Braubachstraße – die Straße über dem Bach

BraubachstraßeNicht nur die Bombenangriffe haben Frankfurts Altstadt zugesetzt: Viele Häuser waren schon zuvor abgetragen worden, um Platz zu schaffen für eine Straße zwischen Altstadt und Hauptbahnhof. Ihren Namen bekam die neue Verbindung von dem Gewässer, das unter ihr liegt. Die Hoffnungen, die man auf sie setzte, blieben unerfüllt.

1906 ließ die Stadt eine neue Straße durch die Altstadt schlagen, um eine direkte Verkehrsverbindung zum neuen Hauptbahnhof zu schaffen. Rund 80 Häuser sind damals dafür gefallen. “Der Braubachstraßen-Durchbruch unter Oberbürgermeister Franz Adickes war einer der größten Eingriffe in die Altstadt vor dem Ersten Weltkrieg”, sagt Helmut Nordmeyer vom Institut für Stadtgeschichte.

Die Altbauten seien “mit der Spitzhacke” abgerissen worden. Der Hof Zum Rebstock – das Geburtshaus des Dichters Friedrich und seine Schwester Anette Stoltze – und der Nürnberger Hof wurden beim Straßenbau in der Mitte durchschnitten. Auch die Domstraße wurde damals angelegt. Die Nordseite des Rathauses Römer hat man im Zuge der Bauarbeiten ebenfalls abgerissen, um im wilhelminischen Stil einen mächtigen Neubau zu errichten, der “vor dem Zweiten Weltkrieg bereits Altes Rathaus hieß”, wie der frühere Stadtkonservator Heinz Schomann notierte.

Verbindung zum Hauptbahnhof

Mit dem Straßenbau sollte einerseits eine bessere Verbindung von der Altstadt zum 1888 eröffneten Hauptbahnhof geschaffen werden. Andererseits erhofften sich die Verantwortlichen davon eine wirtschaftliche Belebung der Altstadt, die nach dem Mittelalter durch den Wegzug wohlhabender Familien einen Niedergang erlebte: “Häuser verfielen, Kriminalität und Prostitution breiteten sich aus”, schildert Nordmeyer die Zustände.

Doch zur erhofften Belebung der Braubachstraße mit neuen Geschäften kam es kaum, denn zu jener Zeit entstanden auf der Zeil schon die ersten großen und prachtvollen Kaufpaläste und machten den Geschäften in der Braubachstraße Konkurrenz. Wenige Jahre nach Fertigstellung der neuen Straße fuhren dort bereits die ersten Straßenbahnen, die den Hauptbahnhof zunächst mit dem Ostbahnhof verbanden und später bis nach Fechenheim weiterfuhren.

Unter der Straße liegt “die Braubach”, ein Wasserlauf, auf den der Straßenname zurückgeht. Wenn die Braubachstraße aufgegraben wurde, sind auch immer wieder Reste der ersten Stadtmauer gefunden worden. Ob sie aus ottonischer oder sogar karolingischer Zeit stammen, ist nicht geklärt.

Während des Ersten Weltkriegs kam der Bau der Braubachstraße zum Erliegen. Erst Ende der 20er Jahre ist weiter gebaut worden. In dieser Zeit entstand im Stil der Neuen Sachlichkeit noch das Gebäude des heutigen Stadtgesundheitsamts. Direkt am Dom wurde das Hauptzollamt hochgezogen, das in Kürze vom Bistum Limburg nach einem Umbau als Kulturzentrum Haus am Dom eröffnet wird. Erst 1930 sei die letzte Baulücke geschlossen worden, referiert Historiker Nordmeyer die Geschichte.

RekonstruktionBeim Bombardement Frankfurts im Zweiten Weltkrieg sind auch viele Häuser der Braubachstraße zu Ruinen geworden. Doch man hat die Straße im alten Maßstab weitgehend rekonstruiert. Anfang der 70er Jahre mussten einige der wiederaufgebauten Häuser dem Technischen Rathaus weichen. Die Ansiedlung von Galerien war ein neuer Versuch, die Braubachstraße zu beleben. Eine “Kulturmeile” sollte entstehen.

Seit Ende November 2009 steht das Technische Rathaus leer. Auf dem Gelände will die Stadt Frankfurt nach dessen Abriss eine kleinteilige Bebauung von Wohn- und Geschäftshäusern verwirklichen. Die Kosten des Vorhabens werden derzeit mit mindestens 100 Millionen Euro beziffert. Bis zu sieben Fachwerkhäuser der historischen, 1944 bei Bombenangriffen zerstörten Frankfurter Altstadt sollen rekonstruiert werden.

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