Verantwortlichen davon eine wirtschaftliche Belebung der Altstadt, die nach dem Mittelalter durch den Wegzug wohlhabender Familien einen Niedergang erlebte: &#8220;H&#228;user verfielen, Kriminalit&#228;t und Prostitution breiteten sich aus&#8221;, schildert Nordmeyer die Zust&#228;nde.</p>
<p>Doch zur erhofften Belebung der Braubachstra&#223;e mit neuen Gesch&#228;ften kam es kaum, denn zu jener Zeit entstanden auf der Zeil schon die ersten gro&#223;en und prachtvollen Kaufpal&#228;ste und machten den Gesch&#228;ften in der Braubachstra&#223;e Konkurrenz. Wenige Jahre nach Fertigstellung der neuen Stra&#223;e fuhren dort bereits die ersten Stra&#223;enbahnen, die den Hauptbahnhof zun&#228;chst mit dem Ostbahnhof verbanden und sp&#228;ter bis nach Fechenheim weiterfuhren.</p>
<p>Unter der Stra&#223;e liegt &#8220;die Braubach&#8221;, ein Wasserlauf, auf den der Stra&#223;enname zur&#252;ckgeht. Wenn die Braubachstra&#223;e aufgegraben wurde, sind auch immer wieder Reste der ersten Stadtmauer gefunden worden. Ob sie aus ottonischer oder sogar karolingischer Zeit stammen, ist nicht gekl&#228;rt.</p>
<p>W&#228;hrend des Ersten Weltkriegs kam der Bau der Braubachstra&#223;e zum Erliegen. Erst Ende der 20er Jahre ist weiter gebaut worden. In dieser Zeit entstand im Stil der Neuen Sachlichkeit noch das Geb&#228;ude des heutigen Stadtgesundheitsamts. Direkt am Dom wurde das Hauptzollamt hochgezogen, das in K&#252;rze vom Bistum Limburg nach einem Umbau als Kulturzentrum Haus am Dom er&#246;ffnet wird. Erst 1930 sei die letzte Baul&#252;cke geschlossen worden, referiert Historiker Nordmeyer die Geschichte.</p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/2010_altstadt.jpg" title="Geplante Rekonstruktion von Altstadt-H&#228;usern / Bild: FR-Infografik" rel="lightbox[2169]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/2010_altstadt_th.jpg" alt="Rekonstruktion" class="right"/></a>Beim Bombardement Frankfurts im Zweiten Weltkrieg sind auch viele H&#228;user der Braubachstra&#223;e zu Ruinen geworden. Doch man hat die Stra&#223;e im alten Ma&#223;stab weitgehend rekonstruiert. Anfang der 70er Jahre mussten einige der wiederaufgebauten H&#228;user dem Technischen Rathaus weichen. Die Ansiedlung von Galerien war ein neuer Versuch, die Braubachstra&#223;e zu beleben. Eine &#8220;Kulturmeile&#8221; sollte entstehen. </p>
<p>Seit Ende November 2009 steht das Technische Rathaus leer. Auf dem Gel&#228;nde will die Stadt Frankfurt nach dessen Abriss eine kleinteilige Bebauung von Wohn- und Gesch&#228;ftsh&#228;usern verwirklichen. Die Kosten des Vorhabens werden derzeit mit mindestens 100 Millionen Euro beziffert. Bis zu sieben Fachwerkh&#228;user der historischen, 1944 bei Bombenangriffen zerst&#246;rten Frankfurter Altstadt sollen rekonstruiert werden. </p>
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		<title>Joseph sorgt f&#252;r ein gro&#223;es Gaudium</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Mar 2010 16:11:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Catharina Elisabeth Goethe</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kaiserwahl]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Kaiser Joseph hat unserer Stadt ein gro&#223; Gaudium gemacht, er kam zwar im strengen Inkognito &#8211; aber das half alles nichts &#8211; die Frankfurter als echte Reichsb&#252;rger stunden zu Tausenden auf der Zeil am R&#246;mischen Kaiser, wo das Quartier bestellt war. Drei Kutschen kamen, alles hatte schon das Maul zum Vivat aufgesperrt &#8211; aber [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Kaiser Joseph hat unserer Stadt ein gro&#223; Gaudium gemacht, er kam zwar im strengen Inkognito &#8211; aber das half alles nichts &#8211; die Frankfurter als echte Reichsb&#252;rger stunden zu Tausenden auf der Zeil am R&#246;mischen Kaiser, wo das Quartier bestellt war. Drei Kutschen kamen, alles hatte schon das Maul zum Vivat aufgesperrt &#8211; aber vergebens. Endlich kam er in einer Sch&#228;&#223;e<sup>1</sup> mit vier Pferden, Himmel und Erde, was f&#252;r ein L&#228;rmen! Es lebe der Kaiser! Es lebe unser Kaiser! </p>
<p>Nun kommt aber das Beste: Nachdem er gespeist, um 4 Uhr, ging er zu Fu&#223; in sein Werbhaus im Roten Ochsen auf der Sch&#228;fergasse &#8211; vor Freude, ihren Kaiser zu Fu&#223; gehen zu sehen, h&#228;tten ihn die Menschen bald erdr&#252;ckt. Die Soldaten wollten zuschmei&#223;en, um Platz zu machen &#8211; lasst sie holter gehen, schlagt ja nit, sagte er, sah alle freundlich an, zog den Hut vor jedem ab. Als er zur&#252;ckkam, stellte er sich in ein Fenster &#8211; nicht auf den Balkon &#8211; und das L&#228;rmen ging mit Vivatrufen von neuem an. (&#8230;)</p>
<p>Du fragst, wie der Kaiser aussieht. Er ist gut gewachsen, sehr mager, von der Sonne verbrannt, hat einen sehr g&#252;tigen Blick im Auge. Sein Anzug war ein grauer &#220;berrock, die Haare zu einem Zopf, Stiefel, Bastienne-Manschetten. Jetzt wartet alles auf seine Zur&#252;ckkunft, denn es ist ein Spa&#223;, und eine halbe Kr&#246;nung.</p>
<p>Frankfurt ist ein kurioser Ort, alles, was durchpassiert, muss den n&#228;mlichen Weg wieder zur&#252;ck. Vivat Frankfurt!</p>
<p><b>An Sohn Johann Wolfgang, 17. Juni 1781</b></p>
<p><em>Joseph II. war 1764 in Frankfurt zum r&#246;misch-deutschen K&#246;nig gew&#228;hlt und gekr&#246;nt worden, von 1765 bis 1790 war er Kaiser des Heiligen R&#246;mischen Reiches deutscher Nation.</em></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_83" class="footnote">hess. f&#252;r Chaise = Kutsche</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Eine Zeile von Pal&#228;sten</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 19:12:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zeitzeuge</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Straßen, Plätze, Bauwerke]]></category>
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		<description><![CDATA[Und nun stehen wir an der ber&#252;hmten Zeil. Niemand wird dieser Zeile von Pal&#228;sten seine Bewunderung versagen k&#246;nnen. Was der Erfindungsgeist unseres industriellen Jahrhunderts f&#252;r den Luxus nur immer geschaffen hat, finden wir hier in gl&#228;nzenden, nicht selten pr&#228;chtigen L&#228;den zur Schau gestellt. Schl&#246;sser, wahre F&#252;rstenwohnungen, sind zur Aufnahme der Fremden bereit. Und welche Menschenmenge [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Und nun stehen wir an der ber&#252;hmten Zeil. Niemand wird dieser Zeile von Pal&#228;sten seine Bewunderung versagen k&#246;nnen. Was der Erfindungsgeist unseres industriellen Jahrhunderts f&#252;r den Luxus nur immer geschaffen hat, finden wir hier in gl&#228;nzenden, nicht selten pr&#228;chtigen L&#228;den zur Schau gestellt. Schl&#246;sser, wahre F&#252;rstenwohnungen, sind zur Aufnahme der Fremden bereit. Und welche Menschenmenge flutet fr&#252;h und sp&#228;t uns hier entgegen, welch dichtes Gewimmel auf der ganzen Breite dieser Stra&#223;e!<br />
<strong>Aus: Handbuch f&#252;r Reisende auf dem Maine, 1843</strong></p>
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		<title>Der Weinmarkt</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 12:10:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joachim Heinrich Campe</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Joachim H. Campe]]></category>
		<category><![CDATA[Main]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft, Technik, Verkehr]]></category>
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		<description><![CDATA[Diesseits der Br&#252;cke ist an dem Ufer des Mains der gro&#223;e Weinmarkt, wo alle Frankenweine, welche den Strom herab nach Frankfurt kommen und von da aus weiter versandt werden, bis zu ihrem Abgange liegen bleiben m&#252;ssen. Man sieht hier einige tausend F&#228;sser teils unter Schuppen, teils unter freiem Himmel liegen, oft auch, wenn der Main [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Diesseits der Br&#252;cke ist an dem Ufer des Mains der gro&#223;e Weinmarkt, wo alle Frankenweine, welche den Strom herab nach Frankfurt kommen und von da aus weiter versandt werden, bis zu ihrem Abgange liegen bleiben m&#252;ssen. Man sieht hier einige tausend F&#228;sser teils unter Schuppen, teils unter freiem Himmel liegen, oft auch, wenn der Main aus seinen Ufern getreten ist, im Wasser schwimmen. Man hat sie auf diesen Fall mit Tauen festgebunden, damit der Strom sie nicht fortf&#252;hren k&#246;nne (&#8230;)</p>
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		<title>Pestjahr 1635</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 12:09:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zeitzeuge</dc:creator>
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		<description><![CDATA[1635 Gro&#223; Sterben war verschienen Jahr, 3421 an der Zahl. War Krieg, Teuerung gar. Mit vollem Ma&#223; uns eingeschenkt Gott im Grimme das. Tue Bu&#223;e, meide S&#252;nde, f&#252;rchte Gott, f&#252;rwahr, Jesus gibt dann ein besser Jahr. Inschrift auf einer Gedenk-Medaille aus dem Pestjahr 1635.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>1635 Gro&#223; Sterben war verschienen Jahr, 3421 an der Zahl. War Krieg, Teuerung gar. Mit vollem Ma&#223; uns eingeschenkt Gott im Grimme das. Tue Bu&#223;e, meide S&#252;nde, f&#252;rchte Gott, f&#252;rwahr, Jesus gibt dann ein besser Jahr.</p>
<p><strong>Inschrift auf einer Gedenk-Medaille aus dem Pestjahr 1635.</strong></p>
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		<title>Frankfurt &#8211; ein lebendiges Grab</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 12:08:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Catharina Elisabeth Goethe</dc:creator>
				<category><![CDATA[18. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Aja Goethe]]></category>
