Anne Frank
Es ist eine Art WG. Brigitte und Peter. Und Anne. Ganghoferstraße 24, Parterre: Brigitte G. und Dr. Peter S. wohnen hier seit drei Jahren. Anne hat hier nur zwei Jahre ihres kurzen Lebens verbracht, ab März 1931. Und doch wird sie immer hier sein. Dafür sorgt schon die Tafel an der Fassade: “In diesem Hause lebte Anne Frank, geb. 12. 6. 1929 in Frankfurt a. Main. Sie starb als Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung 1945 im KZ-Lager Bergen-Belsen. Ihr Leben und Sterben – unsere Verpflichtung. Die Frankfurter Jugend.”
Selbst wenn Brigitte und Peter nicht wussten, in welche Wohnung sie da einziehen würden, die Plakette hätte es ihnen verraten. Die haben sie aber erst später gesehen; wer da einmal gewohnt hat, “kam erst beim zweiten Treffen mit dem Vormieter zur Sprache”, sagt Brigitte. Heute weiß das Paar längst: Ihre Wohnung ist “in allen Frankfurt-Führern erwähnt”. Folgerichtig “stehen fast täglich Leute vor dem Haus. Manche klingeln auch und fragen, ob das hier ein Museum ist…”
Die Wohnung des Anfang des 20. Jahrhunderts erbauten Hauses hat vier Zimmer, ist licht und luftig. Und sie hat einen Garten. Es gibt ein Foto aus dem Familienalbum der Franks, das die dreijährige Anne dort im Sandkasten zeigt; neben ihr steht Mutter Edith. Alles in allem Wohnung genug für ein Ehepaar mit zwei Töchtern. Und doch: Eigentlich mussten sich die Franks da etwas einschränken. Die Finanzkrise Anfang der 30er Jahre hatte auch die jüdische Familienfirma getroffen, ihre Bankgeschäfte liefen schlecht. So zog man aus der großen, teuren Wohnung im Marbachweg 307 ins Dichterviertel.
Doch im Januar 1933, nach Hitlers “Machtergreifung”, war das Menetekel an der Wand. Otto Frank war einer der wenigen, der die Gefahr früh erkannte; er beschloss, Geschäftsverbindungen nach Amsterdam für eine neue Existenz in Holland zu nutzen. Im Sommer verließen die Franks ihre Heimatstadt für immer.
Geboren wurde Anne, ebenso wie Schwester Margot 1926, in der Klinik des Vaterländischen Frauenvereins in der Eschenheimer Anlage. Warum gibt es eine Gedenktafel also nur in der Ganghoferstraße? Die Klinik wurde im Krieg zerstört, das Haus im Marbachweg nicht. Hier hat Anne fast so lange gewohnt wie im Dichterviertel, aber es gibt keine keine Tafel. Dafür erinnert in Amsterdam ein ganzes Museums-Haus an sie: Prinsengracht 267. Hier entstanden die weltberühmten “Dagboekbrieven (Tagebuchbriefe)”. Im Hinterhaus von Otto Franks Kontor verbarg sich die Familie 1942 mit Freunden, bis sie 1944 verraten und ins KZ deportiert wurde, das nur Vater Otto überlebte.
Zwei Weihnachten hat Anne im Versteck verbracht, wenn auch nicht gefeiert. Unter Freitag, 24. Dezember 1943, schrieb die 14-Jährige: “Ich frage mich immer wieder selbst: Wird jemand mich verstehen, hinwegsehen über Jude oder nicht-Jude, nur in mir den Backfisch sehen, der so’n Drang hat nach übermütigem Spaß?”
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Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau,
ich habe auf ihrer Internetseite unter http://www.frankfurt.frblog.de/anne-frank einen Artikel zu Anne Frank gefunden. Mich interessiert, wann dieser Artikel verfasst wurde.
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Dominik Scheel