Ach ja! Schreiben wir uns!

Ich muss mich jetzt für einige Tage von hier entfernen. Wollte Gott, dass ich, bevor ich diese Gegend gänzlich verlasse, noch einmal mit Ihnen sprechen und vor meinem endgültigen Scheiden die schlechten Eindrücke zerstören kann, die meine allzu große Lebhaftigkeit bei Ihnen vielleicht hervorgerufen hat. Der Augenblick mich zu erklären, war noch nicht gekommen; wird er vielleicht überhaupt nicht mehr kommen?

Leben Sie also wohl, liebe Freundin – verzeihen Sie mir diesen Ausdruck, aber ich kann ihn nicht wieder ausstreichen – ich gehe jetzt fort, um in die Vogesenberge einzudringen; ich werde weit fort von Ihnen sein.

Ich hatte daran gedacht, mich morgen am Forsthause zu ergehen, es ist aber vielleicht so besser. Werden wir uns weiter schreiben? Sie haben darüber zu bestimmen, aber Sie wissen nur zu gut, wie sehr mir daran liegt, etwas von Ihnen zu erfahren. Ach ja! Schreiben wir uns! Möge Gott es so wollen!

Friedrich Wilhelm, 18. Mai 1793

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    4 Kommentare
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    1. Würde es Ihnen das nächste Mal, wenn ich wiederkomme, sehr ungehörig sein, wenn ich im Vorüberreiten in Ihren Garten käme oder wenn ich mich dort bei Ihrer Frau Mama nach dem Theater zum Abendessen ansagte und erst vom Garten aus die Rückeise anträte oder könnte ich mich nicht wenigstens am Gartentor am Mainufer mit Ihnen unterhalten, wobei Sie dann wie eine Nonne am Gitter wären? In irgendeiner Weise hoffe ich, Abschied von Ihnen nehmen zu können. Es würde mir unmöglich sein, dies vor aller Welt tun zu müssen. Ich habe mich mehr in der Gewalt als viele andere; das aber ginge über meine Kräfte.
      Fr. W., 23. Mai 1793

    2. Ich habe wegen Ew. Majestät sehr viel Kummer und Demütigungen erfahren, und Gott weiß doch, dass ich unschuldig bin.
      Ende Mai 1793

    3. Ich beschwöre Ew. Majestät bei allem, was Ihnen das Liebste auf Erden ist, mir nicht mehr solche Briefe zu schreiben und sie mir nicht mehr in so äußerst gewager Weise zustellen zu wollen.
      Anfang Juni 1793

    4. Ich beschwöre Ew. Majestät kniefällig, mir solche Briefe nicht mehr zu schreiben. Nein, nein, ich darf diese Geständnisse nicht anhören. Wollen mir Ew. Majestät Ihr Wohlwollen nicht entziehen, andere Empfindungen darf ich weder hören noch erwidern, denn ich bin in Wahrheit nicht frei. Allerdings: aus rasender Eifersucht und aufgehetzt von gewisser Seite, hat jener junge Mann, zulezt noch bestimmt durch den Ball von Darmstadt, ganz unglaubliche Schritte unternommen, um jenes Band zu lösen, durch das er mir seit Jahren verbunden war und das mir selber immer heilig war und es auch bleiben wird. Er hat mich in der öffentlichen Meinung vernichtet und fast alle meine Freunde haben mich verlassen – das ist mein Schicksal. Ich danke Gott, dass ich unschuldig daran bin, aber es ist so.
      zweite Julihälfte 1793

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