		<category><![CDATA[Kaiserwahl]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Tod des Kaisers hat unsere Stadt zu einem lebendigen Grabe gemacht; das L&#228;uten aller Glocken, welches vier Wochen t&#228;glich zweimal, n&#228;mlich morgens von 11 bis 12 und abends von 5 bis 6 Uhr geschieht, hat einen so lugubren Ton, dass man weinen muss, man mag wollen oder nicht. Der ganze Magistrat ist in Trauer [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Tod des Kaisers hat unsere Stadt zu einem lebendigen Grabe gemacht; das L&#228;uten aller Glocken, welches vier Wochen t&#228;glich zweimal, n&#228;mlich morgens von 11 bis 12 und abends von 5 bis 6 Uhr geschieht, hat einen so lugubren Ton, dass man weinen muss, man mag wollen oder nicht. Der ganze Magistrat ist in Trauer &#8211; die Garnison ist schwarz, mit Flor alles umwickelt &#8211; die kaiserliche Werbung, die R&#228;te, Residenten usw., alles, alles schwarz &#8211; das hat ein &#252;beraus trauriges Ansehen. </p>
<p>K&#252;nftigen Sonntag ist bei allen drei Religionen in allen Kirchen Leichenpredigt &#8211; unsre Hauptkirche wird ganz schwarz beh&#228;ngt, Jung und Alt erscheint in tiefer Trauer &#8211; S&#228;nger und S&#228;ngerinnen sind zur Trauermesse verschrieben und dieser einzige Umstand kostet 2000 Flor. Sollte die k&#252;nftige Kr&#246;nung n&#228;herr&#252;cken, so wissen Sie Ihr Pl&#228;tzchen &#8230;</p>
<p><strong>In einem Brief an Fritz von Stein, 1. M&#228;rz 1790, &#252;ber den Tod Kaiser Josephs II.</strong></p>
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		<title>Alles weit weg von der armen Frau Aja</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 12:08:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Catharina Elisabeth Goethe</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8230; der arme Herr Rat ist schon seit Jahr und Tag sehr im Abnehmen, vornehmlich sind seine Geisteskr&#228;fte ganz dahin &#8211; Ged&#228;chtnis, Besinnlichkeit, eben alles ist weg. Das Leben, das er jetzt f&#252;hrt, ist ein wahres Pflanzenleben. Die Vorsehung findet eben gut, mich durch allerlei Wege zum Ziel zu f&#252;hren &#8211; denn dass ich dabei [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; der arme Herr Rat ist schon seit Jahr und Tag sehr im Abnehmen, vornehmlich sind seine Geisteskr&#228;fte ganz dahin &#8211; Ged&#228;chtnis, Besinnlichkeit, eben alles ist weg. Das Leben, das er jetzt f&#252;hrt, ist ein wahres Pflanzenleben. Die Vorsehung findet eben gut, mich durch allerlei Wege zum Ziel zu f&#252;hren &#8211; denn dass ich dabei was rechts leide, brauche ich einer so gef&#252;hlvollen Seele wie Ihr seid nicht lange vorzuerz&#228;hlen. Zumal da ich keinen Ersatz an meinen Kindern habe. Alles ist ja von der armen Frau Aja weit weg.</p>
<p>Ich hatte mir mit der Hoffnung geschmeichelt, mein Sohn w&#252;rde die Herbstmesse herkommen, aber da wird wohl nichts draus. Er hat so viele Gesch&#228;fte, so viel durcheinander zu tun. &#8230;</p>
<p><strong>An Lavater, 20. August 1781</strong></p>
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		<title>Frankfurt ist die Universit&#228;t der Kellner</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 12:02:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinrich Laube</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jetzt ist es wunderlich gemischt aus alten, verdrie&#223;lichen Gassen und neuwei&#223;en Stra&#223;en, aus b&#252;rgerlicher Freiheit und F&#252;rstenmacht, aus Kaufmannschaft und Diplomatie. Wie eine silberne Fassung garnieren und durchschneiden die Sch&#246;ne Aussicht, die „Million&#228;rsstra&#223;e&#8221; und die Zeil das aufeinandergeh&#228;ufte Kupfer der &#252;brigen Stadt. Gr&#252;n und lockend beschatten die Promenade, das Buschwerk der Landh&#228;user und der fern [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt ist es wunderlich gemischt aus alten, verdrie&#223;lichen Gassen und neuwei&#223;en Stra&#223;en, aus b&#252;rgerlicher Freiheit und F&#252;rstenmacht, aus Kaufmannschaft und Diplomatie. Wie eine silberne Fassung garnieren und durchschneiden die Sch&#246;ne Aussicht, die „Million&#228;rsstra&#223;e&#8221; und die Zeil das aufeinandergeh&#228;ufte Kupfer der &#252;brigen Stadt. Gr&#252;n und lockend beschatten die Promenade, das Buschwerk der Landh&#228;user und der fern winkende, blaue Taunuswald die Kaufmannsstadt. Siegreich &#252;ber alle anderen Gesch&#228;fte entstehen Hotels in modernster Form. Frankfurt ist die Universit&#228;t der Kellner und der table d&#8217;hote. Man „logiert&#8221; hier ganz und gar. Alles &#252;brige ist Nebensache.</p>
<p>Worin man &#252;ber die Mainbr&#252;cke durch Sachsenhausen nach einer von den kleinen H&#246;hen geht, die den Blick &#252;ber Stadt und Fl&#228;che ein wenig erleichtern, wenn auch nirgends ganz erm&#246;glichen, so sieht man an den einschlie&#223;enden Bergen die alten T&#252;rme, die einst Frankfurt bewachten. Das erinnert daran, dass dieser vortrefflich gelegene Raum eine politisch ausgezeichnete Stellung gewann. Frankfurt ist ein B&#252;rgerhaus geblieben f&#252;r und f&#252;r. Dass die Landstra&#223;en von England und Holland nach Italien und &#214;sterreich, von Nord- und S&#252;ddeutschland, der Schweiz und Frankreich sich hier kreuzen, dass dies Land &#252;berall willkommene Arme nach den reichsten Gebieten unseres Vaterlandes streckt, ist eigentlich nur dazu ausgebeutet worden, ein wenig vorteilhaften Handel zu treiben.</p>
<p>Frankfurt, wo bist du? Auf der B&#246;rse bei den Kursen, auf der Mainlust beim Schoppen, im „Schwan&#8221; zur Tafel, auf dem „Museum&#8221; eine Vorlesung zu h&#246;ren, oder in den Bibliotheken, um Journale zu lesen!</p>
<p><strong>Aus: Gesammelte Werke, Leipzig 1909</strong></p>
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		<title>Diese Enge macht mich rasend</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 07:58:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johann Wolfgang Goethe</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sie erinnern sich der letzten Zeiten, die ich bei Ihnen, ehe ich hierher ging, zubrachte; unter solchen fortw&#228;hrenden Umst&#228;nden w&#252;rde ich gewiss zugrunde gegangen sein. Das Unverh&#228;ltnis des engen und langsam bewegten b&#252;rgerlichen Kreises zu der Weite und Geschwindigkeit meines Wesens h&#228;tte mich rasend gemacht. Bei der lebhaften Einbildung und Ahndung menschlicher Dinge w&#228;re ich [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Sie erinnern sich der letzten Zeiten, die ich bei Ihnen, ehe ich hierher ging, zubrachte; unter solchen fortw&#228;hrenden Umst&#228;nden w&#252;rde ich gewiss zugrunde gegangen sein. Das Unverh&#228;ltnis des engen und langsam bewegten b&#252;rgerlichen Kreises zu der Weite und Geschwindigkeit meines Wesens h&#228;tte mich rasend gemacht. Bei der lebhaften Einbildung und Ahndung menschlicher Dinge w&#228;re ich doch immer unbekannt mit der Welt und in einer ewigen Kindheit geblieben, welche meist durch Eigend&#252;nkel und alle verwandten Fehler sich und anderen unertr&#228;glich wird.<br />
<strong>An die Mutter in Frankfurt, 1781</strong></p>
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		<title>Die Sage &#252;ber Frankfurts Entstehung</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 06:00:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karl Simrock</dc:creator>
				<category><![CDATA[08. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Simrock]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>
		<category><![CDATA[Gründung]]></category>
		<category><![CDATA[Karl der Große]]></category>
		<category><![CDATA[Sachsenhausen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Erz&#228;hlung der Chronisten ist ein schlagendes Beispiel, wie wunderbar sich im Munde des Volkes Wahres und Falsches, Geschehenes und Erdichtetes zu verschmelzen scheint, und wie reich an historischem Gehalt eine Sage immer noch sein kann, wenn sie auch einzelner Abweichungen von der Geschichte &#252;berf&#252;hrt worden ist. Von den unwahrscheinlichen Nebenumst&#228;nden abgesehen, enth&#228;lt Thietmars Erz&#228;hlung [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Erz&#228;hlung der Chronisten ist ein schlagendes Beispiel, wie wunderbar sich im Munde des Volkes Wahres und Falsches, Geschehenes und Erdichtetes zu verschmelzen scheint, und wie reich an historischem Gehalt eine Sage immer noch sein kann, wenn sie auch einzelner Abweichungen von der Geschichte &#252;berf&#252;hrt worden ist. Von den unwahrscheinlichen Nebenumst&#228;nden abgesehen, enth&#228;lt <a href="http://www.frankfurt.frblog.de/die-franken-und-die-furt#comment-15">Thietmars Erz&#228;hlung</a> die reine Wahrheit. Allerdings kn&#252;pft sich Frankfurts erstes Erbl&#252;hen an Karl den Gro&#223;en und seine Sachsenkriege, und die Furt durch den Main, welche durch dieselben Wichtigkeit erlangte, gab dem Ort, wie es die Sage andeutet,  den Namen. Auch Sachsenhausen verdankt den Seinigen, so wie den Ursprung, Karl dem Gro&#223;en, denn er war es, welcher die besiegten Sachsen mit Weib und Kind von den Ufern der Elbe wegf&#252;hrte und ihnen unter anderm auch hier neue Wohnsitze anwies.</p>
<p>Karl der Gro&#223;e pflegte sein Heer in Worms oder einer andern Stadt des s&#252;dlichen und &#252;berrheinischen Deutschlands zu versammeln und von hier aus &#252;ber die Frankenfurt durch die Wetterau und das jetzige Hessen nach Sachsen zu f&#252;hren. Ward er so als Feldherr auf die Bedeutung der Frankenfurt aufmerksam gemacht, so musste sie auch dem J&#228;ger anziehend erscheinen. &#8220;Milder&#8221;, sagt v. Fichard &#8220;war hier die Gegend als in dem unzug&#228;nglichen Spechtshart, der Jagdgenuss nicht minder befiedigend, denn der Dreieicherhain begrenzte das linke Ufer des Flusses, die gr&#246;&#223;ere N&#228;he des Rheins und der bl&#252;henden Moguntia erleichterte jede Zufuhr, und die Furt veranlasste den Sammelplatz der Truppen.&#8221; Vermutlich, denn ausdr&#252;cklich ist es nirgends berichtet, baute also Karl ein kleines Palatium oder Jagdschloss an der Frankenfurt. Vorausgesetzt wird das Dasein derselben bei der <a href="http://www.frankfurt.frblog.de/die-aelteste-erwaehnung">ersten urkundlichen Erw&#228;hnung des Namens der Stadt</a> im Jahr 794, wo Karl hier die Ostern feierte und im Juni &#8220;in loco celebri qui dicitur Franconofurd&#8221; die dritte Synode und ein Reichskonvent hielt.<br />
