Aufgeblasene Stadt
Für die Frankfurter ist Frankfurt am Main die Welt. Es ist eine kleine, steife, innerlich rohe, Municipal-aufgeblasene, bauernstolze Abderiten -Nation, der ich mich nicht gerne nähere.
Frankfurt, 1838
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Von Arthur Schopenhauer
Im Blog veröffentlicht am Montag, 21. April 2008
Abgelegt unter 19. Jahrhundert, Arthur Schopenhauer, Zeitzeuge
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Tags: Schopenhauer
Schopenhauers letzte Wohnung habe ich leider nicht gesehen. Seiner alten erinnere ich mich sehr deutlich. Wenn man eintrat, bemerkte man auf der gegenüberstehenden Wand eine Reihe von Kupferstichen, welche Hunde darstellten. Es mögen im Ganzen wohl dreißig Portraits von Newfoundländern, Windspielen und Doggen gewesen sein. Über dem Kanape, welches an eben jener Hinterwand aufgestellt war, hing ein Bild Goethes in blauem Frack, welches er Schopenhauer geschenkt hatte. (…) In der anderen Zimmerecke stand eine kleine vergoldete Figur, welche die Beine wie ein Schneider kreuzte; es war das Götzenbild Buddhas, welches Schopenhauer aus Tibet kommen ließ, wovon er für seine Wiedergeburt viel erwartete. (…)
Links über der Türe war an der Wand der Gipsabdruck eines großen Hundes mit langen herabhängenden Ohren; er stellte den toten Pudel Schopenhauers dar. Der tote Pudel machte einen recht traurigen Eindruck, wenn man dabei bedachte, dass ein so ausgezeichneter Mensch ein langes, weites Leben hindurch keinen anderen treuen Freund als eben jenen toten Hund gefunden habe. Die Schuld lag sicherlich an Schopenhauers Individualität, an seinem Stolz und seiner Menschenverachtung; nichts destoweniger macht sein Leben einen äußerst trüben Eindruck. In seinen Werken findet man viele Stellen, die auf ein weiches, tieffühlendes Herz deuten, aber sein Mitleid ist meistenteils auf die Tiere gerichtet. (…)
Ich gedenke, nächstens einige Gespräche mit dem eben Verstorbenen mitzuteilen und bin überzeugt, dass sie interessieren werden, da Schopenhauer eminent witzig und boshaft war. Freilich geht bei der Wiedererzählung viel verloren, indem seine wirklich Erstaunen erregende Lebendigkeit in Gestikulation und Sprache seinen Worten etwas ganz Eigentümliches verlieh. Sein Auge war ungemein lebendig, seine Stirne hoch und gewölbt, um seinen Mund schlängelten sich zwei böse Falten, sein weißes Haar stand steilrecht in die Höhe. Wie sein Zimmer, so war auch er höchst eigentümlich; sein Gang war schleichend, katzenartig.
Aus: Erinnerungen an Schopenhauer