Schiller in Frankfurt
Als sich Friedrich Schiller im Jahr 1782 zum ersten Mal auf dem Weg nach Frankfurt begibt, ist er so arm, dass er sich die Postkutsche nicht leisten kann. Er bei seinem dritten Besuch liegt ihm die Stadt zu Füßen.
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Der gute Mensch aus Frankfurt muss einen ganz furchtbaren inneren Kampf geführt haben. Erfüllt von "altruistischen Idealen für Menschenglück", so schreibt August de Bary 1947 in seiner Biografie, habe Johann Christian Senckenberg zwischen Selbstüberhöhung und Minderwertigkeit stets in seelischem Konflikt um "Ausgeglichenheit und sittliche Makellosigkeit" gerungen. Es ist Senckenbergs Studienzeit, die de Bary mit diesen Worten beschreibt - noch ist der Mann kein Stifter, noch kennt er seine späteren Ehefrauen nicht. Er wird sie allesamt überleben, dieser sittlich Makellose.
Natürlich muss er sich auch in diese Geschichte reinhängen, unser G. Als nämlich der olle Geheimrat Goethe im August und September 1815 auf einer seiner später in "Am Rhein, Main und Neckar" beschriebenen Reisen in seiner Heimatstadt weilt, besucht er auch die zwei renommierten Frankfurter Johann Friedrich Städel und Ludwig Daniel Jassoy.
Die Frankfurter hatten schnell einen Namen für das neue technische Wunderwerk parat: "die Knochemiehl". Die erste elektrische Straßenbahn nämlich zeichnete sich durch die Kombination von vergleichsweise hoher Geschwindigkeit (18 km/h), schlechter Federung, schmaler Spur und bereiften Holzrädern aus. Das Ergebnis: Der Passagier wurde die ganze Fahrt lang kräftig durchgeschüttelt. In unregelmäßigen Abständen sprang das Ungetüm von Tram aus den Schienen. Dann konnten zumindest die männlichen Fahrgäste die verspannten Muskeln durch Ausgleichssport lockern, galt es doch, die Bahn mit kräftigem Hauruck wieder in ihre einen Meter breite Schienenspur zu heben.
Warum sind sie bloß so früh zur Welt gekommen? 200 Jährchen später hätte alles ganz anders ausgesehen. Der Hauslehrer hätte seine Arbeitgeberin verführt, sie wäre mit ihm durchgebrannt, der gehörnte Ehemann hätte sein Elend unter dem Siegel der Verschwiegenheit als Serie einem Boulevard-Blatt anvertraut, und zwei Monate später wäre die Geschichte selbst als Party-Thema durch gewesen. Stattdessen wurden zwei Leben zerstört. Der Hausherr schlug auf den Tisch und jagte den Nebenbuhler davon. Der wurde zwar ein berühmter Dichter, starb aber in geistiger Zerrüttung. Der Ehemann setzte ungerührt seine Erfolgsgeschichte als Kaufmann fort, die Hausfrau und Mutter siechte vier Jahre lang in ihrer Sehnsucht dahin und starb am 22. Juni 1802 im Alter von nur 33 Jahren. Doch Susette Gontard, jene schöne Frankfurter Kaufmannsgattin, ging als "Diotima", Hölderlins Muse, in die Literaturgeschichte ein.
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