<strong>1839</strong></p>
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		<title>&#220;ber die Frankfurter Zeitung</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 19:27:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zeitzeuge</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Haus der Zeitung in der Gro&#223;en Eschenheimer Stra&#223;e erschien mir unglaublich weitl&#228;ufig und verbaut (&#8230;) Ohne allen erdenklichen Komfort, ohne jeden Versuch, sich moderner Hygiene anzupassen, strahlte dennoch der Bau eine vornehme Gem&#252;tlichkeit sondergleichen aus. Durch die engen G&#228;nge in den verschiedenen Etagen wandelten die H&#252;ter derWeisheit mit ihren langen Pfeifen, scheinbar ruhig, in [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das Haus der Zeitung in der Gro&#223;en Eschenheimer Stra&#223;e erschien mir unglaublich weitl&#228;ufig und verbaut (&#8230;) Ohne allen erdenklichen Komfort, ohne jeden Versuch, sich moderner Hygiene anzupassen, strahlte dennoch der Bau eine vornehme Gem&#252;tlichkeit sondergleichen aus. Durch die engen G&#228;nge in den verschiedenen Etagen wandelten die H&#252;ter derWeisheit mit ihren langen Pfeifen, scheinbar ruhig, in Wahrheit aufs Strengste besch&#228;ftigt.Unvergesslich bleibt mir das Einheitsbild der Zeitungsherren, ein sorgloser, oft zu Knabenstreichen aufgelegter Knabenstil, ohne jede b&#252;rokratische Feierlichkeit. Wenn sie hin&#252;bersprangen zur Hauptwache, um sich irgend etwas zu holen, ohne M&#252;tze, geschweige denn Hut, so bargen sich innerhalb solch gemeinsamer Freiheitlichkeiten doch die denkbar verschiedenen Individualit&#228;ten, die sich erst wieder glichen in der Sicherheit des Herrengebarens jeder sachlich ernsten Aufgabe gegen&#252;ber. Wie gesagt, das Ganze vielmehr eine gesellschaftliche Konklave als ein Konsortium von Zeitungsleuten.<br />
<strong>Editha Klipstein, Schriftstellerin und Journalistin, 1949</strong></p>
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		<title>Sonnemann: &#8220;Jetzt inspiriert er wieder&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 19:23:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zeitzeuge</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Leopold Sonnemann]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurter Zeitung]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich hatte schon im Jahre 1874 begonnen, an dem Hauptorgan der in der Stadt stark vertretenen Volkspartei, der Frankfurt Zeitung, mitzuarbeiten. (&#8230;) Einen Hauptschriftleiter, wie man jetzt sagt, gab es bei ihr nicht. Die Redaktion, zu der sich Sonnemann selbst rechnete, bildete eine autonome K&#246;rperschaft, die in ihren Konferenzen zwar &#252;ber die allgemeine Richtung der [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hatte schon im Jahre 1874 begonnen, an dem Hauptorgan der in der Stadt stark vertretenen Volkspartei, der Frankfurt Zeitung, mitzuarbeiten. (&#8230;) Einen Hauptschriftleiter, wie man jetzt sagt, gab es bei ihr nicht. Die Redaktion, zu der sich Sonnemann selbst rechnete,  bildete eine autonome K&#246;rperschaft, die in ihren Konferenzen zwar &#252;ber die allgemeine Richtung der Zeitung bestimmen konnte, aber jedem einzelnen Redakteur volle Freiheit in der Vertretung seiner &#220;berzeugung gestattete, solang diese sich innerhalb der Grunds&#228;tze der Volkspartei hielt.</p>
<p>Auch der Eigent&#252;mer enthielt sich klug jeder direkten Einflussnahme. Zwar ging er des Morgens manchmal von einem zum andern und besprach mit ihm irgendeinen Punkt. Aber wenn eine b&#246;se Zunge fl&#252;sterte: &#8220;Jetzt inspiriert er wieder&#8221;, so war sich doch niemand der geringen Tragweite seines Einflusses klarer bewusst als Leopold Sonnemann. </p>
<p>Als er im Winter 1879-80 im Reichstage eine Resolution einbrachte, die von der Anschauung ausging, dass sich die Regierung bei der Zoll- und Steuerreform der vorausgegangenen Session verpflichtet habe, das Monopolprojekt fallen zu lassen, brachte ich einen Leitartikel, in dem bewiesen war, dass eine derartige Verpflichtung niemals eingegangen sei. Eben als er die Trib&#252;ne besteigen wollte, &#252;berreichte ihm ein Kollege aus dem Reichstage diesen Artikel. Er war nicht besonders angenehm ber&#252;hrt von diesem Erlebnis und sagte mir sp&#228;ter im Tone der Missbilligung: &#8220;Was h&#228;tte ich dem Manne erwidern wollen?&#8221; Ich entgegnete: &#8220;Da sehen Sie, wie selbst&#228;ndig meine Redakteure sind.&#8221;</p>
<p>Leopold Sonnemann selbst hat in keinem Teile regelm&#228;&#223;ig mitgearbeitet; aber wo er es tat, hat er sich ebensowohl als geschickter und kluger Journalist wie als weitblickender Gesch&#228;ftsmann bewiesen. Ihm ist wohl auch allein zu danken gewesen, wenn die Zeitung ihren Stab an ausw&#228;rtigen Korrespondenten und Mitarbeitern auf einer H&#246;he erhielt, die sonst in der deutschen Presse nirgends erreicht wurde. Auf seine Zeitung war er stolz und konnte  niemals empfindlicher werden, als wenn Gegner in der Presse sie als &#8220;Judenblatt&#8221; bezeichneten. Das war gewiss auch insofern nicht richtig, als von den sieben Mitgliedern der Redaktion des Allgemeinen Teils nur einer ein Jude war. Aber wir konnten einem malizi&#246;sen Kollegen doch auch nicht ganz unrecht geben, wenn er uns als &#8220;Renommierchristen&#8221; bezeichnete.<br />
<b>Karl B&#252;cher &#252;ber die Frankfurter Zeitung, 1919</b></p>
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		<title>Frankfurts B&#252;chergasse &#252;bertrifft London und Paris</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 19:22:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Coryate</dc:creator>
				<category><![CDATA[17. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Buchmesse]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>
		<category><![CDATA[Buchdruck]]></category>
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		<description><![CDATA[Alsdann ging ich in die B&#252;chergass und erblickte daselbst eine solche F&#252;lle von B&#252;chern, dass es zum Staunen war. Denn diese Gasse &#252;bertrifft bei weitem den Sankt Pauls Platz zu London und die Sankt Jakobs Gasse zu Paris und die Merceria zu Venezia, und alles, so ich auf meinen Reisen sah. Also dass es ein [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Alsdann ging ich in die B&#252;chergass und erblickte daselbst eine solche F&#252;lle von B&#252;chern, dass es zum Staunen war. Denn diese Gasse &#252;bertrifft bei weitem den Sankt Pauls Platz zu London und die Sankt Jakobs Gasse zu Paris und die Merceria zu Venezia, und alles, so ich auf meinen Reisen sah. Also dass es ein wahrhaftiger  Epitome aller prinzipalen Buchhandlungen Europas erscheint. Item ist diese Gass nicht nur ber&#252;hmt weil hier so viele B&#252;cher verkauft werden, sondern auch wegen ihrer Druckereien. Denn selbige Stadt hat in der Buchdruckerkunst also gebl&#252;het, dass sie keiner Stadt der Christenheit nachstehet, nicht einmal der Stadt Basel, die ich doch zuvor wegen ihrer Vollkommenheit in selbiger Kunst so stark gepriesen habe.</p>
<p><strong>1611</strong></p>
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		<title>Johanna Tesch nahm kein Blatt vor dem Mund</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 08:10:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Johanna Tesch]]></category>
		<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Riederwald]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>

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		<description><![CDATA[In ihrem Reihenhaus im Riederwald gingen Arbeiterfrauen, Gewerkschafter, SPDler ein und aus: Das politische Engagement der Sozialdemokratin Johanna Tesch sollte ihr Todesurteil sein. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1875_johanna_tesch.jpg" title="Johanna Tesch / Bild: Monika Gemmer" rel="lightbox[1670]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1875_johanna_tesch_th.jpg" alt="Johanna Tesch / Bild: Monika Gemmer" class="left"/></a>In ihrem Reihenhaus im Riederwald gingen Arbeiterfrauen, Gewerkschafter, SPDler ein und aus. Das politische Engagement der Sozialdemokratin Johanna Tesch sollte ihr Todesurteil sein, vollstreckt von Nazi-Schergen.  Die Geschichte einer mutigen Frankfurterin &#8211; und einer gro&#223;en Liebe.<span id="more-1670"></span></p>
<p>&#8220;Mein lieber Busch! Nimm auch in diesem Jahre meine innigsten Gl&#252;ckw&#252;nsche zu deinem Geburtstag auf diesem Wege entgegen. (&#8230;) Als du vor 22 Jahren das Licht der Welt erblicktest, da ahnte ich nicht, dass mich einmal meine politische T&#228;tigkeit zwingen w&#252;rde zu deinem Geburtstag von zu Hause zu weilen. Auch ich geh&#246;rte damals noch zu den &#8220;Indifferenten&#8221; und hatte kein politisches Interesse&#8230;&#8221;</p>
<p>Das war allerdings schon wenige Jahre nach der Geburt ihres &#8220;Mittleren&#8221; erwacht, bei der Hanna, wie sie damals im Riederwald alle nannten. Als Johanna Tesch ihrem Sohn Wilhelm &#8211; genannt &#8220;Busch&#8221; &#8211; am 12. Dezember 1921 die Gl&#252;ckw&#252;nsche schreibt, geh&#246;rt die Sachsenh&#228;userin, die 1875 als Tochter des Schneidermeisters Carillon zur Welt kam, schon 19 Jahre lang der SPD an und sitzt als eine der  ersten Frauen im Deutschen Reichstag zu Berlin.</p>
<p><strong>Wort f&#252;r Wort in aufrechter Schrift</strong></p>
<p>Damals ahnt sie auch nicht, dass der politische Einsatz einmal ihr Todesurteil sein w&#252;rde. Vollstreckt von Nazi-Schergen, die das zerschlagen sollten, was die couragierte Frau gerade hofft, mit aufzubauen.</p>
<p>Gleich nach Einf&#252;hrung des Frauenwahlrechts 1919 war die dreifache Mutter und Frauenrechtlerin f&#252;r den Wahlkreis Hessen-Nassau in die Deutsche Nationalversammlung in Weimar gew&#228;hlt worden. Eine heftige, bewegte und bewegende Zeit f&#252;r die Arbeitersfrau. </p>
<p>Weltkriegsfolgen, Versailler Vertrag, wirtschaftliche Not der eigenen Familie, Kapp-Putsch, Generalstreik, der Rathenau-Mord, Inflation. In zahllosen Briefen an &#8220;Pa&#8221;, ihren Mann, den Gewerkschafter Richard Tesch, hat sie sie festgehalten &#8211; Wort f&#252;r Wort in ihrer schmalen, aufrechten Handschrift. 300 Briefe haben sich die Eheleute<br />
zwischen 1919 und 1924 geschrieben, sich ausgetauscht &#252;ber Weltpolitik und die Alltagsn&#246;te der Familie und Freunde in Frankfurt.</p>
<blockquote><p>Mein Lieber! Ich bin heute sehr niedergeschlagen, denn erstens gehen mir die furchtbaren Waffenstillstandsbedingungen, denen wir uns unterwerfen mussten, sehr nah und zweitens h&#246;rte ich heute Abend zuf&#228;llig von einem Telefonfr&#228;ulein, dass Frankfurt wegen Fleckfiebers gesperrt sei. Schreibe mir doch gleich, was es damit auf sich hat.</p></blockquote>
<p>Folgen des Ersten Weltkriegs, der Johanna wie allen &#8220;Kriegsfrauen&#8221; alles abverlangt und &#8220;Friedel&#8221;, ihren &#196;ltesten, das Leben gekostet hat.  Doch es muss weitergehen. Johanna Tesch beteiligt sich an Spendensammlungen, um 16.000 Kriegsopfer-Familien in Frankfurt mit dem N&#246;tigsten zu versorgen, arbeitet ab 1916 hauptamtlich im neu geschaffenen st&#228;dtischen F&#252;rsorgeamt f&#252;r Kriegshinterbliebene. Vier Jahre sp&#228;ter blickt die Sozialdemokratin bitter zur&#252;ck: </p>
<blockquote><p>Gerade in die Kriegsf&#252;rsorge h&#228;tten t&#252;chtige M&#228;nner und Frauen, die die Not des Volkes kennen, geh&#246;rt. Statt dessen waren in den meisten F&#228;llen ehrenamtliche Damen, die die F&#252;rsorgef&#228;lle nach dem Votum der Wohlt&#228;tigkeit behandelten, wie sie es in ihren Kreisen gelernt hatten &#8230;</p></blockquote>
<p>Sie ist direkt, nimmt kein Blatt vor den Mund, kann geschliffen reden, und sie wei&#223;, wovon sie spricht: Seit der Geburt ihres j&#252;ngsten Sohnes Carl im Jahr 1902 setzt sie sich f&#252;r bessere Bildungschancen f&#252;r M&#228;dchen aus einfachen Verh&#228;ltnissen ein, gr&#252;ndet mit ihren Frankfurter Gesinnungsschwestern Lina Heiden und Henriette F&#252;rth den Bildungsverein f&#252;r Frauen und M&#228;dchen der Arbeiterklasse, 1906 den Zentralverband der Hausangestellten. Politik aus dem Leben heraus: So gei&#223;elt die dreifache Mutter, dass Fleisch und Milch immer teurer werden, warnt vor wirtschaftlicher Not der Arbeiter und streitet f&#252;r Versammlungsfreiheit und das Wahlrecht f&#252;r Frauen. </p>
<p>&#8220;Sie war gewiss keine Radikale&#8221;, sagt der Frankfurter Gewerkschafter Paul M&#252;ller Jahre sp&#228;ter &#252;ber Johanna. &#8220;Hauptgrundlage ihres politischen Wirkens war ihr eminenter Sinn f&#252;r das Praktische, ihr enger Kontakt zu den Leidens- und Kampfgenossen, ihre pers&#246;nliche Bescheidenheit und &#8211; nicht zuletzt &#8211; ihre G&#252;te.&#8221;</p>
<p><strong>&#8220;Komm besser nicht zum Bahnhof&#8221;</strong></p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1875_tesch_riederwald.jpg" title="Johanna Teschs Haus in der Max-Hirsch-Stra&#223;e im Riederwald / Bild: Monika Gemmer" rel="lightbox[1670]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1875_tesch_riederwald_th.jpg" alt="Johanna Teschs Haus / Bild: Monika Gemmer" class="right"/></a>Johanna ist beliebt, im kleinen Reihenh&#228;uschen der Familie, Max-Hirsch-Stra&#223;e 32, in der neu erbauten Arbeitersiedlung im Riederwald, geht‘s zu wie im Taubenschlag. Arbeiterfrauen, Gewerkschafter, SPDler, junge Leute aus der sozialistischen Jugendbewegung. Sie schicken ihre Johanna nach Weimar und sp&#228;ter nach Berlin. Wieder und wieder enden deren zahllose Briefe an &#8220;Pa&#8221; mit dem Hinweis, &#8220;komm’ besser nicht an den Bahnhof, wei&#223; noch nicht, ob ich nach Hause kommen kann&#8221;.</p>
<p>Sie schafft es auch nicht zu ihrem silbernen Hochzeitstag am 1. Mai 1924. Die Partnerschaft mit dem gelernten Schneider und Gewerkschafter Richard bleibt dennoch unverbr&#252;chlich: &#8220;Heute m&#246;chte ich dir deshalb meinen innigsten Dank sagen, 25 Jahre des Lebens- und des Gl&#252;cks miteinander verbracht zu haben&#8221;, schreibt sie an den Gatten und w&#252;nscht, &#8220;dass wir beide noch lange uns der Gesundheit erfreuen, damit wir beide in Liebe verbunden unseren gemeinsamen Lebensweg weiterwandern&#8221;. Der Weg endet gewaltsam. </p>
<p>Johanna Tesch kandidiert nach Ablauf der Legislaturperiode 1924 nicht mehr f&#252;r den Reichstag, doch sie bleibt politisch aktiv und ihre Familie ist nach der Machtergreifung Hitlers 1933 ernsthaft bedroht. Richard Tesch verliert seine Stelle bei der Union-Druckerei, ebenso Sohn Carl, der sich in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit engagiert, in Berlin eine Volksbibliothek leitet. Carl flieht in die Schweiz, als die Gestapo dahinter kommt, dass er im Untergrund linke Schriften verbreitet. Der mittlere Sohn Wilhelm &#8220;Busch&#8221; f&#228;llt im Zweiten Weltkrieg.</p>
<p>Nach dem gescheiterten Stauffenberg-Attentat auf Hitler 1944 l&#228;sst Heinrich Himmler in der &#8220;Aktion Gewitter&#8221; Regimekritiker und Verd&#228;chtige festnehmen. Johanna Tesch, 69 Jahre alt, herz- und nierenkrank, kommt als H&#228;ftling Nummer 72681 ins Konzentrationslager Ravensbr&#252;ck. Bittschreiben ihres Mannes n&#252;tzen nichts. Eine Mitgefangene erz&#228;hlt sp&#228;ter von den todbringenden Bedingungen im Lager und dem gesundheitlichen Verfall Johannas: &#8220;Obwohl sich viele unserer Kameradinnen f&#252;r Johanna Tesch einsetzten und sorgten, war es ihr am 10. M&#228;rz nicht mehr m&#246;glich, das Lager zu verlassen. Sie lag auf ihrer harten und verlausten Pritsche und lie&#223; ihre Gedanken nach Hause schweifen.  Dann mussten wir ihr Papier und Feder geben (&#8230;) und sie begann, mit sch&#246;nen Lettern einen Abschiedsbrief zu schreiben.&#8221; </p>
<p>Johanna Tesch stirbt drei Tage sp&#228;ter, am 13. M&#228;rz 1945. </p>
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	<georss:point>50.1289482 8.7309351</georss:point>	</item>
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		<title>Flugzeugabsturz &#252;ber Rhein-Main</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Feb 2010 08:11:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frankfurter Rundschau</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Brände, Seuchen, Katastrophen]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Brände]]></category>
		<category><![CDATA[Katastrophen]]></category>
		<category><![CDATA[Seuchen]]></category>

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		<description><![CDATA[ Es war in der Geschichte der deutschen Luftfahrt die bis dahin gr&#246;&#223;te Katastrophe: Am 22. M&#228;rz 1952, st&#252;rzte eine Passagiermaschine der holl&#228;ndischen Fluggesellschaft KLM beim Landeanflug &#252;ber dem Frankfurter Stadtwald ab. 45 Menschen kamen um. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Es war in der Geschichte der deutschen Luftfahrt die bis dahin gr&#246;&#223;te Katastrophe: Am 22. M&#228;rz 1952, st&#252;rzte eine Passagiermaschine der holl&#228;ndischen Fluggesellschaft KLM beim Landeanflug &#252;ber dem Frankfurter Stadtwald ab. 45 Menschen kamen bei dem Ungl&#252;ck ums Leben. &#220;ber die Ursache war hei&#223; diskutiert, dahinter sogar ein Anschlag auf die get&#246;teten Berater der j&#252;dischen Reparationskommission in Den Haag vermutet worden.   <span id="more-576"></span></p>
<p>An jenem regnerischen Samstagmorgen ist der Frankfurter Fuhrunternehmer Willibald Hofmann wie so oft mit seinem Lieferwagen auf der Landstra&#223;e unterwegs. Gegen zehn vor elf, ganz in der N&#228;he der Gehspitz im Stadtwald, wird der 39-J&#228;hrige pl&#246;tzlich durch ein f&#252;rchterliches Splittern und Krachen aufgeschreckt.</p>
<p>Sofort h&#228;lt er sein Auto an, um der Sache auf den Grund zu gehen. Im Wald, nur unweit der Stra&#223;e, bietet  sich ihm ein grauenhaftes Bild: Ein Verkehrsflugzeug ist abgest&#252;rzt. Aus dem Innern des Wracks h&#246;rt Hofmann Wimmern und Schmerzensschreie. Ohne lang zu &#252;berlegen, dringt er in die Flugzeugkabine ein, schneidet mit seinem Taschenmesser vier schwer verletzte Passagiere aus ihren Sicherheitsgurten und schafft sie ins Freie, wobei ihn bald zwei weitere Autofahrer und ein Arbeiter der nahe gelegenen Firma Holzmann unterst&#252;tzen. Kurz darauf k&#246;nnen auch die couragierten M&#228;nner nicht mehr helfen: Das Flugzeug explodiert und steht sogleich in hellen Flammen.</p>
<p>Das Ungl&#252;ck beim Anflug auf den Rhein-Main-Flughafen war die bis dahin &#8220;gr&#246;&#223;te Flugzeugkatastrophe in Deutschland&#8221;, wie alle Zeitungen am Montag danach titelten, und damals eine der gr&#246;&#223;ten in der Geschichte der zivilen Luftfahrt &#252;berhaupt. Insgesamt kamen 45 Menschen ums Leben, 36 Passagiere und neun Besatzungsmitglieder. Nur zwei der sechs geborgenen Schwerverletzten &#252;berlebten: die holl&#228;ndische Stewardess Anne Gautier und die 23-j&#228;hrige Frankfurterin Ruth Horn, die beide ihre Rettung Hofmann und seinen Helfern verdankten. Ruth Horn war mit dem Ungl&#252;cksflugzeug aus Rom gekommen, wo sie nur drei Tage zuvor geheiratet hatte. Ihr Mann geh&#246;rte zu den Opfern des Absturzes.</p>
<p>Das Flugzeug der K&#246;niglich-Niederl&#228;ndischen Luftverkehrsgesellschaft (KLM), eine viermotorige Propeller-Maschine vom Typ Douglas DC 6 mit Namen &#8220;Koningin Juliana&#8221;, war an jenem Morgen auf einem planm&#228;&#223;igen Flug von Johannesburg &#252;ber Rom nach Frankfurt, von wo aus es nach einem kurzen Zwischenstopp nach Amsterdam weiterfliegen sollte. Im Anflug auf den Flughafen Rhein-Main gab es gegen 10.45 Uhr seine letzte Positionsmeldung &#252;ber Staden, etwa 20 Kilometer nord&#246;stlich von Offenbach. Danach riss die Funkverbindung mit dem Airport ab. </p>
<p>Bei der witterungsbedingt schlechten Sicht verfehlte die Maschine &#252;ber dem Stadtwald zwischen Neu-Isenburg und dem Flughafen die &#252;bliche Einflugschneise, streifte beim Absetzen zum Landen mit dem bereits ausgefahrenen Fahrgestell die Baumkronen und verlor dabei eine Tragfl&#228;che mit zwei Motoren. Gegen 10.50 Uhr st&#252;rzte das Flugzeug ab und explodierte kurz nach dem Aufprall. Als die ersten Hilfstruppen von Polizei und Feuerwehr eintrafen, stand das Wrack bereits voll in Flammen.</p>
<p>Erst gegen 13 Uhr hatten die aus Offenbach, Frankfurt, Neu-Isenburg und Darmstadt sowie vom Flughafen herbeigeeilten Rettungskr&#228;fte den Brand gel&#246;scht. Die Ungl&#252;cksstelle, nur acht Kilometer vom Frankfurter Stadtzentrum entfernt, war verw&#252;stet. Im Umkreis von etwa 500 Metern lagen Teile von Ladung und Tr&#252;mmer des Flugzeugs verstreut. Zwischen den verkohlten Wrackteilen fanden sich immer wieder Reste der pers&#246;nlichen Habe der Opfer. So hatte sich etwa an einem Ast in einer Baumkrone ein angebrannter Hut verfangen, und auf dem Waldboden entdeckte ein Reporter die aufgeschlagene Reiselekt&#252;re eines Passagiers: den Roman &#8220;Point of no Return&#8221; (&#8220;Es gibt kein Zur&#252;ck&#8221;) des amerikanischen Autors John. P. Marquand.</p>
<p>Am Tag nach dem Ungl&#252;ck, einem Sonntag, setzte der &#8220;Katastrophentourismus&#8221; ein, wof&#252;r sich einige fliegende H&#228;ndler schon ger&#252;stet zeigten: Sie hatten in den anliegenden Waldschneisen rechtzeitig Tische aufgestellt und boten dort Esswaren und Getr&#228;nke an. Seit den fr&#252;hen Morgenstunden pilgerten die Schaulustigen zu Tausenden zur Ungl&#252;cksst&#228;tte in den Stadtwald. Obwohl die &#252;ber 300 Meter lange und 30 Meter breite Schneise, die das Flugzeug bei seinem Sturz in den Wald geschlagen hatte, ebenso wie die Absturzstelle selbst weitr&#228;umig abgesperrt waren, hatte die Polizei alle M&#252;he, die Neugierigen zur&#252;ckzuhalten. </p>
<p>Souvenirj&#228;ger steckten viele der im Wald zerstreuten Metallteile ein. Und auch nach den neun Kilogramm Gold aus der Flugzeugladung, die noch unter den Tr&#252;mmern begraben sein sollten, &#8220;wurde eifrig geforscht&#8221;, wie ein Lokalreporter zu berichten wusste. Tats&#228;chlich hatte die &#8220;Koningin Juliana&#8221; 500 Kilogramm Barrengold aus S&#252;dafrika an Bord. Das Edelmetall war bereits zum gro&#223;en Teil aus dem Wrack geborgen worden; die fehlenden neun Kilogramm wurden erst sp&#228;ter unter den Flugzeugtr&#252;mmern entdeckt. </p>
<p>Derweil untersuchte eine holl&#228;ndische Sachverst&#228;ndigenkommission gewissenhaft die Absturzstelle, ohne die eigentliche Ursache f&#252;r das Ungl&#252;ck feststellen zu k&#246;nnen. Auch ein daraufhin eingesetzter Untersuchungsausschuss der alliierten Beh&#246;rde f&#252;r die zivile Luftfahrt konnte in seinen zweimonatigen Recherchen die Absturzursache nicht kl&#228;ren.</p>
<p>Inzwischen war in der &#214;ffentlichkeit &#252;ber die Katastrophe hei&#223; diskutiert und dahinter sogar ein Anschlag auf die bei dem Absturz ums Leben gekommenen Berater der j&#252;dischen Reparationskommission in Den Haag vermutet worden. Auf solche Spekulationen ging der Bericht der Untersuchungskommission allerdings mit keinem Wort ein.    <em>Sabine Hock</em></p>
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		<title>Goethes Mutter sorgt f&#252;r einen handfesten Skandal</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Feb 2010 08:00:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Gemmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[18. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Aja Goethe]]></category>
		<category><![CDATA[Goethe]]></category>
		<category><![CDATA[Liebespaare]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Unzelmann]]></category>

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		<description><![CDATA[Mochte die Frankfurter Gesellschaft noch so die Nase r&#252;mpfen: Um die Witwe Katharina Elisabeth Goethe war es geschehen, als sie den jungen Schauspieler das erste Mal erblickte. Altersunterschied hin oder her.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/goethe_unzelmann.jpg" alt="Katharina Elisabeth Goethe und Karl Unzelmann" class="left">F&#252;r Skandale war nicht nur Johann Wolfgang Goethe gut. Noch bevor der Sohn im fernen Weimar seine wilde Ehe mit Christiane Vulpius begann, st&#252;rzte sich seine Mutter Katharina Elisabeth in Frankfurt in eine Liaison mit einem sehr viel j&#252;ngeren Mann. Mochte die Frankfurter Gesellschaft noch so die Nase r&#252;mpfen &#8211; um Frau Aja, wie Goethes Mutter von dessen Freunden genannt wurde und sie selbst viele ihrer Briefe unterschrieb, war es geschehen, als sie den jungen Mann das erste Mal erblickte. Altersunterschied hin oder her.<br />
<span id="more-903"></span><br />
Karl Wilhelm Ferdinand Unzelmann kommt 1784 als Schauspieler an den Main, um hier zu arbeiten. Er ist 31 Jahre alt, hat bereits erfolgreich auf einigen deutschen B&#252;hnen gestanden und gewinnt mit seinen Auftritten am Frankfurter Kom&#246;dienhaus offensichtlich auf Anhieb das Herz der theaterbegeisterten 53-j&#228;hrigen Katharina Elisabeth Goethe, seit drei Jahre Witwe.</p>
<p>Ihr Faible f&#252;r die Schauspielerei ist legend&#228;r. Sie vers&#228;umt kaum eine Vorstellung. Noch heute erinnert man sich in Frankfurt an eine Anekdote, die Bettina von Arnim damals notiert: Als die Besucherpl&#228;tze bei warmem Wetter einmal nur zur H&#228;lfte besetzt sind, habe die Frau Rat zur B&#252;hne gerufen: &#8220;Sie k&#246;nnen anfangen. Ich bin da.&#8221; Und sicher ist es kein Zufall, dass sich Katharina Elisabeth sp&#228;ter, nachdem sie das Haus am Hirschgraben verkauft hat, f&#252;r eine Wohnung am Ro&#223;markt entscheidet &#8211; in unmittelbarer Nachbarschaft zum damaligen Schauspielhaus.</p>
<p>Am 19. April 1784 hat Karl Wilhelm Ferdinand Unzelmann sein Frankfurter Deb&#252;t als Schauspieler. Im Publikum, wie immer: Katharina Elisabeth Goethe. Offenbar verliebt sie sich augenblicklich in den 22 Jahre j&#252;ngeren Mann. Man darf davon ausgehen, dass der Altersunterschied ihr nicht allzu viel Kopfzerbrechen bereitet hat: Sie selbst war 17, als sie 1748  mit dem 38-j&#228;hrigen Johann Kaspar Goethe verheiratet wurde.</p>
<p>Die Witwe Goethe sucht die N&#228;he des jungen Schauspielers. Unzelmann macht es sich &#8220;zur Gewohnheit, nach jeder Darbietung zu ihrer Loge hinaufzuschauen&#8221;, schreibt Silke Wustmann in &#8220;Frankfurter Liebespaare&#8221;. Heiraten indes wird er im Jahr darauf eine andere: die 17-j&#228;hrige Stieftochter des Theaterdirektors Gro&#223;mann, Friederike Bethmann. Den Kontakt zur Frau Rat h&#228;lt er dennoch aufrecht &#8211; sie ist nicht die einzige Aff&#228;re, wie es scheint. Unzelmanns junge Gattin jedenfalls glaubt, viele Gr&#252;nde zur Eifersucht zu haben:</p>
<blockquote><p>Er flatterte und flunkerte &#252;berall umher, war allt&#228;glich verliebt und allw&#246;chentlich in eine andere, endlich sogar in die Frau Rat, die Mutter Goethes, die ihn so beherrschend g&#228;ngelte, dass ich nichts ohne ihren Einfluss tun durfte. Ich war eine siebzehnj&#228;hrige unbedachtsame Frau, eitel auch, und meinte: Zieht er dir eine vor, die h&#252;bscher ist als du, so w&#228;re das zu begreifen, aber die Frau Rat! </p></blockquote>
<p>Einfluss verschafft sich Katharina Elisabeth unter anderem durch finanzielle Zuwendungen. Unzelmann hat Schulden. Goethes Mutter hilft immer wieder aus, macht Geschenke, bezahlt seine M&#246;bel. Und sie versucht, zu schlichten, wenn der egozentrische Schauspieler wieder einmal Streit im Theater hat. Als die Auseinandersetzungen im Ensemble eskalieren, schmei&#223;t Unzelmann hin. 1788 verl&#228;sst er mit seiner Frau die Stadt in Richtung Berlin, wo er sich einen neuen Job verschafft hat. Er geht ohne Abschied. Katharina Elisabeth Goethe bleibt zur&#252;ck &#8211; bitter entt&#228;uscht und mit gebrochenem Herzen. </p>
<p>Dann flattert ihr eine hilflos wirkende Depesche aus Berlin ins Haus:</p>
<blockquote><p>Oh Elisabeth, was habe ich getan!</p></blockquote>
<p>Doch Elisabeth will nichts h&#246;ren, nicht auf seine R&#252;ckkehr hoffen. Ihre Antwort f&#228;llt deutlich aus:</p>
<blockquote><p>Oh! T&#228;uschen Sie mich nicht wieder! Oh! Blasen Sie nicht den toten Funken wieder an – &#252;berlassen Sie mich lieber meinem Gram, der eine solche H&#246;he erstiegen hat, wo schwerlich was dr&#252;ber geht. Bei einem Gewitter verk&#252;ndigt doch der Donner die Ann&#228;herung des Blitzes – aber hier war Blitz und Schlag so eins, dass mich&#8217;s ewig wundern wird – dass mich meine Lebensgeister nicht den Augenblick alle verlie&#223;en. </p>
<p>Ich wei&#223; wahrlich nicht, ob ich nach so vielen vorhergegangenen T&#228;uschungen, fehlgeschlagenen Erwartungen, mein Herz der Hoffnung, die mich so oft, so unendlich oft hintergangen hat, ob ich dieser Betr&#252;gerin es je wieder &#246;ffnen soll: oder ob es nicht besser ist, sie ganz zur&#252;ckzuweisen, keinen Strahl davon mehr in die Seele kommen lassen  und mein voriges Pflanzenleben wieder anzufangen – ich sage es noch einmal – ich wei&#223; es nicht. </p></blockquote>
<p>Schon im 18. Jahrhundert gilt: Wer den Schaden hat, braucht f&#252;r den Spott nicht zu sorgen. Die Frankfurter Gesellschaft zerrei&#223;t sich das Maul &#252;ber die verlassene Witwe. Sie, die sich sonst kaum um das Gerede anderer Leute schert, die keinerlei Probleme damit hat, dass ihr Sohn ohne Trauschein mit Christiane Vulpius und dem gemeinsamen Sohn zusammen lebt &#8211; jetzt sp&#252;rt sie schmerzhaft  die sp&#246;ttischen Blicke.</p>
<blockquote><p>Die Qual, die ich jetzt leide, ist unaussprechlich – da begegnen mir auf allen Ecken von dem verw&#252;nschten Volk, und machen jede R&#252;ckerinnerung neu, rei&#223;en durch ihren basilisken Blick jede Wunde auf – suchen und sp&#228;hen, ob in meinen Augen Traurigkeit wahrzunehmen ist – um vielleicht daran ein Gaudium zu haben – und wenn ich an die Messe denke, auf die ich mich sonst so kindisch freute, wie das Gro&#223;maul, die St., mit Schadenfreude auf mich blicken wird – und ich mich in dem Punkt so wenig verstellen kann; so wei&#223; ich nicht, was ich tun oder lassen soll. </p>
<p>Aber eins wei&#223; ich – das Otterngez&#252;chte soll aus meinem Haus verbannt sein, kein Tropfen Tyrannenblut soll &#252;ber ihre Zungen kommen – keine Hand will ich ihnen zur Ehre, oder zur Ermunterung r&#252;hren – kurz allen Schabernack, den ich ihnen antun kann, will ich mit Freuden tun – r&#228;sonnieren will ich, B&#252;rgers Frau Schnips soll ein Kind gegen mir sein – denn Luft muss ich haben, sonst ersticke ich &#8230; </p></blockquote>
<p>Es gehen noch viele Briefe zwischen Berlin und Frankfurt hin und her. Unzelmann erw&#228;gt sogar eine R&#252;ckkehr an den Main. Die Frau Rat reagiert erschrocken, schreibt ihm am  16. M&#228;rz 1788:</p>
<blockquote><p>Vor Ihrem Herkommen f&#252;rchte ich mich – Sie k&#246;nnen leicht begreifen warum!!! Morgen lasse ich Brandbriefe an all meine saumseelige Schuldner ergehen – und dann wird Ihrer gedenken<br />
Ihre Elisabeth.<br />
N. S. An die Frau Gevatterin meinen freundlichen Gru&#223;.</p></blockquote>
<p>Am Ende ist es die Aussicht, seine Gl&#228;ubiger wieder zu treffen, die Unzelmann aus Frankfurt fernh&#228;lt. Auch bei der Frau Rat hat er Schulden, deren Begleichung sie im Laufe der Zeit offenbar mit zunehmender Vehemenz einfordert. Einmal noch &#8211; 1805, zwei Jahre nach seiner Scheidung von Friederike &#8211; kommt der Schauspieler f&#252;r ein Engagement nach Frankfurt. Katharina Elisabeth Goethe notiert:</p>
<blockquote><p>Herr Unzelmann hat hier ohne Beifall drei Rollen gespielt, und das ganze Publikum w&#252;nschte ihm eine gl&#252;ckliche Reise.</p></blockquote>
<p>Aller Entt&#228;uschung zum Trotz: In der R&#252;ckschau auf die gemeinsamen Jahre in Frankfurt zieht sie ein positives Fazit, schreibt ihm im Dezember 1788:</p>
<blockquote><p>Das war die gl&#252;cklichste Zeit, in meinem ganzen Leben – Aber dahin ist sie geflohen, die goldne Zeit. (&#8230;) Nun leben Sie wohl, lieber Freund! M&#246;ge Ihr Gl&#252;ck in Berlin recht gro&#223; und gl&#228;nzend und von fester Dauer sein. Erfreuen Sie mich von Zeit zu Zeit mit guten Nachrichten, und glauben, dass weder Entfernung noch Zeit Ihr Andenken erl&#246;schen wird, bei<br />
Ihrer Freundin Elisabeth. </p></blockquote>
<p>Am 13. September 1808 stirbt Katharina Elisabeth Goethe. Karl Unzelmann lebt bis zu seinem Tode am 21. April 1832 in Berlin. Fast 100 Jahre nach dem Tod der Frau Rat f&#228;llt  1902 im Schauspielhaus am Frankfurter Theaterplatz zum letzten Mal der Vorhang: Die Abschiedsvorstellung: Goethes Iphigenie auf Tauris.</p>
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		<title>Das k&#246;nnte sich der Kaiser in Berlin nicht erlauben</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Feb 2010 18:55:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frankfurter Zeitung</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Alte Oper]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Straßen, Plätze, Bauwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>

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		<description><![CDATA[Frankfurt hat gestern Besitz ergriffen von einem der herrlichsten Bauwerke der Gegenwart, von einem der sch&#246;nsten Theater Europas. B&#252;rgersinn, wie er nirgends sch&#246;ner und reiner gefunden werden kann, schuf da ein Denkmal, w&#252;rdig der Stadt (&#8230;) Auf 6 1/2 Uhr war der Beginn der Festvorstellung angesetzt, und schon um 4 Uhr hatte sich vom Postgeb&#228;ude, [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Frankfurt hat gestern Besitz ergriffen von einem der herrlichsten Bauwerke der Gegenwart, von einem der sch&#246;nsten Theater Europas. B&#252;rgersinn, wie er nirgends sch&#246;ner und reiner gefunden werden kann, schuf da ein Denkmal, w&#252;rdig der Stadt (&#8230;) Auf 6 1/2 Uhr war der Beginn der Festvorstellung angesetzt, und schon um 4 Uhr hatte sich vom Postgeb&#228;ude, wo Kaiser Wilhelm Absteigequartier genommen, bis zum Opernhause eine Menschenkette gebildet. Gegen 5 Uhr begann die Auffahrt der Wagen — es war eine unabsehbare Reihe — und f&#252;r Fu&#223;g&#228;nger war es um diese Zeit bereits schwer, sich Bahn zu brechen. Wer ein in seiner Art einziges Bild sehen wollte, der musste sich im Vestib&#252;l aufstellen, um die Damen in ihren gl&#228;nzenden Toiletten ankommen und die — f&#252;r stolze Schleppen so recht geeignete — teppichbelegten Treppen emporrauschen zu sehen. Was Frankfurt an sch&#246;nen Frauen besitzt, kam hier zusammen und hatte sich f&#252;r den Festabend sch&#246;ner gemacht als je. </p>
<p>Knapp vor 6 1/2 Uhr wurde das Publikum ersucht, sich auf die Pl&#228;tze zu begeben, da das Treppenhaus f&#252;r den Kaiser und seine Suite frei bleiben m&#252;sse. Es blieben nur die zum Empfang Bestimmten zur&#252;ck: die Mitglieder des Aufsichtsrates Dr. Hamburger, Dr. Haag, Dr. Mettenheimer, Metzler, Crevenna, Direktor Schultheis (Dr. Presber war nicht erschienen), das Ordnungskomitee und einige Stadtr&#228;te. Genau zur festgesetzten Stunde fuhr der Kaiser vor. Oberb&#252;rgermeister Miquel begr&#252;&#223;te ihn, umgeben von Dr. Hamburger und Intendant Claar, im Vestib&#252;l; er stellte ihm die beiden Herren vor, der Kaiser konversierte mit ihnen und erinnerte sich speziell des Intendanten aus Berlin. </p>
<p>Im Treppenhause bildeten die Anwesenden einen Halbkreis, der Kaiser sprach mit den meisten, und ehe er sich zur Treppe wandte, sagte er: „Ich danke sehr f&#252;r den Empfang, den mir Frankf&#252;rt bereit, und freue mich, dass Sie mich in den letzten zwei Jahren, seitdem ich nicht hier war, nicht vergessen haben.&#8221; Dann begab der Kaiser sich in die als Hofloge adaptierte Fremdenloge, zu seiner Rechten nahm der Kronprinz, zur Linken Prinz Heinrich Platz. Herr C. Metzler brachte nun ein dreifaches Hoch auf den Kaiser aus, die Versammlung stand auf und stimmte mit ein. Hierauf begann die Auff&#252;hrung mit einer von Kapellmeister Goltermann komponierten und dirigierten Fest-Ouvert&#252;re.</p>
<p>Wir ben&#252;tzen die Zeit, die von der Ouvert&#252;re in Anspruch genommen wurde, um das Publikum zu mustern. Wir nennen nur einige, die wir bemerkten. In der Proszeniums- und Balkonloge: Landgraf von Hessen mit Gattin und Tochter und Prinz Hermann v. Weimar, Baronin Mayer Carl von Rothschild, Baronesse Bertha Rothschild, Frau Goldschmidt-Rothschild, Freiherren Ludwig und Wilhelm Erlanger, Baron Erlanger-Sessi, Baron Erlanger-Bernus, F&#252;rst Polignac, Intendant Baron Perfell und Baron Perfell-Bethmann, die ganze Familie Bethmann, Frau Laakmann, Frau Remy, Herr von Reinach, die Familien Manskopf, Metzler, Mumm, Gontard, Grunelius, Intendant Baron Loen, Friedrich v. Bodenstedt, Aristarchi Bey samt Gattin. </p>
<p>Einen wahrhaft entz&#252;ckenden Anblick gew&#228;hrten die zur Rechten der Hofloge plazierten Damen in lichten Toiletten. &#220;berhaupt war das Publikum allein schon eine Sehensw&#252;rdigkeit, welche den Besuch des Hauses verlohnt h&#228;tte &#8230;</p>
<p><strong>Frankfurter Zeitung, 21. Oktober 1880 &#8211; am Tag nach der Er&#246;ffnung</strong></p>
<p>Beim Betreten des strahlenden Treppenhauses sah Kaiser Wilhelm, lange stehenbleibend, in die H&#246;he und sagte zu mir: &#8220;Das k&#246;nnte ich mir in Berlin nicht erlauben.&#8221;<br />
<strong>Intendant Emil Claar</strong></p>
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		<title>Gas: Es raucht, stinkt und macht die Nacht zum Tage</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Jan 2010 07:00:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frankfurter Rundschau</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Gas]]></category>
		<category><![CDATA[Mainova]]></category>
		<category><![CDATA[Wasser]]></category>

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		<description><![CDATA[Endlich nicht mehr &#214;llampen putzen! In den 1830er Jahren beginnt der Siegeszug des Gases in Frankfurt - zun&#228;chst bei denen, die es sich leisten k&#246;nnen. Die ersten Gasfabrikanten allerdings gehen pleite.  ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Endlich nicht mehr &#214;llampen putzen! In den 1830er Jahren beginnt der Siegeszug des Gases in Frankfurt &#8211; zun&#228;chst bei denen, die es sich leisten k&#246;nnen. Die ersten Gasfabrikanten allerdings gehen pleite.  <span id="more-2346"></span></p>
<p>Friedrich Stoltze, aufgeweckter und urteilsfreudiger Beobachter seiner Zeit, hat auch dazu ein paar Zeilen notiert: &#8220;Des ehrschte Gas, uff alle F&#228;ll, / de&#223; hat beim Claus geblunke; / es war net ganz besonnersch hell. / Herrngege hat’s gestunke.&#8221; Der &#8220;Claus&#8221; ist der Alte Claus, ein popul&#228;res Weinlokal in Oberrad im 19. Jahrhundert. Gastst&#228;tten bieten damals noch was, Spektakel im Wortsinn. Im Frankfurter Intelligenz-Blatt wirbt am 26. August 1857 die Mainlust, ein sehr beliebtes Lokal an der Stelle vom heutigen Nizza, &#8220;zur Er&#246;ffnung der Messe&#8221; f&#252;r ihr &#8220;Italienisches Nacht-Fest bei Brillanter Gas-Illumination mit 16 000 Gas-Flammen&#8221;.</p>
<p>Gas ist in zu jener Zeit. Sinnigerweise wollen Gastst&#228;tten mit &#8220;Nacht-Festen&#8221; wie jenem in der Mainlust gerade die &#220;berwindung der Nacht feiern. Bevor Gas zum Heizen und Kochen benutzt wird, dient es der Lichterzeugung. Zu diesem Zweck ist das Gas vor gut 180 Jahren, nach Probebetrieben in Wohnh&#228;usern oder im Senckenbergischen Institut, zum Wohl der Allgemeinheit nach Frankfurt gekommen.</p>
<p>Im September 1828 er&#246;ffnen Johann Friedrich Knoblauch und Johann Georg Remigius Schiele nahe der heutigen Marienstra&#223;e (Bahnhofsviertel) die erste Gasfabrik in der Stadt, die vierte in Deutschland. In einer Anzeige im Frankfurter Journal bitten sie &#8220;alle diejenigen, welche sich dieses in jedem Betracht ganz vorz&#252;glichen Lichtes in H&#228;usern, L&#228;den, Comptoiren, Werkst&#228;tten, Wohnungen u.s.w. bedienen wollen&#8221;, um die &#8220;Subscription mit der Zusicherung f&#252;r Abnahme des Gaslichts&#8221;. Versorgt wird zun&#228;chst ein Teil der Innenstadt innerhalb der sp&#228;ter geschleiften Wallanlagen.</p>
<p><strong>Sauberer, sparsamer, heller</strong></p>
<p>Ein halbes Jahr sp&#228;ter ist Knoblauchs und Schieles Gasfabrik pleite. Die Kaufleute haben das Gas zu billig abgegeben, mehr als die H&#228;lfte der produzierten Menge verfl&#252;chtigt sich durch undichte Leitungen und Kessel, das Gas raucht und stinkt, die 123 geworbenen Kunden haben viel Grund zur Beschwerde. 1829 kommt der Senat der Stadt ins Gesch&#228;ft mit der Imperial Continental Gas Association aus London. Sie baut sp&#228;ter eine Gasfabrik an der Obermainstra&#223;e (heute Oskar-von-Miller-Stra&#223;e) am Osthafen. Die Engl&#228;nder umgehen das Problem undichter Leitungen mit fahrbaren Gasbeh&#228;ltern, die der Kunde bei sich lagert.  Manch einer findet das des zusammengepressten Gases wegen gef&#228;hrlich. </p>
<p>Niemand aber will zur&#252;ck in alte finstere Zeiten, als Kerzen, Kiensp&#228;ne oder R&#252;b&#246;llampen bestenfalls diffuses Licht gespendet haben. Und wie gro&#223; ist der Aufwand des Putzens gewesen, wie oft hat man wechseln m&#252;ssen, wie arg aufpassen, dass nicht das Haus oder die ganze Stra&#223;e abbrennen! Gas brennt sauberer, sparsamer, l&#228;nger, heller.</p>
<p>Knoblauch und Schiele sind wieder dabei. Sie nehmen Kredite auf und bauen auf Weisung des Senats ein Gaswerk an der Gutleutstra&#223;e, wo keine Nachbarn eine Explosion f&#252;rchten m&#252;ssten. Die Betreiber nennen sich sp&#228;ter Frankfurter Gasgesellschaft.</p>
<p>Wie es f&#252;r Frankfurt &#252;blich ist, sind es erst mal die B&#252;rger und unter ihnen die wohlhabenden, die ihre Abende und N&#228;chte in ganz neuem Licht genie&#223;en. Erst Mitte der 1830er Jahre, viel sp&#228;ter als in anderen St&#228;dten, beginnt der Senat, die alten &#214;llaternen in Stra&#223;en und auf Pl&#228;tzen durch Gaslampen<br />
ersetzen zu lassen.</p>
<p>Beide Gasfabriken liegen vor den Stadtmauern. Die englische im Osten stellt Gas aus deutscher Steinkohle her, die deutsche im Westen verarbeitet englisches Harz. Die Engl&#228;nder haben niedrigere Preise und bleiben mit der Stadt zun&#228;chst im Gesch&#228;ft, die deutsche behauptet, ihr Gas sei schlie&#223;lich von besserer Qualit&#228;t. 1909, lange nachdem auch in H&#246;chst oder Bockenheim Gasfabriken gebaut worden sind und als schon das n&#228;chste Moderne, die Elektrizit&#228;t, die St&#228;dter fasziniert, geht der Frankfurter Ableger der Imperial Continental Gas Association in der Frankfurter Gasgesellschaft auf.</p>
<p>Zu dieser Zeit wird das Gas l&#228;ngst nicht mehr nur zur Beleuchtung verwendet. Man kocht und man heizt damit. So gibt es warmes Wasser. Die Damen, die Herren verschaffen sich mit Vaillants Gasbade&#246;fen Badegenuss in Wasser, das sie sich anders als fr&#252;her nicht teilen m&#252;ssen. Das Wasser kommt &#252;brigens just zur selben Zeit zu den B&#252;rgern wie das Gas. 1828 beginnt man auf Initiative des Tiefbauamtsinspektors Philipp Jacob Hoffmann, Rohre in den Stra&#223;en bis in die H&#228;user zu verlegen. Das Zumbrunnenlaufenm&#252;ssen, das m&#252;hsame Heimschleppen der Wassereimer er&#252;brigt sich, langsam, nach und nach.</p>
<p>Zun&#228;chst wird Grundwasser abgepumpt, doch es reicht nicht. Mainwasser muss erst gereinigt werden. Und die Bev&#246;lkerung in der Stadt explodiert. Von 44.000 Einwohnern Ende der 1830er auf knapp 300.000 Ende des Jahrhunderts. 1873 rinnt erstmals Wasser aus dem Vogelsberg aus Frankfurts H&#228;hnen. Zehn Jahre sp&#228;ter entdeckt Stadtbaurat William H. Lindley einen m&#228;chtigen Grundwasserstrom unter dem Stadtwald. Riesige Wasserspeicher werden gebaut, die Versorgung ist erst mal gesichert. Und doch gibt es weniger zu lachen. Die Brunnenfahrten, volkst&#252;mlich Feste zu Ehren der Brunnenmeister und &#8211; nachbarn, fallen weg.</p>
<p>&#8220;Die Gasfabrik der Kaufleute Knoblauch und Schiele von 1829, die sp&#228;ter gegr&#252;ndete Frankfurter Gasgesellschaft, die Wassergesellschaft von 1873 samt Wasserwerk, das Elektrizit&#228;tswerk von 1894 haben sich wie Wurzeln eines Baums zu einem Stamm vereinigt zu dem, was heute Mainova hei&#223;t&#8221;, wird die Geschichte in Hanno Trurnits Mainova-Monografie &#8220;Und man sieht nur die im Lichte&#8221; zusammengefasst.</p>
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		<title>Ein Baumeister gibt Garantie auf die Alte Br&#252;cke</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jan 2010 09:59:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Madern Gerthener</dc:creator>
				<category><![CDATA[14. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Alte Bücke]]></category>
		<category><![CDATA[Madern Gerthener]]></category>
		<category><![CDATA[Straßen, Plätze, Bauwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>
		<category><![CDATA[Alte Brücke]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich, Madern genannt Gertener, ein Steinmetz, erkenne &#246;ffentlich mit diesem Briefe f&#252;r mich und meine Erben wegen des Schwibbogens und Gew&#246;lbes, das ich an der Br&#252;cke zu Frankfurt gemacht habe, und mir von den Erbaren weisen Leuten, B&#252;rgermeister, Sch&#246;ffen und Rat daselbst zu Frankfurt, meinen lieben Herren, verdingt war, und sich dasselbe Gew&#246;lbe und Schwibbogen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich, Madern genannt Gertener, ein Steinmetz, erkenne &#246;ffentlich mit diesem Briefe f&#252;r mich und meine Erben wegen des Schwibbogens und Gew&#246;lbes, das ich an der Br&#252;cke zu Frankfurt gemacht habe, und mir von den Erbaren weisen Leuten, B&#252;rgermeister, Sch&#246;ffen und Rat daselbst zu Frankfurt, meinen lieben Herren, verdingt war, und sich dasselbe Gew&#246;lbe und Schwibbogen nun gesetzt hat und etlicher Massen gerissen ist, also da&#223; die Vorgenannten, meine Herren, besorgen, da&#223; es davon einfalle: deswegen habe ich mich vor den Vorgenannten, meinen Herren, in ihrem Rate verwirkt und verschrieben mich mit diesem Briefe f&#252;r mich und meine Erben, also f&#252;r den Fall, da&#223; das vorgenannte Gew&#246;lbe mit Schwibbogen zum Teil oder zumal zur Zeit meiner Lebenstage einfiele oder sonst ziemlichen Schaden nehme, da&#223; ich es dann auf meine und meiner Erben Kosten, Schaden, M&#252;hsal und Arbeit wieder instandsetzen soll, ohne allen Schaden des vorgenannten Rates und der Stadt Frankfurt. Des zu Urkunden, habe ich, der vorgenannte Madern, den Erbaren weisen Herrn Heinrich Wissin zum Rebstock, Sch&#246;ffen zu Frankfurt, gebeten, da&#223; er sein Siegel um meiner beiden Willen f&#252;r mich und meine Erben an diesen Brief hat gehangen.</p>
<p><strong>Frankfurt, 30. November 1399</strong></p>
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		<title>Eine Stadt frisst ihre B&#252;rgermeister</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jan 2010 08:00:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fred Kickhefel</dc:creator>
				<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Rudi Arndt]]></category>
		<category><![CDATA[U-Bahn]]></category>
		<category><![CDATA[Walter Kolb]]></category>
		<category><![CDATA[Walter Möller]]></category>
		<category><![CDATA[Willi Brundert]]></category>

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		<description><![CDATA[Von allen gew&#228;hlten Frankfurter Oberb&#252;rgermeistern hatte er die k&#252;rzeste Amtszeit - gerade mal 16 Monate. Walter M&#246;ller stirbt  im Amt - ebenso wie einige seiner Vorg&#228;nger. Verschlissen von der "unmenschlichen Stadt"?]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1966_moeller_meistert_fr.jpg" title="Vom Amt verzehrt: Frankfurts Oberb&#252;rgermeister Walter M&#246;ller / Bild: FR-Archiv - Harald Meisert" rel="lightbox[2274]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1966_moeller_meistert_th.jpg" alt="Walter M&#246;ller" class="right"/></a>Von allen gew&#228;hlten Frankfurter Oberb&#252;rgermeistern hatte er die k&#252;rzeste Amtszeit &#8211; gerade mal 16 Monate. Dennoch wird Walter M&#246;ller zu den bedeutendsten Stadtoberh&#228;uptern der Nachkriegszeit gerechnet. Am 16. November 1971 starb er &#8211; im Amt, ebenso wie einige seiner Vorg&#228;nger, die von der  &#8220;unmenschlichen Stadt&#8221; verschlissen wurden, wie es hie&#223;.  <span id="more-2274"></span></p>
<p>Am Donnerstag, 11. November 1971, ver&#246;ffentlichte die FR im Lokalteil einen geschickt aufgebauten Artikel: Der Autor blickte aus dem fernen 1980 auf die 70er Jahre zur&#252;ck. Und konnte von verwirklichten Utopien&#8221; berichten: Ein U-Bahn und S-Bahn-Netz, das die Stadtteile und Vororte Frankfurts auf Minuten-Distanzen zum Zentrum brachte; eine Innenstadt, nicht mehr gepr&#228;gt von Parkpl&#228;tzen, sondern von Fu&#223;g&#228;ngerzonen, so etwa auf der Zeil &#8211; Dinge, die ja f&#252;r uns Heutige tats&#228;chlich keine Utopien mehr sind. </p>
<p>Der Autor war kein Geringerer als der Oberb&#252;rgermeister, Walter M&#246;ller (SPD). Zwar legte er Wert darauf, dass es sich um einen &#8220;privaten Beitrag&#8221; handelte, nun kann aber ein so hoher Funktionstr&#228;ger keine &#8220;Planungs-Utopien&#8221; beschreiben, ohne eine &#246;ffentliche Debatte auszul&#246;sen &#8211; genau das d&#252;rfte auch M&#246;llers Hintergedanke gewesen sein.  F&#252;nf Tage nach Erscheinen des Artikels war Walter M&#246;ller tot, nur 51 Jahre alt. </p>
<p>Der pl&#246;tzliche Tod von &#8220;Herrn M&#246;ller&#8221; &#8211; auf diese Anrede hatte er gleich nach seiner Wahl zum OB Wert gelegt &#8211; war f&#252;r Frankfurt ein Schock, obwohl es an Warnungen nicht gefehlt hatte. Am 10. Mai 1971, fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem ebenso pl&#246;tzlichen Tod seines Vorg&#228;ngers Professor Willi Brundert, der am 7. Mai 1970 einem Leiden erlegen war, das er sich als KZ-Gefangener zugezogen hatte, erlitt M&#246;ller einen doppelten Herzinfarkt. Klinisch tot, wurde er in der Intensivstation des Nordwestkrankenhauses wieder ins Leben zur&#252;ckgeholt. Bezeichnend, dass es gerade dieses Krankenhaus war: M&#246;ller war von Anfang an ein Verfechter der in den 60er Jahren entstehenden, umstrittenen Nordweststadt. Hier wohnte er bis zu seinem Tod in einem Reihenhaus; die Dienstvilla am feinen Lerchesberg in Sachsenhausen &#252;berlie&#223; er der Witwe seines Vorg&#228;ngers. </p>
<p>Es folgten vier Monate Krankenhausaufenthalt und Kur in Bad Orb. Im September nahm M&#246;ller seine Amtsgesch&#228;fte im R&#246;mer wieder auf. Journalisten, die ihn nach den Monaten der Abwesenheit wieder trafen, hager und 15 Kilo leichter, sahen: Hier sa&#223; ihnen ein schwer angeschlagener Mann gegen&#252;ber. An Ratschl&#228;gen, mit R&#252;cksicht auf Frau, Sohn und Tochter zur&#252;ckzutreten oder wenigstens seinen Terminkalender einzudampfen, fehlte es nicht. Doch der Terminkalender eines Stadtoberhauptes, das damals f&#252;r alles und jedes zust&#228;ndig war &#8211; das begann bei der Verantwortung f&#252;r die zu dieser Zeit noch kommunale Polizei und endete allenfalls bei der Verordnung f&#252;r die Marktbetriebe &#8211; , lie&#223; sich kaum verkleinern. Lediglich eine Reihe von amtsbedingten Aufsichtsrats- und Vorstands&#228;mtern konnte M&#246;ller abgeben. </p>
<p>Die erste Stadtverordentenversammlung nach seiner Genesung musste unterbrochen werden, weil den OB seine Rede zu sehr ersch&#246;pfte. Schon w&#228;hrend M&#246;llers krankheitsbedingter Abwesenheit war bundesweit die Diskussion gef&#252;hrt worden, die nach seinem Tod noch sch&#228;rfer werden sollte: Ob tats&#228;chlich ein Mann allein die Kraft haben k&#246;nne, diese &#8220;unmenschliche Stadt&#8221; zu regieren, die ihre OB im Amt verschliss. Zur Verneinung der Frage brauchte man sich nur das Schicksal von M&#246;llers Vorg&#228;ngern nach dem Krieg ins Ged&#228;chtnis zu rufen: Walter Kolb, im Amt gestorben mit 54. Werner Bockelmann, mit 56 k&#246;rperlich ersch&#246;pft aus dem Amt geschieden, sp&#228;ter t&#246;dlich verungl&#252;ckt. Brundert, mit knapp 58 gestorben. </p>
<p><a href="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1966_moeller_winkler_fr.jpg" title="Bundeskanzler Willy Brandt  h&#228;lt am 21. November 1971 in der Paulskirche  die Trauerrede auf seinen Parteifreund.  / Bild: FR-Archiv - Horst Winkler" rel="lightbox[2274]"><img src="http://www.frankfurt.frblog.de/wp-content/images/1966_moeller_winkler_th.jpg" alt="Trauerfeier" class="left"/></a>Es ist Dienstag, der 16. November 1971, der Tag vor dem Bu&#223;- und Bettag. Nach einem arbeitsreichen Tag bricht M&#246;ller zu einem Privatbesuch in Wiesbaden auf, bei Parteifreund Rudi Arndt, dem hessischen Finanzminister (der dann M&#246;llers &#8211; widerwilliger &#8211; Nachfolger werden sollte). Auch Ministerpr&#228;sident Albert Osswald ist zugegen. Nach dem gemeinsamen Essen mit den Ehefrauen er&#246;rtern die drei SPD-Politiker die Strategie des SPD-Unterbezirks Hessen-S&#252;d auf dem am n&#228;chsten Wochenende in Bonn stattfindenden Bundesparteitag. (Von diesem Parteitag muss dann Bundeskanzler Willy Brandt eingeflogen werden, um die Trauerrede auf seinen Parteifreund Walter M&#246;ller zu halten &#8211; so, wie er im Jahr zuvor von einem SPD-Parteitag zur Trauerfeier f&#252;r Willi Brundert gekommen war.)</p>
<p>Kurz nach 22 Uhr verabschiedet sich M&#246;ller, um sich zusammen mit Frau Helga von seinem Chauffeur nach Frankfurt zur&#252;ckfahren zu lassen. Noch im Wiesbadener Stadtgebiet bittet der OB, anzuhalten, weil er &#8220;frische Luft&#8221; brauche. Er steigt kurz aus, nimmt eine Herztablette und setzt sich wieder neben seine Frau in den Fond des wei&#223;en Opel Diplomat. Kurz darauf glaubt Helga M&#246;ller, er sei eingeschlafen. Als sie ihn anspricht, reagiert er nicht mehr. In einem nahe gelegenen Wiesbadener Krankenhaus kann gegen 23 Uhr nur noch der Herztod des Frankfurter Oberb&#252;rgermeisters festgestellt werden. </p>
<p>Wie schon sein beliebter Vorg&#228;nger Walter Kolb, 1956, wurde auch Walter M&#246;ller zu Grabe getragen &#8220;wie ein K&#246;nig&#8221;. Tausende folgten seinem Leichenzug von der Trauerfeier in der Paulskirche zum Hauptfriedhof. Ein Gro&#223;teil der Strecke verlief &#252;ber die Eschersheimer Landstra&#223;e, &#252;ber den U-Bahntunnel, dessen Bau M&#246;ller forciert hatte. Als &#8220;Vater der U-Bahn&#8221; ist M&#246;ller vielen Frankfurtern noch heute ein Begriff &#8211; obwohl die U-Bahn l&#228;ngst fuhr, als er zum OB gew&#228;hlt wurde. </p>
<p>Schon 1961 n&#228;mlich hatte der SPD-Parteiarbeiter M&#246;ller nach zw&#246;lfj&#228;hriger &#8220;Ochsentour&#8221; den Sprung in den Magistrat geschafft. F&#252;r den langj&#228;hrigen Vorsitzenden der Verkehrplanungskommission im R&#246;mer<br />
wurde ein Dezernat ma&#223;geschneidert, wie es bis dato noch keine deutsche Stadt hatte: Der neue Verkehrsdezernent M&#246;ller bekam Verantwortungsbereiche anderer Stadtr&#228;te &#252;berstellt, von der Stra&#223;enplanung &#252;ber die Planung f&#252;r den &#246;ffentlichen Nahverkehr bis hin zur Stra&#223;enbahnverwaltung, alles nun in einer Hand. </p>
<p>Und der Mann mit dem kantigen Gesicht, der bulligen Gestalt und dem kurz geschnittenen Haar &#8211; den Journalisten schon mal als &#8220;sowjetischen Panzergeneral&#8221; oder &#8220;Kommandeur einer preu&#223;ischen Kadettenanstalt&#8221; zu beschreiben pflegten, startete einen Parforceritt: Das &#8220;gr&#246;&#223;enwahnsinnige&#8221; Frankfurt sollte eine U-Bahn bekommen &#8211; nach Berlin und Hamburg erst die dritte der Republik. (Die M&#252;nchner mussten sich bis zur Olympiade 1972 gedulden.) Die Finanzierung stand st&#228;ndig auf t&#246;nernen F&#252;&#223;en &#8211; das Wort vom &#8220;durchm&#246;llern&#8221; machte die Runde. Das Wunderwerk wurde rechtzeitig vor der Kommunalwahl im Oktober 1968 fertig, die auch prompt die absolute Mehrheit f&#252;r die SPD im R&#246;mer brachte; OB Brundert und Stadtrat M&#246;ller blieben im Amt. Und im Juli 1970 war M&#246;ller dann &#252;berraschend selbst OB. SPD-Insider wollten &#252;brigens wissen, dass Parteichef Willy Brandt den moderaten Rudi Arndt favorisiert hatte statt des &#8220;Linksau&#223;en&#8221; M&#246;ller, der selbst Parteigenossen mit revolution&#228;ren und marxistischen Gedanken verschreckte. </p>
<p>Der neue OB lie&#223; keinen Zweifel daran, dass er nicht die Absicht hatte, &#8220;nur seine Amtskette zu polieren&#8221;. Seine Visionen beschr&#228;nkten sich nicht allein auf die Verkehrspolitik. Er tr&#228;umte von einer Regionalstadt, die 1,4 Millionen Einwohner haben und vom Taunus bis zum Spessart reichen sollte. Und dies unter Einbeziehung von Hanau und Offenbach &#8211; freilich nicht als Frankfurt-lastiger Moloch, sondern mit mehreren eigenverwalteten Regionen. Die &#8220;Walter-M&#246;ller-Stadt&#8221; f&#252;hrte erwartungsgem&#228;&#223; zu heftigsten Diskussionen, vor allen bei SPD-Parteigenossen, die um ihre sch&#246;nen P&#246;stchen als B&#252;rgermeister oder Landr&#228;te bangten.</p>
<p>Am 17. Oktober 1971 kam es zum Eklat. Auf der Landesdelegiertenkonferenz der hessischen SPD in Gr&#252;nberg verweigerten die l&#228;ndlichen Funktion&#228;re ihren st&#228;dtischen Genossen die Zusammenarbeit, worauf die Delegierten von Frankfurt, Wiesbaden und Kassel den Tagungsort verlie&#223;en, angef&#252;hrt vom grimmig dreinblickenden Frankfurter Oberb&#252;rgermeister. &#8211; Dass seine Millionenstadt-Vision gescheitert war, wusste Walter M&#246;ller wohl &#8211; dass sie genau einen Monat sp&#228;ter sein unerf&#252;lltes Verm&#228;chtnis werden sollte, konnte er nicht ahnen. </p>
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		<title>Frankfurt-Statistik anno 1668</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Dec 2009 22:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Galeazzo Gualdo</dc:creator>
				<category><![CDATA[17. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerkompanie]]></category>
		<category><![CDATA[Steuern]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Stadt z&#228;hlt einschlie&#223;lich ihrer Vorstadt 25.000 Einwohner. Es gibt da 14 bewaffnete B&#252;rgerkompanien, mit ihren Hauptleuten und Offizieren. Der Rat unterh&#228;lt gegenw&#228;rtig, das hei&#223;t zu Friedenszeiten, vier Kompanien zu je 200 Mann Infanterie, die als regul&#228;re Stadtwehr p&#252;nktlich ihren Sold erhalten. (&#8230;) Der Senat besitzt unumschr&#228;nkte Befehlsgewalt &#252;ber alles und regiert auf Grund kaiserlicher [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Stadt z&#228;hlt einschlie&#223;lich ihrer Vorstadt 25.000 Einwohner. Es gibt da 14 bewaffnete B&#252;rgerkompanien, mit ihren Hauptleuten und Offizieren. Der Rat unterh&#228;lt gegenw&#228;rtig, das hei&#223;t zu Friedenszeiten, vier Kompanien zu je 200 Mann Infanterie, die als regul&#228;re Stadtwehr p&#252;nktlich ihren Sold erhalten. (&#8230;) Der Senat besitzt unumschr&#228;nkte Befehlsgewalt &#252;ber alles und regiert auf Grund kaiserlicher Privilegien. Die Stadt l&#228;sst Gold- und Silberm&#252;nzen schlagen. (&#8230;) Der j&#228;hrliche Steuereingang betr&#228;gt 400.000 Gulden.</p>
<p><strong>1668</strong></p>
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